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Themenpredigt: "Der
Platzanweiser"

Es
gilt das gesprochene Wort!

Ich weiß nicht, wie es Euch vorhin
gegangen ist, als Ihr zur Kirche hereingekommen seid und Platzkarten in die Hand gedrückt
bekommen habt. Ein paar Meinungen haben wir ja gerade bei der kurzen Befragung gehört.
Ob Ihr damit gerechnet habt, daß das Thema dieses "Leben live" so konkrete
Auswirkungen haben könnte, bis hin zu der Frage, welchen Platz man in der Kirche
einnehmen darf. Platzkarten, die gibt's doch sonst allenfalls in Konzerten oder im
Kino, im Flugzeug. Wollen die wieder zurückkehren zu den Zeiten, die ja gar noch
nicht so lange her sind, wo jeder in der Kirche seinen festen Platz hatte, schriftlich
verbürgt durch das am Platz prangende Namensschild?
Oder liegt der Unmut über die Platzkarten womöglich
genau darin begründet, daß ich heute "meinen" Platz in der Kirche,
auf dem ich seit eh und je gesessen bin, nicht einnehmen durfte?
Es kann aber auch genau umgekehrt sein: daß ich
nämlich froh bin über einen Platzanweiser. Wenn ich mir einen ganz bestimmten
Platz ausgesucht und diesen im voraus "gebucht" habe, dann lasse ich mir
diesen Platz gerne zeigen, mich gerne dorthin führen. Wir merken: Je nachdem,
wie zufrieden einer mit "seinem" Platz ist, die entsprechenden Gefühle
wird er auch gegenüber dem Platzanweiser haben.
Martha Hemmeter hat am Ende ihrer Befragung einen anderen
Platzanweiser erwähnt. Der kommt in der Geschichte vom Kämmerer aus Äthiopien
vor.
Philippus, ein Diakon aus Jerusalem, einer der sieben
Armenpfleger, leistet dem Finanzminister Starthilfe im Christsein. Durch die Hilfe
des Philippus blickt der Finanzminister durch und versteht, um wen es sich da in der
Schriftrolle handelt, die er sich in Jerusalem als Reiselektüre besorgt hat. Um
Jesus. Er ist für unsere Schuld gestorben. Er ist auferstanden und hat den Tod
überwunden. Er ist zurückgekehrt zu seinem Vater im Himmel. Der Finanzminister
ist davon so ergriffen, daß er Christ wird und sich von Philippus taufen läßt.
Soweit in aller Kürze der Inhalt dieses Berichtes,
den uns Lukas in seiner Apostelgeschichte aufgeschrieben hat.
Wir wollen uns jetzt einem kleinen Detail unseres Berichtes
zuwenden. Unser Thema heute heißt ja: "Der Platzanweiser". Was aber
hat diese Geschichte nun mit einem Platzanweiser zu tun? Wer ist in dieser Geschichte
denn ein Platzanweiser? Die Antwort finden wir im Vers 29. Nachdem Philippus durch
einen Engel des Herrn in Richtung Süden geschickt wurde, heißt es nun: "Da
sprach der Heilige Geist zu Philippus: "Geh zu diesem Wagen, und bleib in seiner
Nähe."". Der Platzanweiser ist der Heilige Geist.
Und darum soll es gehen. Pfingsten ist ja das Fest
des Heiligen Geistes, an dem dieser zum ersten Mal über die Jünger Jesu ausgegossen
wurde. Über den Heiligen Geist gibt es viel zu sagen, und das Pfingstfest allein
ist mit Sicherheit zu wenig, um einigermaßen umfassend über die Aufgabe
und Bedeutung des Heiligen Geistes zu sprechen. Deshalb beschränken wir uns heute
auf den "Platzanweiser".
Trotzdem vorher ein paar grundlegende Fakten über
den Heiligen Geist.
Zunächst einmal ist wichtig zu betonen: Der Heilige
Geist ist Gott. Er ist nicht nur eine Kraft, die von Gott ausgeht, sondern Gott selbst.
Der Heilige Geist ist die dritte Person der Dreieinigkeit. Der Dreieinige Gott ist
Vater, Sohn und Heiliger Geist! Der Heilige Geist ist eine Person (Verstand, Wille,
Gefühl), und er ist zugleich eine schöpferische und wirksame Kraft. Er verfügt
über gottgleiche Eigenschaften, weil er Gott ist. Der Heilige Geist ist unser
Anwalt und Beistand; er ist der eigentliche Stellvertreter Jesu auf Erden. Auch aus
diesem Grund kann kein Mensch, etwa ein Papst, Stellvertreter Christi auf Erden sein!
Der Heilige Geist ist Herr, er hat einen starken Willen, und er hat alle Weisheit Gottes.
Diese Weisheit will er uns schenken. Der Heilige Geist ist auch der Geist Christi,
der von Gott ausgesandt wurde, um uns zu leiten und zu bevollmächtigen, uns brauchbar
zu machen für die Aufgaben, die Gott für uns bereithält. Der Heilige
Geist ist der auferstandene Christus in uns! Am Wirken des Heiligen Geistes entscheidet
sich letztlich, ob unser Christsein eine Gesetzesreligion ist, so daß wir krampfhaft
versuchen, nach Gottes Maßstäben zu leben. Oder ob unser Christsein dynamisch
ist, ob Gott selbst durch uns wirken kann, ob Jesus durch den Heiligen Geist in uns
und durch uns lebt. Denn das bedeutet Christsein nach dem Neuen Testament.
Eine ganz entscheidende Aufgabe des Heiligen Geistes
besteht nun eben darin, "Platzanweiser" zu sein. Das heißt, er zeigt
uns den Platz, der der richtige für uns ist:
- Er weist uns den Platz an hier in unserem Leben,
er stellt uns in dieses Leben.
- Er weist uns den Platz an in unserer Familie.
- Er weist uns den Platz in der Gemeinde an.
- Er weist uns den Platz an in unserem Beruf und vieles
mehr.
In der Apostelgeschichte begegnet uns der Heilige Geist
auf Schritt und Tritt in dieser Funktion (8,29; 10,19f; 13,2.4; 16,6f; 20,22f). Immer
wieder ist da zu lesen: "Der Geist aber sprach ...", und es folgt jeweils
eine konkrete Anweisung, was zu tun ist, was zu reden ist, welcher Weg einzuschlagen
ist.
Die Christen damals rechneten ganz selbstverständlich
und ganz konkret damit, daß Gott sie führt. Im Psalm 4 heißt es: "Erkennet
doch, daß der HERR seine Heiligen wunderbar führt ...". Paulus schreibt
im Römerbrief: "Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Kinder
Gottes" (8,14). Schon Jesus sagt in seinen Abschiedsreden: "Wenn aber jener,
der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten" (Joh
16,13).
Der Heilige Geist also ist der Platzanweiser. Er sagt
uns, wo's lang geht. Damit ist aber auch klar: Ohne diesen Platzanweiser tappen wir
im dunkeln, finden nicht den aus Gottes Sicht richtigen Platz, können wir immer
nur unsere eigenen Wege gehen, und diese sind oft genug Irrwege, Holzwege und Sackgassen.
Wenn wir zugeben, daß wir einen Platzanweiser brauchen, dann machen wir damit
deutlich, daß wir nicht die "Besserwisser" sind, sondern daß
Gott der ist, der den besten und richtigen Platz für uns kennt ihn uns zeigt.
Als wir das Thema für diesen Gottesdienst auswählten
- und das war schon Ende März -, hat keiner einen Blick in die Losung geworfen.
Aber die heutige Losung paßt ganz genau zum heutigen Thema "Der Platzanweiser":
Gott sagt: "Wenn ihr zur Rechten oder zur Linken abweichen wollt, werden deine
Ohren den Ruf hinter dir vernehmen: "Dies ist der Weg, den gehet!""
(Jes 30,21).
Hier bekommen wir schon einen Hinweis darauf, wie dieser
Platzanweiser seine Tätigkeit ausübt.
- Zunächst und vor allem anderen durch die Bibel
selbst. Jesus selber betont das: "Was in den Heiligen Schriften steht, ist unumstößlich"
(Joh 10,35 GN). Das heißt: Die wichtigste und allein unfehlbare Art, wie Gott
uns leitet, ist durch die Heilige Schrift. Der Heilige Geist wird uns niemals in eine
Richtung führen, die den klaren Aussagen der Bibel widerspricht.
- Zusätzlich wirkt der Platzanweiser durch konkretes
Reden. Wir können dies als innere Stimme des Heiligen Geistes hören. Der
Heilige Geist gibt dir Frieden oder Freude in deinem menschlichen Geist, während
du etwas tust oder dir geistlich vorstellst, was Gottes Willen entspricht. Andererseits
fehlt der Friede oder hast du ein unangenehmes, schlechtes Empfinden in deinem Geist,
wenn du etwas tust oder beabsichtigst zu tun, was nicht Gottes Willen entspricht. Allerdings
dürfen wir dieses Empfinden in unserem Geist nicht einfach mit unseren Gefühlen
gleichsetzen. Gefühle sind nämlich in aller Regel schlechte Ratgeber.
- Es können in Einzelfällen Zeichen, Träume,
Visionen, hörbare Stimmen oder Engel sein, durch die der Heilige Geist uns den
Willen Gottes zeigt. Daß diese Art der Leitung des Heiligen Geistes schon zu
biblischen Zeiten nicht der Regelfall war, zeigt sich darin, daß das nur ein?
oder zweimal im ganzen Leben bestimmter Personen geschah. Es fällt weiter auf,
daß diese Menschen der Bibel solche Führung des Heiligen Geistes nicht suchten,
allerdings auch nicht ablehnten, als sie so geschah.
- Manchmal sind es Zeichen in den Lebensumständen,
durch die der Heilige Geist uns leitet. Doch gerade bei den letztgenannten Arten ist
es wichtig, sorgfältig zu prüfen. Es ist auch zu unterscheiden zwischen dem,
was Gott will und was er zuläßt. Umstände allein genügen nicht,
sie müssen bestätigt werden durch die Bibel und durch die innere Stimme des
Heiligen Geistes.
Natürlich gibt es in unserem Leben unterschiedlich
wichtige Entscheidungen. Dinge von großer oder mittlerer Wichtigkeit sind zum
Beispiel die Berufswahl, die Wahl des Ehepartners, die Wahl der richtigen Schule für
die Kinder, die Wahl des richtigen Arztes. Bei solchen Fragen sollten wir als Christen
Gott um die Führung durch seinen Heiligen Geist bitten. Sonst kann es uns ergehen
wie den Israeliten, die deshalb in große Schwierigkeiten kamen, weil es von ihnen
heißt: "Sie fragten nicht den Herrn um Rat" (Jos 9,14). Anderererseits
gibt es kleine, alltägliche Entscheidungen - ob man jetzt oder später einkaufen
gehen soll, ob man vier Packungen Fruchtsaft oder überhaupt keine kaufen soll
... -, wo wir eine konkrete Führung durch den Heiligen Geist nicht benötigen
bzw. er uns die freie Entscheidung überläßt.
Wenn Gott uns durch seinen Heiligen Geist führt,
dann tut er das Schritt für Schritt. Auch wenn er schon den ganzen Weg kennt,
sagt er uns meistens nur, was wir als nächstes tun sollen und zeigt uns den übernächsten
Schritt erst, wenn wir der vorhergehenden Führung gehorcht haben.
Immer liegt es an unserer Bereitschaft: Daß wir
Gott erlauben, durch seinen Heiligen Geist zu uns zu reden.
Wenn wir unser Leben Gott anvertrauen und ihn immer
besser kennenlernen, wenn wir dem Heiligen Geist immer mehr Raum geben in unserem Leben,
dann werden wir auch das Wirken des Platzanweisers immer mehr zu schätzen wissen,
und dankbar sein für das, wie Gott uns durch seinen Heiligen Geist führt.
"Verlaß dich nicht auf deine eigene Urteilskraft, sondern vertraue voll
und ganz dem Herrn! Denke bei jedem Schritt an ihn; er zeigt dir den richtigen Weg
und krönt dein Handeln mit Erfolg" (Spr 3,5f).
Amen.

Die Kirchengemeinde
Eysölden wünscht gesegnete Pfingsten! |