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Themenpredigt: "Das kannst Du
Dir schenken (lassen)"

Es
gilt das gesprochene Wort!

Das mit dem Schenken ist schon so eine
Sache ... Wobei es in diesem Gottesdienst vor allem um das "Sich-etwas-schenken-Lassen"
geht und weniger ums Schenken. Denn das wäre ein eigenes Thema.
Eigentlich freut sich doch jeder über ein Geschenk - oder? Ihr merkt es schon
an dem Wörtchen "eigentlich", dass es ganz so einfach doch nicht ist.
Das Wort "eigentlich" macht nämlich deutlich, dass das Gesagte nicht
absolut, "einfach so" gilt, sondern dass da Einschränkungen dabei sind.
Bei einem Satz mit "eigentlich" wartet man förmlich auf das "Aber".
Und das Tückische an diesem Wort "eigentlich" ist, dass von Anfang an
nicht klar ist, wie groß die Einschränkungen sind und wie viele es gibt.
Stellt euch mal vor, eine Aussage trifft 100-prozentig zu, dann brauche ich nicht "eigentlich"
zu sagen. Es wäre doch ziemlich unsinnig zu sagen: "Eigentlich ist das ein
Adventskranz." Also, bei einer 100-prozentigen Aussage ist das klar. Sobald es
aber nicht mehr 100 Prozent sind, sondern nur noch 99, sage ich "eigentlich"
und hänge die 1 Prozent "aber" dran. Ich sage aber auch "eigentlich",
wenn ich 99 Prozent "aber" meine. Mit anderen Worten: Wenn ich sage: "
Eigentlich freut sich doch jeder über ein Geschenk", dann kann es nur eine
Einschränkung geben, genauso gut aber auch zig Einschränkungen. Die Einschränkungen
können so viel und so gewichtig sein, dass die eigentliche Aussage darüber
völlig in den Hintergrund tritt.
Was sind denn die "Abers", die die pure Freude am Beschenktwerden, am "Sich-etwas-schenken-Lassen"
trüben? Es ist ja sicher auch kein Zufall, dass so ein schönes Wort wie "schenken"
in einer äußerst negativen Redewendung vorkommt: "Das kannst du dir
schenken", das bedeutet ja soviel wie: "Das lohnt sich nicht, darauf kann
man gut verzichten."
Noch einmal: Was sind die "Abers", die die pure Freude am Beschenktwerden,
am "Sich-etwas-schenken-Lassen" trüben?
Ich möchte fünf nennen.
1. Das Gefühl, ein Geschenk gar nicht verdient zu haben. - Dieser "Verdienstgedanke"
steckt tief in uns. Bewusst oder unbewusst fragen wir uns bei einem Geschenk, warum
wir es bekommen haben. Wir überlegen uns, was wir alles falsch gemacht haben,
und warum wir trotzdem ein Geschenk bekommen haben. Oder umgekehrt, was denn an unserem
Verhalten so toll war, dass wir ausgerechnet dafür mit einem Geschenk belohnt
werden.
2. Der vermeintliche oder tatsächliche Zwang, dem anderen wieder etwas schenken
zu müssen. - Dadurch kann die Freude über ein Geschenk schon im Keim erstickt
werden. Denn je mehr ich mich im Prinzip über ein Geschenk freue, umso schwieriger
wird es, es dem anderen "mit gleicher Münze heimzuzahlen". Denn schließlich
soll es ja mindestens gleichwertig sein, zumindest vom reinen Geldwert her, am besten
aber auch vom ideellen Wert her, von der Freude, die es beim anderen hervorruft. Da
kann - bildlich gesprochen - eine Spirale in Gang gesetzt werden, die sich immer schneller
dreht und wo einem immer schwindliger wird und, weil man die Erwartungen nicht mehr
meint erfüllen zu können, immer unzufriedener wird.
3. Ein Geschenk, das man so gar nicht gebrauchen kann, dessen Sinn man nicht erkennt.
- In meinem Englisch-Buch in der fünften Klasse stand die Geschichte "Too
much of a good thing". Da wurde vom Geburtstag des Großvaters erzählt,
der von allen Filzpantoffeln zu seinem Ehrentag geschenkt bekam. Am Schluss hatte er
vierzehn Paar Filzpantoffeln und wusste, obwohl er sich die eigentlich gewünscht
hatte, nichts mehr damit anzufangen. Es war "Too much of a good thing", "zuviel
des Guten". Die Beispiele lassen sich beliebig vermehren: Die Blumensorte, die
die Beschenkte nicht ausstehen kann. Die berühmten Vasen, die mancher nur auf
den Tisch stellt, wenn der Besuch kommt, von dem sie geschenkt wurden, aber hinterher
ganz schnell wieder im Schrank verschwinden. Aber auch sonst kann wahrscheinlich jeder
von uns eine eigene Geschichte erzählen von einem Geschenk, über das er sich
deshalb nicht richtig freuen konnte, weil er nichts damit anfangen konnte.
4. Ein Geschenk, bei dem man das Gefühl hat, es ist gar kein echtes Geschenk,
sondern eher ein "Wink mit dem Zaunpfahl", ein Appell ans schlechte Gewissen,
womöglich sogar eine hinter einem Geschenk versteckte Kritik. - Das kann das Heimwerkerbuch
für den Ehemann, das Kochbuch für die Ehefrau, das Computerbuch für
den Großvater sein. Und was für Bücher gilt, gilt oft auch für
andere Dinge ...
5. Ein Geschenk, bei dem man das Gefühl hat, man hat es nur als "Revanche"
bekommen, weil man vorher selber etwas geschenkt hat. - Das Motiv für das Schenken
war nicht Zuneigung und Wertschätzung der anderen Person, sondern Kalkül,
kühle Berechnung.
Was aber hat das Ganze nun mit Gott zu tun? Schließlich feiern wir ja einen Gottesdienst.
Denn um Tipps zum richtigen Schenken zu bekommen, könnte man auch einen Volkshochschulkurs
"Perfekte Geschenke für jeden Anlass schnell und stilsicher finden"
besuchen oder ein entsprechendes Buch lesen. Jedenfalls können solche möglicherweise
praktischen Tipps nicht der einzige Inhalt eines "Leben live"-Gottesdienstes
sein.
Der deutsche Sprachwissenschaftler Jacob Grimm (1785-1863), den die meisten von uns
von den von ihm zusammen mit seinem Bruder Wilhelm herausgegebenen Märchensammlungen
kennen, sagte einmal: "Die wahre Gabe erfreut Geber und Empfänger, weil sie
Ausdruck einer persönlichen Bindung ist."
Damit kommen wir der Sache schon eher auf die Spur: Gott als der Geber, als der Schenkende,
der uns be-schenkt. Immer ist da die Beziehung im Spiel, die Gott mit seinen Menschen
haben möchte. Nur in der Beziehung zu Gott findet unser Leben seine eigentliche
Bestimmung. Gott beschenkt uns, weil er eine Beziehung zu uns Menschen möchte.
Nun könnte man hier unzählige Beispiele von Geschenken nennen, die Gott seinen
Menschen macht. Martin Luther nennt in seiner Erklärung zum Glaubensbekenntnis
einige dieser Dinge: "Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft
und alle Sinne gegeben hat und noch erhält; dazu Kleider und Schuh, Essen und
Trinken, Haus und Hof, Frau und Kind, Acker, Vieh und alle Güter; mit allem, was
not tut für Leib und Leben, mich reichlich und täglich versorgt, in allen
Gefahren beschirmt und vor allem Übel behütet und bewahrt ..."
Doch das alles ist wenig im Vergleich zu dem größten Geschenk, das Gott
seinen Menschen macht!
"Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für
sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht verlorengehen, sondern das ewige Leben
haben" (Joh 3,16 HfA) Das ist das größte Geschenk, das es jemals auf
dieser Erde gab und auch jemals geben wird: Gott schenkt uns seinen Sohn.
Er tat es aus Liebe. Liebe ist das eigentliche Motiv für alles rechte Schenken.
Was nicht aus Liebe geschieht, ist nur wenig wert. Auch ein (vom materiellen Wert her)
noch so kleines Geschenk kann für Liebende einen unendlich großen Wert haben.
In seiner grenzenlosen Liebe zu seinen Menschen wollte Gott nicht tatenlos zuschauen,
wie seine Menschen zugrunde gehen und sich selbst zugrunde richten. Er gab seinen Sohn
her. "Schenken heißt, einem anderen das geben, was man selber gern behalten
möchte", so sagte es einmal die schwedische Schriftstellerin Selma Lagerlöf
(1858-1940).
Der eine Sohn Gottes, der schon immer bei Vater war, musste die himmlische Herrlichkeit
verlassen, musste klein, unscheinbar, angreifbar werden. Denn es gab keinen anderen
Weg und keine andere Möglichkeit, die zerstörte Beziehung zu Gott wiederherzustellen.
Gott gab seinen Sohn her, und das, obwohl er wusste, was ihn erwarten würde, obwohl
er wusste, dass sein Weg ein Weg des Leidens würde und er schließlich gar
getötet würde. Dieses Geschenk, das Gott seinen Menschen machte, ist so groß
und unbezahlbar, dass wir es einfach nicht begreifen können. Es war kein so schnell
dahingeworfenes Geschenk, sondern dieses Geschenk war wohl ausgewählt und in allen
Konsequenzen von Gott bedacht. Gott wusste, was er tat, und er wusste, was er seinem
Sohn zumutete.
In einem alten Lied aus dem 17. Jahrhundert von Paul Gerhardt wird ein Gespräch
zwischen Gott und seinem Sohn wiedergegeben. Es sind alte Worte, vielleicht auch nicht
leicht verständlich, aber sie zeigen die ganze Dramatik dieses Geschenkes, das
alles andere war als ein Allerwelts-Geschenk. Ich versuche, die Worte ein wenig an
unsere Sprache zu übertragen. Gott sagt zu seinem Sohn Jesus: "Geh hin, mein
Kind, und nimm dich der Menschen an, die meine Strafe verdient haben; die Strafe ist
schwer, aber du kannst und sollst sie durch dein Sterben befreien und sie wieder in
Verbindung mit mir bringen." Und Jesus antwortet darauf: "Ja, Vater, ja von
ganzem Herzen, leg mir deine Last auf, ich will sie tragen, denn ich ich will tun,
was du sagst." Gott machte dieses Geschenk, obwohl er wusste, dass diese Mission
tödlich enden würde, dass sein Sohn Jesus dafür mit dem Leben bezahlen
musste.
Gottes Liebe zu seiner verlorenen Welt, zu seinen verlorenen Menschen war stärker,
war größer als der Wunsch, seinen Sohn auch weiter bei sich zu haben, geborgen
bei ihm. Jesus, dieser Name ist Programm: "Gott rettet". Nun sollte er seinen
Auftrag als Retter der verlorenen Menschen ausführen. Der Zeitpunkt war nicht
dem Zufall überlassen, sondern entsprach genau Gottes Zeitplan: "Zu der von
Gott festgesetzten Zeit sandte er seinen Sohn zu uns. Christus wurde wie wir als Mensch
geboren und den Forderungen des Gesetzes unterstellt. Er sollte uns befreien, die wir
Gefangene des Gesetzes waren, damit Gott uns als seine Kinder annehmen konnte"
(Gal 4,4f).
Ihr Lieben, deswegen ist Weihnachten geworden! Deswegen kam Jesus in unsere Welt. Gottes
Geschenk an uns, sein Sohn Jesus, ist zugleich die größte und ultimative
Rettungsaktion der Weltgeschichte, und diese ist noch in vollem Gange. "Ultimativ",
das ist hier nicht nur im Sinne einer "Jugendsprache" zu verstehen, sondern
wortwörtlich, nämlich: die "äußerste" Rettung. Und das
heißt: Wer diese Rettung verpasst, der ist nicht mehr zu retten! Dem ist nicht
mehr zu helfen. Wie gesagt: Die Rettungsaktion Gottes läuft weiter. Was Jesus
durch sein Leben, sein Leiden und Sterben bewirkt hat, das gilt nach wie vor. Wer an
ihn glaubt, wer sein Vertrauen auf ihn setzt, der kommt wieder in die Verbindung mit
dem lebendigen Gott. Jesus ist ja nicht im Tod geblieben, sondern auferstanden, und
das heißt: Er lebt heute, und du kannst heute ihn in dein Leben einladen, du
kannst heute dieses Geschenk, das Gott dir macht, annehmen.
Über so ein Geschenk kann man sich doch freuen - oder? Da müsste doch jeder
Luftsprünge machen! Ja, mein Leben hat einen Sinn und ein Ziel. Mein Leben erschöpft
sich nicht in den paar Jährchen, die mir hier auf der Erde gegönnt sind,
sondern hat Ewigkeitsperspektive, und: Das Schönste und Beste kommt noch!
Aber da höre ich schon die "eigentlich"-Sager. Deshalb wollen wir doch
noch einmal die vorhin genannten Einwände, die "abers" in Bezug auf
Gottes Geschenk, seinen Sohn Jesus, uns ansehen.
1. Das Gefühl, das Geschenk gar nicht verdient zu haben. - Das ist zweifellos
bei diesem Geschenk ganz besonders der Fall. Verdient haben wir Jesus nicht, ganz im
Gegenteil. Verdient haben wir, dass Gott uns mit Missachtung straft, dass er uns unserem
Verderben überlässt, verdient haben wir den Tod. Umso unbegreiflicher ist
es, dass Gott uns Jesus schenkt - aus Liebe!
2. Der vermeintliche oder tatsächliche Zwang, dem anderen wieder etwas schenken
zu müssen. - Ein geistliches Sprichwort sagt: "Gott lässt sich nichts
schenken." Und genauso ist es. Wer meint, Gott irgendetwas vergelten zu können,
der hat noch nicht wirklich verstanden, dass wir immer mit leeren Händen vor Gott
stehen. Gottes Geschenk anzunehmen ist ja auch nur das, was man normalerweise mit jedem
Geschenk tut. Und wenn wir Gott unser Leben schenken - die einzig richtige Antwort
-, dann ist das auch keine Form von "Revanche", sondern ein Zeichen der Dankbarkeit.
3. Ein Geschenk, das man so gar nicht gebrauchen kann, dessen Sinn man nicht erkennt.
- Offensichtlich ist genau das für viele ein Problem. Sie erkennen die Größe
des Geschenkes nicht, das Gott mit seinem Sohn Jesus uns gemacht hat. Sie wissen nicht
oder wollen nicht wahrhaben, dass Gottes Geschenk keine nette "Dreingabe"
ist, auf die man genausogut auch verzichten könnte, sondern dass es sich um ein
Lebens-notwendiges Geschenk handelt, mit dessen Annahme oder Nicht-Annahme sich alles,
Leben und Tod, entscheidet.
4. Ein Geschenk, bei dem man das Gefühl hat, es ist gar kein echtes Geschenk,
sondern eher ein "Wink mit dem Zaunpfahl", ein Appell ans schlechte Gewissen,
womöglich sogar eine hinter einem Geschenk versteckte Kritik. - Wenn es irgendjemanden
gibt, der aus vollkommen reinen und lauteren Motiven etwas schenkt, dann ist das Gott!
Gott ist Licht, und in ihm ist keine Spur von Dunkelheit. Er ist die vollkommene Liebe.
Oder, wie es in einem Lied heißt: "Erzählt von der Größe
Gottes, unsres Herrn. Er ist vollkommen in allem, was er tut. Ein Gott, der Treue hält,
er ist ganz ohne Falsch, gerecht und heilig ist er."
5. Ein Geschenk, bei dem man das Gefühl hat, man hat es nur als "Revanche"
bekommen, weil man vorher selber etwas geschenkt hat. - Solches Denken ist bei Gott
wirklich völlig fehl am Platz. Wenn wir uns vor Gott nichts, aber auch gar nichts,
verdienen können, wieviel weniger könnte Gott sich mit seinem Geschenk bei
uns revanchieren!
Ihr merkt: Bei Gottes Geschenk, seinem Sohn Jesus, gibt es kein "eigentlich"
und kein "aber". Es ist ein Geschenk aus reiner Liebe. Es ist ein Geschenk,
das Lebens-notwendig ist. Es ist ein Geschenk ohne jede Berechnung.
Deshalb: Gott sei Dank, dass er uns seinen Sohn Jesus, das größte Geschenk
aller Zeiten gegeben hat! Gott, der seinen eigenen Sohn Jesus nicht verschont hat,
wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? (Römer 8,32)
Amen.

Die Kirchengemeinde
Eysölden wünscht einen gesegneten Sonntag!
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