Predigttext und Predigt zum Gründonnerstag - 29. März 2018.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG 223;

Titel: Das Wort geht von dem Vater aus

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
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der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.


Predigttext: Korinther 10,16-17

Der gesegnete Kelch, den wir segnen,
ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi?
Das Brot, das wir brechen,
ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?
Denn ein Brot ist's:
So sind wir viele ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Gemeinde!

Das alte Korinth, das Paulus noch gekannt hat und in dem sich jene christliche Gemeinde unter der Vollmacht des apostolischen Wortes sammelte, ist heute nur noch eine imposante Ruinenstadt, durch deren wiederausgegrabene Gassen Schwärme von Touristen strömen. Aber nur wenige ahnen, dass jenes Korinth von damals so lebendig ist wie eh und je.

Unsere Welt und unsere Zeit sind zu einem universalen "Korinth" geworden. Sein Kennzeichen ist das, was man mit einem Fachausdruck "Synkretismus" nennt, das heißt so viel wie "Religionsvermischung". Ein undurchschaubares Gewirr von Religionen und Weltanschauungen kennzeichnet unsere Zeit. Keine Stadt mehr und kaum noch ein Dorf, in dem nicht allerlei Geistiges und Geistloses, Gläubige und Ungläubige, religiös Überzeugte und erklärte Atheisten, Angehörige verschiedener Religionen nebeneinander wohnen.

"Toleranz" heißt das große Zauberwort, das diese verwirrende Vielfalt in vernünftige Bahnen und ein menschliches Miteinander verwandeln soll.

Nun, solange Toleranz den gegenseitigen Respekt vor der Meinung des anderen beinhaltet - auch wenn ich die Überzeugung des anderen nicht teile oder sie sogar für falsch halte -, solange Toleranz Verzicht auf Gewalt und Diskriminierung beinhaltet, wird auch ein Christ Toleranz bejahen können.

Sobald aber Toleranz missverstanden wird im Sinne von Gleichgültigkeit, in der alle Religionen angeblich überall das Gleiche meinen und sich das eine Geheimnis unter vielfältigen Göttern und Gottesanschauungen verberge, dann droht jener korinthische Synkretismus, diese Religionsmengerei, die aus Wahrheit Lüge und aus Lüge Wahrheit macht. In dieser modernen Welt, unter dem Druck der Meinungsmacher droht das wahre Bild Christi verloren zu gehen.

Dem gilt es zu widerstehen. "Darum fliehet den Götzendienst!", mahnt uns der Apostel. Du kannst nicht Allah anrufen und den Vater Jesu Christi. Der Gott, den wir als Christen bekennen und anrufen, ist der Gott, der in Christus Mensch wurde und sich bis in den Abgrund des Kreuzestodes an den verlorenen, verzweifelten, in Schuld, Angst und Tod steckenden Menschen verliert. Dieser Gott hat sein Leben in den Tod gegeben, und ER schenkt uns in einer schlichten Mahlzeit aus Brot und Wein sein Herz, sein ganzes unergründliches Erbarmen. Allah dagegen wird im Koran zwar der "Allerbarmende" genannt, aber er befleckt sich nicht mit unserer Sünde, er durchleidet nicht meine Angst und Verzweiflung, er wirft sich nicht dem Tod in den Rachen, um den Tod für uns zu bezwingen. Christus dagegen ist des Todes Tod! Eben dies lässt er uns über Brot und Wein verkündigen, zusagen, schenken: Mein Leib - für Dich! Mein Blut - für Dich! Und damit zusammen Vergebung, Hoffnung, Leben und Freiheit von Angst!

Mohammed wusste von alledem nichts; auch Buddha nicht, und keiner jener hinduistischen Heiligen und erst recht nicht all die modischen Verkündiger einer neuen Religiosität. Sie erzählen uns, dass in unserem Inneren das Göttliche schlummere, das nur darauf warte, wieder aufgeweckt zu werden. Welch ein Selbstbetrug! Bei der Entdeckungsfahrt ins Innere der Seele finde ich nicht das Göttliche, sondern nur mich selbst und mein zerrissenes, sündiges, selbstquälerisches Herz, das oft am Rande der Verzweiflung wohnt.

Klarheit des Geistes und nicht Religionsmengerei war damals und ist heute in unserem Korinth gefordert und die Entschiedenheit des Glaubens. Wir können nicht mit allem und jedem mitmachen. Oder haben wir vergessen, wer uns hier an diesem gedeckten Abendmahlstisch, unter Brot und Wein tief verborgen, begegnet?

Von seinem Leib ist da die Rede und von seinem Blut. Sein Leib wird dir auf die Zunge gelegt, damit du geistlich eins wirst mit ihm, ein Glied an seinem Leib. Sein Leben soll Dein Leben werden. Sein Blut benetzt deine Lippen, damit du innewirst, dass ER sein Blut dahingab zur Vergebung aller deiner Sünden. Dein Herz hungert nach Frieden. Deine Seele dürstet nach einem Neuanfang. Dein Gewissen schreit nach Entlastung.

Komm und schmecke, höre und lass es für dich gelten! "Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi?" Gottes ganze Liebe ist in diese Mahlzeit eingewickelt. Und Gottes Ewigkeit umgreift hier Dein ganzes Leben! Das ist das Geheimnis dieses Mahles! Natürlich fragt unser überkluger Verstand, wie das möglich sein sollte. Dass sein Leib und sein Blut hier gegenwärtig sein sollen, dass die ganze Ewigkeit in einem Stückchen Brot und in einem Schluck Wein verborgen sein soll, das kann mein und dein Verstand nicht fassen.

Aber mein Herz glaubt den Worten Christi: "Das ist mein Leib ... Das ist mein Blut ..." Ich vertraue darauf, dass sein Wort verlässlich ist. Er hat es ja mit seinem Blut versiegelt. Und mein Geist sagt mir, dass Gott so unendlich ist, dass er an jedem Ort und zu aller Zeit innerhalb und außerhalb der Welt da ist. Wie sollte Dir dann Christus nicht leibhaftig begegnen können? Ist Gottes Wirklichkeit nicht unendlich größer als wir sie uns je vorstellen könnten? Wie könnten wir Gottes Macht auch nur um einen millionstel Millimeter einschränken dürfen?

Sein Leib und sein Blut - das ist ER, der sich uns jetzt mit Leib und Blut schenken will, und das ist ER, der jetzt bei seinem Vater lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit und der hier an diesem Ort und in dieser Zeit für mich rettend, vergebend und Gewissen befreiend da sein will. Gibt es etwas Größeres als dieses Heilige Abendmahl? Etwas Tieferes als dieses Geheimnis? Etwas Befreienderes als dieses Geschenk?

Das schließt jede Religionsvermischung aus. Kann sich Allah mit dem Vater Jesu Christi vergleichen? Oder Seelenwanderung mit der Auferstehung Jesu Christi von den Toten und mit der uns verheißenen Auferstehung? Oder könnte man Buddhas "Nirwana", dieses lautlose Verwehen der Seele, mit dem Frieden und der Freude verwechseln, die in Gott und Christus haben werden, die an ihn glauben? Was ist schon jeder trostlose Atheismus im Vergleich mit dieser dem Tod und der Hölle trotzenden Gewissheit?

AMEN.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht einen gesegneten Karfreitag!