Predigttext und Predigt zum 3. Sonntag nach Epiphanias - 21. Januar 2017.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG 67;

Titel: Herr Christ, der einig Gotts Sohn

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
Ein Nachdruck des revidierten Textes der Lutherbibel sowie jede andere Verwertung
in elektronischer oder gedruckter Form oder jedem anderen Medium bedarf
der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.


Predigttext: 2. Könige 5, 1 - 19a

Naaman, der Feldhauptmann des Königs von Aram, war ein trefflicher Mann vor seinem Herrn und wert gehalten; denn durch ihn gab der HERR den Aramäern Sieg. Und er war ein gewaltiger Mann, jedoch aussätzig.
Aber die Kriegsleute der Aramäer waren ausgezogen und hatten ein junges Mädchen weggeführt aus dem Lande Israel; die war im Dienst der Frau Naamans.
Die sprach zu ihrer Herrin: Ach, dass mein Herr wäre bei dem Propheten in Samaria! Der könnte ihn von seinem Aussatz befreien.
Da ging Naaman hinein zu seinem Herrn und sagte es ihm an und sprach: So und so hat das Mädchen aus dem Lande Israel geredet.
Der König von Aram sprach: So zieh hin, ich will dem König von Israel einen Brief schreiben. Und er zog hin und nahm mit sich zehn Zentner Silber und sechstausend Goldgulden und zehn Feierkleider
und brachte den Brief dem König von Israel; der lautete: Wenn dieser Brief zu dir kommt, siehe, so wisse, ich habe meinen Knecht Naaman zu dir gesandt, damit du ihn von seinem Aussatz befreist.
Und als der König von Israel den Brief las, zerriss er seine Kleider und sprach: Bin ich denn Gott, dass ich töten und lebendig machen könnte, dass er zu mir schickt, ich solle den Mann von seinem Aussatz befreien? Merkt und seht, wie er Streit mit mir sucht!
Als Elisa, der Mann Gottes, hörte, dass der König von Israel seine Kleider zerrissen hatte, sandte er zu ihm und ließ ihm sagen: Warum hast du deine Kleider zerrissen? Lass ihn zu mir kommen, damit er innewerde, dass ein Prophet in Israel ist.
So kam Naaman mit Rossen und Wagen und hielt vor der Tür am Hause Elisas.
Da sandte Elisa einen Boten zu ihm und ließ ihm sagen: Geh hin und wasche dich siebenmal im Jordan, so wird dir dein Fleisch wieder heil und du wirst rein werden.
Da wurde Naaman zornig und zog weg und sprach: Ich meinte, er selbst sollte zu mir herauskommen und hertreten und den Namen des HERRN, seines Gottes, anrufen und seine Hand hin zum Heiligtum erheben und mich so von dem Aussatz befreien.
Sind nicht die Flüsse von Damaskus, Abana und Parpar, besser als alle Wasser in Israel, sodass ich mich in ihnen waschen und rein werden könnte? Und er wandte sich und zog weg im Zorn.
Da machten sich seine Diener an ihn heran, redeten mit ihm und sprachen: Lieber Vater, wenn dir der Prophet etwas Großes geboten hätte, hättest du es nicht getan? Wie viel mehr, wenn er zu dir sagt: Wasche dich, so wirst du rein!
Da stieg er ab und [a]tauchte unter im Jordan siebenmal, wie der Mann Gottes geboten hatte. Und sein Fleisch wurde wieder heil wie das Fleisch eines jungen Knaben und [b]er wurde rein.
Und er kehrte zurück zu dem Mann Gottes mit allen seinen Leuten. Und als er hinkam, trat er vor ihn und sprach: Siehe, nun weiß ich, dass kein Gott ist in allen Landen, außer in Israel; so nimm nun eine [a]Segensgabe von deinem Knecht.
Elisa aber sprach: So wahr der HERR lebt, vor dem ich stehe: Ich nehme es nicht. Und er nötigte ihn, dass er es nehme; aber er wollte nicht.
Da sprach Naaman: Wenn nicht, so könnte doch deinem Knecht gegeben werden von dieser Erde eine Last, so viel zwei Maultiere tragen! Denn dein Knecht will nicht mehr andern Göttern opfern und Brandopfer darbringen, sondern allein dem HERRN.
Nur darin wolle der HERR deinem Knecht gnädig sein: Wenn mein König in den Tempel Rimmons geht, um dort anzubeten, und er sich auf meinen Arm lehnt und ich auch anbete im Tempel Rimmons, dann möge der HERR deinem Knecht vergeben.
Er sprach zu ihm: Zieh hin mit Frieden!

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Gemeinde!

Unsere heutige Predigtlesung erzählt eine Geschichte von menschlichem Glück und Elend, von Stolz und seiner Überwindung und von Hoffnung, die über den eigenen Schatten springen. Die Geschichte führt uns weit zurück in das 9. Jahrhundert v. Chr. Damals lag Israel im Krieg mit den Aramäern. Die Aramäer, das waren die Stadtkönige von Damaskus. Also dort, wo heute Syrien liegt (nördlich von Israel). Zwischen diesen Aramäern oder Syrern und dem Königreich Israel gab es während des ganzen 9. Jahrhunderts abwechselnd Phasen des Krieges und Phasen des Friedens. Während einer dieser Friedenszeiten kam es zu der Begebenheit, von der unser Bibelabschnitt erzählt. Eine Geschichte mit lebensverändernden Folgen.

Naaman war der Heerführer des Königs von Syrien er also war der Oberbefehlshaber der syrischen Armee, der ranghöchste General.

Er "war ein trefflicher Mann vor seinem Herrn und wert gehalten". Das heißt, der König hielt große Stücke auf ihn. Naaman war auch erfolgreich. Er hatte eine der wichtigsten Stellungen im Staat, er war berühmt als Kriegsheld und er hatte ziemlich viel Geld. Ein hochdekorierter Mann mit großem Stolz und Selbstbewusstsein. Eine imposante Persönlichkeit.

Doch über diesem Bild des glanzvollen Helden liegt ein dunkler, schwerer Schatten.

"… er war ein gewaltiger Mann", steht da, das Elend wird mit dem folgenden Wort benannt: "aussätzig"! Das Elend Naamans hinter der glanzvollen Fassade.

Aussatz! - [Pause] Das war damals ein Sammelbegriff für alle möglichen Hautkrankheiten. Für Krankheiten, bei denen die Haut eklig aussehende eiternde und blutende Geschwüre bekam; oder für die damals unheilbare Leprakrankheit, bei der einzelne Gliedmaßen am lebendigen Leib verfaulen.

Aussatz! - [Pause] Das bedeutete den langsamen körperlichen Zerfall und den sozialen Tod. Denn, wer Aussatz hatte, der galt im alten Orient als unrein. Das bedeutete: Er durfte an öffentlichen Feiern des Staates und an gemeinsamen Gottesdiensten nicht mehr teilnehmen. Und die Menschen hatten Angst, sich anzustecken: Aussätzige wurden gemieden. Und so bedeutete es für Naaman, daß viele Freunde und Verwandte sich von ihm zurückgezogen hatten. Naaman war nicht nur aussätzig. Er wurde auch wie ein Aussätziger behandelt!

In der Situation half ihm sein Geld, seine hohe Stellung, seine Berühmtheit nichts.

Es gibt auch heute Naamans in unserer Welt. Das sind Menschen, die äußerlich gesehen glücklich und hoch angesehen sind. Vielleicht ein erfolgreicher Unternehmer, vielleicht ein geachteter Kommunalpolitiker. Oder nur der einfache Mann von nebenan, der stolz darauf ist, was er sich in seinem Leben aufgebaut hat. Und auch dort gibt es manchmal den dunklen schweren Schatten im Leben, der von außen nicht sichtbar ist.

Aber - nach innen, da frisst er an Leib und Seele. Das kann eine schwere Krankheit sein, zerbrochene Beziehungen und Konflikte in der Familie oder eine lieblose Ehe. Die Schatten sind unterschiedlich, aber hinter den Kulissen führen oft sie die wirkliche Regie im Leben. Nach außen sieht alle s gut aus. Innen jedoch ist schon längste der dunkle Schatten das bestimmende Lebensthema geworden.

So war es bei Naaman. Im Grunde war er ein verzweifelter Mann. Gekettet an seine schreckliche Krankheit.

In einer solchen Lage greifen Menschen nach jedem Strohhalm.

Sicher kennt ihr auch die Geschichten, wo todkranke Menschen von Arzt zu Arzt ziehen. Ihre letztes Geld und ihre letzten Hoffnungen an dubiose Wunderheiler und Scharlatane hängen. Manchmal gegen alle menschliche Vernunft. Alles aus der Hoffnung heraus: "Da kann mich vielleicht einer heilen, wo schon alle anderen die Hoffnung aufgegeben haben".

Naaman scheint es auch so zu gehen. Jedenfalls springt er auf den Satz des jungen Mädchens, das im Dienst von Naamans Frau war: "Ach, dass mein Herr wäre bei dem Propheten in Samaria! Der könnte ihn von seinem Aussatz befreien."

Naaman hat diesen Satz gehört und er lässt ihn nicht mehr los. Nun steckt er seine ganze Hoffnung und Kraft da hinein, zu diesem Propheten zu kommen.

Er lässt sich ein diplomatisches Schreiben seines Königs mitgeben und bepackt eine ganze Karawane voll mit Reichtümern: "zehn Zentner Silber und sechstausend Goldgulden und zehn Feierkleider".

Das ist ein Vermögen. Naaman investiert alles, um Hilfe zu bekommen "Wenn es meine Heilung für Geld zu kaufen gibt, dann soll es daran nicht scheitern", so denkt er wohl.

Verständlich! Wer von uns würde in seiner Situation nicht alles geben!

Allerdings lassen sich manche Dinge nicht mit Geld kaufen.

Sicherlich bekommt man mit Geld eine bessere Behandlung, aber ein umfassendes Heil sein, an unserem Körper und unserer Seele - das können wir nicht mit materiellen Dingen bekommen. Naaman bekommt das schmerzlich zu spüren.

Am israelischen Königshof angekommen, erlebt er eine herbe Enttäuschung. Der König reagiert vollkommen verständnislos. "Bin ich denn Gott, dass ich töten und lebendig machen könnte, dass er zu mir schickt, ich solle den Mann von seinem Aussatz befreien? Merkt und seht, wie er Streit mit mir sucht!"
Naaman hatte sich wohl gedacht: "Wenn es einen Propheten gibt, der als Heiler berühmt ist, dann ist der bestimmt eine wichtige Person am Königshof."

Aber Fehlanzeige! Die Hilfe für ihn gibt es dort nicht.

In der Aktion von Naaman zeigt sich etwas, was uns Menschen immer wieder passiert. Wir suchen die Lösung unserer Probleme in unserem gewohnten Denkhorizont.

Naaman ist eine Persönlichkeit, die mit seiner Bedeutung und seinem Geld viel erreicht hat. "Mit den richtigen Beziehungen und mit genügend Geld ist alles möglich." Das ist seine Lebenserfahrung. So versucht er damit eine Antwort zu finden. Und scheitert …

Naaman hat sich auf die Reise gemacht. Er lässt sich seine Gesundheit viel kosten. Aber er ist innen drin, noch in seinem alten Denken befangen.

Er braucht einen Impuls von außen, aus einer ganz anderen Erfahrungswelt, damit er weiter kommt.

"Das Wort, das dir hilft, kannst du Dir nicht selbst sagen." Das ist eine urmenschliche Erfahrung. Wenn wir keine Impulse von außen bekommen, drehen wir uns um uns selbst. Auch bei der Lösung unserer Probleme. Und wir kommen damit nicht weiter. Wir bleiben stecken in den blinden Flecken unserer Sichtweise und sind weiter verstrickt in unseren alten Verhaltensmustern.

Naaman hat schon einen Impuls von außen aufgenommen. Er hat sich nach Israel aufgemacht. Aber er braucht noch einen weiteren Anstoß, um sich innerlich zu öffnen.

Dieser Anstoß kommt aus einer für ihn völlig fremden Lebenswelt. Von dem Propheten Elisa. Elisa ist aus einem ganz anderen Holz geschnitzt als Naaman. Ihm ist an einer Stellung am Königshof, an Reichtum und Berühmtheit nichts gelegen. Elisa ist das Gegenteil von Naaman. Er lebt in selbstgewählter Armut und haust mit einer Gruppe von Prophetenschülern in einer einfachen Holzhütte. Elisa ist nicht empfänglich für Reichtum und Macht. Elisa hat nur eine Leidenschaft - die Leidenschaft für Gott. Kompromisslos tritt er für Gott und seine Gebote ein. Er nennt Unrecht beim Namen, setzt sich für die Schwachen und Unterdrückten ein und schreckt auch nicht davor zurück, selbst dem König entgegenzutreten. Elisa ist ein Radikaler! Dafür wird er in Israel gefürchtet und bewundert zugleich. Für die einen ist er ein verrückter Spinner und für die andern ein Heiliger, von dem man sich die erstaunlichsten Dinge erzählt. Mann Gottes - so nennen sie ihn. Die einen voller Bewunderung, die andern ziemlich spöttisch.

So ist das ja immer, wo jemand Gott radikal ernst nimmt. Radikalität für Gott, das scheidet die Geister! Das stellt das Leben der "Normalbürger" in Frage! Zu allen Zeiten. Damals im alten Israel und heute bei uns nicht weniger.


Dieser radikale Elisa hat von Naaman und seiner gold- und silberbeladenen Karawane gehört. Er lässt dem König von Israel ausrichten: "Lass ihn zu mir kommen, damit er innewerde, dass ein Prophet in Israel ist."

Achtet genau darauf! Elisa sagt nicht: "Dann wird der Mann geheilt werden."
Er sagt: "… damit er innewerde, dass ein Prophet in Israel ist."

Naaman soll in der Begegnung mit Elisa etwas von Gott erfahren.

Aber zunächst kommt es gar nicht zu dieser Begegnung.

Naaman kommt mit seiner bepackten Karawane, mit all dem Gold und Silber zu Elisa - und der lässt ihn draußen stehen. Das ist die zweite Enttäuschung für Naaman. Durch einen Boten lässt ihm Elisa kurz und lapidar sagen: "Geh hin und wasche dich siebenmal im Jordan, so wird dir dein Fleisch wieder heil und du wirst rein werden."

Stell dir das mal vor: Naaman, der Oberbefehlshaber der syrischen Armee, ein Mann der an Königshöfen ein- und ausgeht, wird von dieser armseligen Prophetengestalt Elisa einfach vor der Tür stehen gelassen.

Elisa ist offensichtlich überhaupt nicht von Naaman - seiner Position, seinem vielen Geld - beeindruckt.

Das ist so, wie wenn ein todkranker Mensch endlich einen Termin bei dem allerbesten Spezialisten für seine Krankheit bekommen hat. Und dann wird er nur mit einem Rezept abgespeist; bekommt den Arzt gar nicht zu sehen.

Kein Wunder, dass Naaman zornig wird: "Ich meinte, er selbst sollte zu mir herauskommen und hertreten und den Namen des Herrn, seines Gottes, anrufen und seine Hand hin zum Heiligtum erheben und mich so von dem Aussatz befreien."

Naaman hat sich etwas ganz anderes vorgestellt. Und jetzt ist es so ganz anders. Dieser Prophet empfängt ihn nicht einmal und gibt ihm einen so törichten Rat! "Siebenmal im Jordan eintauchen" Ha, im Jordan! Da hat Naaman schon recht, da gibt es ganz andere Flüsse. "Sind nicht die Flüsse von Damaskus … besser als alle Wasser in Israel, sodass ich mich in ihnen waschen und rein werden könnte?" Ja, der Jordan ist doch gar kein Strom, sondern nur ein Flüsschen. Nicht vergleichbar mit dem Rhein oder der Donau, eher schon mit der Altmühl! Und in diesem Rinnsal, in dieser Pfütze soll er baden. Naaman hat die Nase gestrichen voll! So hat er sich das alles nicht vorgestellt! Er will sich doch nicht zum Affen machen!


Naaman macht kehrt. Er hält den Ratschlag des Propheten für töricht und dumm. Er ist wütend, dass er für diese Auskunft diesen langen Weg gemacht hat - und hinter der Wut steht eine große Enttäuschung.

Mir fällt bei Naaman etwas auf, was man auch in der Seelsorge immer wieder erleben kann: Menschen haben eine ganz feste Vorstellung, wie die Lösung ihrer Probleme aussehen sollte. Nur so und nicht anders … Alle Hilfsangebote, die anders sind, nehmen sie nicht wahr. Sie sind fixiert, festgelegt auf ihre Erwartungen. Und die wirkliche Hilfe, die Außenstehende manchmal sehr klar sehen, nehmen sie nicht wahr. Es kann tragisch sein, das als Seelsorger mitzubekommen.

Naaman ist auch fixiert auf seine Vorstellung von Hilfe. Deswegen ist er nur wütend und enttäuscht.

Glücklicherweise hat er aber Diener. Wahrscheinlich ganz einfache Leute. Aber Leute die viel mehr begriffen haben. Sie sagen ihm: "Wenn dir der Prophet etwas Großes geboten hätte, hättest du es nicht getan? Wie viel mehr, wenn er zu dir sagt: Wasche dich, so wirst du rein!" "Mach das doch! Mach das! Wenn dir der Prophet etwas Schwieriges gesagt hätte, dann hättest du das doch auch getan".

"Mach das doch!" Wohl dem, der solche Freunde hat, die einem in Problemen
und in Schwierigkeiten den Kopf zurecht rücken und sagen: "Mach das doch! Mach das doch!"

Wisst ihr, Pfarrer können solchen "Dienern" bzw. Freunden sehr dankbar sein. Wir kommen mit unserem Latein manchmal ganz schön an unsere Grenzen. Und dann gibt es plötzlich Freunde der Betroffenen, die können viel unbefangener und deutlicher reden, mahnen, den Kopf waschen. Und erreichen es, dass Menschen sich plötzlich öffnen und helfen lassen.

Bei Naaman sind es seine Diener, die ihm gut zureden. Eigentlich sind Diener für diesen Mann kein Gegenüber. Aber gerade sie zeigen ihm, wo die Hilfe ist.

Und jetzt passiert das Erstaunliche in dieser Geschichte. Naaman lässt sich tatsächlich umstimmen. Er schiebt seine Wut und seinen Stolz beiseite. Ja, er springt damit über den Schatten seiner kompletten Prägung und Lebensgeschichte.

Seht ihr, diese fast 3000 Jahre alte Geschichte hat mit uns zu tun! An der Geschichte des Naaman wird deutlich, dass die Antworten auf unsere Lebensfragen außerhalb unseres eigenen Horizontes liegen können.

Naaman springt über seinen Schatten und tut etwas für ihn vollkommen Törichtes. Sicher hat der Angst gehabt, sich zu blamieren vor seinen Dienern. So ein verrückter Ratschlag! Siebenmal im Jordan eintauchen!

Aber er tut es. Er überspringt die Hürden seiner Stellung, seiner Denkblockaden und seiner Lebenserfahrung.

Und das Wunder geschieht. Er wird geheilt. "Und sein Fleisch wurde wieder heil wie das Fleisch eines jungen Knaben und er wurde rein."

In dem Moment in dem Naaman seinen Stolz, seine genauen Vorstellungen loslässt da passiert etwas, da kommt etwas in Bewegung. Und nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich in ihm.

Er kehrt zu Elisa zurück und das Erste, was er sagt ist nicht: "Super, toll! Ich bin gesund geworden." Das sagt er nicht.

Er sagt: "Siehe, nun weiß ich, dass kein Gott ist in allen Landen, außer in Israel …"

In dem Moment, in dem Naaman losgelassen hat - sein Sehen auf das Äußere, auf sein Geld, auf seine Macht, auf seinen Ruhm -, in dem Moment, in dem er das losgelassen hat wird er geheilt und erfährt die Kraft des lebendigen Gottes. "Jetzt weiß ich, dass der Gott Israels der einzige Gott ist auf der ganzen Erde".

Bei Naaman ist mehr heil geworden als sein Aussatz. Er ist vom lebendigen Gott angerührt worden - und das hat ihn verändert.

Das ist das Geheimnis in dieser Geschichte. Die Lösung der Probleme und die Begegnung mit dem lebendigen Gott geschieht auf unvermutete Weise. Gerade da, wo wir nichts erwarten, da ist Gott am Werk.

Das ist ein geistlicher Hinweis, den wir uns merken sollten.

Er gilt für die heutigen Naamans, die mit ihrem dunklen Schatten im Leben ringen.

Er gilt, jedem von uns.

Die Geschichte des Heerführers Naaman lehrt uns hinzuschauen, wie und wo Gott uns heute begegnet und heil machen will.

Vielleicht auch durch die Freunde, die Unbequemes sagen - aber den Nagel auf den Kopf treffen. Vielleicht durch einen Schritt, den wir als undenkbar und töricht empfinden. Die Voraussetzung dafür ist, dass wir loslassen - unsere Bedenken, unsere Vorstellungen und Vorurteile, damit wir frei werden für das Heil bringende Handeln des lebendigen Gottes.

AMEN.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht eine gesegnete Woche!