Predigttext und Predigt zum 4. Advent - 24. Dezember 2017.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Thoma Lorenz.

Das Wochenlied: EG 9;

Titel: Nun jauchzet, all ihr Frommen

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
Ein Nachdruck des revidierten Textes der Lutherbibel sowie jede andere Verwertung
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der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.


Predigttext: 2.Korinther 1,18-22

Gott ist mein Zeuge,
dass unser Wort an euch nicht Ja und Nein zugleich ist.
Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus,
der unter euch durch uns gepredigt worden ist,
durch mich und Silvanus und Timotheus,
der war nicht Ja und Nein, sondern es war Ja in ihm.
Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja;
darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zum Lobe.
Gott ist's aber, der uns fest macht samt euch in Christus
und uns gesalbt und versiegelt
und in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat.

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Gemeinde!

"Ja, ja!" - Was hat denn das für einen Klang bei uns?! Das ist nicht bekräftigend, bestätigend, das hat etwas Ärgerliches an sich. "Jaja, ich habe schon gehört!" "Jaja, ich werd's schon machen!" "Jaja, ich weiß schon! Ich will es zwar nicht tun, aber ich habe verstanden, dass ich muss."

Das "Ja ja!" und "Nein nein!" Gottes in Jesus Christus sind ganz anders gemeint. Die Verdoppelung bedeutet die Bekräftigung der Aussage. Kann gut sein, dass Paulus das Jesuswort im Ohr hatte, wo der Sohn Gottes sagt: "Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel" (Matthäus 5,37).

Das will ja eigentlich heißen, dass das einfache "Ja!" ein ganz ungeteiltes "Ja!" sein muss. So ist Gottes "Ja!" zu uns. Wie viele Menschen gibt es, deren "Ja!" ein "Aber" folgt. So ist es nicht bei Gott. Seinem "Ja" folgt ein "Amen". Wenn er "Ja!" sagt, dann gehört auch sein "So sei es!" dazu.

Eine Tür ist entweder offen oder zu … "halboffen" oder "halbzu" gibt es nicht. Wenn die Tür aber offen ist, kann ich hindurch. So ist es mit Gottes "Ja!" zu mir. Ich kann hindurch - und wenn ich das akzeptiere, dann bin ich hindurch. In der Binärsprache, der einzigen Sprache, die ein Computerchip versteht, herrscht Eindeutigkeit: Es gibt nur zwei Aussagen: ein/aus bzw. I/0, 1/0, on/off oder ja/nein.

Gott ist nicht "weich" oder "schwammig" in seiner Aussage zu uns. Er ist eindeutig - wie es der Maschinencode eines Computers auch verlangt. Gott kennt kein "Jein". Wir hingegen bringen auch ein "Ja, ja" fertig, das alles andere als Zustimmung ist.

Heute, an diesem Morgen, ist der vierte Advent. In rund 8½ Stunden kommen wir zum Gottesdienst an Heiligen Abend, zur Christvesper, zusammen. Da wird Gottes ganz großes, eindeutiges "Ja!" zu uns wieder präsentiert: Er sandte seinen Sohn zu uns in der Form eines Menschen, von der Jungfrau geboren, in mit Händen zu greifender Gestalt, damit wir das begreifen: Er liebt uns, er sucht uns …

Gott will auch Eindeutigkeit von uns. "Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach, dass du kalt oder warm wärest! Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde" (Offenbarung 3,15-16).

Für all die unzähligen Verheißungen, die Gott gegeben hat, in denen sein "Ja!" zu uns ersichtlich wird, lassen wir den Regenbogen - den sog. "noachitischen" Segen - sprechen: "Und der Herr roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht" (1. Mose 8,21).

Gott meint es gut mit uns. Er ist positiv zu uns eingestellt. Er hackt nicht auf uns herum, sondern was er tut, das tut er zu unserem Besten.

Nehmen wir dieses "Ja!" Gottes aber bloß ja nicht zu selbstverständlich! Das ist es nämlich ganz und gar nicht. Gott hätte genauso gut "nein" sagen können: Die Verbannung aus dem Paradies, die Vertreibung aus dem Garten Eden, die Sintflut, die Verwüstung von Sodom und Gomorra, die Gefangenschaftsperioden des Volkes Israel und die anderen Gerichte über Israel und die umliegenden Völker, die Auflösung der zehn Nordstämme usw., das alles sind Andeutungen von der schrecklichen Möglichkeit, dass Gott, der Schöpfer und Erhalter aller Dinge, auch die Möglichkeit besitzt, sich von dieser Welt und dem Menschen abzuwenden, ja, alles zu vernichten.

Unser Bibelabschnitt zeigt in großartiger Weise, dass es trotz der Wirklichkeit des göttlichen Gerichts Verheißungen für die Gesalbten und Versiegelten Gottes gibt.

Und was könnte das für dich heißen, dass Gott zu dir in Jesus Christus "Ja!" sagt? Wie ist es mit der vielfachen Ablehnung, die wir im Leben zu ertragen haben?

Heute ist der vierte Advent. Alles blickt sehnsüchtig nach vorne auf die Weihnachtstage. Die Einen, weil die Weihnachtstage in der Familie mit nostalgischer Musik und althergebrachten Bräuchen so schön sind, die anderen, weil sie es kaum mehr aushalten, bis das Ganze vorbei ist. Zu Letzteren zählen nicht nur die "Weihnachtsgestressten", sondern auch die Suizidgefährdeten, die gerade das Schöne und Besinnliche an Weihnachten in ihrem Leben vermissen, gehören dazu. Was für Menschen - wie viele Menschen warten sehnsüchtig auf ein "Ja!" zu sich, zu ihrem sonst so unbedeutsamen Leben?

Auch wenn wir noch so viele "Neins" um uns herum gehört haben und vielleicht immer wieder hören - Gott sagt "Ja!" zu uns.

Wo wir das "Ja!" Gottes zu uns erfahren haben, gibt es Folgen und Konsequenzen:

a) Wir werden gefestigt - Gott macht uns fest, gibt uns einen Stand und einen Halt.

b) Wir werden gesalbt - Gott hat etwas mit uns vor - wie mit den Königen, Priestern und Propheten des Alten Testamentes, die er für ihre Aufgabe salben ließ.

c) Wir bekommen das Siegel Gottes aufgedrückt - es soll für viele ersichtlich werden, dass wir Gott gehören, sein Eigentum sind.

d) Wir bekommen ein Unterpfand, eine Anzahlung. Der Heilige Geist, der in den Kindern Gottes wohnt, lässt die Kraft Gottes schon jetzt in ihnen wirksam werden.

Gott sagt "Ja!". Da gibt es kein Wenn und Aber. Gott ist positiv eingestellt zu uns, seinen Geschöpfen. Er will sein gutes Ziel in, an und mit uns Menschen erreichen. In seinem Sohn Jesus Christus liefert Gott quasi den Beweis, dass er "Ja!" sagt zu seinem Geschöpf dem Menschen. Und durch Jesus spricht er ein so lautes "Ja!", dass es heute nach zweitausend Jahren noch rund um der Welt zu hören ist. Gott sagt "Ja!".

Auf alle Gottesverheißungen ist in Jesus das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das …

[Gemeinde:] "Amen",

Gott zum Lobe.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht einen gesegneten Heiligabend!