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Gebt
unserem Gott die Ehre!
Wenn ich, o Schöpfer,
deine Macht,
die Weisheit deiner Wege,
die Liebe, die für alle wacht,
anbetend überlege:
so weiß ich, von Bewundrung
voll,
nicht, wie ich dich erheben soll,
mein Gott, mein Herr und Vater!
(EG 506)

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Liebe Freunde unserer
Kirchengemeinde Eysölden im "Netz"!
Nur an zwei Sonntagen
im Kirchenjahr liegt das besondere Augenmerk auf dem ersten Glaubensartikel, dem Bekenntnis
zu Gott, dem Schöpfer: am Erntedankfest, das immer am Sonntag nach dem Michaelistag,
29. September, gefeiert wird (heuer am 3. Oktober), und am 3. Sonntag nach Ostern,
dem Sonntag Jubilate, wo der Schöpfungsbericht aus dem 1. Buch Mose als alttestamentliche
Lesung vorgesehen ist.
Die Schöpfung ist
ein wunderbarer Weg. Am Anfang steht das Tohuwabohu ("wüst und leer"),
ein von Finsternis beherrschter Abgrund. In dieses Chaos tritt Ordnung. In sechs Tagen
geht Gott einen Weg der Schöpfung, und alles wird Gestalt nach seinem Plan.
Die Schöpfung der
Welt hat aber auch ein wunderbares Ziel: die Vollendung am siebten Tag. Die sechs Tage
des Weges und der Sabbat sind eine Schöpfung. Der Weg wird sinnvoll, weil er ein
Ziel hat. Das Ziel wird sinnvoll, weil es einen Weg dahin gibt.
"Ich glaube an
Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde." Mit diesem "Credo"
(lateinisch: "ich glaube") des Apostolischen Glaubensbekenntnisses haben
die Christen aller Zeiten wie mit einem Paukenschlag einen Maßstab gesetzt: Gott
ist das Maß aller Dinge, denn er ist der Schöpfer der ganzen Welt.
Als Herr und Meister
der Natur (René Descartes) wollte der Mensch sich selbst zum Maßstab aller
Dinge erheben. Der Mensch machte Gott seinen Rang streitig. Die Folgen dieses sündigen
Verhaltens sehen wir nicht zuletzt in der Umweltzerstörung und in der sich abzeichnenden
Klimakatastrophe.
Eyjafjallajökull
- nichts weiter als der Name eines isländischen Vulkans. Doch dieser Name ist
zum Symbol geworden. War es doch seine Aschewolke, die Mitte April den Flugverkehr
in fast ganz Europa zum Erliegen gebracht hat, eine bis dahin beispiellose Beeinträchtigung
des Luftverkehrs infolge eines Naturereignisses. Hat dies nicht auf dramatische Weise
dem Menschen die Grenzen von Machbarkeit und Kontrolle aufgezeigt?
Es täte uns gut,
wenn wir endlich zu der Einsicht kämen: Der Mensch ist nicht das Maß aller
Dinge. Wir sind in all unserem Tun und Lassen ein Teil der lebendigen Natur. Wir verheben
uns, wenn wir die großen Rhythmen der Natur umgestalten wollen. Nicht der große
technische Fortschritt ist das Problem und das große Wissen, das die Menschheit
angesammelt hat, sondern die fehlende Weisheit des Menschen im Umgang mit seinen Fähigkeiten.
Unser Glaube an Gott
den Schöpfer verleiht der Natur eine ganz besondere Würde. Denn der, der
den Kosmos geschaffen hat, durchwaltet ihn auch. Er steht über der Schöpfung
- und ist doch zugleich in allem Geschaffenen zu finden und zu erspüren. Nicht
so, dass Gott eins wäre mit dem Geschaffenen, aber doch so, dass jemand, der seine
Sinne dafür geschärft hat, überall Gottes Spuren feststellen kann. Ein
Mensch, der das gläubig erkennt, kann nur mit dem Liederdichter Christian Fürchtegott
Gellert (1715-1769) bekennen (Gesangbuch, Nr. 506):
Wenn ich, o Schöpfer,
deine Macht,
die Weisheit deiner
Wege,
die Liebe, die für
alle wacht,
anbetend überlege:
so weiß ich,
von Bewundrung voll,
nicht, wie ich dich
erheben soll,
mein Gott, mein
Herr und Vater!
Freilich, auch die
Natur seufzt, so wie wir Menschen, nach Erlösung und Befreiung. Sie "harrt
ängstlich" darauf, "dass die Kinder Gottes offenbar werden" (Römer
8, 19) und Gottes großer Tag anbricht.
Der Mensch ist ein Sonderfall
der Schöpfung Gottes. Er gehört in sie hinein, steht ihr aber zugleich gegenüber.
Er trägt für das Geschaffene Verantwortung. Das ist eine besondere Auszeichnung,
die Gott dem Menschen gegeben hat: Er hat die Aufgabe, pfleglich mit der Natur umzugehen
und sie in Gottes Sinn zu bebauen und zu bewahren (1. Mose 2, 15).
Die Nachrichten vom
bevorstehenden Klimawandel auf unserer Erde haben uns erschüttert. Wir werden
jedoch dem meteorologischen Klimawandel nur begegnen können, wenn ein geistlicher
Klimawandel mit ihm Schritt hält: Gebt unserm Gott die Ehre!
Herzlichst,
Ihr Pfarrer Thomas Lorenz
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