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Thema: "Freude steckt an"

Es gilt das gesprochene Wort!

Eigentlich müßte das mit der
Freude doch eine ganz einfache Sache sein! Wenn man sich beispielsweise Werbeanzeigen
oder Werbespots ansieht, dann gibt es da fast nur fröhliche Menschen, Menschen,
die übers ganze Gesicht strahlen, die einfach glücklich sind. Aber wenn man
sich dann beispielsweise Menschen ansieht, die in einer Fußgängerzone unterwegs
sind und sich nicht beobachtet fühlen, dann zeigt sich ein anderes Bild. Von "immer
nur lächeln, immer vergnügt" ist da oft wenig zu sehen.
Wir alle kennen die klugen Sprüche wie: "Ein Lächeln kostet nichts und
bewirkt viel." Solche Weisheiten können auch ganz "wissenschaftlich"
daherkommen, womöglich mit Statistiken untermauert. Etwa: Menschen, die gerne
lachen, leben länger. Dabei steht das schon längst in der Bibel (Sir 30,23)!
Zunächst ist es wichtig, hier nicht alles zu vermischen: Worte wie "lachen",
"lächeln", "fröhlich" und "Freude" gehören
zwar alle in denselben Bereich, sie sind aber nicht einfach austauschbar.
Das, was nach außen sichtbar ist, muß nicht unbedingt dem entsprechen,
wie es in einem Menschen aussieht. Fröhlichkeit kann durchaus eine Maske sein,
die alles verdeckt, was zu dieser nicht zu passen scheint.
Ganz sicher gibt es Menschen, die von ihrem Wesen einfach positiv eingestellt sind.
Menschen, die sagen, ein Glas sei "halbvoll" werden in der Regel eher eine
positive, fröhliche Stimmung verbreiten als diejenigen, für die das Glas
"halbleer" ist.
Alles also nur eine Frage der Einstellung? Alles nur eine Frage des Typs?
Und wie steht es mit den Christen? Sind sie in dieser Hinsicht ein Vorbild? Spürt
man ihnen etwas ab von einer Freude, die nicht zerstört werden kann? Oder blicken
sie mehr sauertöpfisch und griesgrämig in die Landschaft? Ist es vielleicht
so, wie es in einem alten frommen Schlager einmal hieß: "Wir Christen sind
zwar fröhlich, wir zeigen's bloß nicht so ...!"?!
Wenn wir uns auf Spurensuche in der Bibel machen, dann finden wir dort viel zu unserem
Thema. So stellt schon der weise König Salomo fest: "Ein fröhliches
Herz macht ein fröhliches Angesicht; aber wenn das Herz bekümmert ist, entfällt
auch der Mut" (Spr 15,13). Hier ist die Rede von einer Freude, die von innen,
aus dem Herzen kommt. Das Herz ist in der Bibel ja das Organ, das unser ganzes Fühlen,
Denken und Reden bestimmt. Da steckt eine tiefe Wahrheit drin: Unser Herz wird nicht
dadurch fröhlich, daß wir ein fröhliches Angesicht "machen",
das heißt doch: daß wir ein "keep smiling"-Gesicht "aufsetzen".
Es ist vielmehr umgekehrt: Wenn unser Herz fröhlich ist, wenn wir tief im Inneren
von Freude erfüllt sind, dann kann man das auch an unserem Gesicht ablesen.
Wie aber bekommt man ein fröhliches Herz? Wie entsteht solche Freude von innen?
Die Bibel läßt keinen Zweifel daran, daß echte Freude nur eine einzige
Quelle haben kann: nämlich den lebendigen Gott. Vor ihm ist "Freude die Fülle
und Wonne zu seiner Rechten ewiglich" (Ps 16,11). Das heißt doch: In der
Nähe Gottes, in seiner Umgebung, bei ihm herrscht Freude, ungetrübte Freude.
Gott selber erinnert uns in seinem Wort immer wieder an diese Tatsache: "Die Freude
am HERRN ist eure Stärke" (Neh 8,10), ruft Nehemia den entmutigten Israeliten
beim Wiederaufbau der zerstörten Stadt Jerusalem und des Tempels zu. Und Paulus
kann die Christen in Philippi sogar zur Freude auffordern, wie wir es vorhin der Lesung
gehört haben: "Freut euch in dem Herrn allezeit!" (Phil 4,4)
Auch Jesus war kein Freund von Traurigkeit. Er hat vorgelebt, was es heißt, in
Freude zu leben, nicht in oberflächlicher Freude, sondern in der Freude, die aus
der Verbindung mit seinem himmlischen Vater kommt. Jesus hat auch gerne gefeiert. Es
ist wohl auch kein Zufall, daß er sein erstes Wunder auf einer Familienfeier
getan hat, auf einer Hochzeit in Kana. So kann es auch kaum verwundern, daß er
immer wieder und in verschiedenen Zusammenhängen von der Freude spricht. So sagt
er etwa: "Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe, wie ich
meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe. Das sage ich euch, damit meine
Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde" (Joh 15,10f).
Echte Freude stellt sich ein, wenn ein Mensch zurückfindet zu Gott. Da feiern
die Engel im Himmel eine Riesen-Fete. Denn eine größere Freude kann es nicht
geben als die, daß ein Mensch aus seiner Verlorenheit herausfindet und durch
Jesus Christus wieder in die Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott findet. "Er
zog seine Straße fröhlich" (Apg 8,39) lesen wir von dem äthiopischen
Finanzminister, nachdem dieser zum Glauben an Jesus Christus gefunden und sich hat
taufen lassen. In einem Lied aus den 70er Jahren bringt jemand diese überschwengliche
Freude zum Ausdruck. Da heißt es, und es ist ein Gespräch mit Gott: "Warum
habe ich heute diese Freude? Warum ist um mich alles heut so froh und klar? ... Jetzt
endlich weiß ich, warum ich lebe! Jetzt endlich weiß ich, daß es
dich gibt. Mein ganzes Leben, mein Ziel: Ich wähle dich. Gern will ich gehen auf
deinen Straßen, weil sie mich führen alle zur dir. Ich möchte singen
vor lauter Freude und weiterschenken, was du mir gibst.
Echte Freude stellt sich ein, wenn wir in Übereinstimmung mit der einzigen Quelle
echter Freude, nämlich dem lebendigen Gott, leben. Wenn wir seine Gebote halten,
wenn wir nach seinem Willen fragen und diesen Willen auch gerne tun, dann breitet sich
Freude aus in unserem Leben. Freude, die auch ansteckt. Denn Freude kann man nicht
für sich behalten. Es gehört zum Wesen der Freude, daß sie sich nach
außen Bahn bricht. Oder, wie es schon ein Sprichwort sagt: "Wer Freude erfahren
will, muß teilen, denn sie wurde als Zwilling geboren."
Echte Freude ist mehr als ein Gefühl. Echte Freude ist nicht abhängig von
den Umständen, sondern zieht sich wie ein roter Faden, wie eine Grundmelodie durch
unser Leben. Echte Freude kann es selbst inmitten von ungelösten Problemen, inmitten
von unbeantworteten Fragen, inmitten von schwierigen Entscheidungen geben!
Nun sind wir aber natürlich nüchtern genug, um zu sehen und zu merken, daß
die Freude sich nicht so einfach ausbreitet, wie wir es uns vielleicht wünschen
würden. Woran kann das liegen?
Es gibt ganz offensichtlich eine ganze Reihe von Dingen in unserem Leben, die es verhindern,
daß die Freude sich ausbreiten kann in uns und um uns herum. Als "Freudeblocker"
möchte ich diese Dinge einmal bezeichnen. Wenn die Blockade weg ist, wird überhaupt
erst der Weg frei zu neuer echter Freude.
Ich nenne einmal ein paar davon.
Da wäre vielleicht zuerst die Sorge zu nennen. "Sorge im Herzen bedrückt
den Menschen" (Spr 12,25), lesen wir in der Bibel. Freude wird sich dann einstellen,
wenn wir Sorgen abgeben können. Keinesfalls sollten wir uns Sorgen um unsere Zukunft
machen, nicht einmal um den morgigen Tag, "denn der morgige Tag wird für
das Seine sorgen. Es ist genug, daß jeder Tag seine eigene Plage hat", sagt
Jesus in der Bergpredigt (Mt 6,34). "Alle eure Sorge werft auf Gott", fordert
uns der Apostel Petrus auf, und er sagt auch, warum wir das dürfen: "...
denn er sorgt für euch" (1. Petr 5,7). Dieses Werfen sollte man sich aber
nicht so einfach vorstellen, wie man einen Ball in die Hand nimmt und ihn wirft. Man
sollte dabei eher an einen Sack Kohlen denken, den man auf einen Anhänger "wirft",
"wuchtet"; das erfordert ganz schöne Anstrengung, und es gelingt vielleicht
gar nicht aufs erste Mal, sondern erst beim zweiten oder dritten Mal. Es gibt Christen,
die haben einen Sorgenübergabevertrag mit Gott geschlossen. Der soll ihnen helfen,
immer wieder daran zu denken, die Sorgen abzugeben, auf Gott zu werfen und nicht mit
sich herumzuschleppen.
Ein weiterer "Freude-Blocker" ist das Sich-Vergleichen mit anderen und der
oft daraus resultierende Neid. STACEY S. PADRICK schrieb einmal: "Unzufriedenheit
und Undankbarkeit sind wie zwei gierige Hände, die den Stöpsel aus der Badewanne
unserer Freude ziehen." Wenn wir uns mit anderen vergleichen und dabei und diese
um ihr größeres Haus, ihr tolleres Auto, ihr attraktiveres Aussehen, ihre
bessere Gesundheit beneiden, dann rauben wir uns selbst die Freude. Denn es kann schon
sein, daß andere etwas haben, was auch ich mir wünsche, aber wenn ich mein
ganzes Vertrauen auf Gott setze, dann darf ich sicher sein, niemals zu kurz zu kommen.
Dankbarkeit ist sozusagen der Wasserzulauf und Zufriedenheit der Stöpsel, der
den Abfluß der Badewanne der Freude verschließt.
Ein weiterer "Freude-Blocker" ist Sünde und Schuld. Sünde trennt
uns von Gott, der ja unser Leben eigentlich zur Entfaltung bringen will. Wenn wir Sünde
mit uns herumschleppen, kann keine echte Freude entstehen, weil der Zugang zur Quelle
der Freude, nämlich Gott, verstopft und blockiert ist. Wir müssen die Sünde
aus unserem Leben herausbringen, um zu echter Freude durchzubrechen. Sünde aber
bringen wir nicht selber weg. Ihre Last ist tonnenschwer, das ist für uns nicht
zu schaffen. Wenn wir aber vor Gott unsere Schuld bekennen, dann nimmt er sie weg,
wie schwer auch immer sie sein mag.
Auch Geschäftigkeit und Streß ist ein "Freude-Blocker". Wenn es
mir nicht mehr gelingt, einen gesunden Rhythmus zwischen Arbeiten und Ausruhen zu finden.
Wenn ich vor lauter Hektik wie mit einem ICE an den "grünen Auen" und
dem "frischen Wasser" vorbeirausche dann lasse ich mir auch die Freude entgehen,
die Gott für mich bereithält. Der schließlich ist er es, der "meine
Seele erquickt", wie es in Psalm 23 heißt. Oft ist mit dem Streß auch
ein Mangel an Schlaf verbunden. "Wer arbeitet, dem ist der Schlaf süß",
diesen Ratschlag des Predigers Salomo (Pred 5,11) sollten auch wir uns zu Herzen nehmen.
Auch wenn die Sorge uns manchmal als der Hauptverdächtige in der Schar der "Freude-Blocker"
erscheint, ist doch der Hauptschuldige ganz oft der Unglaube. Denn auch wenn äußere
Umstände Anlaß zur Sorge geben, wird unsere Freude von dem geprägt,
was wir inmitten dieser Umstände über Gott glauben. Paulus erklärte,
daß er trotz aller Leiden "allezeit fröhlich" sei (2.Kor 6,10).
Bei allem, was Paulus durchgemacht und mitgemacht, durchlitten und durchkämpft
hat, hätte Paulus womöglich der schwermütigste und freudloseste Mensch
des Neuen Testaments sein müssen. Aber er konnte bekennen: "Ich habe überschwengliche
Freude in aller unsrer Bedrängnis" (2.Kor 7,4).
Es gäbe ganz gewiß noch eine ganze Menge weiterer "Freude-Blocker"
zu nennen. Doch auch die "Freude-Blocker" können bei jedem Menschen
ganz verschieden aussehen. Es lohnt sich auf jeden Fall, einmal darüber nachzudenken
und seine eigenen, ganz persönlichen "Freude-Blocker" aufzuspüren.
Wir werden jetzt eine Zeit haben, begleitet von Musik, in der jeder für sich seine
Freude-Blocker aufspüren kann und sie sich von Gott zeigen lassen kann. Bringe
doch diese "Freude-Blocker", deine ganz persönlichen "Freude-Blocker",
im stillen Gebet vor Gott! Gott will Dir deine "Freude-Blocker" wegnehmen,
damit neue Freude in Deinem Leben einziehen kann. Manchem ist es eine Hilfe, das auch
durch eine symbolische Handlung zu unterstützen. Hier in unserem Taufstein liegen
Steine, die unsere "Freude-Blocker" symbolisieren sollen. Ich lade Dich ein,
einen oder mehrere Steine zu nehmen und sie um das Kreuz am Altar zu legen als Zeichen
dafür, daß wir alle unsere "Freude-Blocker" vor Gott bringen dürfen.
Jesus will uns helfen, zu neuer und echter Freude zu kommen, die dann auch Kreise zieht.
Denn: "Freude steckt an".
Amen.

Die Kirchengemeinde
Eysölden wünscht einen gesegneten Sonntag!
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