Predigttext und Predigt zum Ostersonntag - 1. April 2018.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG 101;

Titel: Christ lag in Todesbanden

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
Ein Nachdruck des revidierten Textes der Lutherbibel sowie jede andere Verwertung
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der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.


Predigttext: 1.Samuel 2,1-2.6-8a

Hanna betete und sprach:
"Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn,
mein Haupt ist erhöht in dem Herrn.
Mein Mund hat sich weit aufgetan wider meine Feinde,
denn ich freue mich deines Heils.
Es ist niemand heilig wie der Herr,
außer dir ist keiner, und ist kein Fels, wie unser Gott ist.
Der Herr tötet und macht lebendig,
führt hinab zu den Toten und wieder herauf.
Der Herr macht arm und macht reich;
er erniedrigt und erhöht.
Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub
und erhöht den Armen aus der Asche,
dass er ihn setze unter die Fürsten
und den Thron der Ehre erben lasse."

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Gemeinde!

Ostern ist wie Frühlingserwachen. Knospen springen auf, neues Leben erwacht. Die Sonne erweckt in uns neues Leben. Nicht umsonst gehört zu Ostern der obligatorische Spaziergang. Das Ei als Ostersymbol symbolisiert den Kreislauf von Aufblühen und Verwelken, von Geborenwerden und Sterben.

Aber … - die Natur kann nur ein schwaches Zeichen sein für das Ostergeschehen, für das neue Leben, mehr nicht.

Der Kreislauf von Werden und Vergehen - an Ostern ist er aufgebrochen!

Jesus Christus ist auferweckt worden von den Toten!

Ebenfalls um ein Zeichen geht es bei der Geschichte von Hanna und ihrem Sohn Samuel.

Hanna hatte lange Zeit keine Kinder, und das war für sie sehr schlimm. Bis sie vom Priester Eli die Zusage bekam: "Gott … wird dir die Bitte erfüllen, die du an ihn gerichtet hast" (1. Samuel 1,17).

Daraufhin wurde Samuel geboren; Hanna hat ihn nach wenigen Jahren zu Eli ins Heiligtum von Silo gebracht. Er soll Gott gehören und Priester für Gott werden.

An diesem Tag, als sie Samuel im Tempel abliefert, betet Hanna diesen Lobgesang.

Zugegeben, nicht gerade ein Osterbericht; mehr ein privates Geschehen der Hanna. Aber ein Lob auf den Gott, der es Ostern werden ließ, und der den alten Kreislauf von Werden und Vergehen aufgebrochen hat.


1. Ostern durchbricht den Kreislauf von Leben und Sterben

Wir haben uns daran gewöhnt. Vom ersten Schrei an läuft die Zeit. Sekunde um Sekunde rieselt der Sand durch die Lebensuhr, bis die Zeit abgelaufen ist. Dann ist Schluss, und ein Weiterleben ist höchstens noch in den Nachkommen möglich.

Das war übrigens für Hanna das Schlimme: Als Frau ohne eigene Kinder hatte sie in der damaligen Zeit keine Würde und keinen Wert. Man hat ihr unterstellt, dass Gott sie damit für etwas straft. Eine Ehe ohne Kinder galt als sinnlos. Kinder waren die Absicherung fürs Alter, ohne Kinder keine Zukunft, kein Weiterleben.

Auch heute erleben viele Paare ihre Kinderlosigkeit als eine schwere Last. Zum Glück hängt aber die Würde einer Frau nicht mehr allein an ihren Kindern. Leben und Ehe können auch ohne Kinder Sinn machen. Viele finden auch das Ja zu dieser Last.

Für Hanna wäre dieses Ja undenkbar gewesen. Ohne Kinder war sie abgeschnitten vom Leben, gewissermaßen zum Tode verurteilt. Und jede Reise nach Silo ins Heiligtum, wenn sie wieder ohne Kind dastand, war für sie wie für andere der Gang ans Grab: unendlich schmerzvoll.

Mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben. Gefangen in dem Kreislauf von Leben und Sterben-Müssen. In diesen Kreislauf hat Gott seinen Sohn hineingegeben.

Jesus ist ins Leben gekommen und hat den Tod erlitten.

Aber dann hat Gott diesen Kreislauf aufgebrochen. Er hat seinen Sohn aus dem Tod erweckt. Der Tod wird zur Tür, zum Durchgang ins neue Leben.

Die ersten Zeugen der Auferstehung haben lange gebraucht, bis sie es glauben konnten. Und es hat noch länger gedauert, bis sie verstanden haben, was die Auferstehung Jesu für Folgen hat. "Ich lebe, und ihr sollt auch leben", sagt Jesus (Johannes 14,19). Der Tod hat nicht das letzte Wort zu sprechen, sondern der Gott, der seinen Sohn aus dem Tod gerufen hat. Das Grab Jesu war am Ostermorgen leer, und so werden auch die Gräber der Gläubigen einmal leer sein.

"Der HERR tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf."

Eigentlich müssen wir von "Auferweckung" sprechen statt von "Auferstehung ". Denn nicht Menschen stehen auf zum Leben, sondern Gott erweckt sie zum Leben.

Gerne werden hier die Worte von Marie-Luise Kaschnitz zitiert: "Manchmal stehen wir auf / Stehen wir zur Auferstehung auf / Mitten am Tage …" (EG, S. 262).

Ostern heißt nicht, dass Menschen aus dem Kreislauf von Leben und Sterben aussteigen, sondern dass Gott ihn aufbricht. Dem Tod gegenüber sind wir Menschen ohnmächtig; Gott macht das Unmögliche möglich.


2. Ostern durchbricht den Kreislauf von Hoffen und Zweifeln


In den Akten der Behörden wurde nur Jesu Sterben am Kreuz vermerkt. Der Tod ist also nach wie vor amtlich, die Auferstehung aber nicht. Sie gehört nicht zu den offiziellen Daten unserer Geschichte, nicht zu den faktischen Gegebenheiten unseres Lebens. Wir können da nur hoffen, mehr nicht.

Um uns herum erleben wir weiterhin Krieg und Hunger und Unrecht, dass es einem schlecht wird - allein von den Bildern im Fernsehen. Und wie oft mussten wir auf dem Friedhof sagen: "Erde zur Erde, Asche zur Asche, Staub zum Staube"!?

So manchen jungen Menschen mussten wir schon zu Grabe getragen, der sein Leben noch längst nicht hinter sich hatte. "Man soll die Hoffnung nicht aufgeben!", sagen wir da. Und dann wird doch der Zweifel stärker als die Hoffnung.

Stimmt das mit dem neuen Leben? Kann das überhaupt sein?

"Der HERR hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche, dass er ihn setze unter die Fürsten und den Thron der Ehre erben lasse."

Kann das sein, dass aus Staub und Asche neues Leben erweckt wird?

Für unser Denken, für unseren Verstand kann das nicht sein. Denn unser Denken setzt die Gesetzmäßigkeiten der Natur voraus, und da hat es das noch nie gegeben, dass einer nach drei Tagen plötzlich wieder gelebt hat. Unsere Erfahrung spricht gegen Ostern.

Hanna lobt den Gott, der die Grundfesten der Welt gelegt hat, der selber die Gesetzmäßigkeiten der Natur bestimmt hat:

"Der Welt Grundfesten sind des HERRN, und er hat die Erde darauf gesetzt."

Sollte dem Schöpfer der Welt etwas unmöglich sein, nur weil es uns unmöglich scheint? Unsere Erfahrung, unser Denken, kann kaum der Maßstab dafür sein, was möglich und was wirklich ist.

Ostern bricht den ewigen Kreislauf von Hoffen und Zweifeln auf. "Ich lebe, und ihr sollt auch leben", spricht Jesus.


3. Ostern durchbricht den Kreislauf von Jubeln und Klagen

"Alles hat seine Zeit" - so lautet die Lebenserfahrung des Predigers Salomo (Prediger 3,1). Lachen hat seine Zeit, Weinen hat seine Zeit. Und so leben wir unser Leben; mal bestimmen uns die Freude und der Jubel, mal drückt uns die Trauer und verschließt uns den Mund.

Ostern bricht diesen Kreislauf auf. "In dir ist Freude in allem Leide" (Cyriakus Schneegaß 1598 - EG 398). Oder mit Hannas Worten: "Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn, mein Haupt ist erhöht in dem Herrn."

Ostern heißt: Das Leben behält den Sieg.

Diese Gewissheit lässt uns jubeln. Und wir dürfen, auch angesichts des Todes und seiner Schatten, auf das Ziel bei Gott schauen und ihn loben.

Wenn Ärzte nicht weiterwissen - Jesus sagt: "… und ihr sollt auch leben."

Wenn keiner mehr sieht, wie es je besser werden kann - wir können trotzdem singen: "Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!" (Hiob 19,25).

Gott gebe uns Augen, um seine Möglichkeiten zu sehen und nicht vor unseren Unmöglichkeiten zu kapitulieren.

Gott gebe uns die Hoffnung, die seiner Macht vertraut und sich nicht von unserer Ohnmacht den Blick verdecken lässt.

Und Gott gebe uns ein Herz, ihn zu preisen als den Herrn des Lebens, so wie Hanna es getan hat.

AMEN.

Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!