Predigttext und Predigt zum 1. Advent - 3. Dezember 2017.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG 16;

Titel: Die Nacht ist vorgedrungen

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
Ein Nachdruck des revidierten Textes der Lutherbibel sowie jede andere Verwertung
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der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.


Predigttext: Offenbarung 5,1-14

Und ich sah in der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß, ein Buch, beschrieben innen und außen, versiegelt mit sieben Siegeln.
Und ich sah einen starken Engel, der rief mit großer Stimme: Wer ist würdig, das Buch aufzutun und seine Siegel zu brechen?
Und niemand, weder im Himmel noch auf Erden noch unter der Erde, konnte das Buch auftun und hineinsehen.
Und ich weinte sehr, weil niemand für würdig befunden wurde, das Buch aufzutun und hineinzusehen.
Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, aufzutun das Buch und seine sieben Siegel.
Und ich sah mitten zwischen dem Thron und den vier Gestalten und mitten unter den Ältesten ein Lamm stehen, wie geschlachtet; es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, gesandt in alle Lande.
Und es kam und nahm das Buch aus der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß.
Und als es das Buch nahm, da fielen die vier Gestalten und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm, und ein jeder hatte eine Harfe und goldene Schalen voll Räucherwerk, das sind die Gebete der Heiligen, und sie sangen ein neues Lied: Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen und hast sie unserm Gott zu Königen und Priestern gemacht, und sie werden herrschen auf Erden.
Und ich sah, und ich hörte eine Stimme vieler Engel um den Thron und um die Gestalten und um die Ältesten her, und ihre Zahl war vieltausendmal tausend; die sprachen mit großer Stimme: Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob.
Und jedes Geschöpf, das im Himmel ist und auf Erden und unter der Erde und auf dem Meer und alles, was darin ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit!
Und die vier Gestalten sprachen: Amen!
Und die Ältesten fielen nieder und beteten an.

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Gemeinde!

Wir sind in der dunklen Zeit des Jahres angekommen, der Nebel liegt schwer über dem Land - aber auch in unserer Zeit- und Weltgeschichte ist es finster geworden.

Wir erleben gerade eine Zeit, in der sich vieles von dem zu erfüllen beginnt, was wir in Gottes Wort bereits prophetisch angekündigt finden …


( Ernüchternde Bestandsaufnahme )

Betrachten wir an diesem Adventssonntag die Ereignisse vor dem Hintergrund biblischer Verheißung.

Jesus bereitet seine Gemeinde auf sein Kommen vor, auf das wir ja gerade in der Adventszeit besonders warten: "Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei …" (Matthäus 24,6). Kaum einer von uns wird bestreiten, dass wir das mittlerweile global erleben - Terrorismus als eine aktuelle Bedrohungslage.

Dann das Stichwort "Naturkatastrophen": Allein in den Jahren zwischen 1900 und 2000 hat sich die Anzahl globaler Katastrophen von wenigen Ereignissen pro Jahr auf 400 erhöht. In den letzten zehn Jahren am meisten!

Jesus hat das angekündigt, als er mit seinen Jüngern spricht! Wissenschaftler suchen nach Erklärungen, Politiker nach Rat!

Unordnung und Chaos haben zugenommen. Während die Vernetzung dieser Welt zunimmt, entfernen sich Menschen immer weiter voneinander, Ratlosigkeit in Politik und Gesellschaft, die bewährten Systeme scheinen überholt, sind überschuldet - die Gier weniger reißt die große Masse mit sich und führt ganze Staaten ins Verderben. Wir hören: "Krise, Krise, Krise …" - ob ökonomisch, ökologisch oder humanitär -, und über allem steht zuletzt eine grundlegende Vertrauenskrise in das, was uns in Europa lange Zeit getragen hat. Im Untergrund schwelt die immense Schuldenkrise Einzelner und dieser ganzen Welt.

Der Ruf nach starken Politikern angesichts der Unsicherheiten schallt durch die Nacht. Wir erleben dabei, wie sich das Wort erfüllt: "Noch einmal will ich Himmel und Erde erschüttern" (Hebräer 12,26; zit. Haggai 2,6). Jesus kündigt das sehr klar an, dass dies am Ende der Zeit geschehen wird. Gleichzeitig spricht er über die Vorzeichen seiner Wiederkunft, seines "zweiten Advents", die von Erdbeben und Naturkatastrophen begleitet sein wird.

Die Bilder der Offenbarung haben höchste Aktualität. Wer einen wachen Blick hat, muss aufhorchen - und als Christen sollen sich daran erinnern lassen, dass diese Welt noch nicht an ihrem Ziel angelangt ist.

Liebe Gemeinde, wir, d. h. die ganze Menschheit leidet noch immer unter den Folgen der Gottesferne. Die Nacht ist vorgedrungen, eingedrungen und liegt über unseren Nationen und Staaten und im Leben vieler Menschen. Ja, wir sehnen uns nach Licht! Vieles ist uns dabei ein "Buch mit sieben Siegeln" …


( Traurige Ratlosigkeit )

Eine ganz andere Perspektive öffnet uns der Predigttext an diesem ersten Adventssonntag!

Auch wir stehen in der Erwartung dessen, was kommt, was auf uns zukommt in diesen Tagen und in der Zukunft! Wir sind eingeladen, gerade in dieser Adventszeit, miteinander vor dem Thron Gottes zu stehen, wie ihn Johannes beschreibt, und innezuhalten wie Johannes, dem Gott die Deutung der letzten Zeit als Auftrag gibt!

Wir sind eingeladen, den Blick weg von den Katastrophen und Ereignissen, die uns buchstäblich wie ein Buch mit sieben Siegeln erscheinen, auf den zu richten, der auf dem Thron sitzt. In der rechten Hand, mit der er die Geschicke der Welt oft im Verborgenen zum Guten führt, hält er die Schriftrolle!
Zu gerne würden auch wir wissen, was genau darin zu finden ist.

Sie ist beschrieben innen und außen mit dem Geheimnis der Weltgeschichte, mit den verborgenen Wegen dieser Welt, die Gott aus Liebe durchs Gericht zum Heil und zur Vollendung führen wird. Sie ist beschrieben mit dem Geheimnis unserer persönlichen Lebensgeschichte, die im Letzten nur Gott selbst kennt, über die ER souverän ist.

Liebe Gemeinde, gerade dann, wenn es uns geht wie Johannes, der in der Gegenwart Gottes zu weinen beginnt, weil kein Mensch die Siegel öffnen kann und erklären kann, was sich da in unserer Welt gerade ereignet, ja wenn auch wir angesichts der politischen Krisen unserer Zeit weinen oder persönliche Lebenskrisen uns überfordern, dann ermutigt uns Gottes Wort, heute innezuhalten vor seinem Thron.

Gerade in den letzten Abschnitt unserer Weltgeschichte ruft der starke Engel hinein: "Wer ist würdig, das Buch aufzutun und seine Siegel zu brechen?" Zu gerne würden doch auch wir die Siegel brechen und genau wissen, wie alles weitergeht mit dieser Welt, im eigenen Leben, in der Zukunft! Johannes bleibt nur das Weinen, das Warten in der Gegenwart Gottes und die Enttäuschung, dass kein Mensch, kein Geschöpf das Buch öffnen konnte, das in der Hand des allmächtigen Gottes liegt.

Auch wir finden uns da wieder mit unserer Sehnsucht danach, dass sich aufklärt, was wir nicht verstehen, dass sich auflöst, was unser Leben wie sieben Siegel bindet und uns das Verstehen schwer macht! Ja, wo gerade auch bei Christen sich eine Leidensgeschichte durch das Leben zieht!


( Erlösender Ausblick )

Wer kann diese sieben Siegel brechen? "Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, aufzutun das Buch und seine sieben Siegel."

Auch uns in unseren Gemeinden erreicht heute neu die Botschaft des Ältesten, der redet! Kein Zufall, dass es einer der Ersterwählten des Alten Bundes ist, wie Abraham bezeugt: "Der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids hat überwunden" (1. Mose 49,9-10) - der verheißene Gesalbte Gottes für Israel und die Nationen, der Erstgeborene vor aller Schöpfung und der Vollender: "Jeschua haMaschiach" - "Jesus, der Messias", "Jesus, der Christus" - ER allein kann die "sieben Siegel" brechen! Auf IHN läuft alles zu.

Wie Philipp Friedrich Hiller (1699-1769) anmerkt: "Jesus ist der Kern der Schrift, / weil auf IHM zusammentrifft, / was von alt und neuem Bund, / je im Buche Gottes stund" - so eröffnet Jesus Christus, der die Erschließung des Gotteswortes in Person ist, als das eine lebendige Wort die Siegel - ER erschließt Gericht und Gnade! Und er allein ist es, der diese Welt einmal vollendet!

Dann, wenn offenbar wird, dass er mit der Sünde abgerechnet hat und das Leben sich durchsetzt! "Und aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes" (Psalm 98,3; Jesaja 52,10).

Ja, die Machtfrage hat ER endgültig schon geklärt, auch wenn wir noch in der Gegenwart unter der menschlichen Herrschaft und schwersten Krisen oder Katastrophen leiden: ER hat überwunden!

Wo noch Krankheit und Not sind: ER hat überwunden!

Und er wird einmal bei seiner Wiederkunft alles vollenden: Das ist nichts anderes, als dass er die verlorenen Menschen, dich und mich als Königskinder wieder zurückbringt! Nichts anderes, als dass er deine Tränen trocknet und deine Schmerzen wegnimmt! Nichts anderes, als dass er dir einen Vorgeschmack auf den Himmel gibt!

Vertrauen wir unser Leben IHM an mit all den ungelösten Siegeln, lassen wir ihn König sein über unserem Leben und halten uns an IHN und sein prophetisches Wort, das uns durch die dunkle Zeit führt - und an seiner Hand ganz gewiss ins Licht!

AMEN.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht eine gesegnete Woche!