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Themenpredigt: "... da habe
ich dich getragen"

Es
gilt das gesprochene Wort!

Schauen wir uns das Bild doch einmal
genau an.
Ein Stück ebener, glatter Strand ist da zu sehen. Solche Zeiten gibt es manchmal
im Leben: Eben und glatt, alles läuft wie am Schnürchen. Hoffentlich ist
es für dich oft so, das wünschen wir uns. Alles soll perfekt zusammenpassen,
kein Steinchen den Weg trüben. Aber im Hintergrund, da, wo die Spuren herkommen,
da sieht man auch anderes. Kleine Findlinge zuerst, Steine, die halt ein bisschen im
Weg rumliegen, aber um die man herumgehen kann. Doch weiter hinten: Richtige hohe Felsen,
Wellen, die sich an ihnen brechen. Ein steiler, beschwerlicher Weg. Ein Weg, den wir
lieber vergessen, verdrängen möchten - aber oft geht das einfach doch nicht.
Bestimmt kennst du das aus deinem Leben: Diese steilen, beschwerlichen Wege. Die Punkte,
an denen man einen Moment meint, man kommt nicht weiter. Die Stellen, an denen man
vielleicht sogar einmal umkehren und ein Stück zurücklaufen muss, einen neuen
Weg einschlagen muss, sich neu orientieren muss. Die Entscheidungen, vor denen man
manchmal steht: Wähle ich den schwereren, aber vielversprechenderen Weg? Oder
den einfachen, geraden? Die Punkte, an denen ich fast verzweifle: Geht es überhaupt
noch weiter? Oder sollte ich nicht einfach lieber gleich aufgeben, mich hinsetzen,
so tun, als wäre mein Leben hier zu Ende?
Wer ist da mit mir unterwegs? Es wäre sehr gut und tröstlich, zu wissen,
dass mich da einer begleitet. Aber dieser Gott, von dem wir immer erzählen, der
macht sich halt doch oft sehr sehr unsichtbar und unfühlbar. Und gerade dann,
wenn's mir schlecht geht, dann scheint er nicht da zu sein.
Er könnte doch wirklich manchmal ein paar von den ganz großen Brocken aus
dem Weg räumen, so finden wir. Ist Gott denn nicht allmächtig? Kann er denn
solche wirklich schlimmen Dinge nicht verhindern, wie sie jeden Tag passieren? So etwas
wie den Kriege oder Terroranschläge. Oder der fünfjährige Pascal aus
Saarbrücken, dessen Leiche bis heute nicht gefunden wurde. Oder der 35-jährige
Familienvater, der an Krebs stirbt. [Zeit zum eigenen Nachdenken]
Aber es müssen gar nicht unbedingt diese ganz großen Dinge sein. Ihr kennt
sicher genug von diesen kleinen Momenten, wo man sich fragt: "Gott, hättest
du das nicht verhindern können? Hättest du da nicht eingreifen können?"
Wo ist dieser Gott, wenn es doch so offenbar den Anschein hat, als würde er gar
nichts bewirken in dieser Welt? Oder anders gefragt: Was ist das für einer? Ein
alter griechischer Philosoph hat mal gesagt: Wenn Gott die Übel in der Welt nicht
beseitigen kann, ist er nicht allmächtig und damit nicht Gott. Und wenn er sie
bloß nicht beseitigen will - was ist er dann für ein Gott?
Greift da die schöne Geschichte von den Spuren im Sand nicht viel zu kurz?
Bevor wir darauf eingehen, müssen wir uns zunächst klar machen, dass Leiden
nicht der ursprünglichen Absicht Gottes entspricht. Das Paradies am Anfang der
Welt war ebenso frei von jeder Art von Leid, wie es auch das Paradies ist, das die
erwartet, die ihr Vertrauen in diesem Leben auf Jesus setzen. Gleich zweimal haben
wir in den letzten zwei Monaten diesen wunderschönen Vers aus der Offenbarung
des Johannes als Predigttext gehört: "Gott wird abwischen alle Tränen
von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz
wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen" (Offenbarung 21,4). Dass hier, Tod,
Leid und Geschrei in einem Atemzug genannt werden, ist kein Zufall. Denn Leid und Geschrei
sind Vorboten des Todes. Und der Tod kam dadurch in diese Welt, weil sich der Mensch
von Gott abgewandt hat und ohne ihn leben wollte. Paulus sagt das im Römerbrief:
"Die Sünde wird mit dem Tod bezahlt"; aber das ist Gott sei Dank nicht
das letzte Wort, vielmehr geht der Vers weiter: "Gott aber schenkt uns in der
Gemeinschaft mit Jesus Christus, unserem Herrn, das ewige Leben, das schon jetzt beginnt
und niemals aufhören wird" (6,23).
Klar ist auch, dass Tod, Leid und Schmerz eine Folge der Sünde ist, die in eine
paradiesische Welt eingebrochen ist. Das ist eine grundsätzliche und allgemeine
Tatsache. Keinesfalls darf deshalb Leiden eines Einzelnen in eine unmittelbare Verbindung
mit einzelnen Sünden gebracht werden. Niemals ist Leiderfahrung immer und in jedem
einzelnen Fall die automatische Folge eines Fehlverhaltens. Niemals dürfen wir
den Zusammenhang von Schuld und Leid als einen Mechanismus missverstehen. Wir machen
das Leben entsetzlich vordergründig und Gott zu einem primitiven Rächer oder
Belohner, der auf Bosheit oder Gutsein des Menschen entsprechend reagiert. Deshalb
sollten Christen mit Sätzen wie "Gott straft mich!" oder "Womit
habe ich das verdient?" im Zusammenhang mit Leid oder Unglück sehr vorsichtig
sein, auch deshalb, weil sie damit völlig außer Acht lassen, dass Jesus
die Strafe, die wir verdient haben, getragen hat, und damit letztlich die Erlösung,
die Jesus für uns vollbracht hat, klein machen.
Eine Familie machte einen Sonntagsspaziergang. Drei muntere Kinder liefen ihren Eltern
auf einem Schotterweg voraus. Das älteste der Kinder sprang vorneweg und schaute
immer wieder zurück zu seinen beiden Geschwistern. Die Kinder liefen auf einen
unbeschrankten Bahnübergang zu. In ihrer Freude am Spiel hatten sie alles um sich
herum vergessen, hörten auch nicht den herannahenden Zug. Direkt vor dem Bahnübergang
stolperte das Mädchen und fiel der Länge nach hin, während der Zug in
wenigen Metern Abstand vorbeidonnerte. Das Mädchen weinte über das zerrissene
Kleid und die blutenden Hände und Knie. Der ganze Sonntag, alle Freude und Begeisterung,
schien ihr verdorben, sie fühlte nur den brennenden Schmerz und wollte sich nicht
trösten lassen. Aber die Eltern sahen hinter dem Unglück die wunderbare Bewahrung
vor der viel größeren Gefahr.
Wie oft hat Leid das Leben eigentlich geschont und ermöglicht? Wie viele Menschen
sind angesichts des Todes zum Leben gekommen, in schwerer Krankheit eigentlich gesundet
und heil geworden, in Erschütterungen aufgewacht, an den Grenzen des Lebens zur
eigentlichen Mitte, zu dem lebendigen Gott, gelangt! Gott macht oft einen Strich durch
unsere Rechnung und auch oft einen Strich durch unsere Pläne, um uns vor Schlimmem
zu bewahren.
Aber niemals darf aus diesem eindeutigen Zusammenhang von Leid und positiven Möglichkeiten
ein leichtfertiger Umgang mit schweren Dingen des Lebens werden. Wer Leid einfach gut
nennt, wer den Leidenden zur Beruhigung bringen möchte, weil das Unglück
ja eigentlich Glück bedeuten kann, verfehlt den Menschen und die Tiefe des Lebens.
Wir sollten wieder die Fähigkeit lernen, Leid auch Leid zu nennen und den Betroffenen
darin ernst zu nehmen, dass wir seiner Not ein Recht einräumen. Wer wirkliches
Glück erlebt, wird sich nicht verstanden fühlen von jemand, der darin immer
gleich das eigentliche Unglück erkennen möchte. Genauso wenig wird ein Leidender
sich ernst genommen sehen, wenn man seine Not eine Wohltat nennt, für die er im
Grunde dankbar sein müsste.
Außerdem: Nicht jedes Leid ist auch aus der Liebe Gottes geboren. Oft kommt das
Leid vom Bösen, vom Teufel, und an den "Guten" tobt es sich aus. Wir
finden oft keine Antwort auf unsere Frage "Warum?". Und wir wollen keine
halben Antworten, anteiligen Wahrheiten, einseitigen Aspekte, bedingten Lösungen
gelten lassen. Aber wir wollen lernen, mit unseren grundsätzlichen Fragen ganz
zu Gott vorzudringen.
Leiden kann den Gott der Liebe nicht in Frage stellen. Leiden stellt nur unser selbstgebasteltes
Bild in Frage von einem Gott, der unsere Wünsche zu erfüllen und unseren
Neigungen nachzugeben hat. An Gott und seiner Wirklichkeit wird sich jedes menschliche
Bild vermessen. Gott ist immer noch größer, geheimnisvoller, anders. Wir
haben Gott nichts vorzuschreiben, und sein Handeln ist nicht auszurechnen. Gott ist
maßlos in seiner Liebe. Keine Schuld, kein Leid, kein Tod, keine noch so starke
Verkörperung von Unheil und Lebensminderung setzen seiner Liebe eine Grenze oder
ein Maß. Aus allem kann Gottes Liebe in ihrer Unbegrenztheit Heil und Gutes schaffen.
Das wird am deutlichsten sichtbar am Leiden Jesu Christi. Das schrecklichste Leid in
dieser Welt, das Leiden Jesu am Kreuz, wird durch die maßlose Liebe Gottes in
das Heil für die ganze Welt umgewandelt. Gottes Liebe ist maßlos. Kein Leid
kann sie eingrenzen, kein Unglück sie aufheben, keine Schuld ihre Macht überschreiten.
Darum sagt Paulus: "Was also könnte uns von Christus und seiner Liebe trennen?
Leiden und Angst vielleicht? Verfolgung? Hunger? Armut? Gefahr oder gewaltsamer Tod?"
(Römer 8,35 HfA). Und er gibt darauf zur Antwort: "Gewiss nicht! ... Aber
dennoch: Wir werden über das alles triumphieren, weil Christus uns so geliebt
hat. Denn da bin ich ganz sicher: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Dämonen,
weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch irgendwelche Gewalten, weder Himmel
noch Hölle oder sonst irgend etwas können uns von der Liebe Gottes trennen,
die er uns in Jesus Christus, unserem Herrn, bewiesen hat" (V. 36-38).
Wer sein ganzes Vertrauen auf Jesus Christus als seinen Herrn und Retter setzt, der
darf sich in jeder Lage seines Lebens ganz geborgen wissen.
[Persönlicher Bericht]
Gerade auf den Wegstrecken unseres Lebens, auf denen wir uns am einsamsten fühlen,
da ist Jesus da. Leiden macht oft einsam. Es gibt Wege im Leben, die sind zu schmal
und zu steil, als dass zwei nebeneinander darauf gehen könnten. Verstehen und
Teilhaben am Ergehen des anderen sind nur im Normalfall des Lebens möglich. Die
höchsten Gipfel des Glücks und die tiefsten Schluchten des Leides aber sind
so eng, dass wir dort alleine gehen müssen.
Jesus Christus aber ist da. Wenn der Weg so eng wird, dass niemand mehr neben uns gehen
kann, dann wollen wir uns darauf besinnen, dass Jesus uns trägt. "Mein liebes
Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten
und Schwierigkeiten. Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen."
Das ist gewiss eine Erkenntnis, die uns im normalen Leben, das heißt in "guten
Tagen", ohne weiteres einleuchtet. Aber in schwierigen und leidvollen Lebenssituationen
fällt es uns oft schwer, das zu glauben und daran festzuhalten. Oftmals kommt
uns diese Einsicht auch erst im Nachhinein, so wie es ja auch in diesem Traum der Fall
war. Aber wenn wir wissen, dass Jesus uns gerade im Leid so nahe ist, dass er uns trägt,
dass wir uns geborgen wissen, dann kann uns das helfen. Der Herr, der uns immer wieder
"gute Tage" sehen lässt, an denen wir selten fragen "Warum?"
ist auch in schweren Tagen derselbe. Gut, wenn wir schon in guten Zeiten uns dies ganz
tief in unser Herz hineinsprechen lassen: "Mein liebes Kind, ich liebe dich und
werde dich nie allein lassen ...", dann fällt uns auch in schweren Zeit eher
jenes andere Wort ein: "... da habe ich dich getragen."
Leiden macht einsam. Und doch kann es uns noch tiefer und fester mit Jesus Christus
verbinden. Gerade im Leiden wollen wir Zuflucht nehmen bei dem, der unser Leben wirklich
teilt, der mit uns geht und uns fest in seinen Händen hält. Und der uns trägt.
Und so können wir vielleicht uns wiederfinden in den Worten eines Gebetes von
Pfarrer Jörg Zink:
"Vater, in deinen Händen ist mein Leben. Ich kann es nicht planen und machen
und voraussagen. Aber ich danke dir, dass ich deine Führung erkenne. Ich staune,
Herr, über den Plan, nach dem mein Leben verläuft. Über die Wendungen,
die mein Schicksal nahm. Du greifst ein, und manchmal erkenne ich, dass es so kommen
musste. Du machtest meine Gedanken und Pläne zunichte, und am Ende entdeckte ich,
so war es gut. Ich weiß, Herr, dass du mich nicht am Leid vorbeiführst,
aber du führst mich hindurch. Und wenn ich im finsteren Tal wandere und deine
Hand nicht finde, so fürchte ich doch kein Unglück, denn du bist bei mir.
Ich vertraue dir, Herr und Vater, auch wenn ich nichts verstehe. Ich überlasse
mich dir. Tu du mit mir, was du willst. Ich lege mich in deine Hand und danke dir,
wenn ich immer besser lerne, dies und sonst nichts zu wollen. Einzig dies wünsche
ich, dass dein Wille sich an mir erfüllt."
Amen.

Die Kirchengemeinde
Eysölden wünscht einen gesegneten Sonntag!
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