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Themenpredigt: "Trau,
schau - wem?"

Es
gilt das gesprochene Wort!

In Band 11 des DUDEN über "Redewendungen
und sprichwörtliche Redensarten" steht bei der Wendung "trau, schau,
wem" als Erklärung: "vertraue anderen nicht leichtfertig" und als
ein Beispielsatz: "Der Kerl ist mit meinen ganzen Ersparnissen abgehauen! - Tja,
trau, schau, wem!"
Wie ist das denn mit dem Vertrauen? Die Psychologen reden davon, daß der Mensch
ein Urvertrauen habe, das es ihm überhaupt erst ermögliche, sein Leben zu
führen. Wollen wir es uns ein wenig näher anschauen.
Als der Jung-Feuerwehrler Manuel sich von der Empore abseilte, konnte er das nur, weil
er volles Vertrauen hatte zu seinen Feuerwehr-Kameraden und zum Kommandanten, volles
Vertrauen auch in das Seil, daß es nicht reißt und in die Leiter, daß
sie nicht bricht. In der Tat: Die ganze Aktion war in vielerlei Hinsicht abgesichert:
An beiden Enden der Leiter stand je ein Feuerwehrler, der die Leiter hielt. Er sorgte
dafür, daß die Leiter nicht abrutschte, auch eine Anti-Rutsch-Folie trug
mit zur Sicherheit bei. Das eigentliche Seil, an dem sich Manuel von oben herunterließ,
wurde von zwei Kameraden gehalten. Außerdem gab es noch ein zweites Sicherungsseil,
das der Kommandant hielt. Manuel hat sich dieses Abseilen zugetraut, weil er wußte:
Auf meine Kameraden in der Feuerwehr und auf das verwendete Material ist Verlaß.
Ich kann ihnen vertrauen.
Ja, Vertrauen, das ist eine ganz alltägliche Angelegenheit. Ich vertraue mich
und mein Leben jemandem an. Da wäre der Arzt, der Apotheker, der Busfahrer, die
Handwerker, die ich arbeiten lasse, zum Beispiel mein Haus habe bauen lassen usw. Wir
denken in der Regel überhaupt nicht darüber nach, wie stark wir uns tagtäglich
an andere ausliefern. Jedesmal, wenn ich mich in ein Auto setze, liefere ich mich aus:
an den Fahrer, oder, wenn ich selber fahre, an den Konstrukteur des Autos, die Mechaniker
der Reparaturwerkstatt und an die anderen Autofahrer, denen ich begegne und die mit
mir unterwegs sind. Jedesmal, wenn ich ich auf einen Stuhl setze, vertraue ich darauf,
daß er mich aushalten wird. Jedesmal, wenn ich einen Raum betrete, tue ich das
in dem Glauben, daß die Decke des Raumes nicht einstürzen wird. Es gibt
keinen Menschen, der nicht vertraut, der "gar nichts" glaubt. Und das muß
so sein. Ohne Glauben würden wir "durchdrehen". Ich muß mich zum
Beispiel auch in hohem Maß auf mich selbst verlassen können. (Bist du zum
Beispiel sicher, daß du, während du hier im "Leben live" bist,
deine Herdplatte in der Küche ausgeschaltet hast?).
Wir können nicht alles nachprüfen. Wir wären lebensunfähig, wenn
wir, von ständigen Vergewisserungszwängen geplagt, alles nachprüfen
wollten, was wir nachprüfen können. Wir würden uns früh nicht mehr
aus dem Bett trauen - und auch dann entkämen wir dem Glauben nicht. In diesem
Fall wäre eben das Bett und die Statik des Zimmers, in dem sich das Bett befindet,
Gegenstand unseres Vertrauens.
Die eben genannten Beispiele beziehen sich samt und sonders auf etwas, was wir - zumindest
prinzipiell - nachprüfen können. Wir können nachschauen, ob wir die
Herdplatte ausgeschaltet haben. Wir können uns vom Busfahrer den Führerschein
zeigen lassen (was auch wieder Ausdruck des Vertrauens in die Echtheit und die Aussagekraft
eines solchen Papiers wäre), wir können das von der Reparatur gekommene Auto
von einem zweiten Fachmann durchchecken lassen, wir können die Milch, die wir
kaufen, auf ihren eventuellen Giftgehalt hin chemisch analysieren lassen (man weiß
ja nie, ob der "Milchmann" nicht ein geistesgestörter Massenmörder
ist).
Die Sache verschärft sich, wenn es um Dinge geht, die wir nicht nachprüfen
können. Wir alle leben viel mehr von diesen reinen Glaubensdingen als von dem,
was wir nachprüfen können. Nachprüfbar ist immer nur das Vordergründige,
Materielle. Aber zum Beispiel alle Werte, alle Ziele und Ideale, jedes Warum und Wozu
und alles Zusammenleben sind dem Nachprüfbaren entzogen: Sie sind Glaubensgegenstände.
Wer sagt beispielsweise Lehrern und Eltern, daß die Art, wie an unseren Schulen
unterrichtet wird, Menschen wirklich vorbereitet auf ihr späteres Leben? Wer sagt
uns, daß unser Rechtssystem richtig ist? Wer sagt den Politikern, den Ärzten,
den Wirtschaftsexperten und den vielen anderen, daß sie mit der Welt und den
Menschen so umgehen dürfen, wie sie es tun? Wer sagt uns, daß wir mit unserem
Leben, unserem Körper, unserer Freizeit, unserem Ehepartner und unserem Geld so
umgehen dürfen, wie wir es tun? Die Antwort lautet immer: Wir - oder die Betreffenden
- glauben es eben so. Und dieser Glaube kann wahr oder falsch sein.
Vertrauen, Glaube ist ein Risiko: Ich setze mich immer in gewisser Weise selbst aufs
Spiel, wenn ich glaube. Wie gesagt, ein alltägliches Risiko: Ich verlasse mich
auf andere, und andere verlassen sich auf mich.
Gleichzeitig aber gilt: Nicht: Hauptsache, der Mensch hat irgendeinen Arzt, sondern
er braucht einen guten Arzt! Nicht: Hauptsache, der Mensch hat irgendwelche Ziele und
Ideale, sondern er braucht gute Ziele und Ideale! Nicht: Hauptsache, der Mensch hat
irgendeinen Halt, sondern der Halt muß auch halten!
Glauben im Sinne der Bibel heißt Vertrauen. Doch auch hier gilt: Wir sollen nicht
"vertrauensselig" sein, daß wir leichtfertig unser Vertrauen "verschenken".
"Trau, schau, wem?" mag womöglich nicht der schlechteste Rat sein, wenn
es darum geht, uns vor unliebsamen Überraschungen mit fremden Menschen zu schützen.
Aber wenn es um Gott geht, ist dieser Spruch nicht angebracht. Denn Gott steht zu uns,
er liebt uns, er wendet sich uns zu, er kümmert sich und interessiert sich für
uns. Wir sind ihm nicht gleichgültig. Deshalb können wir ihm vertrauen. Und
deshalb erwartet er unser Vertrauen.
Das Vertrauen, daß Gott mich geschaffen hat und mich liebt. ... daß er
den Sinn des Lebens kennt und nur durch ein Leben mit ihm mein Leben den Sinn und das
Ziel bekommt, das es von Gott her haben soll. ... daß er mich durch mein Leben
führen will und daß das, was er will oder zuläßt, das Beste für
mich ist.
Gott wartet auf unser Vertrauen, er wartet auf unser Ja zu ihm. Er hat schon lange
ja zu uns gesagt, aber er wartet auf unsere Antwort, er wartet darauf, daß wir
seine ausgestreckte Hand ergreifen. Das heißt: Wir sind vor eine Entscheidung
gestellt.
Wenn wir dieses "Ja" in unserem Leben bereits gesprochen haben, dann wissen
wir, daß dies keine einmalige Sache ist, sondern immer wieder erneuert werden
muß. Aber es muß auch ein "erstes Mal" geben, an dem ich bewußt
ja sage und Gott mein Vertrauen ausspreche.
Wenn es einen gibt, dem ich mein grenzenloses Vertrauen schenken kann, dann ist es
der lebendige Gott. Er ist absolut vertrauenswürdig und wert, daß ich ihm
mein Vertrauen schenke.
Gott spreche ich mein Vertrauen aus, indem ich mit ihm rede, indem ich bete. Und so
möchte ich schließen mit einem Gebet von Pfarrer Johannes Hansen, das diese
Antwort auf Gottes Ruf sehr schön zum Ausdruck bringt ...
Herr, ich habe Deinen Ruf an mich gehört
und ich danke Dir, daß Du mich nicht vergessen hast,
obwohl ich Dich oft vergaß und nicht an Dich dachte.
Ich hatte mich von Dir abgewandt und ging meine eigenen Wege, -
Du aber hast mich nicht aufgegeben.
Ich bekenne Dir die Schuld meines Lebens
und die ungezählten Fehler meiner Tage.
Ich bitte, Herr: Vergib mir meine Schuld
und nimm mich wieder als Dein Eigentum an.
Ich danke Dir, Herr, für Dein Sterben am Kreuz
und für die Freiheit von Schuld, Angst und Hoffnungslosigkeit.
Im Vertrauen darauf, daß Du ja zu mir gesagt hast,
antworte ich nun mit meinem Ja zu Dir.
Ich will Dein Eigentum sein und bleiben.
Gib mir die Kraft, mich stets an Dich zu halten
und nicht zu verzagen, wenn ich in Krisen komme.
Zeige mir meinen Platz in der Gemeinde
und meinen Platz in Deiner dennoch geliebten Welt.
Zeige mir meine Gaben und Fähigkeiten,
damit ich sie einsetzen kann, wo Du mich brauchst
und wo Menschen auf meine Hilfe warten.
Mache mir Dein Wort lieb und gib mir Mut,
meinen Dank, meine Not und meine Bitten
im Gebet vor Dich zu bringen.
Herr, verwandle mein Leben, daß es für Dich zur Freude
und den Menschen zur Hilfe wird.
Amen.

Die Kirchengemeinde
Eysölden wünscht einen gesegnetes Wochenende!
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