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Themenpredigt: "Angst - wie kann
ich damit leben?"

Es
gilt das gesprochene Wort!

Das Angst kann lähmen, ja kann sogar
Schmerzen verursachen. Ein Filmtitel lautet "Angst essen Seele auf". Einer
der deprimierendsten Filme, die ich jemals gesehen habe und der mir noch nächtelang
den Schlaf raubte, war der Film "Angst vor der Angst", der das Leben einer
seelisch kranken Frau zum Inhalt hatte, die an Phobophobie (eben "Angst vor der
Angst") litt. Ihr ganzes Leben bestand nur aus Angst.
Unser deutsches Wort "Angst" hängt mit "Enge" zusammen. Angst,
ein ungeheuer vielschichtiges Phänomen: die Angst vor Krieg; die Angst des Kindes
vor der Trennung der Eltern; die Angst vor Arbeitslosigkeit, die Angst vor Krankheit;
die Angst der Kinder vor der Dunkelheit der Nacht; die Angst der Jugendlichen vor schlechten
Noten, vor dem Versagen; die Angst, die Familie nicht ernähren zu können,
die Angst vor anderen Menschen; Angst vor der Zukunft. Über die Angst sagte ein
christlicher Arzt einmal: "Angst ist ein Grundcharakteristikum der menschlichen
Seele. Die Seele weiß aus Quellen, die dem Verstand unzugänglich sind, dass
sie umgeben ist von Mächten, die ihren Untergang suchen."
Viele Menschen geben eine Menge Geld aus, um sich von zweifelhaften Personen die Zukunft
voraussagen zu lassen. Die Ungewissheit plagt sie so oft, weil die Zukunft so dunkel
vor ihnen liegt. Da hatte einmal einer von einer Wahrsagerin erfahren, dass seiner
Frau in der nächsten Zeit Gefahr drohe. Als sie bei der Heimreise von einem Auslandsaufenthalt
Schwierigkeiten bekam, geriet der Mann in furchtbare Angst. Er hatte sich mehr Sicherheit
erhofft. Das Gegenteil war der Fall.
Die Bibel verurteilt mit schärfsten Worten unser Bemühen, die Zukunftsängste
mit Hilfe von Horoskopen oder Wahrsagerei zu bewältigen. Wenn wir unsere Sicherheit
von den Dingen anstatt von dem Schöpfer der Dinge erwarten, werden wir bitter
enttäuscht. Jesus sagt sogar, dass der Teufel ein Lügner und Mörder
ist (Johannes 8,44). Er verspricht uns mit seinen Angeboten Sicherheit, Heilung und
Glück. Wenn wir uns darauf einlassen, machen wir zuerst vielleicht gute Erfahrungen.
Wir lutschen den Zuckerguss ab, dann kommt die bittere Pille der Angst zum Vorschein.
Ja, wenn wir realistisch bleiben wollen, müssen wir sagen: Die Zukunft ist gepaart
mit der Angst! Und gerade über diese Angst sprechen wir im allgemeinen nicht gerne.
Wir haben Angst, das Leben mit der überhandnehmenden Gesetzlosigkeit nicht mehr
meistern zu können. Wir haben Angst vor unheilbaren Krankheiten. Uns plagt die
Angst vor dem Altwerden, vor der Einsamkeit und vor dem Unverstandensein. Manche haben
Angst vor einer großen, auf uns zukommenden Katastrophe. Das Schwinden der Kohle?,
Gas- und Ölreserven ist der Countdown einer Katastrophe. Es ist schon auffällig,
wie häufig in letzter Zeit das Wort "Angst" auch in den Medien begegnet.
Als nüchterne Menschen sehen wir diese Dinge nicht zu schwarz, aber klar - und
darum ist kaum jemand frei von Angst.
Oder wer von uns hat im tiefsten Grunde nicht Angst vor dem Tod? Wir sind nur zeitweise
imstande, dieser manchmal unbewussten Todesangst durch intensive Arbeit oder ablenkende
Vergnügungen zu entfliehen. Es kommt aber immer wieder der Zeitpunkt, wo wir dieser
Angst ungeschützt gegenüberstehen. Unser oberflächlich gespielter Gleichmut
dem Tod gegenüber ist nur eine Flucht vor der Wirklichkeit.
Angst - eine Realität in unserem Leben! Ein Leben ohne Angst - ob es das gibt?
Wünschen würden wir es uns wohl oft, dass es keine Angst mehr gäbe.
Eine solche Welt wäre paradiesisch, ja, das wäre wie im Paradies!
Und in der Tat: Wenn wir der Angst auf die Spur kommen wollen, und lernen wollen, wie
wir mit der Angst leben können, dann lohnt es sich schon, unseren Blick erst einmal
auf jene Welt zu richten, in der es keine Angst gab. Denn eine solche Welt gab es tatsächlich
einmal!
Ganz am Anfang, als Gott diese Welt geschaffen hat und für die ersten Menschen
Adam und Eva einen Garten angelegt hat, da war Angst ein Fremdwort. Die Frau hatte
keine Angst vor dem Mann, der Mann nicht vor der Frau, keiner von beiden hatte Angst
vor Gott. Es war ein ungetrübtes Miteinander. In geradezu kindlich-unbekümmerten
Bildern wird beschrieben, wie Gott mit seinen ersten Menschen im Garten spazieren ging.
Von Angst keine Spur.
Wann kam das erste Mal die Angst ins Spiel? Als die Menschen die ihnen von Gott gegebenen
Möglichkeiten und Räume bewusst überschritten, als sie sein wollten
wie Gott und seine von ihm zum Schutz der Menschen gesetzten Gebote ignorierten. Da
plötzlich ging die Angst um im Paradies, das Misstrauen war da und zog seine Kreise.
Nun war es plötzlich nicht mehr das Selbstverständlichste von der Welt, dass
Gott seine Menschen im Garten besuchte, dass er nach ihnen fragte und sich für
sie interessierte. "Am Abend, als ein frischer Wind aufkam, hörten sie, wie
Gott, der Herr, im Garten umherging. Ängstlich versteckten sie sich vor ihm hinter
den Bäumen. Aber Gott rief: "Adam, wo bist du?"" (1. Mose 3,8f).
Eine Frage, die eigentlich keinerlei Bedrohung dargestellt hätte, wenn sie in
den ihnen von Gott geschenkten Möglichkeiten gelebt hätten. Nun aber empfanden
sie es ganz anders. "Adam antwortete: "Ich hörte dich im Garten und
hatte Angst ..."" (1. Mose 3,10). Hier begegnet also zum ersten Mal in der
Bibel dieses Wort "Angst". Genau in dem Moment, wo der Mensch seine ihm von
Gott zugedachten Grenzen überschritt, da macht sich die Angst breit. Seitdem also
gehört die Angst zum Wesen unserer Welt, seitdem gehört die Angst zum menschlichen
Leben. Ja, nicht einmal nur zum menschlichen Leben, sondern auch zum Leben überhaupt.
Auch bei Tieren gibt es die Angst. Wer schon einmal beobachtet hat, welche Ängste
ein Tier aussteht, das bedroht wird, der kann nachvollziehen, warum Paulus im Römerbrief
schreibt: "Wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick
mit uns seufzt und sich ängstet" (Römer 8,22).
Und wenn wir bedenken, wovor die ersten Menschen Angst hatten, dann erkennen wir auch
die Urform der Angst. Gott hatte ihnen ja zuvor gesagt, als er ihnen den Auftrag gab,
im Garten zu leben, ihn zu bebauen und zu bewahren: "Von allen Bäumen im
Garten darfst du essen, nur nicht von dem Baum, der dich Gut und Böse erkennen
lässt. Sobald du davon isst, musst du sterben!" (1. Mose 2,17) Und so wussten
Adam und Eva sehr wohl, was die Folge für ihre Grenzüberschreitung sein würde:
der Tod. Vorher waren sie zu unbekümmerten, angstfreien, ewigen Leben bestimmt,
nun aber sollte der Tod dem Leben eine Grenze setzen. Wir können uns vorstellen,
welch einen Schock das ausgelöst hat, plötzlich zum ersten Mal in dem Bewusstsein
zu leben, irgendwann einmal sterben zu müssen. Den Tod und Sterben waren im Paradies
ja ursprünglich auch Fremdworte.
Diese Begebenheit ist im Grunde die Antwort auf die Frage nach dem Woher der Angst.
Der Mensch ist in den Augen Gottes nicht mehr das, was er sein sollte. Er lebt Gott
gegenüber in einem Zustand völliger Entfremdung, denn die Sünde trennt
den Menschen von Gott. Sie trennt, was eigentlich von der Schöpfung her zusammengehört.
Gott hat den Menschen geschaffen, um in harmonischer Gemeinschaft mit ihm zusammenzuleben.
Nun aber ist er durch die Sünde des Unglaubens und des Ungehorsams von seinem
Schöpfer getrennt. Darin liegt letztlich der Ursprung aller menschlichen Angst.
Angst hat also mit der Sünde zu tun. Und alle Angst ist im tiefsten die Angst
vor den Folgen der Sünde, nämlich dem Tod. Das, was die Bibel als "Hölle"
bezeichnet, ist letztlich nichts anderes als eine Verendgültigung, "Verewigung"
dieser Erfahrung, also ein Zustand ewiger Angst, aus der es keine Befreiung gibt.
Auch nichtchristliche Psychologen sagen, dass jede Form der Angst sich letztlich auf
Todesangst oder Verlustangst zurückführen lässt. Ein absoluter Bestseller
zum Thema "Angst" ist das seit dem Jahr 1978 inzwischen in 35. Auflage erschienene
Buch "Grundformen der Angst" von Fritz Riemann. Wenn ein psychologisches
Buch allein in Deutschland eine Dreiviertelmillion Mal verkauft wurde und inzwischen
sogar als Hörbuch existiert, dann zeigt das ja auch, dass das Thema Angst bleibend
aktuell ist und zum Leben gehört. Riemann nennt darin Grundängste des Menschen,
die er bestimmten Persönlichkeitstypen zuordnet:
- Die Angst vor der Veränderung.
- Die Angst vor der Endgültigkeit.
- Die Angst vor Nähe.
- Die Angst vor der Selbstwerdung.
Keine davon existiert bei einem Menschen in "reiner" Form. Riemann betont
auch, dass seine Grundstrukturen nicht gut oder schlecht, sondern alle vier wichtig
und nützlich sind. Störungen liegen bei Überausprägungen und Einseitigkeiten
vor.
Soweit die Diagnose. "Angst" ist also quasi ein Krankheitssymptom; die Krankheitsursache
liegt in der gestörten oder zerstörten Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch,
was die Bibel "Sünde" nennt. Sünde ist Beziehungsstörung.
Und Angst ist eine Folge davon.
Es würde zu weit führen, hier von der Angst zu reden, die selber krankhaft
ist. Nach allgemeiner psychologischer Definition liegt Angst als behandlungsbedürftige
Krankheit dann vor, wenn sie
... unangemessen stark oder anhaltend ist;
... ohne ausreichenden Grund, d. h. ohne wirkliche Bedrohung auftritt;
nicht mehr kontrolliert oder ausgehalten werden kann;
Leid verursacht und/oder das Leben einschränkt.
Zurück zur "normalen" Angst, die selbst keine Krankheit, sondern nur
ein Krankheitssymptom ist. Wenn also die Krankheitsursache des Symptoms "Angst"
in der gestörten oder zerstörten Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch liegt,
dann gibt uns das auch einen Hinweis auf die Therapie.
Viele Therapien gegen die Angst, die uns angepriesen werden, haben ihren grundsätzlichen
Schwachpunkt darin, dass sie nur an dem Krankheitssymptom "Angst" "herumdoktern",
ohne an die Wurzel der Angst zu gehen. (...) Solche billigen Rezepte können etwa
lauten:
- "Steigere dich doch nicht so hinein!"
- "So schlimm wird es schon nicht kommen."
- "Kopf hoch! Es wird schon wieder."
Zu den billigen Rezepten gegen die Angst, für die wir aber nicht selten einen
hohen Preis bezahlen müssen, gehören auch alle Arten von "Betäubung"
der Angst:
- sich in Vergnügungen stürzen oder andere Ablenkungen suchen;
- die Ängste im Alkohol vermeintlich zu ertränken;
- die Ängste vermeintlich in Zigarettenrauch aufgehen lassen;
- mit Medikamenten die Ängste bekämpfen;
- durch Drogen der allzu rauhen Wirklichkeit entfliehen.
Eine echte Therapie muss radikal sein, an die Wurzel gehen. Ja, eine "Wurzelbehandlung"
ist erforderlich, um der Angst wirklich begegnen zu können.
Wenn also die Wurzel, der Ursprung aller menschlichen Angst im Unglauben und im Getrenntsein
von Gott liegt, dann können wir die Angst nur dadurch überwinden, dass wir
die verlorengegangene Gemeinschaft mit Gott wiedergewinnen. Wenn Jesus immer wieder
sagt: "Fürchte dich nicht!", dann ist das kein billiges Rezept, eine
solche Aufforderung liegt ganz und gar nicht auf derselben Ebene wie die vorhin genannten.
Jesus ist ja selber in diese Welt gekommen, Mensch geworden, am Kreuz gestorben und
auferstanden, um die zerstörte Gemeinschaft mit Gott wiederherzustellen. Wenn
er sagt: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater
denn durch mich" (Joh 14,6), dann heißt das: Er ist der Weg zu Gott, sein
Kreuz ist die Brücke, die wieder die Gemeinschaft mit Gott ermöglicht. Und
wenn diese Gemeinschaft mit Gott wiederhergestellt ist, wenn jemand Christ wird, dann
ist auch die Wurzel der Angst grundsätzlich beseitigt.
Das hört sich nun alles total einfach an: Glaube an Jesus, vertrau dich ihm an,
dann wird alles gut, dann hast du keine Angst mehr. Und eigentlich ist es auch wirklich
so einfach! Jesus hat die, die an ihn glauben, von der Sünde befreit, und damit
auch von der Macht der Sünde und von den Folgen dieser Trennung, zu denen ja auch
die Angst gehört.
Trotzdem - auch Christen bleibt die Erfahrung von Angst nicht grundsätzlich erspart.
Denn auch sie leben eben noch nicht im Paradies, im Himmel, sondern in einer Welt,
zu der eben die Angst genauso gehört wie auch der Tod. Und Misstrauen: "Meint
es Gott wirklich gut mit mir und meinem Leben? Kann ich mich voll und ganz auf ihn
verlassen? Hat er wirklich den vollen Überblick und Durchblick? Kann er mir in
meiner Situation wirklich helfen? ..."
(Erfahrungsbericht von Renate Haubner)
Wenn Christen Angst haben, dann liegt das immer daran, dass das "alte" Leben
ohne Jesus immer wieder seine Anrechte behauptet. Auch stehen Christen immer in der
Gefahr, in bereits überwundene Probleme zurückzufallen.
Und das bedeutet umgekehrt: Auch Christen können Angst nur überwinden, wenn
sie darauf achten, wo ihre Beziehung zu Jesus gestört ist, und alles daran setzen,
ihre Beziehung zu Jesus zu vertiefen, ihm alle Bereiche ihres Lebens öffnen. Dies
geschieht
- durch Reden mit ihm und Hören auf ihn, was wir "Beten" nennen.
- Durch die Beschäftigung mit seinem Wort, der Bibel, dass wir dieses lebendige,
kräftige Wort an uns wirken lassen.
- Durch Gemeinschaft mit anderen Christen im Gottesdienst, besonders auch im Heiligen
Abendmahl, Gemeinschaft im Hauskreis, im gemeinsamen Beten.
- Indem wir uns an andere Christen wenden, ihren Dienst der Fürbitte in Anspruch
nehmen.
Jesus ist gekommen, um uns das Leben seiner ganzen Fülle zu schenken. Wer Jesus
in sein Leben aufnimmt, wird fähig, die Angst zu überwinden, oder besser:
es dem zu überlassen, der die Welt besiegt hat! Lasst uns immer wieder ohne Angst
zu Ihm kommen, so wie wir sind. Wenn wir zu Ihm kommen, dann dürfen wir ihm auch
unsere Ängste sagen. Er kann uns helfen, damit zu leben. Inmitten aller Angst
dennoch geborgen sein, das schenkt uns Jesus Christus.
...
(Aktion mit Knoten)
...
Amen.

Die Kirchengemeinde
Eysölden wünscht einen gesegneten Sonntag!
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