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Es
gilt das gesprochene Wort!

"Wirklich satt ...?" - diese Frage stellt
sich in der Tat, wenn man sich die verschiedenen Dinge ansieht, von denen sich der
Mensch in unserer kurzen Spielszene Erfüllung für sein Leben verspricht.
Da ist der Bereich der Arbeit, symbolisch dargestellt
durch einen Computer. Wer eine Arbeit hat, die ihm Freude bereitet, in der er nicht
nur seine so Stunden ableistet, daß er am Montag schon fragt, wann endlich Wochenende
ist ... Wer also tatsächlich ein Stück Erfüllung in seinem Beruf findet,
dem wird es kaum schwerfallen, in dieser seiner Arbeit immer mehr aufzugehen. Immer
mehr Zeit am Arbeitsplatz zu verbringen, immer mehr Kraft und Leistung in die Arbeit
zu investieren, Stufe um Stufe auf der Karriereleiter hochzuklettern. Da aber für
alle Menschen dasselbe Maß an Zeit zur Verfügung steht, da ein Bankdirektor
eben genauso wie ein Hilfsarbeiter maximal 24 Stunden am Tag zur Verfügung hat
oder 1.440 Minuten oder 86.400 Sekunden, deshalb wir die Zeit, die man in die eine
Sache investiert, an einer anderen Stelle zwangsläufig fehlen. In der Zeit etwa,
die man für den Ehepartner oder für die Familie hat, in der Zeit, in der
man in der Gemeinde mitarbeiten kann. Und "wirklich satt" kann uns Arbeit
nicht machen. Ein Stück Erfüllung, ja, das mögen wir darin finden, aber
Sinn, Geborgenheit ...?
Ich kann es mir in diesem Zusammenhang nicht verkneifen,
ein Wort zu einem in der Politik heißdiskutierten Thema zu sagen. Ich möchte
nämlich ein dickes Fragezeichen hinter die beifallheischenden Pläne vieler
Politiker setzen, die Ganztagsbetreuung und Ganztagsschulen weiter auszubauen und darin
"das Heil", die Lösung der Probleme unserer Gesellschaft, zu suchen.
Ich behaupte: Diese Pläne bringen neue Probleme hervor und verschärfen die
bereits bestehenden. Was soll damit gewonnen sein, daß Kinder "untergebracht"
sind? Wann durchschauen wir endlich diese kinderfeindliche Ideologie der Ganztagsbetreuung,
die alle großen Reden von der kinderfreundlichen Gesellschaft, die wir brauchen,
Lügen straft? Kinder brauchen nicht irgendeine Betreuung, sondern sie brauchen
ihre Mutter, und sie brauchen ihren Vater. Es kann doch nicht sein, daß man Kinder
"in die Welt setzt" und sie dann ganztägig in fremde Obhut gibt, damit
man weiter sich im Beruf verwirklichen kann. Wir Menschen sind Beziehungswesen - und
die Beziehung von Kindern zu ihren Eltern ist kein bloßer Zufall, sondern von
Gott selbst, der sich uns ausgedacht und gemacht hat, so gewollt! -, und es wird sich
rächen, wenn wir meinen, die familiäre Beziehung von Kindern zu Eltern aus
praktischen oder sonstigen Gründen einfach durch andere ersetzen zu können.
Beziehung - damit sind wir beim zweiten Bereich, der
in dem Anspiel vorkam, einer bestimmten Art von Beziehung: die Beziehung zwischen Mann
und Frau. Stichwort: "Liebe". Aber trifft dieses Stichwort überhaupt
die Sache? Ich möchte hier gar nicht erst von den in unserer Gesellschaft längst
salonfähigen "wilden Ehen", von den ständig wechselnden Beziehungen,
verharmlosend "Lebensabschnittspartnerschaften" genannt. Daß dies alles
Gottes gutem Willen für unser Leben nicht entspricht und daß dies alles
auch nicht als "Liebe" bezeichnet werden kann, sollte uns klar sein, ist
aber heute nicht unser Thema.
Ich denke hier durchaus an Liebe, an eine feste Beziehung,
eine auf lebenslange Liebe und Treue angelegte Ehe zwischen Mann und Frau. Doch kann
menschliche Liebe uns wirklich satt machen? Einer der Gründe (ganz sicher nicht
der einzige!), warum Beziehungen heute wesentlich häufiger in die Brüche
gehen und Ehen geschieden werden, ist das Anspruchsdenken der Partner. So mancher geht
mit dem Vorsatz in die Ehe, den anderen so lange zu "bearbeiten" und umzuerziehen,
bis er so ist, wie er seinen Wunschvorstellungen entspricht, und wenn nicht, und wenn
der Partner seinen Vorstellungen partout nicht genügen will, dann trenne ich mich
eben von ihm. Versorgt sind ja beide, und das mit den Kindern, das kriegen wir schon
irgendwie hin ... Das Problem liegt letztlich darin, daß ich von meinem Partner
etwas erwarte, was er mir gar nicht geben kann. Meine tiefste Sehnsucht, mein innerstes
Verlangen nach Sinn des Lebens, nach Wertschätzung, Annahme, Geborgenheit kann
ein Ehepartner nicht voll und ganz stillen, sondern nur Gott! Wer an seinen Ehepartner
mit Erwartungen herantritt, die dieser gar nicht erfüllen kann, dessen Ehe ist
in großer Gefahr, weil die ungestillte Sehnsucht immer mehr Frustrationen hervorrufen
wird. Menschliche Beziehungen, auch Liebe kann uns letztlich nicht "wirklich satt"
machen.
Sattheit für sein Leben verspricht sich mancher
von der "Leidenschaft Auto". Mindestens wöchentlich wird das Gefährt
gewaschen und gepflegt, poliert. Autozubehör gibt es in Hülle und Fülle:
da ein Spoiler, dort ein Überrollbügel, Alufelgen - na klar! Und dann wird
gespart und geträumt, vielleicht steht irgendwann das Traumauto vor der Tür.
Im Lotto kann man es ja schließlich auch gewinnen. Eine kleine Unaufmerksamkeit,
und schon hat das stolze Fahrzeug nur noch Schrottwert. Gut, wenn der Fahrer nur ein
paar Schrammen abgekriegt hat! So ein Auto kann schon eine große Faszination
ausüben. Allein das Gefühl, einmal alles unter Kontrolle haben zu können,
Herr über diese Maschine sein zu können, das hat was! Und was für den
einen das Auto ist, das ist für manchen anderen das Motorrad. Aber kann ein Auto
wirklich meinen Lebenshunger stillen, kann ein Auto mir das Gefühl eines erfüllten
Lebens geben ...?
Ein Haus bauen, die eigenen vier Wände - für
viele heute ein großes Lebensziel. Dabei hat das eigene Haus neben dem Prestige,
das dadurch zum Ausdruck kommt, auch eine symbolische Bedeutung. Haus, das ist einfach
der ganze Lebensraum, in dem wir uns bewegen, der Ort, an dem wir unser Leben führen.
Davon wußte die Bibel schon vor vielen Hunderten von Jahren, was nun auch in
der modernen Psychologie neu erkannt wird. So bemerkt etwa die Psychologin Verena Kast:
"Das Haus ist ... auch das Gefäß für das Leben überhaupt
und hat dadurch eine Bedeutung, die weit über das profane [= herkömmliche]
Wohnen hinausgeht ... Häuser spiegeln unser Wesen." So steht das Haus gleichsam
wie ein Ursymbol für Heimat und Leben. Für das eigene Haus investiert so
mancher unendlich viel an Kraft, an Energie, an Zeit und an Geld. Und wenn das Häuschen
fertig ist, dann muß es weiter versorgt werden, unterhalten und "in Schuß"
gehalten werden. Echte Lebenserfüllung aber können wir uns von keinem Haus
erwarten, auch nicht von der schönsten und größten Luxusvilla. Es bleibt
das Gefühl der Leere zurück.
Dieses Gefühl können auch Reisen nicht wegnehmen,
allenfalls verdrängen, unterdrücken oder übertünchen. Denn wenn
man unterwegs ist von einem Traumziel zum nächsten, dann kommt man gar nicht dazu,
wirklich nachzudenken über sein Leben. Was aber, wenn das Reisen nicht mehr möglich
ist, weil die Gesundheit nicht mitspielt? Dann erst zeigt sich, ob in solchen Unternehmungen
echte Erfüllung zu finden war.
Die fünf Beispiele - Arbeit, Liebe, Auto, Haus,
Reisen - könnten beliebig vermehrt werden, aber sie sollen stellvertretend auch
für die vielen anderen Versuche stehen, für unser Leben Erfüllung zu
bringen. In jedem Lebensalter mögen es auch andere Bereiche sein, von denen man
sich wirkliche Sättigung, Sinn des Lebens verspricht.
Aber es kann nicht funktionieren. Wir werden dadurch
niemals "wirklich satt" werden!
Jesus sagt: "Ich bin das Brot des Lebens. Keiner,
der zu mir kommt, wird jemals wieder Hunger leiden, und niemand, der an mich glaubt,
wird jemals wieder Durst haben" (Joh 6,35 HfA).
Daß hier von einem anderen Hunger und Durst die
Rede ist, liegt auf der Hand. Denn solange wir hier auf der Erde leben, brauchen wir
Essen und Trinken, müssen wir immer wieder unseren Hunger und Durst stillen. Wenn
nun Jesus hier sagt, daß, wer zu ihm kommt, "niemals mehr Hunger haben wird",
und, wer an ihn glaubt, "niemals mehr Durst haben wird", dann kann er damit
nicht den körperlichen Hunger meinen.
Nein, was Jesus hier meint, das ist unser "Lebenshunger",
unser Hunger nach echtem, nach erfülltem Leben, unsere Sehnsucht nach dem Sinn
des Lebens. Und diese, so behauptet Jesus, kann nur Er stillen. Er gibt uns das, was
wir für unser Leben wirklich brauchen: Annahme, Wertschätzung, Geborgenheit,
Liebe, Zukunft. Und das alles in einem Maß, wie es kein Mensch auf dieser Welt
uns bieten kann. In Hülle und Fülle. Jesus will uns "Leben und volle
Genüge" geben (Joh 10,10). Er ist es, der machen kann, daß wir "in
allen Dingen allezeit volle Genüge haben" (2. Kor 9,8). Dieses Leben in Hülle
und Fülle bekommen wir durch Jesus, durch den Glauben an ihn, indem wir ihn einladen
in unser Leben, indem wir ihm unsere leeren Hände hinhalten, damit er sie uns
füllen kann, indem wir unsere Abhängigkeit von ihm als Glück bezeichnen,
wie HERMANN BEZZEL einmal "Frömmigkeit" definiert hat.
Dann sind wir "wirklich satt"!
Amen.

Die Kirchengemeinde
Eysölden wünscht eine gesegnete Woche!
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