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Themenpredigt: " Ich singe Dir
ein Liebeslied ..."

Es
gilt das gesprochene Wort!

Teil 1
Ich kenne einige Leute, die haben der Frau, in die sie sich verliebt haben, tatsächlich
Liebeslieder geschrieben. So richtig echte. Was ich damit meine? Nun, seit eh und je
lebt die gesamte Musikbranche von diesem Thema "Liebe" in allen Variationen.
Und ich frage mich: Wieviel davon ist echt? Wie viele solcher Lieder wurden wirklich
für den Menschen geschrieben, den man liebt? Und wie viele wurden nur geschrieben,
um selber bewundert zu werden, um vielleicht in die Charts zu kommen, um bei den Zuhörern,
Zuschauern oder Konzertbesuchern eine gute, eine romantische Stimmung zu erzeugen,
bei der die Feuerzeuge hochgehalten und geschwenkt werden, wie das nun mal bei Pop-Balladen
in Konzerten üblich ist? Also, so richtig echte Liebeslieder, die erkennt man
daran, dass sie eigentlich gar nicht für die Öffentlichkeit geschrieben wurden,
sondern nur für die Person, die man von Herzen liebt. Und ein wenig, das muss
ich zugeben, war ich immer neidisch auf manche Freunde, die ein solches musikalisches,
lyrisches und kreatives Talent haben, dass sie selber Lieder schreiben können,
und noch dazu Liebeslieder, wo es mir doch schon schwerfiel, einen längeren Liebesbrief
zu schreiben.
Und damit sind wir schon bei unserem Thema. "Ich singe Dir ein Liebeslied ..."
Dieses Liebeslied gilt ja nicht einem Menschen, sondern "Dir, mein Retter, Dir,
mein Jesus". Ihm gilt die Liebe und die Anbetung.
Um uns klar zu machen, was Anbetung mit Liebe zu tun hat, ist es wichtig, zunächst
einmal in die Bibel zu schauen, was diese über Lobpreis und Anbetung lehrt.
Was wir dabei als erstes feststellen, ist, dass sie eine klare Unterscheidung zwischen
Lobpreis und Anbetung macht, die nicht nur in den Begriffen liegt, sondern auch in
der "Sache".
Alleiniger Ort der Gegenwart Gottes ist im Alten Bund der Tempel in Jerusalem. Dem
Israeliten ist nur erlaubt, in den Vorhof des Tempels einzutreten. Schon das "Heiligtum"
darf der "normal Sterbliche" nicht betreten, und das Allerheiligste zu betreten
ist dem Hohenpriester vorbehalten; er darf dies nach strenger Beachtung sehr genauer
Reinigungsvorschriften nur einmal im Jahr tun. Der Gläubige wird immer wieder
aufgefordert, in die Vorhöfe des Tempels mit Danksagung und mit Lobpreis einzutreten,
niemals in das Allerheiligste. Es gibt zwar auch im Alten Testament einige Aufforderungen,
Gott in seiner Heiligkeit anzubeten, aber diese sind immer begleitet von Furcht und
ehrfürchtiger Distanz.
Größere Nähe und "Intimität" mit Gott ist nur bei einigen
auserwählten Führern und Propheten zu sehen - sie, wie die Hohenpriester,
sind Sprachrohr des Volkes zu Gott und Gottes zum Volk, also in einer Art Mittlerfunktion.
Durch Jesu Erlösungswerk ist im neuen Bund das alles grundlegend anders geworden.
Zunächst einmal ist nun die Anbetung nicht mehr an bestimmte Orte und Zeiten gebunden:
So sagt Jesus zu der Samaritanerin am Brunnen: "Es kommt die Zeit, ja sie ist
schon da, in der die Menschen Gott überall anbeten können; wichtig ist allein,
dass sie von Gottes Geist und seiner Wahrheit erfüllt sind. Von diesen Menschen
will Gott angebetet werden. Denn Gott ist Geist. Und wer Gott anbeten will, muss seinen
Geist haben und in seiner Wahrheit leben" (Johannes 4,24 HfA).
Das zweite völlig Neue finden wir in einer Zeile des vorhin gesungenen Liedes:
"Durch dein Blut kann ich nun vor dir stehen ..." - Jeder, der durch Jesus
gerechtfertigt ist und neues Leben bekommen hat, hat nun Zugang zum "Allerheiligsten".
Denn der Vorhang des Tempels, der das "Heiligtum" vom Allerheiligsten trennte,
zerriss in dem Moment, als Jesus starb. Jesus selber sagte: Er reißt den Tempel
nieder und baut ihn in drei Tagen wieder auf. Damit meint Jesus sich selber! Er "ersetzt"
in seiner Person als Gottes Sohn den Tempel aus Stein. Er stirbt und wird nach drei
Tagen zu neuen ewigen Leben auferweckt. Nun ist nicht mehr ein Gebäude aus Stein
das Allerheiligste, sondern Jesus. Er ist der "Ort" der Gegenwart des lebendigen
Gottes. Wo Jesus ist, da ist Gott. Ja, Jesus selber ist Gott!
Wichtig ist, dass "anbeten" eigentlich keine Bezeichnung für eine "Tätigkeit"
ist, schon gar nicht für ein "Ritual", das womöglich auf einmal
in der Woche beschränkt wäre. Vielmehr geht es um eine innere Einstellung
aus, eine Herzenshaltung, ja sogar einen Lebensstil. Und man könnte tatsächlich
sagen: Anbetung ist der Lebensstil der Menschen, die zu Jesus gehören, der Lebensstil
der Gotteskinder.
Damit ist aber noch immer nicht die Frage beantwortet, was denn Anbetung nun mit Liebe
zu tun hat. Wir kennen den Ausdruck "seine Angebetete" für die Frau,
für die ein Mann Liebe empfindet. Im englischen Wort für "anbeten",
"to worship", steckt das Wort "worth", also "Wert, Würde";
"to worship" heißt wörtlich soviel wie "wertschätzen".
Aber auch im Neuen Testament bedeutet das Wort, das für "anbeten" verwendet
wird, soviel wie "innig lieben", "verehren", "tief bewundern",
"schwärmen für", "hochschätzen". Ganz wörtlich
heißt es sogar "küssen". Anbetung heißt also, Gott ehren,
achten, lieben, bewundern, ja, sogar in ihn verliebt sein. Anbetung ist Ausdruck der
Liebe zu Gott, der Ausdruck der Liebe zu Gott.
Wenn Anbetung eine Herzenshaltung und ein Lebensstil ist, dann ist auch klar, dass
es ganz viele Möglichkeiten gibt, wie wir Gott anbeten können.
Natürlich zuallererst mit unseren Worten. Die Worte können gesprochen oder
gesungen sein. Unser Schwerpunkt in diesem "Leben live"-Gottesdienst soll
heute die Musik sein: Gott anbeten durch Musik, genauer durch "Liebeslieder".
Deshalb singen wir in diesem Gottesdienst mehr als sonst, und wir singen vor allem
Lieder, die diese Liebeserklärung an Gott zum Inhalt haben, und zwar in verschiedenen
Variationen.
Die beiden nächsten Lieder singen von dem Grund unserer Anbetung.
Wir beten Jesus an, weil er "an mir soviel Gutes getan" hat: Er starb am
Kreuz, er versöhnte mich mit Gott, er schenkte mir sein Heil, mein Weg ist gesegnet.
Niemand ist mir teurer als Jesus, mein Retter.
Durch Gottes Erbarmen ist mein Leben neu geworden. Obwohl ich Strafe und Tod für
meine Sünde und Schuld verdient hätte, kann ich mich wieder freu'n, weil
Jesus das Kreuz erduldet und sein Blut mich rein gemacht hat. So kann ich singen: Jesus,
ich liebe dich, Jesus, ich diene dir. Jesus, ich lebe durch deine Liebe. Ich liebe
dich.
Lied: "Du starbst für mich auf Golgatha"
Lied: "Erfasst von deinem Erbarmen"
Teil 2
Wenn Gottes Erbarmen mich erfasst, wenn ich überwältigt bin von der Liebe,
die Gott zu mir hat und die er darin bewiesen hat, dass Jesus am Kreuz für mich
gestorben ist, dann weiß ich, wie gut es ist, dass Jesus mich kennt. Er sagt:
"Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich ..." (Johannes 10,14).
Gott sagt durch seinen Propheten Hosea: "Ich will deine Liebe und möchte,
dass du mich kennst" (Hosea 6,6). Von Leo Tolstoi (1828-1910) stammt der Satz:
"Gott kennen ist Leben". Aber Gott kennen ist mehr: Es ist das Höchste
meines Lebens. Ja, und wenn ich ihn kenne, dann wünsche ich mir eine tiefere,
eine innigere Beziehung zu Gott: "Das Höchste meines Lebens ist: Dich lieben,
Herr!" Und diese Liebe drückt sich dann auch darin aus, dass ich Gott diene,
dass ich mich ihm mit meinen Gaben und Talenten zur Verfügung stelle. "Das
Höchste meines Lebens ist: Dir dienen, Herr!"
"Ich lieb' dich, Herr", so singen wir im nächsten Lied. "Ich lieb'
dich, Herr", denn: "keiner ist wie Du. Anbetend neigt sich mein Herz Dir
zu." Wir wünschen uns, dass nicht nur unsere Lieder schön klingen, sondern
dass unser ganzes Leben, ja wir selbst als Gottes Geschöpfe, ein Wohlklang sind
vor ihm.
Lied: "Das Höchste meines Lebens"
Lied: "Ich lieb' Dich, Herr"
Ein Wohlklang wollen wir sein vor Gott, unser Leben soll ihm, unserem Schöpfer
und Erlöser, gefallen. Das bedeutet aber mehr, als ein paar Lieder zu singen.
Es bedeutet, ihm unser Leben zu schenken, mit allem, was wir sind und haben. Gott sagt:
"Gib mir, mein Sohn (meine Tochter!), dein Herz ..." (Sprüche 23,26).
Mit weniger gibt Gott sich nicht zufrieden. Er will uns ganz! Und er sagt: "Ich
liebe, dich mich lieben, und die mich suchen, finden mich" (Sprüche 8,17).
Deshalb sollen jetzt alle ein kleines Herz aus Holz bekommen (die Großen ein
großes, die Kleinen ein kleines) ...
Verteilen von Holzherzen ...
Teil 3
Auf vielfältige Weise können wir Gott unsere Liebe sagen. Ob mit den Worten
von Xavier Naidoo, der bewusst sein Lied "Ich kenne nichts (das so schön
ist wie du)" so geschrieben hat, dass es nicht nur zu einer menschlichen Geliebten
passt, sondern auch als ein Liebeslied zu Gott verstanden werden kann. Es kann aber
auch so klingen, wie in dem folgenden Lied: "O Herr, ich liebe dich". Beim
Vorbereitungstreffen meinte jemand, das klinge ein bisschen wie Yvonne Cutterfeld.
Das mag sein. Es mag aber auch daran deutlich werden, dass ein Liebeslied für
Gott auch von Bildern leben kann, wie jedes andere Liebeslied auch: "Meine Sonne
bist du Tag für Tag", "Du mein Stern in der Nacht, dunkelster Nacht",
das würde durchaus auch für die Geliebte oder den Geliebten passen. Schwieriger
wird es bei den Worten: "Du hast alles für mich wieder gut gemacht"
... Aber mit der Aussage "Meines Lebens Quell bist du allein" wäre eine
menschliche Beziehung hoffnungslos überfordert. Und manche Beziehungen kranken
an den übersteigerten Erwartungen, die man dem Partner gegenüber hegt und
dieser aber niemals erfüllen kann. Gott aber kann es! Und für ihn ist kein
Vergleich zu groß, als dass seine Liebe zu uns überfordert sein könnte.
Nein, es gibt keinen, der so ist wie Gott!
Weiter: "Wir lieben und verehren Dich, Christus, unser König". Die Liebe
zu Gott ist nicht auf Einzelpersonen beschränkt, sondern wir können gemeinsam
unsere Liebe erklären. Wir können ihm folgen. Wir können ihm die Ehre
geben. Wir können ihm unser Leben geben. Denn ER ist es wert!
Das Lied danach handelt von einem Land, in dem die Menschen Gott anbeten.
Lied: "O Herr, ich liebe Dich"
Lied: "Wir lieben und verehren Dich"
Anbetungstanz: "Shine down Your light on me"
Teil 4
Was war denn das? Ein Tanz im Gottesdienst?! Passt das in einen Gottesdienst? War das
ein "Fremdkörper" in diesem "Leben live"-Gottesdienst "Ich
singe Dir ein Liebeslied ..."? Ganz und gar nicht!
Tanzen ist eine von vielen Formen der Anbetung. Für die Israeliten war er etwas
ganz Selbstverständliches. Am fernen Ufer des Schilfmeeres feierte Mirjam voller
Freude den Sieg Gottes über die Ägypter, deren Armee gerade in den Wellen
verschwunden war. Da heißt es: "Die Prophetin Mirjam, Aarons Schwester,
nahm ihr Tamburin zur Hand. Auch die anderen Frauen schlugen ihr Tamburin, und zusammen
tanzten sie im Reigen" (2. Mose 15,20). Ein paar hundert Jahre später ist
in Psalm 149 zu lesen: "Ganz Israel freue sich über seinen Schöpfer.
Jubelt ihm zu, ihr Einwohner Jerusalems! Er ist euer König. Tanzt zu seiner Ehre
und schlagt den Rhythmus auf dem Tamburin! Spielt für ihn auf der Harfe!"
(V. 2+3). Und selbst von dem großen König David lesen wir, dass er "vor
dem Herrn tanzte mit aller Macht" (2. Samuel 6,14), als er die Bundeslade nach
Jerusalem brachte.
Zu verschiedenen Zeiten bis in die jüngeste Zeit wurde das Tanzen als ausschließlich
"weltlich" und somit als Tabu für Christen, zumindest aber für
den Gottesdienst, betrachtet. Das hat verschiedene Ursachen, unter anderem die griechische
Philosophie des Plato, die den Geist als dem Körper überlegen erklärt.
Die Puritaner in England (und nicht nur sie!) hatten eine grundsätzlich Abneigung
gegen jegliche Art von Sport und Vergnügen. Eine falsche "Arbeitsethik"
im Protestantismus hegt großes Misstrauen gegen körperliche Entspannung.
Solche Vorstellungen, solches schiefe Denken machen es für viele von uns schwer,
klar und objektiv über den Tanz als Form der Anbetung Gottes nachzudenken. Und
es ist ein merkwürdiger Widerspruch, wenn eine Kirche, die ihre ganze Existenz
von der "Fleischwerdung" des ewigen Wortes, Jesus, ableitet, ihr eigenes
menschliches Fleisch so sehr abwertet, fürchtet, ja gar verachtet!
An den Beispielen aus der Bibel haben wir gesehen, dass Gott sich auch über das
Tanzen freut, wenn es zu seiner Ehre geschieht. Schließlich war es keine Panne
bei der Schöpfung, dass Gott uns nicht als Geistwesen geschaffen hat, sondern
als Menschen aus Fleisch und Blut, so wie er in Jesus selber eine geworden ist. Und
so wäre es doch widersinnig, wenn wir den Körper bei der Anbetung verschämt
verstecken würden, weil wir damit Gott indirekt vorhalten, warum er uns diesen
Körper gegeben hat, wenn wir doch vermeintlich gar nicht zu seiner Ehre einsetzen
können.
Wir sollten ganz unbekümmert auch unseren Körper zur Ehre Gottes bewegen,
ob es beim Tanzen ist, beim Klatschen, beim Hände-Erheben oder welchen anderen
körperlichen Ausdrucksformen des Lobpreises auch immer, von denen die Bibel an
unzähligen Stellen spricht. Doch das wäre ein eigenes Thema, über das
es sich lohnt, ein andermal ausführlicher zu reden.
"Ich singe Dir ein Liebeslied ..." - Vielleicht haben wir in diesem "Leben
live"-Gottesdienst wieder neu entdeckt, was Liebe zu Gott bedeutet und wie sie
sich vor allem ausdrückt: in der Anbetung. Denn Anbetung betrifft den ganzen Menschen.
Ja, Anbetung - der Lebensstil der Gotteskinder.
Amen.

Die Kirchengemeinde
Eysölden wünscht einen gesegneten Sonntag!
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