Die ehemalige Gemeindeleitung in Eysölden

Pfarrer Thomas Lorenz

geb. am 26. 06. 1965

Theologiestudium in Neuendettelsau und Erlangen

Vikar in Landshut

Am 16. Juli 1995 wurde er in Geroldsgrün ordiniert.
Seit dieser Zeit bis Anfang August 1999 war er Pfarrer z. A. in Geroldsgrün.

Vom 12. 09. 1999 bis 30.09.2018 Pfarrer in Eysölden.

Öffnungszeiten Zentrales Pfarramtsbüro Thalmässing

Montag bis Freitag:
8.00 bis 12.00 Uh
Mittwoch bis Freitag zusätzlich:
13.00 bis 17.00 Uhr

Tel.
09173/77955

Abschied - am Beginn des 20. Jahres des Dienstes in Eysölden …

Liebe Eysöldener und alles, was dazugehört!

Diese Anrede habe ich Ihnen gegenüber nur einmal gewählt, nämlich im Gemeindebrief Nr. 58, Juni - August 1999, als ich Ihnen mich als Ihr neuer Pfarrer und meine damals vierköpfige Familie - meine Frau Conny, Deborah (geb. 1997) und Tabea (geb. 1998) - vorgestellt habe. Jetzt schreibe ich das letzte Mal einen Beitrag, für den Gemeindebrief Nr. 119, August - Dezember 2018.


Vor 19 Jahren, am 15. Sonntag nach Trinitatis (12. September 1999), wurde ich in der St. Thomaskirche in den Dienst für die Kirchengemeinde Eysölden eingeführt. Am 13. September 2018 beginnt also gerade mein 20. Jahr des Dienstes hier. Gut zwei Wochen später, am Eysöldener Erntedankfest (30. September), werde ich in einem Festgottesdienst mit Hl. Abendmahl verabschiedet, in der TSV-Sporthalle wird auch Gelegenheit sein, sich persönlich zu verabschieden. Dann endet mein Dienst hier. Genau zweimal bin ich danach noch dienstlich aktiv für Eysöldener Gottesdienste: das Abendmahl im Pfarrstadel am Freitag vor der Kirchweih und den Kirchweihfestgottesdienst am 7. Oktober werde ich noch halten. Am 8. Oktober, dem Kirchweihmontag, wird der Umzugswagen vor der Tür stehen …


Seit wir hier sind, wurden noch unsere beiden Söhne, Noah 2001 und Josia 2006, geboren. Für jedes unserer Kinder ist Eysölden Heimat, und auch meine Frau und ich haben diese Kirchengemeinde immer als Heimat empfunden, in der wir sehr, sehr gerne gelebt haben - vom ersten Tag an (als wir am Umzugstag hier ankamen). Entsprechend schwer fällt uns das Abschiednehmen, das sich ja jetzt noch zwei Monate länger hinzieht als ursprünglich geplant.


Gewiss, Wassermungenau ist nicht "aus der Welt" (eine knappe Dreiviertelstunde zu fahren), sogar im selben Landkreis, und Deborah, unsere Älteste, bleibt in Eysölden wohnen - dennoch: Wir fünf anderen verlassen Eysölden, unsere Heimat auf Zeit, um in eine andere Heimat auf Zeit zu wechseln. Denn jede Heimat auf dieser Erde - und sei sie, wie für viele hier in unseren Ortschaften - dieselbe von der Wiege bis zur Bahre - ist keine bleibende. "Unsere Heimat aber ist im Himmel …" (Philipperbrief, Kap. 3, Vers 20 - Luther 1954), im Hebräerbrief (Kap. 13, Vers 14): "Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir." Ja, jeder Stellenwechsel als Pfarrer, jeder Ortswechsel und Umzug als Familie kann uns helfen, dass "nicht vergessen werde, was man so gern vergisst: dass diese arme Erde nicht unsre Heimat ist …" (Evang. Gesangbuch, Nr. 63,3).


Von September 1999 bis Juli 2008 war ich ausschließlich Pfarrer von Eysölden, denn die Pfarrei Eysölden bestand nur aus der Kirchengemeinde Eysölden. Das änderte sich durch den Weggang des damaligen Offenbauer Pfarrers. Ab August 2008 wurde mir die Vakanzvertretung übertragen. Aus dieser wurde aber sehr bald eine dauerhafte Vertretung (nach Pfingsten 2009 hielt ich alle Gottesdienste auch in Offenbau), 2011 wurde die Kirchengemeinde Offenbau offiziell der Pfarrei Eysölden zugeordnet, 2013 wurde ich als Pfarrer von Offenbau offiziell eingeführt.


Für fünf Gebäude (Kirche, Pfarrstadel, Kindergarten, Gemeindetreff St. Thomas, Pfarrhaus) und die Außenanlage des Friedhofs mit Friedhofs-mauer trägt die Kirchengemeinde Eysölden Verantwortung. Fast alle wurden in dieser Zeit - teilweise mehrmals renoviert, erweitert, auf jeden Fall instand gehalten.


Wenn ich nachdenke über die 19 Jahre hier in Eysölden, dann kommen mir tausend Gedanken, die ich auch nicht ansatzweise hier aufzählen könnte und wollte.
Und doch will ich Ihnen ein paar Dinge in Erinnerung rufen, schlaglichtartig, subjektiv, willkürlich ausgewählt, jahresweise …
1999 wird vor dem Reformationsfest eine Funkuhr zur Steuerung der Kirchturmuhr und zum Läuten der Glocken installiert.
2000 Drei Jahre lang gibt es den "You & me"-Gottesdienst, einen besonderen Gottesdienst für junge Leute, gestaltet vom "Gospel-Pop-Chor". Kirchenvorstandswahl. Das "Haus der Diakonie" wird fertig und Ende Oktober eingeweiht. Elisabeth Wolfsberger löst unsere langjährige Mesnerin Kunigunde Dahm ab und beginnt ihre Mesnertätigkeit, zunächst vertretungsweise, ab 2002 "richtig" und 10 Jahre allein zuständig (2012 bekommt sie die erste Verstärkung, Ende 2016 die zweite).
2001 Eine Friedhofsordnung wird erstellt. Eine Delegation aus Boana/Papua-Neuguinea ist bei uns zu Gast. Eine Altarbibel wird angeschafft.
2002 feiern wir das 250 jährige Weihejubiläum der St. Thomaskirche mit einem bunten Festprogramm über das ganze Jahr; das Eysölden-Buch erscheint; der Landesbischof erweist uns die Ehre; die Kirche wird am Wochenende nachts angestrahlt. Der Startschuss für den "Leben live"-Gottesdienst fällt, den wir von da an fast hundertmal feiern.
2003 haben wir zum Jahr der Bibel einige besondere Veranstaltungen. Im Sommer führen wir ein selbst erstelltes Liederbuch "Singt dem Herrn ein neues Lied" zur Verwendung in den Gottesdiensten ein.
2004 nehmen wir das neue Ziborium in Gebrauch. Eine Gemeindestudien-reise nach Griechenland steht auf dem Programm.
2005 begehen wir das 100-jährige Jubiläum unseres in der Bienengruppe frisch renovierten Kindergartens. Wir feiern den ersten Himmelfahrtsgottesdienst "Land um Stauf". Die "Schaln Kaffee" fliegt zum ersten Mal aus.
2006 wird die Hackschnitzelheizung zur Wärmeversorgung von Pfarrstadel, Kindergarten und Pfarrhaus eingebaut. Der Kirchenvorstand wird neu gewählt.
2007 haben wir das erste Konzert mit Andi Weiss (zwei weitere von ihm werden folgen, außerdem davor und danach Konzerte mit Baff, Choralle, BlechReiz, Thalmäs-Singers, Ukrainian Brass, dem Profil-Chor, Siegfried Fietz u.v.a.). Wir verwenden jetzt unser neues Liederbuch "Singt das Lied der Freude" regelmäßig im Gottesdienst. Für zehn Abende starten wir einen Alpha Kurs.
2008 bekommen wir neue Kirchenbankpolster. Außerdem können wir ein nicht alltägliches 100 jähriges Organistenjubiläum begehen (Matthias Peipp † für 60, Irmgard Kreichauf für 40 Jahre; stellvertretend für viele andere Jubiläen und Ehrungen verdienter Mitarbeiter im Laufe der Jahre).
2009 sind wir drei Tage als Gemeinde auf den Spuren Martin Luthers unterwegs. Und im Advent besuchen wir die Kirchengemeinde Bürglein.
2010 steht das 100-jährige Jubiläum unseres Posaunenchors auf dem Programm. Der Pfarrstadel erhält eine "Frischzellenkur" (Innenrenovierung).
2011 führen wir an Kantate das neue lila Liederbuch "Kommt, atmet auf" in unserer Gemeinde ein und singen seitdem regelmäßig daraus.
2012 führen wir das erste Mal die Babyflaschen-Aktion "Hilfe statt Abtrei-bung" in unserer Gemeinde durch (zwei weitere Male werden folgen). Eine neue Lautsprecheranlage wird in der St. Thomaskirche installiert. Den "weißen Talar" trage ich jetzt (nicht nur im "Leben live", sondern) an Festtagen auch im "normalen" Gottesdienst. Unsere "Mäusegruppe" im Kindergarten, also unsere neue Kinderkrippe, nimmt den Betrieb auf. Neuwahl Kirchenvorstand.
2013 starten wir den Glaubenskurs "Abenteuer Alltag", der sieben Abende umfasst. Am Michaelistag nehmen wir unseren vormals in der Versenkung verschwundenen, nun frisch restaurierten und vergoldeten Konsekrationskelch in Gebrauch. Außerdem feiern wir das 100-jährige Jubiläum der Steinmeyer-Orgel unserer St. Thomaskirche. Nicht nur Konfirmanden vor der Konfirmation, sondern regelmäßig die Altarhelfer übernehmen nun auch die Lesung im Gottesdienst.
2014 gestalten wir unsere Sakristei neu, unter anderem mit frischem Anstrich, einem Einbauschrank und einer hochwertigen Veredelung der Sakramentsnische. Das ist nur der Auftakt für die umfangreiche grundlegende Innenrenovierung unserer St. Thomaskirche, die zum 1. Advent abgeschlossen ist.
2015 reisen wir als Gemeinde nach Irland. Unsere St. Thomaskirche ist eingerüstet - einmalige Gelegenheit, bis hinauf zum Kirchturmdach zu steigen und aus rund 40 Metern Höhe auf Eysölden zu blicken. Zur Kirchweih erstrahlt die Kirche auch außen in neuem Glanz, der Kirchturm hat ein neues, für viele ungewohntes Aussehen erhalten.
2016 Das Kindergartentor wird neu gestaltet. Friedhofswege, Außen- und Differenztreppe werden wieder "in Schuss" gebracht.
2017 Die Aktion "Meine Lieblingsbibelgeschichte im Schuhkarton" ist ein voller Erfolg. Das undichte Dach am Gemeindetreff St. Thomas bereitet dem Kirchenvorstand einiges Kopfzerbrechen; wohl noch heuer soll die Instandsetzung in Angriff genommen werden.
2018 Wieder einmal verreist die Gemeinde, diesmal nach Malta. Der Kindergarten wird aus Platzmangel um eine 3. Gruppe im Dachgeschoss ("Marienkäfer") erweitert; im September soll die Maßnahme abgeschlossen sein.


Mit der St. Thomaskirche fühle ich mich besonders verbunden, zweifellos. Doch nicht Dinge und Gebäude, Geld, Materielles … sind letztlich der Schatz einer Gemeinde, sondern vielmehr die Menschen, die hier leben. Sie sind mir ans Herz gewachsen. Besonders habe ich mich immer gefreut über die große Zahl an Mitarbeitern, die dazu beitragen, dass diese Gemeinde lebendig ist und bleibt.


Als Pfarrer hat man bei unterschiedlichsten Gelegenheiten und in unter-schiedlichsten Situationen mit Menschen zu tun - einfach so oder auch in einem vorgegebenen Rahmen: in Gottesdiensten, in Gesprächen, Gemeindefesten, Kinderbibelwochen, Mitarbeiterjahresempfängen, Vorspielabenden, Sitzungen, Jahresversammlungen … Natürlich wünsche ich mir von Herzen, dass ich zu jeder Zeit jedem und jeder gerecht geworden bin. Doch dieser Wunsch ist wohl unerfüllbar.


So sage ich an dieser Stelle zunächst: "Danke!" Danke für alle Unterstüt-zung! Danke allen, die mich in den vergangenen Jahren wohlwollend und konstruktiv-kritisch begleitet haben! Danke nicht zuletzt denjenigen, die für mich gebetet haben (und womöglich weiter beten werden, worüber ich mich sehr freuen würde!).


Ich möchte aber auch nicht anstehen, diejenigen um Entschuldigung zu bitten, denen ich in der einen oder anderen Situation womöglich nicht gerecht geworden bin. Es liegt mir sehr daran, dass wir uns in Frieden voneinander verabschieden. Dabei leitet mich das Wort des Apostels Paulus: "Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden" (Römerbrief, Kap. 12, Vers 18).
So wünsche ich Ihnen und uns, jetzt und auch für die Zukunft
hAkArÙbû £ôloH - schalóm uvrachá - Frieden und Segen!


Ich grüße Sie mit einem Lied von Manfred Siebald, das in meinem Leben schon einmal eine sehr konkrete dramatische Bedeutung bekommen hat (wen's interessiert, kann mich ja darauf ansprechen …).


Wenn Gott will und wenn wir leben,
wollen wir uns wiedersehn.
Ehe eintritt, was wir planen,
kann noch viel geschehn.
Die, die Jesus Christus lieben,
sehn sich nie zum letzten Mal, -
wenn nicht hier auf dieser Erde,
dann bei Ihm einmal.
Abschied nehmen ist wie Sterben,
jeder lässt ein Stück
seines Lebens in der Hand
des anderen zurück.
Doch wenn Gottes Hand uns
miteinander fest umschließt,
bleibt uns nah auch, wer uns ferne ist.
Abschied nehmen hilft vergessen,
immer nagt die Zeit
unerbittlich an den Bildern der Vergangenheit.
Doch wenn Gottes Hand uns
miteinander fest umschließt,
bleibt uns nah auch, wer uns ferne ist.

In Dankbarkeit und herzlicher Verbundenheit
Ihr Pfarrer Thomas Lorenz mit Familie