Predigttext und Predigt zum letzten Sonntag nach Epiphanias - 28. Januar 2017.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG 342;

Titel: Es ist das Heil uns kommen her

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
Ein Nachdruck des revidierten Textes der Lutherbibel sowie jede andere Verwertung
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der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.


Predigttext: Offenbarung 1, 9-18

Dies ist die Offenbarung Jesu Christi, die ihm Gott gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen soll; und er hat sie durch seinen Engel gesandt und seinem Knecht Johannes kundgetan,
der bezeugt hat das Wort Gottes und das Zeugnis von Jesus Christus, alles, was er gesehen hat.
Selig ist, der da liest und die da [a]hören die Worte der Weissagung und behalten, was darin geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe.
Gruß an die sieben Gemeinden
Johannes an die sieben Gemeinden in der Provinz Asien: Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, und von den sieben Geistern, die vor seinem Thron sind,
und von Jesus Christus, welcher ist [a]der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und Herr über die Könige auf Erden! Ihm, der uns liebt und uns erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut
und uns zu Königen und Priestern gemacht hat vor Gott, seinem Vater, ihm sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.
Siehe, [a]er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und [b]alle, die ihn durchbohrt haben, und es werden wehklagen um seinetwillen alle Geschlechter der Erde. Ja, Amen.
Ich bin [a]das A und das O, spricht Gott der Herr, [b]der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige.
Der Auftrag an Johannes
Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses von Jesus.
Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune,
die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea.
Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir redete. Und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter
und [a]mitten unter den Leuchtern einen, der war [b]einem Menschensohn gleich, angetan mit einem langen Gewand und gegürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel.
Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie der Schnee, und [a]seine Augen wie eine Feuerflamme
und seine Füße wie Golderz, das im Ofen glüht, und seine Stimme wie großes Wasserrauschen;
und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht.
Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot; und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte
und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Gemeinde!

"Neueste Enthüllungen über den Weltfußballverband!" "Neueste Enthüllungen: So ernst ist der Klimawandel." Zeitungsschlagzeilen dieser Art sind immer wieder zu lesen. So etwas weckt die Spannung und macht neugierig. So etwas ist oft ein beliebtes Gesprächsthema.

"Neueste Enthüllungen", so lässt sich aber auch der heutige Predigtabschnitt überschreiben. Er ist der Johannesoffenbarung entnommen. "Offenbarung" - das
Wort, das dafür hier im Griechischen steht, lautet apokálypsis. Und dies wiederum lässt sich wörtlich übersetzen mit "Enthüllung". Die Gemeinde Jesu erfährt seit damals aus diesem Buch, was Gott mit ihnen und der Welt noch vorhat.

Hier wird deutlich: Die Weltgeschichte in ihrer Unübersichtlichkeit und Zerrissenheit ist nicht alles. Es gibt vielmehr noch eine ganz andere Sicht auf all die Ereignisse, die uns so oft unruhig und ängstlich machen. Sie hat damit zu tun, dass Jesus der Herr ist.

Es lohnt sich, dieser Sicht in drei Schritten nachzugehen:

1. Der Auferstandene sitzt auf dem Thron
2. Der Auferstandene ist bei seiner Gemeinde
3. Der Auferstandene wird alles vollenden


1. Der Auferstandene sitzt auf dem Thron

Die Situation, von der unser heutiger Abschnitt berichtet, muss überaus schwierig gewesen sein. In Rom hatte der grausame Kaiser Domitian geherrscht. Er ließ viele Nachfolger Jesu festnehmen und foltern. Und außerdem nahm er den Gemeinden auf dem kleinasiatischen Festland ihren hauptsächlichen Führer. Er ließ den schon betagten Jesusjünger Johannes auf die Mittelmeerinsel Patmos bringen.

Von diesem rings von Wasser umgebenen Ort war eine Flucht schwierig bis unmöglich. Und so wird Johannes oft sehnsüchtig in Richtung des Festlandes geschaut haben. Mit der bangen Frage: Wie geht es wohl den Gemeinden dort drüben? Besonders brennend muss diese Frage jeweils am ersten Tag der Woche gewesen sein. Am Tag des Herrn, an dem die Gottesdienste gefeiert wurden.

An einem dieser Tage wurden dem Johannes die neuesten Enthüllungen über Gott und die Welt vorgelegt. Und dies geschah ohne einen Zeitungsartikel und die dazugehörige Schlagzeile. Denn der Auferstandene selbst sorgte für diese besonderen Neuigkeiten. Er offenbarte sich mit langem Gewand und Gürtel um die Brust. So, wie sich in Israel der Hohepriester zu kleiden pflegte. Aber auch Fürsten und Könige pflegten so gekleidet zu sein.

Dadurch soll zu allen Zeiten deutlich gemacht werden: Es mag sein, dass auf Erden in manchen Ländern die Machtfrage nicht geklärt ist. Etwa, weil der vorangegangene Herrscher gestorben ist und nun mehrere einen Anspruch auf die Nachfolge erheben. Oder weil jemand meint, sich zum rücksichtslosen Alleinherrscher aufschwingen zu müssen.

Eine Machtfrage ist jedoch geklärt: Der Thron im Himmel ist nicht leer. Dieser entscheidende Platz ist vielmehr besetzt. Von dem, der sich zur Rechten Gottes gesetzt hat. Von dem, der lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Er ist im Himmel.

Aber es gilt auch:


2. Der Auferstandene ist bei seiner Gemeinde

Es heißt, dass Johannes ihn mitten unter den sieben Leuchtern stehen sah. Wobei diese Leuchter die Gemeinden in Kleinasien bedeuten. Da "sieben" die göttliche Vollzahl ist, bedeuten sie aber auch alle Gemeinden zu allen Zeiten.

Bis heute ist die Gemeinde Jesu Licht in einer dunklen Welt. Dieses Licht erhält sie von dem, der selber Licht der Welt ist. Und dieses "mitten unter den Leuchtern" ist zu allen Zeiten ein großer Trost. Es bedeutet nämlich: Keinem von denen, die Jesus bewusst nachfolgen, ist er fern.

Er war dem Johannes auf Patmos nicht fern. Genauso wenig wie den sieben Gemeinden auf dem kleinasiatischen Festland. Genauso wenig wie uns heute, die wir uns wie seit 2000 Jahren sonntags zum Gottesdienst versammelt haben.

Ein Grundsatz reformatorischer Schriftauslegung lautet: "Sacra Scriptura sui ipsius interpres." "Schrift legt Schrift aus." Das bedeutet: Es gibt Bibelstellen, durch die sich eine andere Stelle noch besser erklären lässt. Eine dieser Stellen ist Matthäus 28,20. Da sagt Jesus kurz vor seiner Himmelfahrt: "Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende."

Unser heutiger Abschnitt ist fast so etwas wie eine Erklärung dieser Stelle. Denn da macht der Auferstandene es dem Johannes in seiner Verbannung deutlich.

Er macht es den damaligen bedrängten Gemeinden deutlich.

Und er macht es darüber hinaus jedem deutlich. Auch demjenigen, der heute
Morgen noch persönliche Not, vielleicht gar unvergebene Schuld, mit hierher gebracht hat: Ich bin da alle Tage. Ich bin mitten unter den Leuchtern. "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben" (Johannes 8,12). Er ist heute nahe.

Aber es gilt auch:


3. Der Auferstandene wird alles vollenden

"Das Beste kommt zum Schluss!", wird manchmal landläufig gesagt, es ist auch der Titel eines Films. Beim Wort Gottes sind solche Worte schwierig. Denn da ist alles gut; jeder einzelne Bibelvers zeigt uns eine ganz besondere Seite Gottes auf.

Ich jedenfalls wüsste nicht, auf welche Kapitel oder Verse der Bibel ich verzichten könnte. Das Schöne ist: Solche Gedanken muss ich mir gar nicht machen. Denn in diesem Buch sind mir zahlreiche Enthüllungen über Gott in überaus vielfältiger Weise mitgeteilt.

Aber in all dem Besonderen gibt es doch auch noch das Eine oder das Andere, was ganz besonders herausragt.

In unserem heutigen Abschnitt sind dies die Verse 17b und 18. "Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige." "Erster" und "Letzter", mit solchen oder ähnlichen Gegensatzpaaren wurde damals das Umfassende ausgedrückt. Und damit bedeutet es: "Ich bin alles. Ich habe alles in der Hand. Ich bin über alles der Herr."

Dies wird noch ergänzt durch den Gegensatz "tot - lebendig". Jesus ist der Einzige, der dies so von sich sagen kann: Herr des Lebens zu sein und sogar über den Tod zu herrschen.

Er sagt ja sogar: "Ich habe den Schlüssel des Todes und der Hölle." Ein Schlüssel kann sehr wichtig sein. Denn wer ihn hat, kann auch über eine bestimmte Sache herrschen. Die Hansestadt Hamburg etwa hat ein Tor im Wappen und Bremen einen Schlüssel. Die Hamburger sagen nun oft: "Wir sind das Tor zur Welt." Und die anderen kontern ebenso scherzhaft wie selbstbewusst: "Aber wir haben den Schlüssel dazu!"

Humor ist schön, und Humor ist auch sehr wichtig. Vor allem, wenn dabei die ernsten Dinge nicht vergessen werden. Und bitterer Ernst ist, dass jeder Mensch einmal sterben muss. Aber Jesus hat gesagt: "Ich lebe, und ihr sollt auch leben." (Johannes 14,19b). Das gilt jedem, der an ihn glaubt. Und Jesus wird wiederkommen und Gottes Plan vollends zum Ziel bringen.

Der Auferstandene sitzt auf dem Thron. Er ist bei seiner Gemeinde. Und er wird alles vollenden. Ich wünsche uns, dass wir diese besonderen Enthüllungen mitnehmen. In die neue Woche, in unser ganzes Leben.

AMEN.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht eine gesegnete Woche!