|
Konzeptionsentwurf
(Stand 22. 03. 2000):
Der Kirchenvorstand
der ev. Kirchengemeinde Eysölden hat sich Ende 1998 dazu entschlossen, eine behindertengerechte
Wohnanlage in Eysölden zu erstellen. Das ganze Vorhaben steht unter dem Leitbegriff
"Diakonie vor Ort"
Die Grundsätze aus den
"Perspektiven und Schwerpunkte kirchlicher Arbeit in den nächsten Jahren",
(Verabschiedet von den kirchenleitenden Organen: Landesbischof, Landessynode, Landessynodalausschuß,
Landeskirchenrat) wollen wir auf diese Weise in unserer Kirchengemeinde verwirklichen.
Dort heißt es:
"Wir wollen belasteten, körperlich und seelisch kranken Menschen in Krisen,
Konflikten und Nöten des Lebens zur Seite stehen und mit ihnen nach Lösungsmöglichkeiten
suchen. Der Dienst an den Nächsten geschieht als Hilfe von Mensch zu Mensch, in
den Kirchengemeinden ... Wir haben den Auftrag, uns an den Rand gedrängter Gruppen
und ausgegrenzter Menschen jeden Geschlechts, aller Altersstufen, aller gesellschaftlicher
Schichten und Nationalitäten barmherzig und gerecht anzunehmen."
Besonders unter dem Gesichtspunkt der Integration von behinderten Menschen oder der
Gefahr der Separation nach einem Unfall von Mitgliedern der Gemeinschaft ist es wichtig,
das Wohnen als integrierenden Bestandteil eines Konzepts zu verstehen: miteinander
zu leben und zu wohnen.
Bei der Entwicklung von Angeboten sollte, nach den "Grundsätzen und Leitzielen
diakonischer Einrichtungen", in stärkerem Maße das Prinzip der Regionalisierung
forciert werden. Die Regionalisierung ermöglicht den Menschen mit Behinderung
in seiner kirchlichen und politischen Gemeinde verwurzelt zu bleiben. Dies wollen wir
durch diese Wohnanlage und dem direkt angebauten, von der Kirchengemeinde genutzten,
Kommunikationsraum ermöglichen.
Die heimatliche Gemeinschaft ist gleichzeitig durch die Nähe herausgefordert und
kann ihre Verantwortung gegenüber den Menschen mit Behinderung leichter wahrnehmen.
Die Grundidee der Wohnanlage trägt diesen Punkten Rechnung durch
eine barrierefreie und wohnliche Architektur,
das Angebot persönlicher und kontaktfördernder Hilfen und
die regelmäßige Nutzung des Kommunikationsraumes durch die Kirchengemeinde.
Es gibt einen Kommunikationsraum (Begegnungszentrum), der im Besitz der Kirchengemeinde
bleibt, und den die verschiedenen Gruppen und Kreise der Kirchengemeinde nutzen können
(sollen). Dieser Raum der Begegnung ist wichtigster Bestandteil der Konzeption der
Wohnanlage.
Wir haben vor, zunächst vier Wohnungen zu bauen. Neben Menschen mit Körperbehinderung
sollen diese Wohnungen auch für ältere Gemeindeglieder offen stehen.
Die Trägerschaft für dieses Haus übernimmt der Evang.-Luth. Gemeindeverein
Eysölden. Den Bau führt die Kirchengemeinde Eysölden durch.
Mit den Käufern wird ein Vertrag geschlossen, in dem geregelt wird, wer in den
Wohnungen wohnen kann. Vermietungen werden über den Gemeindeverein abgewickelt.
Damit wird sichergestellt, dass nur der Konzeption des Hauses entsprechende Bewohner
einziehen.
Folgende Grundleistungen sollen in der Wohnanlage angeboten werden:
Vermittlung von Pflegediensten (Caritas, Diakonie, BRK ect.) und von Heilmaßnahmen
Vermittlung von hauswirtschaftlichen Hilfen und Fahrdiensten (z. B. über OBA der
Regens-Wagner in Hilpoltstein)
Vermittlung der Essensversorgung (evtl. Zell oder AWO)
Hilfen bei Antragsstellung und Behördengängen
Vermittlung von Wäschepflegediensten (z. B. Zell)
Vermittlung einer Notrufeinrichtung (BRK)
Unterstützung bei der Wohnungsvermittlung (z. B. Nachmieter)
Organisation der technischen Hausinstandhaltung und der Hausordnung (Hausmeister)
Enge Anbindung an Aktivitäten der Evang. Kirchengemeinde Eysölden durch den
Rundbau, der in Besitz der Kirchengemeinde oder des Gemeindevereines bleibt. Er wird
als Gemeinderaum (Treffen der versch. Gruppen und Kreise) genützt.
Dies ist Kernpunkt des Konzeptes der behindertengerechten Wohnanlage
Wahlleistungen:
Die Bewohner sollen nach ihrem individuellen Bedürfnissen Unterstützung erhalten.
Die Kirchengemeinde versucht diese Wahlleistungen zu organisieren oder selbst abzudecken.
Vertragsgestaltung:
Mit den Eigentümern soll über Grundleistungen und Wahlleistungen ein Vertrag
abgeschlossen werden um beiderseits Transparenz zu schaffen.
Noch abzuklären
ist:
Einbindung in das Versorgungssystem
Evtl. genaue Darstellung des fachlichen Angebots
Kostenfinanzierung (Kostendeckender Betrieb sollte möglich sein)

"Diakonie vor
Ort" in Eysölden
Unter diesem Leitsatz
hat sich der Kirchenvorstand 1998 entschlossen, ein Projekt zu starten, das wohl einmalig
in der Eysöldener Kirchengeschichte sein dürfte. Ziel ist es, körperlich
behinderten Gemeindemitgliedern ein Weiterleben in der Gemeinde zu ermöglichen
und sie aktiv in das vielfältige Leben unserer Gemeinschaft einzubinden.
So entstand das Konzept einer Wohnanlage, die optimal für Menschen mit Behinderung
geeignet sein und zugleich neuen Raum für die Aktivitäten unserer Kirchengemeinde
schaffen sollte. Bereits heute wird der Pfarrstadel wochentags durchgehend genutzt,
und es besteht keine Möglichkeit, ihn baulich zu erweitern.
Die Erstellung eines neuen Bauwerks war nur möglich, weil in der Gemeinde ausreichend
Rücklagen vorhanden waren. Denn ein Zuschuß war aufgrund der angespannten
finanziellen Lage der Landeskirche nicht zu erwarten. Durch den Verkauf der Wohnungen
und Eigenleistung der Gemeinde sollte der Rundbau finanziert werden. Die Wohnungen
wurden den Käufern zu einem Festpreis angeboten. Bisher konnten drei Wohnungen
verkauft werden. Für die vierte suchen wir noch einen Käufer.
Im Mai 1999 - nach vielen Gesprächen mit Behörden, Architekten, Grundstückseigentümern
und potentiellen Käufern der Wohnungen - war es dann soweit: Mit Elan wurde der
erste Spatenstich gesetzt, in dem Bewußtsein, daß noch viel Arbeit vor
uns liegen würde. Die Grundsteinlegung folgte am 8. August.
Zwischenzeitlich hat sich viel getan. Die Wohnungen und der Gemeindetreff sind fertiggestellt.
Trotz mancher Mithilfe aus der Gemeinde, für die wir an dieser Stelle noch einmal
herzlich danken, mußten viele Rohbauarbeiten an Firmen vergeben werden. Dadurch
ist unser finanzieller Spielraum für die Gestaltung des Rundbaus erheblich eingeschränkt
worden. Insbesondere möchten wir an dieser Stelle unserem Bauleiter, Heinz Schermeyer,
bedanken, der mit viel Engagement und Fachwissen ehrenamtlich den Bau am Laufen hielt.
Drei der Wohnungen sind
bewohnt. Der Betrieb im Gemeindetreff ist aufgenommen. Es gilt aber weiterhin mit Ideen
und Tatkraft diesen Raum mit Leben zu füllen:
Wir wünschen uns sehr, daß die Gemeinde dieses Projekt mit Wort, Tat und
Gebet unterstützt.
Es liegt uns nämlich sehr am Herzen, daß dieses Bauwerk ein Segen für
die ganze Gemeinde wird.
Der Ausschuß "Haus der Diakonie" |