Predigttext und Predigt zum 3. Advent - 17. Dezember 2017.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG 10;

Titel: Mit Ernst, o Menschenkinder

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
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der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.


Predigttext: Römer 15,4-13

Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben. Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, Christus Jesus gemäß, damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus.
Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.
Denn ich sage: Christus ist ein Diener der Juden geworden um der Wahrhaftigkeit Gottes willen, um die Verheißungen zu bestätigen, die den Vätern gegeben sind; die Heiden aber sollen Gott loben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben steht (Psalm 18,50):
"Darum will ich dich loben unter den Heiden
und deinem Namen singen."
Und wiederum heißt es (5.Mose 32,43):
"Freut euch, ihr Heiden, mit seinem Volk!"
Und wiederum (Psalm 117,1):
"Lobet den Herrn, alle Heiden, und preist ihn, alle Völker!"
Und wiederum spricht Jesaja (Jesaja 11,10):
"Es wird kommen der Spross aus der Wurzel Isais und wird aufstehen, um zu herrschen über die Heiden; auf den werden die Heiden hoffen."
Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des heiligen Geistes.

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Gemeinde!

Stellt euch vor, jemand hat Geburtstag. Vier Freunde verabreden sich und sagen: "Lasst uns einen Geburtstagsbesuch machen." Also klingeln sie bei ihrem Freund. Da sagt einer: "Lasst uns doch ein Ständchen singen." Alle sind sich einig: "Das ist eine gute Idee. Das machen wir." (Ist das nicht schön, wenn Leute zusammen an einem Strang ziehen? Aber die Geschichte geht weiter:) Da sagt der eine: "Kommt, wir singen ‚Happy Birthday'." Und der andere meint: "Ach nein, doch nicht immer Englisch. ‚Zum Geburtstag viel Glück' tut's doch genauso." Da sagt der dritte: "Ach nein, ich würde lieber ‚Viel Glück und viel Segen' singen." Da sagen die anderen: "Nein, das ist zu fromm", und der Nächste schlägt vor: "Ich würde gerne ‚Wie schön, dass du geboren bist' anstimmen, das singt unsere Tochter immer." Ohne, dass die Freunde es bemerkt haben, hat das Geburtstagskind schon längst die Tür geöffnet und sagt: "So hätte ich mir das mit euch aber nicht vorgestellt. Klingelt noch einmal, wenn ihr euch geeinigt habt." Er schlägt die Tür zu und die Freunde stehen verdutzt da.


1. Wo unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen, gibt es Reibereien

Immer wenn Leute zusammen etwas vorhaben, eigentlich an einem Strang ziehen, dann dauert es nicht lang, bis Konflikte auftreten. Manchmal geht es um Ansichten oder unterschiedliche Gewohnheiten. Manchmal um unterschiedliche Arten, den Glauben zu leben. Oft stehen dahinter aber auch unterschiedliche Persönlichkeitsstrukturen, die aufeinanderprallen. "Nehmt einander an, wie auch Christus euch angenommen hat"? Das ist leichter gesagt, als getan!

Da gibt's zum Beispiel diejenigen, die immer extrem pünktlich sind. Oft sind das Menschen, die auch sehr zuverlässig sind. Wenn pünktliche Menschen zum wiederholten Male auf andere warten müssen, können sie ganz schön ungeduldig werden. Andere sind absolut unpünktlich. Solche Menschen sind in ihrem Denken oft sehr flexibel. Da kann es sein, dass einer sagt: "Du, ich komm morgen mal vorbei." Und der andere fragt: "Ja, wann denn?" Und dann sagt der Unpünktliche: "So zwischen 6 und 10. Vielleicht komm ich um 6, vielleicht aber auch erst gegen 10." - "Okay!?" Nicht immer muss so eine Flexibilität von Nachteil sein. Wenn man so jemanden anruft und sagt: "Du, ich hab ein Problem und brauche deinen Rat." Dann kann es sein, dass der andere sagt: "Schön, dass du anrufst. Ich bin gerade total beschäftigt, aber das kann alles warten. Das kann ich später machen. Ich habe Zeit für dich. Magst du vorbeikommen?"

Ein anderes Beispiel: Manche Menschen sind sehr zurückhaltend. Das sind meistens sehr umgängliche Menschen, mit denen man gut klarkommt. Aber manchmal wünscht man sich klare Kante: "Kann die nicht endlich mal ihre Meinung sagen?" "Kann der nicht endlich mal aus der Reserve kommen?" Der Gegenpol dazu sind Menschen, die geradezu dominant auftreten. Ihre Stärke ist es, dass sie ihre Meinung klar und deutlich sagen. Aber manchmal sind sie wie Elefanten im Porzellanladen.


2. Nehmt einander an … - die Herausforderung

Gerade da, wo wir unterschiedlich sind, gilt das Wort des Paulus: "Nehmt einander an, wie auch Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob." Da ist die Kollegin, die so ganz anders ist - nimm sie an. Den Menschen, den du jeden Tag im Spiegel siehst, der wieder ein Jahr älter geworden ist - nimm ihn an. Vielleicht kennt ihr Ehepaare, bei denen der Mann so ganz anders ist als die Frau. Manchmal so sehr, dass man sich fragen kann: Was verbindet eigentlich die beiden? Die Antwort lautet: die Liebe. Nur weil sie einander lieben, können sie die Unterschiede aushalten. Nur weil sie einander lieben und einander versuchen zu verstehen, können sie sich aufeinander einlassen.

Da, wo ich Probleme mit meinem Kollegen habe, kann sich etwas ändern, wenn ich mich um Nächstenliebe bemühe und anfange, für ihn zu beten, oder mich frage, was ich ihm Gutes tun könnte. Und dort, wo ich mich selber nicht annehmen kann? Da ist es gut sich zu erinnern, dass Jesus mich schon längst angenommen hat.


3. Wie auch Christus uns angenommen hat!

"Christus hat euch angenommen." Das sagt Paulus zu den Christen in Rom, also zu denen, die ihrerseits Christus angenommen, ihn aufgenommen haben als Herrn in ihrem Leben, die ihm ihr Vertrauen geschenkt haben, dass er sie durch dieses Leben leiten soll. Deshalb müssen wir uns die Frage gefallen lassen: Hast du schon Christus angenommen? Ihn aufgenommen? So wie es im Johannes-Evangelium heißt: "Wie viele ihn [Christus] aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben" (Johannes 1,12).

Das Christus uns angenommen hat, ist die Voraussetzung dafür, dass wir Christus annehmen können. Aber wenn wir es nicht erwidern, dass Christus uns angenommen hat, dann hilft es uns nichts für unser Leben, auch nicht für unser Sterben, auch nicht im Jüngsten Gericht. Beides muss zusammenkommen: Christus hat uns angenommen. Wir dürfen ihn annehmen.

Wie gut, dass da einer ist, der uns schon angenommen hat. Einer, der nicht den Kopf schüttelt, wenn du mit Psalm 139 betest: "Herr, ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin." Da ist einer, der stimmt dir zu. Da ist einer, der kennt deine Erfolge und dein Scheitern, deine größten Stärken, die zugleich deine größten Schwächen sind. Da ist einer, der kennt deine Sünden, die offensichtlichen und die verborgenen, und liebt dich dennoch bedingungslos. Da ist einer, der hat dich schon angenommen, Jesus Christus. Er ist auf einfache Menschen zugegangen und hat gesagt: Ich sehe das Potenzial in dir. Auf Menschen wie Petrus, dem er gesagt hat: Auf diesem Felsen will ich meine Gemeinde bauen. Jesus ist auf gewöhnliche, fehlerhafte Männer und Frauen zugegangen und hat gesagt: Mit euch will ich die Welt verändern. Ihr seid das Licht der Welt.

Christus hat euch angenommen - das dürfen wir uns von Paulus zusprechen lassen. Habt ihr euch schon einmal gefragt, warum Jesus Menschen wie Zachäus bedingungslos annehmen konnte?

Ich möchte es an einem Gleichnis verdeutlichen: Seht ihr diesen 50-Euro-Schein? Er kommt frisch aus dem Geldautomaten. Wenn ich ihn jetzt zerknülle und ganz klein mache und er viele Falten bekommt, dann ändert es nichts an seinem Wert. Selbst wenn ich den 50-Euro-Schein zerreißen würde, könnte ich ihn mit Tesafilm kleben und jedes Geschäft würde ihn annehmen. Warum erzähle ich das alles?

Egal, wie viele Fehler wir machen oder wie viele Macken wir haben, Jesus sieht nicht zuerst auf unsere Fehler oder unsere Schwächen, er sieht unseren Wert. Darum kann Jesus uns annehmen, wie wir sind.

Geht in diese Woche mit diesem Spruch als Zusage. Christus nimmt euch an, er sieht euren Wert! Je mehr wir diese Botschaft verinnerlichen, desto mehr wird sie uns und die Menschen in unserer Umgebung verändern.

Wer weiß, dass er selber von Christus angenommen ist, kann ihm auch sein Vertrauen schenken.

Wer weiß, dass er selber von Christus angenommen ist, der kann andere leichter annehmen. Wer selber Gnade erfahren hat und Vergebung von Schuld, der kann gnädig mit sich selbst sein und auch anderen vergeben. Wer sich selbst geliebt weiß, der kann andere lieben.

Geht in die Adventswoche mit der Gewissheit, dass Gott euren Wert sieht und diese Welt wertvoller und bunter machen will, mit dem Gesicht, das ihr heute im Spiegel gesehen habt, und mit der Persönlichkeit, mit der Gott euch und andere beschenkt.

AMEN.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht eine gesegnete Adventszeit!