Predigttext und Predigt zum 1. Sonntag nach dem Christfest - 31. Dezember 2017.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG 34;

Titel: Freuet euch, ihr Christen alle

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
Ein Nachdruck des revidierten Textes der Lutherbibel sowie jede andere Verwertung
in elektronischer oder gedruckter Form oder jedem anderen Medium bedarf
der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.


Predigttext: 1.Johannes 2,21-25

Ich habe euch nicht geschrieben, als wüsstet ihr die Wahrheit nicht, sondern ihr wisst sie und wisst, dass keine Lüge aus der Wahrheit kommt.
Wer ist ein Lügner, wenn nicht der, der leugnet, dass Jesus der Christus ist?
Das ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet.
Wer den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht;
wer den Sohn bekennt, der hat auch den Vater.
Was ihr gehört habt von Anfang an, das bleibe in euch.
Wenn in euch bleibt, was ihr von Anfang gehört habt,
so werdet ihr auch im Sohn und im Vater bleiben.
Und das ist die Verheißung, die er uns verheißen hat: das ewige Leben.

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Gemeinde!

Wir feiern in diesen Tagen das Kommen von Jesus in diese Welt. Eine Welt, die unter Kriegen, Naturkatastrophen und Krankheiten leidet. Die Bilder des vergangenen Jahres sprechen für sich.

Jesus ist Gottes Antwort auf die Heillosigkeit unserer Welt.

Der Apostel Johannes, der die Worte unseres Predigttextes geschrieben hat, durfte als alter Mann auf der Insel Patmos im Mittelmeer einen Blick in die Zukunft tun. Im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung, können wir nachlesen, dass er den Zustand unserer Erde vorausgesehen hat.

Politiker und Wissenschaftler mühen sich darum, das Unheil einzudämmen, uns ein ruhiges Leben zu ermöglichen. Dazu wurden sie nicht nur von uns gewählt, sondern auch von Gott berufen. Das ist ihre Aufgabe, und wir wollen sie im Gebet unterstützen.

Nur zu oft stoßen die Mächtigen dieser Welt aber an ihre Grenzen, müssen ihre Ohnmacht eingestehen. Das liegt daran, dass sie trotz all ihrer Kompetenz und Macht die eigentliche Ursache für die Misere der Schöpfung nicht an der Wurzel zu packen vermögen.


1. Das Problem: die Sünde


Johannes setzt voraus, dass den Lesern seines Briefes - und damit auch uns - die Sachlage bekannt ist (V. 21). Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, betrügen wir uns selbst. Aber nicht nur wir - das heißt: einzelne Menschen - sind der Sünde verfallen, sondern die ganze Welt.

Sünde ist dabei nicht das, was wir tun und was den vermeintlich guten Menschen quasi von außen beschmutzt. Unser Wesen ist nicht gut. Sünde ist nicht nur etwas Schlamm, den man einfach abwaschen könnte. Sünde ist das, was uns zur Verfehlung, zum falschen Handeln treibt. Sünde ist die Rebellion gegen den Schöpfer, die uns tief im Blut sitzt. Wir und die Welt um uns sind zutiefst erlösungsbedürftig.

Den Gipfel oder den Chef dieser Rebellion gegen Gott nennt die Bibel "Anti-Christ" . Der Name sagt schon, was er ist: ein Gegen-Christus, der sich an die Stelle von Christus setzen will. Der Antichrist sucht mit aller Macht den Platz
in dieser Welt und in unserem Leben einzunehmen, der allein Jesus Christus gebührt.

Die Rebellion gegen Gott ist die Ursache allen Leides und allen Krieges und aller Probleme dieser Welt. Und mehr noch: Die Bibel nimmt kein Blatt vor den Mund: Der Lohn der Sünde, das, was bei der Sünde letztendlich "herauskommt", ist Tod und Untergang.


2. Der Weg: der Sohn


Jesus Christus sagt von sich selbst: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich" (Johannes 14,6). Und der Apostel Johannes schreibt kurz nach unserem Predigttext: "Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre." Jesus ist in diese Welt gekommen, um der Sünde und dem Antichristen einen Strich durch die Rechnung zu machen.

"Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit." Er beendet die Rebellion gegen Gott, stellt die Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch und unter den Menschen wieder her. Das Kommen des Gottessohnes in diese Welt ist der Anfang vom Ende der Herrschaft der Sünde.

Deshalb ist Jesus Christus dem Widersacher ein Dorn im Auge. Deshalb leugnet er ihn, bemüht sich, ihn mit aller Macht an den Rand der Ereignisse zu drängen (V. 22).

Aber Jesus ist der Schlüssel zur Lösung des Problems Sünde. "Wer den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, der hat auch den Vater." An unserer Stellung zum Sohn Gottes entscheidet sich unsere Zukunft, nicht nur in dieser Welt, sondern auch in der Ewigkeit. "Was ihr gehört habt von Anfang an, das bleibe in euch." Mit dieser Ermahnung erinnert uns Johannes nicht nur an das, was wir über Jesus gelernt haben. Er holt die gesamte biblische Offenbarung ins Blickfeld.

Gott hat seinen Sohn nicht einfach unvorbereitet vom Himmel fallen lassen. 2000 Jahre lang hat er sich Zeit genommen, um ein kulturelles und soziales Umfeld zu schaffen, in das hinein er dann geboren wurde. Jesus ist untrennbar mit dem Volk der Juden verbunden. Und beim Lesen des Alten Testaments stellen wir plötzlich fest, dass auch Israel Gottes Sohn genannt wird, sogar: Gottes erstgeborener Sohn. Beim Auszug aus Ägypten richtete Gott den ägyptischen Herrscher, den Pharao, ausdrücklich deshalb, weil er sich an Gottes Sohn vergangen hatte.

Der Prophet Joel sieht voraus, dass Gott einmal die nichtjüdischen Völker richten wird, weil sie das Volk Israel zerstreut und das Land Israel geteilt haben (Joel 4,2).

Und der Gottessohn Jesus macht am Ende der Zeiten das jüdische Volk zum Maßstab, nach dem er die Heidenvölker richten wird: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan (Matthäus 25,45).

Dass ein klarer Blick für den Gottessohn Israel entscheidend mit der Beziehung zum Gottessohn Jesus verbunden ist, erkennen wir im Rückblick auf das antichristliche Dritte Reich. Heute ist - nicht zufällig! - wieder die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf das jüdische Volk und seinen Staat Israel gerichtet.

Jesusjünger kommen um eine Stellungnahme nicht herum, wenn sie im Sohn und im Vater bleiben wollen.


3. Das Ziel: ewiges Leben

Ewiges Leben bedeutet weit mehr, als dass wir jetzt eine heillose Welt gelassen ertragen und dereinst selig sterben können. Ewiges Leben ist die Hoffnung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde. Nicht zufällig redet der beliebte Weihnachtstext vom Reis aus dem Stamm Isais von einer Zeit, in der auch die Tierwelt in Frieden miteinander leben wird (Jesaja 11).

Wir wollen im Sohn und im Vater bleiben, weil unser Blick auf den gerichtet ist, der auf dem Thron sitzt und verspricht: "Siehe, ich mache alles neu!" (Offenbarung 21,5). Die Hoffnung darauf, dass Gott alle Tränen abwischen wird, die Hoffnung auf eine Welt ohne Leid und Geschrei und Schmerz ist keine Utopie (Offenbarung 21,4f).

Dass das ersterwählte Gottesvolk Israel seit bald 70 Jahren wieder in sein Land gesammelt wird, ist ein handfestes Unterpfand dafür, dass Gott diese Welt nicht vergessen hat.

AMEN.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht eine gesegnete Weihnachtszeit!