Predigttext und Predigt zum Pfingstsonntag - 4. Juni 2017.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG 125;

Titel: Komm, Heiliger Geist, Herre Gott

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
Ein Nachdruck des revidierten Textes der Lutherbibel sowie jede andere Verwertung
in elektronischer oder gedruckter Form oder jedem anderen Medium bedarf
der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.


Predigttext: Johannes 16, 5-15

Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin?
Doch weil ich das zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer.
Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden.
Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht;
über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben;
über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht;
über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist.
Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen.
Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen.
Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen.
Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er wird's von dem Meinen nehmen und euch verkündigen.

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Gemeinde!

( Einstieg )

Es ist immer leichter für diejenigen, die auf eine Reise gehen, als für diejenigen, die zurückbleiben.

Die Jünger hatten viel erlebt mit Jesus. Sie hatten alles stehen und liegen gelassen und waren ihm gefolgt. Sie hatten unglaubliche Wunder erlebt. Sie hatten tolle Reden gehört. Sie waren ihm nah gewesen und ihr Leben war dadurch völlig anders geworden. Es war großartig gewesen, mit Jesus unterwegs zu sein. Aber nun ging diese Zeit zu Ende. Nun sagte Jesus, dass er sie verlassen wird:

Die Jünger sind traurig. Jesus versucht sie aufzurichten. Er kündigt den an, der nach ihm kommen wird, der sein Werk fortführen wird. Sie werden nicht allein sein. Sie werden nie allein sein. Der Heilige Geist wird kommen. Sie, die Jünger, werden von ihm erfüllt und getröstet werden. Er wird sie leiten. Jesu Werk in der Welt wird weitergehen.

Doch wer ist und was tut der Heilige Geist? In den Worten Jesu, die wir heute miteinander bedenken, erfahren wir, dass sein Wirken zum einen den Jüngern gilt, den Christen, der Gemeinde. Zum anderen wirkt er an denen, die noch nicht an Jesus Christus glauben.


1. Das Wirken des Heiligen Geistes nach innen


Jesus redet vom Heiligen Geist als dem "Parakleten". Martin Luther hat dieses Wort mit "Tröster" übersetzt. Der " Paraklet" ist - wörtlich - einer, der "herbei-gerufen " wurde und neben einen tritt, der einem zur Seite steht. Eine Vielzahl von Beschreibungen könnte man für das verwenden, was der Heilige Geist ist: Beistand, Helfer, Tröster, Fürsprecher, Anwalt, Berater, Ermutiger, Freund …

Der Heilige Geist tröstet die Jünger. Er stärkt und ermutigt sie. Jesus geht zwar weg, aber er lässt sie nicht allein. Er schenkt seinen Trost und Beistand. Schon für die Jünger war dies ein großer Trost. Aber auch für die Christengemeinden. Von Anfang an hörten sie diesen Trost aus den Worten Jesu. Es gab Anfeindungen von außen. Die Christen waren unter Druck geraten. Mancherlei Vorwürfe mussten sie sich machen lassen wegen ihres Christusglaubens. Es kam zu Verwerfungen, Vorwürfen, Anklagen. Es war die Zeit beginnender Bedrängnis.

Nun: Noch immer können wir in Deutschland unseren Glauben relativ frei und offen leben. Nur: Manchmal bläst uns auch hier bereits ein heftiger Gegenwind ins Gesicht. In mancher Region ist noch eine hohe "Glaubensdichte", in anderen Regionen war dies nie der Fall. Christen waren und sind dort schon immer die kleine Minderheit. Vielerorts erleben wir Gemeinde/Kirche in einer Zeit zunehmender Verunsicherung. Als Kirche werden wir kleiner. Unsere Bedeutung für die Gesellschaft wird infrage gestellt. Wir müssen uns rechtfertigen: Wozu brauchen wir denn Kirche noch? Während das diakonische Tun noch akzeptiert wird, wird das Reden und missionarische Zeugnis heftig infrage gestellt: Was wollt ihr denn mit eurem Jesus?

Der Heilige Geist ist der Tröster. Er macht uns Mut. Er steht uns bei. Er vergewissert uns: Es lohnt sich, an Jesus festzuhalten. Es ist gut, sich den Glauben zu bewahren. Der Heilige Geist ist bei uns auch und gerade in stürmischen Zeiten, in denen wir uns rechtfertigen müssen, in denen wir wieder neu für unsere Zeitgenossen eine verständliche Sprache des Glaubens lernen müssen. Wir sind nicht allein, wenn wir "an den Pranger gestellt werden" als Kirchenleute, als Christen, als an Christus Glaubende. Aber auch unsere Geschwister weltweit, die härteste Bedrängnis erleben, die wegen ihres Glaubens oder dem Besitz einer Bibel im Gefängnis sitzen, sind nicht allein. Der Helfer, der Tröster, der Beistand steht ihnen zur Seite; der Heilige Geist, der sie und uns erfüllt mit seiner Kraft und Liebe.

Und auch der Schülerin, die sich vor ihren Mitschülern und in ihrer Klasse zu Jesus bekennt und von dem Lehrer nur eine bissig-spöttische Bemerkung bekommt, "wie man so einen Unsinn glauben kann", auch der sei gesagt: Du bist nicht allein. Du bist nie allein. Der Heilige Geist ist dir zur Seite, tröstend, helfend, beratend. Er gibt dir Kraft und Liebe.

Wo auch immer wir gefragt sind, unseren Glauben zu erklären - in unseren Alltagsbezügen, bei Freunden, Nachbarn, Arbeitskollegen -, da, wo wir zunächst einmal nicht recht wissen, was wir reden sollen, da tritt der Heilige Geist uns zur Seite und für uns ein. Ja, wir dürfen ihn bitten: "Herr, zeig mir, was ich tun kann. Gib mir die richtigen Worte."

Ein solches Gebet hat Manfred Siebald einmal (1978) zu einem Lied gemacht:

Gib mir die richtigen Worte,
gib mir den richtigen Ton.
Worte, die deutlich für jeden von dir reden
- gib mir genug davon.
Worte, die klären, Worte, die stören,
wo man vorbeilebt an dir;
Wunden zu finden und sie zu verbinden
- gib mir die Worte dafür.

Ja, wir dürfen bitten: "Erfülle mich mit deinem Geist, mit deiner Kraft und mit deiner Liebe." Und er tut es.

Der Heilige Geist macht uns Mut und stärkt unser Vertrauen. Er steht uns bei und vergewissert uns: Es lohnt sich, an Jesus festzuhalten. Es ist gut, sich den Glauben zu bewahren. Wir brauchen doch einen tragfähigen Grund im Leben und im Sterben. Auf dem Weg durch Welt und Zeit sind wir nie allein. Der Heilige Geist tritt uns zur Seite: helfend und tröstend, uns als Kirche, als Gemeinde und auch ganz persönlich.


2. Das Wirken des Geistes nach außen

So wie es damals galt, wo der Anspruch Jesu, ihn als Herrn zu bezeugen, sich zu ihm zu bekennen, infrage gestellt wurde, so gilt es auch heute.

Und Jesus hat etwas zu bieten, was keiner sonst geben kann. Es ist keine billige und einfach zu verdauende Botschaft, nach der Menschen einfach so verlangen würden. Aber es ist eine Wahrheit, die lebensnotwendig ist. Im wahrsten Sinn: die Not ihres Lebens wendend. Die vergessene Ewigkeitsnot.

Der Heilige Geist tritt für die Botschaft Jesu ein. Er öffnet die Augen für eine heilsame Sicht auf die Welt und mein Leben. Das ist zunächst einmal unbequem oder gar ärgerlich. Darum weichen Menschen aus.

Unterhalten sich zwei Patienten beim Arzt. Beide haben Probleme mit den Beinen. Einer klagt über die Schmerzen, die er bei jeder Berührung hat. Der andere hat diese scheinbar überhaupt nicht. "Wie kommt denn das?" "Nun, ich halte ihm immer das gesunde Bein hin."

Das Geistwirken nach außen besteht im Bezeugen dessen, dass Gott die Welt geliebt hat und liebt. Liebe aber besteht auch darin, eine unbequeme Wahrheit über uns aufzudecken:

Ohne Jesus verfehlen wir das Leben. Ohne ihn bleiben wir in der Sünde (= Zielverfehlung) verhaftet. Ohne ihn verfehlen wir das Ziel des Lebens. Ohne Jesus sind wir in Ewigkeit verloren. Und wir Menschen sind zunächst einmal alle in die falsche Richtung unterwegs.

Ein Mann sitzt zusammen mit anderen Reisenden in einem Zugabteil. Jedes Mal, wenn der Zug in einen Bahnhof einfährt, stöhnt er auf und jammert vor sich hin. Schließlich gerät er fast in Panik. Die anderen fragen ihn: "Was ist denn los? Warum jammern und stöhnen Sie dauernd?" Der Mann antwortet: "Ich muss doch jammern, wenn ich bei jedem Bahnhof merke, dass ich in die falsche Richtung fahre!"

Der Heilige Geist ist ein Aufdecker . Jesus hat vom Heiligen Geist gesagt: "Wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde." Kein Mensch kann solches von sich aus erkennen. Denn die Welt hält nicht für Sünde, was Sünde ist. Wir können andere nicht von ihrem Unrecht und ihrer Schuld überzeugen. Wir können lediglich weitersagen und bezeugen, wie wir Christen wurden und als Christen leben. Aufdecken muss der Heilige Geist.

Der Heilige Geist ist auch ein Hinführer. Jesus hat vom Heiligen Geist gesagt: "Wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Gerechtigkeit." Die Gerechtigkeit besteht darin, dass Jesus zum Vater geht und die Jünger ihn von nun an nicht mehr sehen. Wie ist das zu verstehen? Jesus ist fortan beim Vater. Und das ist gut. Denn dort tritt er für uns ein. Jederzeit. 1. Johannes 2,1b: "Wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist." Jesus ist der, der uns dort zur Seite steht. Und der Heilige Geist weist uns auf Jesus hin. Er ist ein Hinführer. Er führt uns zu Jesus, zu dem, an dem wir uns festmachen können, an den wir uns hängen können.

Und der Heilige Geist ist ein Gewissmacher. "Wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über das Gericht." Das Gericht ist bereits geschehen. Am Kreuz auf Golgatha. Der Sieg ist bereits errungen. Das Gericht wird mich nicht mehr treffen. Es hat Jesus getroffen. Wer sein Vertrauen auf Jesus setzt, der darf wissen: Von der Liebe Jesu kann mich nichts und niemand mehr trennen. Der Heilige Geist macht mich dessen gewiss.

Und der Heilige Geist führt auch heute Jesu Werk fort. Er tröstet die Gemeinde. Er steht den Kindern Gottes in allen Situationen bei. Wenn wir an Jesus glauben, sind wir nie allein. Und er wirkt in und an der Welt. Er bewegt Menschen. Er wirkt Sündenerkenntnis und Umkehr. Und er führt zur Freude des Glaubens. Darum wollen wir immer wieder neu bitten: Komm, Heiliger Geist!

AMEN.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht gesegnete Pfingsten!