Predigttext zum Gemeindefest - 2. Juli 2017.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG 362;

Titel: Ein feste Burg ist unser Gott

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
Ein Nachdruck des revidierten Textes der Lutherbibel sowie jede andere Verwertung
in elektronischer oder gedruckter Form oder jedem anderen Medium bedarf
der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.


Themenpredigt: "Die beste Zeit im Jahr ist mein …"

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Gemeinde!

Es gehört vielleicht nicht zu den bekanntesten Lutherliedern: "Die beste Zeit im Jahr ist mein". Doch es war in der "Vorrede auf alle guten Gesangbücher" enthalten, in dem Luther die Bedeutung der Musik und des Singens für den christlichen Glauben unterstreicht.

Version 1 (Orgel)


Das dürfte das bekannteste Lutherlied sein … Und wir werden es im Laufe dieser Predigt noch in ganz verschiedenen Variationen, auch modernen, hören.

Ja, Martin Luther war der "Erfinder" des deutschen Kirchengesangs. Vor ihm gab es in der Kirche nur lateinische Gesänge, die aber gar nicht von der Gemeinde, sondern allenfalls von der sog. Schola gesungen wurden, ansonsten vom Priester, der die Messe zelebrierte.

Version 2 (Orgel und Trompete)


Martin Luther war es ja ganz wichtig, dem Volk Gottes Wort, die Bibel, in deutscher Sprache in die Hand zu geben, damit jeder selber Gottes Wort lesen konnte. Deshalb übersetzte er zunächst innerhalb von nur 11 Wochen das Neue Testament, es wurde im September 1522 veröffentlicht. Trotz der für die damalige Zeit hohen Auflage von etwa 4000 Exemplaren war es innerhalb kürzester Zeit ausverkauft, sodass nur drei Monate später im Dezember 1522 eine zweite Auflage erschien. Mehr Jahre als die Wochen, die er für das Neue Testament benötigte, nämlich 12 Jahre benötigte Martin Luther für das Alte Testament, das er zusammen mit Philipp Melanchthon übersetzte, sodass die erste vollständige Bibel aus Altem und Neuem Testament 1534 erschien.

Nicht nur die Bibel sollte in deutscher Sprache gelesen, gehört und gepredigt werden, sondern auch das, was die Gemeinde im Gottesdienst gemeinsam tut, sollte auf Deutsch sein, auch der Gesang in der Kirche sollte in der Sprache des Volkes erklingen.

Martin Luther wollte, dass alle singen. Er wollte der Gemeinde eine Stimme geben. Im Gottesdienst der jungen Kirchen der Reformation wurde daher nicht nur lang gepredigt, sondern auch viel gesungen.


Version 3 (Symphonieorchester)


"Dem Volk aufs Maul schauen" - das war nicht nur beim Bibelübersetzen Luthers Motto, sondern auch beim Singen. Als Vorlagen für seine Lieder verwendete er oft Volkslieder und bekannte Melodien.

Musik die damals gut ankam, die hat man auf der Straße gehört. Der berühmte Gassenhauer und dann hat man die Melodie genommen und einen geistlichen Text drauf und das dann in der Kirche gesungen.

Luther schrieb somit sozusagen die erste evangelische Popularmusik. Und brachte damit die Kirchenmusikszene der damaligen Zeit in Bewegung. Priestergesang war jetzt out, Lieder wie "Ein neues Lied wir heben an" in. Beliebt auch "Vom Himmel hoch, da komm ich her". Dieses Lied hat der große Reformator übrigens für seine Kinder geschrieben. Die Melodie stammt von einer volkstümlichen Weise, einem Trinklied.


Version 4 (Gitarre - Werner Hucks)


Luther selbst sang leidenschaftlich gerne. Man nannte ihn auch die Wittenbergische Nachtigall. "Wer singt, betet doppelt" - diesen Ausspruch des heiligen Augustinus hatte er zutiefst verinnerlicht. Dazu spielte der Reformator Laute, ein Saiteninstrument ähnlich der Gitarre, und nicht das Königsinstrument der Kirchenmusik, die Orgel.

Dass seine Lieder heute von jungen Leuten auch mal mit Gitarre und Schlagzeug gespielt werden und ein bisschen rockiger, hätte Luther sicher gefreut, denn ihm war es vor allem wichtig, dass Menschen aktiv und mit Freude ihren Glauben entdecken.


Version 5 (Kay Wächter)


Luther prägte das evangelische Gesangbuch. Dem Reformator verdanken wir auch die Kunst von Bach und Schütz, die Chorbewegung, den Beruf des Kirchenmusikers - und sogar christliche Rockmusik.

"Die Musik verjagt den Teufel und macht die Menschen fröhlich", meinte Martin Luther. Im Leben des Reformators spielte Musik die zweite Hauptrolle - gleich nach der Theologie. Er hatte eine klangvolle Stimme und sang leidenschaftlich gern.


Version 6 (Mark Gierling & Band)


Luther hatte eine sehr positive Einstellung zur Musik - anders als etwa die Schweizer Reformatoren Johannes Calvin und Ulrich Zwingli. Luther schätzte die Musik als wirksames Mittel gegen "Zorn, Zank, Hass, Neid, Geiz, Sorge, Traurigkeit und Mord", wie er in der Vorrede zu seinen Gesangbüchern schrieb.

Das Singen war für ihn eine direkte Methode, Glaubenstexte zu verinnerlichen. Luther selbst textete und komponierte. Er hat Psalmen umgedichtet und vertont, altkirchliche Hymnen ins Deutsche übertragen, biblische Erzähllieder geschrieben und geistliche Kinderlieder verfasst.

Version 7 (Dieter Falk - A Tribute to Martin Luther)

Nach unterschiedlichen Zählungen sind zwischen 36 und 45 Liedtexte und mindestens 20 Melodien von ihm erhalten. Seine Lieder sind Klassiker wie "Vom Himmel hoch, da komm ich her", "Aus tiefster Not schrei ich zu dir" und "Eine feste Burg ist unser Gott", das Heinrich Heine als "Marseillaise der Reformation" bezeichnete.

Das Gesangbuch geht letztlich auf Luther zurück: Auch über die Musik wurde der Gedanke der Reformation in die Welt getragen. Martin Luther führte die singende Gemeinde im Gottesdienst ein. In Wittenberg begann er, Teile der lateinischen Messe durch deutsche Lieder zu ersetzen. Sie wurden aus den neuen Gesangbüchern gesungen. Luther betonte wie keiner vor ihm den pädagogischen Wert der Musik. Er forderte, dass nicht nur jeder Pfarrer, sondern auch jeder Schullehrer singen können müsse.

Bisher hatten wir nur instrumentale Versionen von "Ein feste Burg ist unser Gott", jetzt sollen noch zwei Beispiele mit Gesang folgen …


Version 8 (Luther Modern meets past)


Das Singen wurde zum Markenzeichen der Reformation. Nicht nur in den Gottesdiensten, auch auf der Straße schmetterten die Protestanten ihre neuen Glaubenslieder. Martin Luther setzte auf die Macht der Musik, und sie wirkte eindringlich.

Eine Schweinfurter Gemeinde sang 1532 während einer Messe mit "Ein feste Burg" einen katholischen Priester nieder. Göttinger Handwerker mischten eine Fronleichnamsprozession mit "Aus tiefer Not schrei ich zu dir" und anderen deutschen Psalmvertonungen auf - bis man die "Kyrieleis"-Gesänge nicht mehr hörte.

Der Bürgermeister von Lemgo schickte 1533 seine Ratsdiener in die Stadt, um die singenden Abtrünnigen zur Ordnung zu rufen. Doch die Diener kamen zurück und meldeten: "Sie singen alle." Der Bürgermeister trat zurück.

Bis heute ist Luther der am stärksten vertretene Lieddichter in evangelischen Gesangbüchern. Ohne seine Begeisterung für die Musik wären keine Stellen für Kantoren und Organisten geschaffen worden. Doch sein Einfluss reicht über den Gottesdienst weit hinaus. Luther-Bibel und Gesangbuch boten den Komponisten der Reformationszeit den nahezu ausschließlichen, überaus reichhaltigen und vielfältigen Stoff für ihre geistlichen Werke.

Mit der Reformation begann die eindrucksvolle Geschichte evangelischer Kirchenmusik, von. Zahlreiche Komponisten des 16. bis 18. Jahrhunderts fertigten Liedsätze, geistliche Konzerte und Kantaten auf Luthers Texte an.

Keine 40 Jahre nach Martin Luthers Tod geboren, verlieh Heinrich Schütz über der protestantischen, deutschsprachigen Kirchenmusik künstlerische Größe. An die 500 Werke sind von ihm überliefert - fast ausschließlich Vertonungen nach der Luther-Bibel.

Johann Sebastian Bach hat die Gedanken des Reformators am eindrucksvollsten in Musik übersetzt. Er stammte aus der Luther-Stadt Eisenach. Bach war mit Herz und Verstand ein Lutheraner. Er hat 30 seiner Lieder ausgedeutet und neue Gedanken hinzugefügt. "Vom Himmel hoch, da komm ich her" hat er besonders oft vertont, etwa im Magnificat und im Weihnachtsoratorium. All seine geistlichen Werke belegen seine umfassende Kenntnis der Bibel und des Gesangsbuchs, die besondere Verbundenheit mit der lutherischen Tradition und dem Geist der Reformation.


Version 9 (Deine Ludder)


Martin Luther hat überall in der Musikgeschichte seine Spuren hinterlassen. Sie reichen weit über die geistliche Musik hinaus. Auch in Mozarts "Zauberflöte", im "Gesang der Geharnischten", wird ein Luther-Choral verarbeitet. Luthers Choralmelodien tauchen als Cantus firmus noch bei Mendelssohn-Bartholdy, Brahms und Reger auf.

Die Reformation legte einen Grundstein der europäischen Musikkultur. Ohne Martin Luthers Musikverständnis hätte es - zumindest in dieser Weise - keinen Heinrich Schütz, keinen Johann Sebastian Bach, keine Posaunenchöre, keine Chorbewegung, keinen professionellen Kirchenmusikerberuf und nicht einmal christliche Popmusik gegeben.

Darum, lasst es uns mit dem Psalmbeter halten: "Ich will singen von der Gnade des Herrn ewiglich und seine Treue verkünden mit meinem Munde für und für" (Psalm 89,2).

Amen.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht eine gesegnete Woche!