Predigttext und Predigt zum 7. Sonntag nach Trinitatis - 30. Juli 2017.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG 326;

Titel: Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
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Predigttext: Johannes 6,30-35

Da sprachen sie zu ihm: Was tust du für ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben? Was für ein Werk tust du? Unsre Väter haben in der Wüste das Manna gegessen, wie geschrieben steht (Psalm 78,24): "Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen." Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn Gottes Brot ist das, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben.
Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot. Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Gemeinde!

( Jesus for President )

Jesus hatte eben sein populärstes Wunder vollbracht: 5.000 Männer waren satt geworden - von zwei Fischen und fünf Broten! 5.000 Männer - und nach antiker Sitte sind hier die Frauen und Kinder noch gar nicht mitgerechnet, obwohl die mit dabei waren. Also vielleicht noch einmal oder gar zweimal so viele? Jedenfalls war die Zahl noch viel höher.

Da ging manchem ein Licht auf: Mensch, das gab's doch schon mal! Klar, bei Mose war das! Und da soll doch einmal einer kommen, der so ist wie Mose! Und als Mose mit dem frisch befreiten Volk durch die Wüste zog, da wurden alle satt, an jedem Tag, denn Gott versorgte das Volk mit Manna. So reichlich, dass am Schabbat nicht gesammelt werden musste. Und jeden Tag neu, sodass niemand das gesammelte Manna aufheben musste. Es hatte für alle und für jeden Tag gereicht. Und das war nicht etwa so wie Astronautenfutter oder Sportlernahrung. Hauptsache, es nährt, der Geschmack ist doch egal. Nein: Das Manna schmeckte nach Honig. Für damalige Geschmäcker Luxus pur. Das war keine Notration, das war auch noch etwas ganz besonders Gutes. Überfluss und Luxus statt Nahrungsmangel.

Und so geschieht es auch hier, rund 1.400 Jahre später am See Genezareth. Die Leute bekommen von Jesus nicht nur eine Hungerration, sondern es ist so viel da, dass gleich körbeweise davon übrig bleibt. Die Menschen erleben: Da ist einer, der gibt uns Brot vom Himmel!

Darum diese Begeisterung nach diesem Speisungswunder: Ja, das hätten wir gerne! Wie damals bei Mose! Nicht säen und nicht ernten und trotzdem an jedem Tag gespeist von Gott. Einfach so in den Supermarkt spazieren, nehmen, was man braucht, und nichts bezahlen müssen. Das wär's doch. Verständlich für uns heute und noch mehr damals: Es war damals mühsam, satt zu werden - so wie es heute oft eine große Mühe ist, den Wohlstandsspeck los zu werden. Damals war es sehr mühsam und nicht selbstverständlich, jeden Tag satt zu werden. In vielen Familien herrschte wirklicher Hunger und jeden Tag die Sorge: Wird es heute reichen? Werde ich heute genug als Landarbeiter, als Tagelöhner verdienen oder mir zusammenbetteln können? Darum wollen die Menschen: Jesus soll unser König sein! Ein Anführer des Volkes wie einst Mose, der unsere Vorfahren jeden Tag gesättigt hat mit kostenlosem Brot vom Himmel, das nur gesammelt werden musste. "Jesus for President" und Brot für alle. Wir haben jeden Tag genug zu essen, ohne uns dafür so bitter abmühen zu müssen. Jesus - sei du unser König im Schlaraffenland, und alles wird gut.


( Lebenshunger )

Wird wirklich alles wieder gut? Wie war das denn damals, als das Volk Israel das Manna in der Wüste bekam? Machte sie das zufrieden und glücklich? Jeden Tag Süßigkeit, ohne hungrig zu sein und ohne zuzunehmen - da sollte man meinen, dass man da dankbar ist, oder? Ganz im Gegenteil. Sie hatten es schnell satt und blieben so unzufrieden wie eh und je. Sie ließen sich nicht durch das Manna davon überzeugen, dass Gott ihr liebender Versorger ist. Denn dieses Manna war als Liebeserklärung Gottes gedacht.

Auch die Menschen, die Jesu Speisungswunder erlebt haben, reagieren ganz ähnlich: "Wir wollen gern von dir gefüttert werden, aber dich wollen wir nicht. Wenn du uns nicht so versorgen möchtest, wie Mose getan hat, dann kannst du uns gestohlen bleiben."

Ganz offenbar bedeutet ein voller Magen noch nicht, dass der Lebenshunger gestillt wird, den alle Menschen haben. Leben ist ganz offensichtlich mehr als "satt sein".

Es gibt ein weiteres gutes Beispiel dafür, dass "Manna", die Vollversorgung für jeden Tag, längst nicht alle Sorgen löst und den Lebenshunger letztlich nicht stillt.
Uns nämlich. Diesen Zustand, den diese Leute sich so sehr wünschten und von dem sie nur träumen konnten, den haben wir doch. Es ist sicher nicht so, dass es keine materielle Not mehr gibt. Aber der überwiegende Teil unserer Bevölkerung kann nach dem Aufstehen sicher sein, nicht mit nagendem Hunger oder gar unterernährt zu Bett gehen zu müssen.

Das trifft zumindest auf die Leute zu, die für sich selbst sorgen können. Bei kleinen Kindern und bei alten Menschen sieht es in einigen Extremfällen leider wieder anders aus, wenn sie vernachlässigt werden von den Menschen, die für die Versorgung zuständig wären. Der überwiegende Teil unserer Bevölkerung wird gleichwohl satt.

Aber ist dieser überwiegende Teil deshalb auch überwiegend glücklich und zufrieden? Wenn die grundlegende Not gestillt ist, dann kommen ganz andere Probleme und auch solche, die den wohlgenährten Menschen fast zu erdrücken scheinen.

Um wieder zu den Extremfällen zu gehen: In Ländern mit großer Armut und der Sorge um das tägliche Brot gibt es weitaus weniger Fälle von psychischen Erkrankungen und eine viel geringere Selbstmordrate als in den sogenannten Wohlstandsländern. Das führt zu dem Schluss: Klar - ohne den vollen Bauch ist Leben überhaupt nicht möglich. Aber der volle Bauch allein, auch der volle Geldbeutel allein ist noch kein Garant für wahres Leben.

Das ist keine Anklage, sondern eine Feststellung. Auch wer satt ist, kann alles satthaben. Der volle Bauch macht noch kein volles Herz.


( Jesus stillt Lebenshunger )

Warum? Hier darf der gute Augustinus zu Wort kommen, und der hat es in seinen Bekenntnissen auf den Punkt gebracht: "Des Menschen Herz bleibt ruhelos, bis es Ruhe findet in Gott." Es fehlt dem Menschen die liebende Gemeinschaft mit Gott.

Die bringt uns Leben. Darum heißt es im Vaterunser nämlich nicht nur: "Unser tägliches Brot gib uns heute", sondern auch und sogar an erster Stelle: "Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden." Das heißt übersetzt: Lieber Gott - mir ist ganz wichtig, was du möchtest. Was du in meinem Leben tun möchtest und was du durch mich in dieser Welt tun möchtest.

Jesus macht deutlich, wie die Ruhelosigkeit zur Ruhe kommen kann. Den Menschen damals und uns Menschen heute zeigt er, wie die richtige Adresse lautet für Lebenshungrige. Das ist einer der "Ich bin"-Sätze Jesu, mit denen er sich vorstellt und in dem er sagt, was er für uns tut und wer er für uns ist: "Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten."

Jesus verspricht, dass er sich um den Lebenshunger kümmert. Das bedeutet nun nicht, dass ein Leben mit Jesus ein rundum sorgloses Leben wäre. Aber er gibt unserem Leben einen ganz neuen Sinn und ein ganz neues Ziel, nämlich mit ihm zu leben. Wer dieses Leben mit ihm wagt, der merkt: Da tut sich ein ganz neuer und weiter Raum an Möglichkeiten auf. Jesus hat etwas vor mit deinem Leben. Er schenkt seine Liebe und Annahme und zeigt jedem und jeder auf andere Weise, wie und wo diese Liebe weitergegeben werden soll.

Sinnsuche - das ist auch ein Kennzeichen, ein Symptom des Lebenshungers. Jesus gibt uns eine Adresse, wohin wir kommen können, wenn wir Hilfe brauchen in unserem Alltag. Die meiste Zeit über besteht unser Leben aus Alltag, und da interessiert natürlich, wo ich hinkann mit meinem Alltag und mit dem, was der Alltag so bringt. Darum bietet Jesus den Menschen seine Nähe und seine Gemeinschaft an: "Ich möchte euch helfen, mit eurem Alltag zurechtzukommen. Wichtig sind nicht die herausragenden Ereignisse, die ich bewirke, sondern das euch meine Nähe, der Glaube an mich, so selbstverständlich wird wie das tägliche Brot."

Jesus bietet keinen großen Entwurf, wie wir die Welt verbessern können, sondern er setzt da an, wo wir gefragt sind: bei unserem Leben. Jesus möchte mit dir deinen Alltag im Gebet besprechen, er möchte dir Hilfen zeigen, die dich im täglichen Leben weiterbringen.

Jesus möchte mehr geben als Brot, das nur den Hunger stillt. Darauf weist Jesus die Leute hin, die eben seine Versorgung erlebten: "Hört mal: Die Israeliten haben zwar das tägliche Manna bekommen. Aber dann sind sie irgendwann gestorben. Aber ich bin das Brot vom Himmel, das in den Himmel bringt. Wer zu mir gehört, der hat nicht nur Brot, das für ein paar Stunden satt macht, sondern Brot, das ewig satt macht". So sagt Jesus: "Das ist der Wille des Vaters, dass, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, das ewige Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage." Will heißen: Wer Jesus kennenlernt, mit ihm lebt und sich an ihn hält, der bleibt im Alltag bei ihm geborgen, aber auch weit über den Alltag hinaus, denn er wird auferstehen zu ewigem Leben. Wer zu Jesus gehört, der ist wieder daheim in den schützenden Armen Gottes und wird da auch für immer bleiben. Das ist Nahrung, das ist Brot für die Ewigkeit und nicht nur bis zum nächsten Magenknurren, spätestens am nächsten Tag.


( Satt durch das Wort Gottes )


Und nun die spannende Frage: Wo und wie begegnen wir Jesus? Wie lernen wir ihn kennen? Klar, sonntags im Gottesdienst. Und im Alltag? Leider gibt es ja nicht an jedem Tag einen Gottesdienst. Wir lernen Jesus kennen, indem wir uns mit dem beschäftigen, was er getan, was er gelehrt, was er gepredigt hat. Das führt zu Vertrauen und Vertrautheit.

Und das können wir tun, indem wir lesen, was in der Bibel von Jesus und über Jesus ausgesagt wird. Die Menschen damals und wir heute wissen: Leben wird durch Nahrung erlangt und am Leben erhalten. Aber Brot ist nicht alles. Unser physisches Leben ist nicht alles. Wie die Nahrung zum Leben, so gehört das Wort Gottes zu wahrem Leben und zu ewigem Leben. Ewiges Leben wird durch das Wort Gottes erlangt und am Leben erhalten. Warum? Weil das Wort Gottes uns zu Jesus führt, der das Brot des Lebens ist. Weil das Wort Gottes uns mit Jesus bekannt macht.

Das Lesen bleibt dann nicht alles. Es wird auch das Erleben dazukommen. Wer die Bibel regelmäßig liest mit der Bereitschaft, ihrer Botschaft zu vertrauen, dessen Leben wird nicht mehr dasselbe sein. Er wird auf einmal ganz bewusst Teil der Geschichte, die Gott mit Menschen macht. Wir werden hier Gott erleben. Das ist schwer mit Worten zu beschreiben. Das muss wirklich selbst ausprobiert und selbst erlebt werden. Jesus ist das Brot des Lebens. Wer mit ihm lebt, der hat in ihm einen treuen Begleiter. Im Alltag. Und in der Not. Und das ewige Leben. Den Weg zu Jesus finden wir durch das Wort Gottes, das uns in allererster Linie in der Bibel zugänglich wird. Jesus spricht: Ich bin für dich das Brot des Lebens. Wenn du zu mir kommst, dann werde ich deinen Lebenshunger stillen.

AMEN.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht eine gesegnete Woche!