Zum Ablauf des Gottesdienstes

Die Konfirmationspredigt

gehalten von Pfarrer Thomas Lorenz

"Ohne Schwimmflügel -
aber jetzt bitte schwimmen und tauchen!"
(Matthäus 14, 22-33)

© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.

Es gilt das gesprochene Wort!

Liebe Eltern und Paten, liebe Großeltern und Familienangehörige,
liebe Festgemeinde!
Und jetzt rede ich euch an, die Hauptpersonen heute, und zwar in der Einzahl:

Lieber Konfi! Liebe Konfine!

Bist du eher wasserscheu? Oder eher eine Wasserratte?

Bei Taufgesprächen kommen die Eltern manchmal auf dieses Thema … Nach dem Motto: Mein Kind ist total wasserscheu, das wird bestimmt bei der Taufe viel "Theater" machen … Oder aber: Mein Kind liebt das Wasser, liebt es zu baden. Dem gefällt es bestimmt, wenn das Wasser über den Kopf gegossen wird …

Nun kann es ja durchaus sein, dass jemand, der als Kind gerne gebadet hat, heute nicht mehr gern ins Schwimmbad geht, wie auch umgekehrt, jemand, der das Baden hasste, heute mit Begeisterung schwimmen geht …

Aber geh doch mal in Gedanken so 11, 12, 13 Jahre zurück. Wenn du da baden gegangen bist, dann waren ganz sicher deine Eltern dabei. Klar, du wärst ja sonst gar nicht ins Schwimmbad gekommen. Und deine Eltern haben dich nicht ohne - das da! (Schwimmflügel zeigen) - ins Wasser gelassen. Die musstest du so lange im Wasser tragen, bis du sicher schwimmen konntest. Denk mal nach, wie alt du da warst …

Als du dann schwimmen konntest, hast du vielleicht auch angefangen zu tauchen … Mit Schwimmflügeln hättest du immer nur an der Wasseroberfläche tauchen können. Aber seit du schwimmen konntest, hast du dich dann auch getraut, mal tiefer zu tauchen … Vielleicht mit Schwimmbrille, mit Taucherbrille, vielleicht dann auch mit Schnorchel und Flossen die Unterwasserwelt in einem See oder im Meer zu erkunden. So richtig tief tauchen mit Sauerstoffflasche, das macht meines Wissens keiner von euch, ich auch nicht …

Warum ich das alles erzähle?

Nun, ich möchte euer Leben als Christ mit dem Schwimmen und Tauchen vergleichen.


1. Die Zeit der Schwimmflügel - sie ist vorbei

Wie war das noch mal?

Plantschen …

Mama oder Papa geht mit ins Wasser …

So nach und nach hast du selber Schwimmen gelernt … durch Eltern, Schule, Schwimmkurse (Wasserwacht, DLRG, Verein oder woanders) …


2. Er hätte sie auch gut gebrauchen können - der sinkende Petrus

Jesus geht auf dem Wasser (Matthäus 14, 22-33)


[22] (Nun drängte Jesus die Jünger, unverzüglich ins Boot zu steigen und ihm ans andere Ufer vorauszufahren; er wollte inzwischen die Leute entlassen, damit sie nach Hause gehen konnten.) [23] Als das geschehen war, stieg er auf einen Berg, um ungestört beten zu können. Spät am Abend war er immer noch dort, ganz allein. [24] Das Boot befand sich schon weit draußen auf dem See und hatte schwer mit den Wellen zu kämpfen, weil ein starker Gegenwind aufgekommen war. [25] Gegen Ende der Nacht kam Jesus zu den Jüngern; er ging auf dem See. [26] Als sie ihn auf dem Wasser gehen sahen, wurden sie von Furcht gepackt. "Es ist ein Gespenst!", riefen sie und schrien vor Angst. [27] Aber Jesus sprach sie sofort an. "Erschreckt nicht!", rief er. "Ich bin's. Ihr braucht euch nicht zu fürchten." [28] Da sagte Petrus: "Herr, wenn du es bist, dann befiehl mir, auf dem Wasser zu dir zu kommen!" - [29] "Komm!", sagte Jesus. Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser auf Jesus zu. [30] Doch als er merkte, wie heftig der Sturm war, fürchtete er sich. Er begann zu sinken. "Herr", schrie er, "rette mich!" [31] Sofort streckte Jesus seine Hand aus und hielt ihn fest. "Du Kleingläubiger", sagte er, "warum hast du gezweifelt?" [32] Dann stiegen beide ins Boot, und der Sturm legte sich. [33] Und alle, die im Boot waren, warfen sich vor Jesus nieder und sagten: "Du bist wirklich Gottes Sohn."
(Neue Genfer Übersetzung)


3. Petrus bekennt sich zu seinem Glauben

Jesus hat ihn gerettet, das ist für Petrus und die anderen Anlass, sich zu Jesus als Gottes Sohn zu bekennen.


Sich zu Jesus Christus, zum Glauben an ihn bekennen - Petrus hat es auf die harte Tour gelernt - das war bei euch wohl nicht so, solche lebensbedrohlichen Übungen haben wir im Unterricht nicht gemacht. Aber er bekennt zusammen mit den anderen Jüngern klar und deutlich: "Du bist wirklich Gottes Sohn!"

Da spricht Petrus das aus, was er später auf die Frage von Jesus, "Und ihr, für wen haltet ihr mich?" wieder antworten wird. Daraufhin gibt Jesus ihm einen neuen Namen. Vorher hieß er Simon, nun heißt er Petrus, der "Fels". "Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Gemeinde bauen …" (Matthäus 16,18).

Ein anderes Bekenntnis stammt vom Apostel Paulus, steht im Römerbrief und schwebt quasi über uns (linkes Kanzelbild):

Römer 1, Vers 16 (NGÜ): "Zu dieser Botschaft bekenne ich mich offen und ohne mich zu schämen, denn das Evangelium ist die Kraft Gottes, die jedem, der glaubt, Rettung bringt."

Das Evangelium ist eine Kraft Gottes.

Es macht glücklich, wenn ich mich von Gott geliebt weiß.

Es macht glücklich, wenn ich in den Geboten und in Gottes Wort, der Bibel, alles finde, was ich für mein Leben brauche, klare Aussagen darüber finde, wie mein Leben gelingt, wie Menschen gut miteinander leben können, wie mein Leben zum Ziel gelangt.

Es macht glücklich darauf zu vertrauen, dass ich mein Leben nicht allein in der Hand habe, sondern dass Gott mich begleitet und mir den Weg weist, den ich gehen soll.

Es macht glücklich darauf zu vertrauen, dass Gott mich und die, die ich liebe, behütet.


4. Ich wünsche auch euch, dass ihr glücklich werdet.

Und zum Glücklichsein gehört der Glaube an Gott, das Vertrauen auf ihn.

Man kann Glauben nicht erzwingen. Letztlich ist er ein Gottesgeschenk. Aber wie alles, was mir anvertraut ist, kann ich ihn auch pflegen oder verwahrlosen lassen.

Auch in Bezug auf den Glauben ist nun eure Schwimmflügelzeit vorbei.

Ihr seid keine kleinen Kinder mehr.

Ihr seid aus dem Planschbecken rausgewachsen.

Die Konfirmandenzeit ist so eine Art Lehrschwimmbecken, in dem ihr Gelegenheit hattet, selber Schwimmen zu lernen, zu üben, auszuprobieren.

Ihr habt an vielen - auch sehr verschiedenen - Gottesdiensten teilgenommen, ihr habt eure Gemeinde mehr oder weniger gut kennengelernt, ihr habt Verantwortung übernommen, wart z. B. als Kreuzträger bei Beerdigungen dabei, habt die Lesung im Gottesdienst selbst vorgetragen …

Und jetzt ist auch diese Zeit vorbei. Eure Lehrschwimmbeckenzeit ist vorbei.

Jetzt könnt ihr selber schwimmen. Ihr sollt und könnt für euch und euren Glauben selber Verantwortung übernehmen.

Und jetzt liegt an euch, wie eure Geschichte mit dem Glauben an Gott weitergeht.


5. Ihr werdet euch gleich zu dem Glauben an Gott und Jesus Christus bekennen

Ihr werdet versprechen, "unter Jesus Christus, eurem Herrn, zu leben, im Glauben an ihn zu wachsen und als evangelisch-lutherische Christen in seiner Gemeinde zu bleiben".

Das ist der Stand heute. Ihr werdet das gleich öffentlich versprechen.

Aber wie es in einigen Tage, einigen Wochen, einigen Monaten, einigen Jahren aussieht - das könnt ihr ja eigentlich noch gar nicht absehen.

Vielleicht wird dir alles, was mit dem Glauben zusammenhängt, dann ganz egal sein.

Vielleicht kommst du in eine tiefe Glaubenskrise. Dann ruf mich an und wir setzen uns zusammen.

Vielleicht traust du dir aber auch wirklich den Sprung in das tiefe Becken des Erwachsenenglaubens und ihr merkt: Ja, der Glaube trägt mich.

Der Glaube an Gott ist etwas, was mich tragen kann. Der Glaube an Gott ist etwas, was mir gut tut, was mir glücklich macht.
Du stehst also jetzt quasi auf dem Sprungbrett und musst dich entscheiden, ob du dich traust zu springen oder ob du vielleicht lieber wieder plantschen gehst oder euch in die Sonne legst.

Denn eins ist sicher: Ohne die Bereitschaft, quasi "in Übung zu bleiben", wird euch das Schwimmen oder Tauchen immer schwerer fallen.

Ich möchte euch natürlich ermutigen zu springen, es mit Gott und Jesus Christus einmal so richtig auszuprobieren.

Deswegen schenke ich euch als Erinnerung an diese Konfirmation nicht Schwimmflügel, sondern etwas, das euch daran erinnert, dass ihr ins Wasser gehen und tauchen müsst …


(Tauchbälle runterwerfen)


Also, wenn du so einen Tauchball ins Wasser geworfen hast, dann kannst du nicht außen am Beckenrand oder am Ufer stehen bleiben, auch nicht auf dem Sprungbrett. Sonst wirst du den Stab nie holen können. Du musst ins Wasser gehen, ja du musst unters Wasser gehen, tauchen, um den Stab zu holen.

Ja, ihr schwimmt jetzt ohne Schwimmflügel. Aber bitte schwimmt!

Das Wasser ist dabei ein Symbol für den Glauben an Jesus Christus.

Ich kann mir natürlich das Wasser anschauen, davon reden, wie herrlich klar es ausschaut, wie erfrischend und belebend es sein muss … Aber ich werde erst erfahren, wie Wasser ist, wenn ich wirklich reingehe ins Wasser … Und es hilft auch nicht, wenn ich sage: Ich war jetzt anderthalb Jahre im Wasser. Ab sofort reicht es, wenn ich das Wasser von außen betrachte und mir kluge Gedanken darüber mache.

Nur im Wasser mache ich Erfahrungen mit dem Wasser.

Nur im gelebten Glauben mache ich Erfahrungen mit dem Glauben.

Glaube will gelebt werden. Ganz praktisch.

Glauben heißt vertrauen. Auf Gott vertrauen. Ihm das Steuerrad in meinem Leben überlassen. Darauf vertrauen, dass er mich am besten kennt und das Beste für mein Leben will.

Dazu gehört das regelmäßige Gespräch mit ihm, das Gebet. Nicht nur auswendig gelernte Gebete, sondern persönlich, echt mit ihm reden, so wie man mit einem guten Freund redet …

Es gehört auch das Bibellesen dazu. Denn durch die Bibel redet Gott zu uns, und zwar klar und deutlich. Er sagt uns, was für unser Leben wichtig ist, worauf es entscheidend ankommt …

Und es gehört der Gottesdienst dazu. Mit anderen zusammen Gott anrufen, seine Gegenwart feiern, sein Wort hören … Außer dem Sonntagsgottesdienst hier in der Kirche gibt es durchaus auch andere Formen von Gottesdienst: Jugendgottesdienste, den "Leben live"-Gottesdienst …Wisst ihr, die Form ist nicht das Entscheidende. Auf den Inhalt kommt es an. Dass Gott im Mittelpunkt steht, dass er zu uns reden kann, dass ihm die Ehre gegeben wird, dass wir etwas mitnehmen können für unser Leben und für den Glauben …

Ja, es passt tatsächlich nicht so gut zusammen, wenn manche sagen: "Ich habe in meinem Leben von Gott noch nichts gemerkt", aber sie haben es mit Gebet, Bibellesen, Gottesdienst noch nie ausprobiert …

Das ist so ähnlich wie in dem jüdischen Witz, in dem ein Mann namens Levi seit Monaten zu Gott betet: "Herr, bitte, bitte, lass mich im Lotto gewinnen. Eine Ziehung der Lottozahlen nach der anderen vergeht, ohne dass etwas geschieht. Eines Tages, als Levi wieder sein Gebet spricht, hört er Gottes Stimme: "Levi, gib mir eine Chance und kauf dir ein Los!"


6. Das heißt: Auch wenn der Glaube ein Gottesgeschenk ist, kann man doch verschieden damit umgehen.

Er kann euch egal sein, ihr könnt ihn nur für festliche Gelegenheiten benutzen, ihr stellt ihn wie einen Feuerlöscher in die Ecke und hofft, dass er im Ernstfall funktioniert oder ihr hängt ihn wie ein kostbares Kleidungsstück in den Schrank und wundert euch dann später, dass er nicht mehr passt.

Wenn ihr im Glauben leben wollt, dann müsst ihr auch bereit sein, ins Wasser zu springen und einzutauchen in die Welt des Glaubens.

Liebe Konfis und Konfinen, ich wünsche euch, dass ihr euch traut, in das tiefe Becken des Glaubens zu springen und loszuschwimmen - ohne Schwimmflügel. Und immer wieder einzutauchen. So wie ein Perlentaucher taucht, um wunderbare Perlen, kostbaren Schmuck unter Wasser zu finden, so gibt es auch im Glauben an Jesus Christus unendlich viel zu entdecken.

Der Tauchball, den du bekommen hast, soll dich daran erinnern, dass der Glaube an Jesus Christus nicht theoretisch gelebt werden kann, sondern nur praktisch.

So wie ich nur im Wasser schwimmen und tauchen kann, so kann ich auch nur in der faszinierenden Welt des Glaubens meinen Glauben leben. Nicht Trockenschwimmer, sondern Perlentaucher sind gefragt …

AMEN.

Der Ablauf des

Festgottesdienstes

am Weißen Sonntag, den 8. April 2018,

in der Evang.-Luth. St. Thomaskirche Eysölden

Einzug unter Musikbegleitung

Lied (166, 1-4):

"Tut mir auf die schöne Pforte"



Eröffnung und Gruß


Abkündigungen


Liedvortrag: "Wo ich auch stehe" (Adelina Haas und Michael Krug)


Eingangsgebet


Lesung

Gem. Lied EG 614, 1-4: "Von Gott kommt diese Kunde"

Predigt

Gem. Lied KAA 044 (1-4): "Du bist der Weg und die Wahrheit und das Leben"


Wort an die Konfirmanden

Glaubensbekenntnis

Gem. Lied KAA 010 (1-4): "Lobe den Herrn, meine Seele"

Konfirmationsversprechen


Fürbittengebet

Liedvortrag: Gott segne dich (Adelina Haas und Michael Krug)

Entzünden der Konfirmationskerzen
Überreichen der Konfirmationskreuze
Segnung der Konfirmanden

Anrede an die frisch Konfirmierten und die übrige Gemeinde


Posaunenchor

FEIER DES HEILIGEN ABENDMAHLES
(Liturgie des Hl. Abendmahls im Gesangbuch, ab S. 1153)

während der Kommunion:


Posaunenchor
EG 580: Dass du mich einstimmen lässt
KAA 095: Du bist mitten unter uns
KAA 093: Schmecket und sehet

Schlussgbet

Sendung

Segen

Gem. Lied EG 170 (1-4): Komm, Herr, segne uns

Auszug unter Musikbegleitung