Predigttext und Predigt zum 12. Sonntag nach Trinitatis - 3. September 2017.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG 289;

Titel: Nun lob, mein Seel, den Herren

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
Ein Nachdruck des revidierten Textes der Lutherbibel sowie jede andere Verwertung
in elektronischer oder gedruckter Form oder jedem anderen Medium bedarf
der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.


Predigttext: Jesaja 29,17-24

Wohlan, es ist noch eine kleine Weile, so soll der Libanon fruchtbares Land werden, und was jetzt fruchtbares Land ist, soll wie ein Wald werden.
Zu der Zeit werden die Tauben hören die Worte des Buches,
und die Augen der Blinden werden aus Dunkel und Finsternis sehen;
und die Elenden werden wieder Freude haben am Herrn,
und die Ärmsten unter den Menschen werden fröhlich sein in dem Heiligen Israels.
Denn es wird ein Ende haben mit den Tyrannen und mit den Spöttern aus sein, und es werden vertilgt werden alle, die darauf aus sind, Unheil anzurichten,
welche die Leute schuldig sprechen vor Gericht
und stellen dem nach, der sie zurechtweist im Tor,
und beugen durch Lügen das Recht des Unschuldigen.
Darum spricht der Herr, der Abraham erlöst hat, zum Hause Jakob: Jakob soll nicht mehr beschämt dastehen,
und sein Antlitz soll nicht mehr erblassen.
Denn wenn sie sehen werden die Werke meiner Hände - seine Kinder - in ihrer Mitte, werden sie meinen Namen heiligen; sie werden den Heiligen Jakobs heiligen und den Gott Israels fürchten.
Und die, welche irren in ihrem Geist, werden Verstand annehmen, und die, welche murren, werden sich belehren lassen.

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Gemeinde!

( Einleitung )

Wenn sich Unzufriedenheit breitmacht in unserem Leben, dann schreit alles nach Veränderung. Und wir haben Mechanismen entwickelt, die dann in Gang gesetzt werden.

Wenn eine Fußballmannschaft über Wochen hinweg keinen Erfolg hat, dann muss der Zeugwart gehen? Nein. Dann ist vielmehr ganz klar, dass der Trainer gehen muss. Es muss sich ja etwas ändern. Aber wird sich etwas ändern?

Wenn der Arbeitskollege sich schon seit Wochen sich ständig über jede Kleinigkeit aufregt, dann gibt es einen Extragruß "Danke für die gute Zusammenarbeit!"? Nein. Dann gibt es vielmehr einige klare Worte und ein Donnerwetter. Es muss sich ja etwas ändern. Aber wird sich etwas ändern?

Und wie machen wir es, wenn wir mit unserem Leben den Eindruck haben, dass sich etwas ändern muss?

Hören wir doch darauf, was in diesem Fall Gottes Wort sagt, gesprochen in einer Situation vor mehr als 2000 Jahren in Israel, als alle den Eindruck hatten: Es muss sich etwas ändern! Aber was?

Wie umfassend die Veränderung ist, die hier angekündigt wird, wird schon am daran deutlich, wie kunstvoll und wohlbedacht die Worte gesetzt sind:

Die Verse 17-21 teilt sich auf in eine dreifache Verheißung:

a) V. 17: positiv: Veränderung der Schöpfung,
b) V. 18 f.: positiv: Veränderung der Leidenden,
c) V. 20 f:. negativ: Ende der Feinde.

In diesem Dreischritt ist eine umfassende Umkehr der Schöpfung und aller Verhältnisse ausgeführt.

Die Verse 22-24 verdeutlichen diese Verheißung im Blick auf das Volk Israel. Auch hier ist es wieder ein Dreischritt der Veränderung:
a) V. 22: negativ: Ende der Scham,
b) V. 23: positiv: Beginn der Heiligung,
c) V. 24: positiv: Beginn der Erkenntnis.

Während beim ersten Dreischritt das Negative am Ende steht, leitet das Negative den zweiten Dreischritt ein. Es ergibt sich also eine Struktur, die genau gespiegelt ist.

Der ganze Abschnitt mit seinem "Doppeldreier" unterstützt durch seinen Aufbau das Ungeheure dieser Änderung, die Gott durchführt. Alles wird sich ändern - vom Land bis hin zu den Menschen.

Drei Punkte zu dieser großen Änderung:


1. Es muss anders werden!

Die Veränderung, ja, die wollen sie alle.

Einerseits herrscht in unserer Zeit eine große allgemeine Unzufriedenheit, die auch schnell beklagt wird und die Menschen bereit macht, sich auf eine Veränderung einzulassen. Andererseits ist unsere Zeit sowieso von ständigen Veränderungen durchzogen. Längst sind durchgängige rote Fäden in einem Leben nicht mehr selbstverständlich.

Umkehr ist allerdings viel mehr als Abwechslung. Die grundlegende Erneuerung ist halt doch noch einmal etwas ganz anderes als da und dort eine Veränderung. Von nichts weniger ist die Rede: von einer Erneuerung, die so grundsätzlich ist, dass sie nicht mehr eine weitere Erneuerung nach sich zieht.

Aber für wen kommt sie letztlich doch erwünscht und für wen unerwünscht?

Israel war von den Assyrern bedroht: von außen die Assyrer mit ihren Truppen, von innen entweder Leute, die die Angst fast zerfressen hat, oder andere, die in völliger Selbstüberschätzung von einer antiassyrischen Koalition mit Ägypten geträumt haben. Oder dritte, die aus der Not ein Unternehmen gemacht haben und ohne Rücksicht auf Verluste Profit daraus geschlagen haben - in Justiz oder in der Wirtschaft.

So ist es auch heute mit der Sehnsucht nach Veränderung: Entweder man hat Angst davor oder zu viel Lust darauf, oder aber man sucht das Geschäft damit und zockt ab.

Was blieb auf der Strecke?

Die Verbindung zu dem, der verändern kann. Die stand zwar noch pro forma, aber es fehlt die innere Füllung. Wie kann sich das ändern?


2. Es kann anders werden!

Große Veränderungen können nicht selber herbeigeführt werden. Das kann nur Gott. Veränderung gibt es also nur, weil Gott alles anders machen kann. Anzeichen dafür im Text: "noch eine kleine Weile" - das Alte hat ausgedient. Die Tauben hören, die Blinden sehen. Elende haben wieder Freude an Gott. Ungerechtigkeit in Diktatur, Zynismus und Korruption bzw. Justizirrtum sind passé.

Weiteres Zeichen für die Schaffenskraft Gottes: der Bezug auf Abraham und Jakob. Was hat Gott im Leben dieser beiden nicht alles verändert! Das ist die Veränderung schlechthin: die Erlösung. Nach ihr sehnen sich die Menschen

Das Beispiel Johannes' des Täufers: Er hat die Veränderung angekündigt, hat sie kommen sehen, hat sie gelobt. Und er ist sogar danach noch in tiefe Anfechtung gefallen, hat sie angezweifelt. Und doch hat er sie geglaubt, hat sie gesehen mit all ihren messianischen Zeichen …

Diese Veränderung kann man heute greifen - durch den Erlöser. Das ist die größte Veränderung.


3. Das wird dann anders werden!


22 Darum spricht der Herr, der Abraham erlöst hat, zum Hause Jakob: Jakob soll nicht mehr beschämt dastehen, und sein Antlitz soll nicht mehr erblassen.
23 Denn wenn sie sehen werden die Werke meiner Hände - seine Kinder - in ihrer Mitte, werden sie meinen Namen heiligen; sie werden den Heiligen Jakobs heiligen und den Gott Israels fürchten.
24 Und die, welche irren in ihrem Geist, werden Verstand annehmen, und die, welche murren, werden sich belehren lassen.


Wie lassen sie die konkreten Veränderungen auf unser persönliches Leben anwenden?

Wo finden wir zu einer neuen Unerschrockenheit (V. 22), die nicht überfährt, aber auch nicht hinter dem Berg hält mit der guten Botschaft der Erlösung?
- Wo heiligen wir Gott neu? Wo setzen wir ihn an Platz eins?
- Schulen statt murren. Wo in unserer Gemeinde könnte die Schulung neuen Raum bekommen und auch angenommen werden? Wo könnte sie Kritik ersetzen?

Eine neue Un-Verschämtheit, nicht mehr schweigen, sondern den Mund aufmachen für die gute Nachricht - das ist eine Änderung (V. 22)! Gott heiligen - ihn aussondern aus den vielen, denen wir unser Leben anvertrauen, und ihm eine einzigartige Sonderstellung geben, das ist praktische Veränderung (V. 23). Und vom Irren zu Verstand und vom Murren zum Sich-Schulen finden, das ist Veränderung.


( Schluss )

Wenn Gott ändert, dann wird es wirklich anders. Es beginnt mit der Umkehr zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes, der alles neu machen kann und will (Offenbarung 21,5) - und dann ändert sich nach und nach auch alles andere.

Veränderung kann durchaus klein anfangen. Aber wo Gott Veränderung schafft und wir uns ihr nicht verweigern, da bleibt Veränderung niemals auf halbem Wege stehen.

AMEN.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht eine gesegnete Woche!