Predigttext und Predigt zum Heiligabend - 24. Dezember 2017.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG 44;

Titel: O du fröhliche

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
Ein Nachdruck des revidierten Textes der Lutherbibel sowie jede andere Verwertung
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der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.


Predigttext: Jesaja 7, 10-14

Und der HERR redete abermals zu Ahas und sprach:
Fordere dir ein Zeichen vom HERRN, deinem Gott, es sei drunten in der Tiefe oder droben in der Höhe!
Aber Ahas sprach: Ich will's nicht fordern, damit ich den HERRN nicht versuche.
Da sprach Jesaja: Wohlan, so hört, ihr vom Hause David: Ist's euch zu wenig, dass ihr Menschen müde macht? Müsst ihr auch meinen Gott müde machen?
Darum wird euch der HERR selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel.

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Gemeinde!

Habt ihr heute früh noch die vierte Kerze am Adventskranz angezündet? Oder bleibt bei euch der Docht der vierte Kerze weiß? Wer heute früh im Gottesdienst war, hat jedenfalls den Adventskranz mit den vier brennenden Kerzen gesehen … Denn heute Morgen hat zweifellos mit gutem Grund der 4. Advent noch sein Recht für sich beansprucht. Auch wenn nicht alle das gemerkt haben …

Für viele ist heute nur ein Feiertag - dabei gibt es doch den Feiertag, den sie meinen, nur als Abend. Ich meine den Heiligen Abend. Der 4. Advent ist mittlerweile nahtlos in den Heiligen Abend übergegangen.

Ja, es ist Heiliger Abend! Für Kinder nach wie vor das große Geschenk der Geschenke.

Und ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk möchte ich heute Abend gern zusammen mit euch auspacken.

In meiner Kindheitserinnerung ist der Dezember der längste Monat im Kalender. Adventskalender sorgten dafür, dass die Tage abgezählt wurden wie sonst nie. Und ihr wisst alle, wie die Zeit vergeht, wenn sie nach Sekunden, Minuten, Stunden oder eben Jahren abgezählt wird: Nämlich scheinbar gar nicht. Die Zeit zieht sich dahin wie sonst nie. Aber dann ist der große Tag da und spätestens im Weihnachtsgottesdienst ist klar: Jetzt ist es gleich so weit. Die Bescherung steht unmittelbar bevor, das Warten hat ein Ende. Gleich geht's an die Geschenke!

Das Predigtwort, das uns in diesem Jahr in den Heiligen Abend begleitet, erzählt von einem lange angekündigten Geschenk.

Der große Unterschied zu unserer Weihnachtsfreude: Einen Kalender, der die Tage abzählt und die Bescherung vorhersehbar, messbar macht, so einen Kalender gibt es nicht.

Das Geschenk wird etwas geheimnisvoll angekündigt, darum machen wir eine Zeitreise.

Willkommen in unserer Weihnachts-Zeitmaschine! Gut anschnallen, bitte! Und los geht's …


( Eine Reise in die Vergangenheit: 734 v. Chr. )

Wo sind wir hier gelandet? Hügel können wir erkennen. Eine hohe Stadtmauer. Überall wuseln bewaffnete Männer herum. Geschäftiges Treiben und gedrückte, angsterfüllte Stimmung. Vor der Stadtmauer ein junger Mann, angetan mit prächtigen Gewändern und sorgenvoller Miene, umgeben von einigen Bewaffneten und ähnlich gut gekleideten Begleitern.

Wir sind in Jerusalem gelandet, 734 vor Christus. Davor: Ahas, der König von Juda. Der gerät in große Not und mit ihm sein ganzes Volk. Der König von Damaskus und der König von Israel haben sich gegen den König von Juda verbündet, um ihn abzusetzen und sein Land unter ihre Kontrolle zu bringen. Dazu soll das ganze Land in den Krieg gestürzt und Jerusalem belagert werden, und auf diese Belagerung bereitet man sich gerade hektisch vor.

Als König Ahas voller Sorge vor der Stadtmauer die Wasserversorgung inspiziert, begegnet ihm Jesaja. Jesaja ist ein Prophet, also ein Mann, der im Auftrag Gottes redet. Der sagt zum König: "Hab keine Angst vor den beiden feindlichen Königen! Ihr Plan, die Stadt zu erobern und dich gefangen zu nehmen und zu töten, wird nicht gelingen! Gott wird uns helfen und uns retten! Und damit du das auch wirklich glaubst und fest darauf vertraust, darfst du dir ein Zeichen von Gott wünschen - was auch immer! Wähle ein Wunder, wie es nur Gott tun kann, damit du ganz sicher bist, das er Wort hält!"

Was für ein Angebot! Aber Ahas hat dafür überhaupt keine Antenne. Er ist so voller Angst, dass er nicht vertrauen mag - und das Angebot ablehnt: "O nein, das traue ich mich nicht!" "Es soll geschehen, wie du willst", sagt Jesaja enttäuscht.

"Aber Gott wird euch einmal ein Wunder schenken, das ein Zeichen sein soll, wie er euch helfen und retten möchte. Dies wird das Wunder sein: Eine Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen. Der soll den Namen ‚Immanu-El' bekommen."

Rätselhaft, aber drei Dinge sind klar:

1. Wie wird das Geschenk "ausgeliefert"? - Dadurch dass eine Jungfrau schwanger wird. Mehr als außergewöhnlich. Unter natürlichen Bedingungen unmöglich - und darum eindeutig ein Wunder, das auf den Geber verweisen soll.

2. Wer wird Geber des Geschenkes sein? - Der Geber ist Gott selbst; er schenkt das Wunder.

3. Was wird das Geschenk sein? Die Geburt eines Jungen, der "Immanu-El" sein soll. Ein hebräisches Wort, das übersetzt heißt: "mit uns (ist) Gott", also "bei
uns ist Gott".

Und dann begann das Warten. Nicht 24 Tage, sondern viel, viel länger.


( 7 v. Chr. )

Mit unserer Zeitmaschine machen wir einen Riesenzeitsprung und steigen 726 Jahre später aus. Eine Hügellandschaft. Aber keine befestigte Stadt, sondern ein beschauliches Dorf. Nazareth in Galiläa. Wir sehen ein Mädchen; zwölf, höchstens dreizehn Jahre alt. Vor ihr liegen Scherben, denn den Krug, mit dem sie eben beim Wasserholen war, fiel ihr vor Schrecken aus der Hand. Gebannt schaut sie auf einen Mann in strahlenden Gewändern. Ein Engel, ein himmlischer Bote Gottes! "Maria! Fürchte dich nicht! Du wirst schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen und du sollst ihm den Namen Jesus geben!"

Maria ist entsetzt, denn sie ist - wie damals alle Mädchen in ihrem Alter - gerade von ihren Eltern frisch verlobt worden. Und es war damals ein Ding der Unmöglichkeit, vor dem ersten erlaubten Geschlechtsverkehr im Zuge der Hochzeit schwanger zu sein. Dementsprechend wird das von den Leuten als Schande
angesehen. Die ganze Familie wird zum Ziel der allgemeinen Verachtung; das führt im schlimmsten Fall dazu, dass die Tochter als Ehebrecherin gesteinigt wird. Zumindest aber wird sie von der Familie vor die Tür gesetzt.

Sie fragt darum ängstlich: "Wie soll das zustande kommen? Ich bin doch erst verlobt! Ich war noch nicht mit meinem Verlobten intim." "Fürchte dich nicht! Gott wird für dich sorgen! Und was deine Schwangerschaft betrifft: Maria, erinnerst du dich, was du im Gottesdienst gehört hast, wenn das Buch Jesaja vorgelesen wurde? Eine Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären. Maria! Du bist die Jungfrau, von der Jesaja damals geredet hat, und du wirst den Immanu-El zur Welt bringen!"

Was weiter geschah, hörten wir in der Schriftlesung. Darum treten wir mit unserer Zeitmaschine die Rückreise an und landen wieder in Eysölden. Und überlegen uns, was da alles passierte, und wo wir in der Geschichte vorkommen. Denn wir sind keineswegs nur die Zeitmaschinentouristen oder nur die Hörer einer uralten Geschichte.


( Immanuel )

In Nazareth und später in Bethlehem ereignet sich, was lange vorher schon geplant und angekündigt worden war: die Geburt eines Jungen, der "Immanu-El" sein soll, "mit uns ist Gott", "bei uns ist Gott".

Lasst uns einen genaueren Blick darauf werfen: Was ist das für ein Geschenk?
Wenn wir das fragen, stehen wir alle miteinander am Gabentisch und machen gemeinsam das Geschenkpapier der Weihnachtstradition auf, damit wir gemeinsam bestaunen können, was uns da geschenkt ist. Denn das Geschenk ist für uns alle. Es ist, wie gesagt, nicht allein bestimmt für Menschen einer ganz bestimmten, längst vergangenen Zeit.

Wir feiern hier keinen Gedenkgottesdienst zu Ehren irgendeines großen Ereignisses. Dieser Gottesdienst hier soll Fingerzeig auf ein Weihnachtsgeschenk sein, das für alle hier und heute da ist und das vorhält für den Rest des Jahres und für alle weiteren Jahre unseres Lebens und darüber hinaus. Ein nachhaltiges Weihnachtsgeschenk.

Jesus ist der "Immanu-El", er ist der "Gott ist bei uns". Das Geschenk besteht darin, dass Gott sich selbst schenkt! Gott wird Mensch.

Einer der Jünger bittet einmal Jesus: "Zeige uns den Vater!" - er meint damit Gott. Jesus antwortet, was alle Hörer überrascht haben dürfte: "Ich bin schon so lange bei euch, und du kennst mich noch immer nicht? Hier bin ich; der selbst, den du suchst. Ich und der Vater sind eins." Das heißt nichts weniger als dies: In Jesus ist Gott selbst da! "Kann jeder sagen", könnte jemand sagen. Eben! Und darum sagt Jesus nicht nur, sondern tut auch. Eine ganze Liste arbeitet er ab von Dingen, die im Alten Testament kein Prophet, kein Gottesmann tut, sondern Gott allein.

"Gepriesen sei Gott, der lebendig macht die Toten!", so beten Juden seit der Zeit, in der Jesus lebte. Und da liefert Jesus eine besonders eindrückliche Visitenkarte ab, als er einen Freund aus dem schon seit vier Tagen verschlossenen Grab heraus und ins Leben zurückholt. Gepriesen sei Gott, der lebendig macht die Toten! Die einen erkannten: "Wenn Jesus das kann, dann muss in ihm Gott bei uns sein!" Andere hassten ihn immer mehr.

Jesus kann sagen: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand findet zu Gott, als nur durch mich." Eigentlich logisch - wenn sich Gott in Jesus zeigt, dann kann ich Gott nicht erkennen und auch nicht bei ihm ankommen, wenn ich Jesus nicht vertraue.

Mit dem Kind in der Krippe ist Gott selbst Mensch geworden. Das ist die gute Nachricht von Weihnachten und das Geschenk zu Weihnachten. Unfassbar: Gott macht sich so klein, dass er sich einem sozial eher schlechtgestellten Ehepaar ausliefert, in einem Notquartier zur Welt kommt und sich in einer Krippe in die Windeln macht. Ein unbegreiflicher "Abstieg".

Aber wie soll daraus ein Geschenk werden für mich hier und heute?


( Ein nachhaltiges Weihnachtsgeschenk )

Die Sache mit der Menschwerdung war von Gott nicht als lustige Maskerade gedacht. Gedacht hat Gott dabei nur an dich und mich - damals schon! - und daran, uns zu sich zu holen. Er kam, um für uns zu sterben, um am Kreuz unsere
Schuld wegzunehmen, um für uns aufzuerstehen und um uns so zu zeigen, dass er uns aus dem Tod zurückholen und uns ewiges Leben schenken kann. Mehr dazu bei unseren Gottesdiensten an Karfreitag und Ostersonntag - herzlich willkommen schon jetzt! Durch Kreuz und Auferstehung Jesu bahnt Gott einen Weg zu sich, wo es Unglück und Leid, Tod und Trauer nie mehr geben wird. Er ermutigt uns, diesen Weg zu gehen.

Das alles beginnt - natürlich - mit Jesu Geburt.

Das alles ist der tiefere Sinn unseres Weihnachtsfestes. "Gott wird Mensch, dir Mensch zugute", so drückt Paul Gerhardt es aus.

Lässt du zu, dass es dir "zugute" geschehen ist und nimmst du Gottes Weihnachtsgeschenk an?

Damit sind wir beim entscheidenden Punkt und auch beim letzten Punkt, bevor die Tür aufgeht in das Zimmer mit dem Gabentisch.

Wie mache ich das Geschenk zu meinem Geschenk? Wie kann ich es für mich auspacken und zu meinem Geschenk machen?

Das können wir tun, indem wir uns Jesus anvertrauen - also: ihm vertrauen und mit ihm leben.

Denn: Ein Geschenk wird erst dann meins, wenn ich es annehme und auspacke und mich daran freue! Nehmen wir an, es möchte dir heute jemand ein Geschenk geben. Aufwendig verpackt unter dem Weihnachtsbaum: "Das ist für dich!" Und nun nehmen wir einmal an, du würdest entgegnen: "Nein danke! Behalte es besser für dich!" oder: "Was fällt dir ein, mir etwas schenken zu wollen! Lass mich in Ruhe mit deinen dummen Geschenken!" -

Ein Geschenk, das ich ablehne oder zurückgebe, das habe ich auch nicht. Geschenke ablehnen, den Geber kränken und leer ausgehen - das macht doch keiner an Heilig Abend!

Nun, bei DEM entscheidenden Weihnachtsgeschenk machen das sogar ziemlich viele Leute so: "Jesus? Den brauche ich nicht!" "Ewiges Leben? Kann ich mir nicht vorstellen!" So sagt und denkt mancher und geht, mit Geschenken schwer beladen, leer aus bei Gott, der mit offenen Armen sein Geschenk anbietet, nämlich sich selbst, sein Begleiten und Führen und ein Leben, das der Tod nicht rauben kann.

Wie nehme ich es nun an, und wie mache ich Gottes Geschenk zu meinem eigenen Geschenk? Durch Glauben an Jesus. Ich mache mich an Jesus fest, ich vertraue darauf, dass er mich von meiner Schuld befreit und dass er mich von den Toten auferwecken wird. Mit Worten von Paul Gerhard: "Ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben: Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut, nimm alles hin." Moderner ausgedrückt: "Herr Jesus, nimm mich an deine Hand und zeige mir den Weg, den ich gehen soll. Ich vertraue darauf, dass mein Leben unter deiner Führung gelingt und auf jeden Fall ein ‚Happy End' hat, nämlich die Auferstehung und das ewige Leben."

Jesus beschenkt dich mit ewigem Leben und wartet auf dich mit ausgebreiteten Armen! Das hat Jesaja schon ankündigt, und durch Maria ist es geschehen, dass wir Weihnachten als die Geburt von Jesus feiern. Darum greif heute zu und lass dich beschenken! Mach es wie damals als Kind am Gabentisch: Greif einfach zu! Ein Kind vertraut dem Geber!

Genau dieses vertrauensvolle Zugreifen ist es, das in der Bibel "Glauben" genannt wird. Wenn du Jesus dein Leben anvertraust, wird er dich mit seiner Liebe und ewigem Leben beschenken. Ein Geschenk, das heute unter keinem Weihnachtsbaum fehlen sollte.

In diesem Sinne wünsche ich dir ein schönes und nachhaltiges Weihnachtsfest - ein Weihnachtsfest, das Folgen hat, nicht nur für ein paar Feiertage, sondern für dein ganzes Leben und dafür, wo du die Ewigkeit zubringst!

AMEN.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht Frohe Weihnachten!