Predigttext und Predigt zum Altjahresabend/Silvester - 31. Dezember 2017.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG ;

Titel: Nun danket alle Gott

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
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der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.


Predigttext: 2. Mose 13,20-22

Die Israeliten zogen aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste.
Und der Herr zog vor ihnen her,
am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten,
damit sie Tag und Nacht wandern konnten.
Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage
noch die Feuersäule bei Nacht.

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Gemeinde!

( Hinführung )


Jahreswechsel ist Aufbruchszeit. Es gilt, die Schwelle zum neuen Jahr zu überschreiten. Ein Resümee zu ziehen von dem, was im vergangenen Jahr alles auf uns zugekommen ist. Und Ausschau zu halten, was auf uns zukommen könnte.

Welche Wünsche haben sich erfüllt? Welche Sorgen trägst du persönlich mit hinein in das neue Jahr? Was wird uns auf dem Weg ins neue Jahr alles geschehen?

Aufbruchszeit. Zeit, in der oft gar nicht so viel Zeit für Besinnung bleibt. Das Zurückliegende zieht einen noch so mächtig in seinen Bann. Und das Zukünftige wirft bereits seine drohenden Schatten voraus.

Für Leute im Aufbruch ist Gott selbst gegenwärtig. So erzählt es uns die Geschichte des Aufbruchs, den das Volk Israel aus Ägypten erlebt. Und ist das Versprechen für alle unsere Aufbrüche ins Neuland - zu hören aus Gottes Wort aus dem zweiten Buch Mose, Kapitel 13,20-22.

Was für ein Aufbruch ins Neue!! Hinter sich lässt das Volk jahrelange Unfreiheit. Vor sich hat es den ungewissen Reiseweg ins gelobte Land. So steht es an der Schwelle, am Rand der Wüste: Sie "lagerten sich in Etam, am Rand der Wüste".

Und genau dort beginnt die Geschichte der persönlichen Begleitung Gottes für sein Volk.

Lass dir das gleich persönlich für deine Aufbruchsstimmung zusprechen: Gott begleitet gerade da persönlich, wo Wüstenzeiten anstehen. Da kannst du dir seiner Gegenwart am allergewissesten sein. Er geht mit durch alle Wüsten des kommenden Jahres.

Er geht mit dem Volk Israel durch die Wüste: Tag und Nacht. Auch das kann uns im Blick auf das neue Jahr gewiss sein: Gott ist ununterbrochen gegenwärtig.

Keine Situation, in der nicht auch er da wäre, neben all dem, was uns das Leben schwer machen kann. Gott geht mit, Tag und Nacht. Am Tag in einer Wolkensäule und in der Nacht in einer Feuersäule. An diesen beiden Bildern können wir über die Art, wie Gott in unserem Leben gegenwärtig ist, viel erfahren. Quasi über seinen Führungsstil.

Denn es ist ja eben nicht so, dass er für uns ständig sichtbar und spürbar da wäre. Dennoch ist er da.

Aber wie?

Wolke und Feuer verraten davon. Es sind beides Bilder, die etwas von den zwei verschiedenen Seiten der Gegenwart Gottes zeigen.


1. Gott verhüllt und enthüllt


Die Wolke: Sie ist ohne Zweifel am Tag deutlich sichtbar, aber sie verhüllt auch, verbirgt.

So hat sich Gott am Berg Sinai verhüllt, als er sich seinem Volk offenbarte und ihm seine Gebote gab. Sie hatten es mit der Angst zu tun bekommen. Keiner wollte dem Berg zu nahe treten. Wolken verhüllten ihn. Gott blieb den Augen entzogen.

Oder als das Zeltheiligtum (die "Stiftshütte") eingeweiht wird, noch auf dem Weg des Volkes Israel durch die Wüste: Gott füllt das Haus aus in einer Wolke, sichtbar und doch nicht sichtbar.

Als Jesus mit seinem engsten Jüngerkreis allein auf einem Berg ist, erscheint ihnen die Herrlichkeit Gottes: in einer hellen Wolke. Und als Jesus sich nach seiner Auferstehung von den Jüngern verabschiedet und sich der Sichtbarkeit entzieht, verhüllt ihn auch eine Wolke.

So geht Gott mit. Nicht offensichtlich, nicht an jeder Spur im Leben abzulesen.

Verhüllt. Und doch gegenwärtig, nie fern, enthüllt.

Wir werden durch Tiefen gehen im neuen Jahr. Aber dann ist Gott nicht ganz entfernt und auch nicht der, der sie als Strafe direkt herbeigeführt hat. Sondern er ist der, der unsere Tiefen in seinem Sohn auch durchlitten und durchgemacht hat, uns Durchhaltevermögen schenkt und uns trägt auf Hoffnung.

Wir werden Höhen erleben im neuen Jahr. Aber dann ist Gott nicht nur in diesen Momenten nahe, und er ist es auch nicht, der uns darin und nur darin ganz offensichtlich segnet.

Als ob z. B. nur die Reichen und die, bei denen alles glatt läuft, seiner Nähe sicher sein könnten. Sondern er ist der, der immer nahe ist und uns auch auf die innere Leere unseres vermeintlichen Segens, etwa des Reichtums, anspricht.


2. Gott verzehrt und verklärt

Das Feuer: Auch dieses Bild zeigt zwei verschiedene Seiten der Gegenwart Gottes:

Feuer, erhellend und verzehrend zugleich. Es macht Licht, und es deckt auf und reinigt.

So hat es Gott bei dem Schafhirten Mose hell gemacht, als er ihm nach 40 Jahren in der Wüste begegnete in einem brennenden Dornbusch.

Und zugleich hat er auch seine ganze Vergangenheit aufgedeckt und bereinigt: den vertuschten Mord an einem Aufseher, die Flucht. Er hat ihn wieder auf den Weg gebracht.

Gott im Feuer. Auf dem Berg Karmel, als sich das ganze Volk Israel nicht eindeutig zu dem Gott Israels bekannte. Elias Opfer fing Feuer. Gottes Gegenwart.

So mächtig, dass es die Steine des Altars gleich noch mit verzehrte. Ergreifende, verzehrende Gegenwart.

Oder Jesus: Er kam auf die Erde, ganz Mensch, ganz nah, ganz gegenwärtig. Er kam, um ein Feuer anzuzünden. Er kam nicht nur, um uns nahe zu sein, sondern auch, um uns von Grund auf zu verändern.

Der Heilige Geist, der am Pfingstfest die Ersten erfasste: Wie Feuerflammen war er. Und Feuer und Flamme wurden sie. Und zwar so sehr, dass andere nur mitleidiges Lächeln und Spott für solche religiösen Extremisten übrig hatten.

Nicht nur gegenwärtig, auch verändernd.

So geht Gott mit. Nicht nur nahe, sondern auch mit einem Anspruch auf unser ganzes Leben.

Wir werden durch Tiefen gehen im neuen Jahr. Aber dann ist Gott nicht unbeteiligt und auch nicht der, der durch solche harten Schläge fordernd redet.

Sondern er ist der, der unsere Tiefen in seinem Sohn auch durchlitten und durchgemacht hat, uns Durchhaltevermögen schenkt und uns trägt auf Hoffnung.

Wir werden Höhen erleben im neuen Jahr. Aber dann ist Gott nicht der, der es gerade nur in solchen Momenten in unserem Leben hell macht oder uns unser Glück gar nicht gönnen will. Sondern er ist der, der immer nahe ist, sich an uns und mit uns freut, aber uns auch auf die innere Leere unseres Glücks und die fehlende Bereitschaft, seinen Willen zu tun, anspricht.


( Schluss )

Zum Schluss noch eine Beobachtung. In Wolke und Feuer ist der lebendige Gott gegenwärtig. Die Gegenwart Gottes in unserer Welt wird mit dem Wort š'kina bezeichnet. Das leitet sich von der hebräischen Tunwort schachan ab, was "wohnen" oder "zelten" bedeutet. Gegenwart Gottes bedeutet also "Wohnung" Gottes unter den Menschen.

Und dahinter steht doch eine großartige Verheißung.

Gott ist bei uns nicht da und dort Gast.

Unser Leben ist für ihn nicht Hotel oder Feriendomizil oder Tagungsstätte.

Gott ist in dieser Welt nicht auf Campingurlaub. Nicht auf Promotionstour. Nicht auf Kuraufenthalt: Sondern diese Welt ist seine Wohnung. Heimat.

Auf diesem Hintergrund leuchtet uns noch einmal deutlicher auf, wie Johannes in Johannes 1, Vers 14 Weihnachten beschreibt: "Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns." Der gleiche Wortstamm wie im Hebräischen.

In Jesus ist diese Wohnung von Feuer und Wolke endgültig geworden. Er wollte ein Feuer entzünden - und eine Wolke hat verhüllt, wie er als der Verklärte, ewig Lebendige, Auferstandene schon vor seinem Tod erwiesen wurde.

Er ist die Wohnung Gottes in Person. Und wenn du im neuen Jahr Gott bei dir wohnen haben willst, dann brauchst du diesen lebendigen Herrn bei dir.

Wohnen! Nicht nur Gastrecht da und dort. Sondern er ist dann der Wohnungseigentümer.

Der bleibt da. Der bestimmt, was läuft.

Komm, o mein Heiland Jesus Christ,
mein's Herzens Tür dir offen ist,
ach, zieh mit deiner Gnade ein.
(EG 1,5)

Wohne hier.

AMEN.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht eine gesegnete Woche!