Predigttext und Predigt zur Jubelkonfirmation - 13. Mai 2018.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG 128;

Titel: Heilger Geist, du Tröster mein

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
Ein Nachdruck des revidierten Textes der Lutherbibel sowie jede andere Verwertung
in elektronischer oder gedruckter Form oder jedem anderen Medium bedarf
der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.


Predigttext: Hebräer 12, 1-3

Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist,
und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.[a]
Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, damit ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Jubilare mit allen Angehörigen, liebe Gäste, liebe Festgemeinde!

Die Blickrichtung ist wichtig.

Es macht viel aus, ob wir beim Autofahren direkt in die entgegenkommenden blendenden Scheinwerfer blicken oder versuchen, rechts an ihnen vorbeizuschauen, wie früher der Fahrschullehrer riet.

Und auch die Sicherheit beim Autofahren ist nicht annähernd vergleichbar, wenn ich auf die Straße schaue oder auf mein Handy.

Es ist ein Unterschied, ob wir beim Bergsteigen hinab in den gähnenden Abgrund oder nach oben zum lockenden Gipfelkreuz blicken.

Es ist etwas anderes, ob wir aufblicken zu Trump, zu Erdo?an, zu Putin oder etwa zu Martin Luther King oder Mutter Teresa.

Wir lernen Menschen kennen an dem, worauf sie blicken.

Wir sind heute eingeladen, unseren Blick neu auszurichten: auf Jesus, unseren guten Stern auf allen Straßen, unsere große Liebe, die wir anbeten, unser Vorbild, dem wir bewundernd nacheifern, das verlockende Ziel am Gipfel, das alle Mühe lohnt, den Anfänger und Vollender unseres Glaubens.

Darum geht Hebräer 12, 1-3.

Liebe Jubilare, liebe Gemeinde!

"Lasst uns laufen!" Unser Bibelwort benutzt das Bild eines Wettkampfes, eines Langstreckenlaufs für unser Christsein. Dieser Lauf hat ein großes Ziel. Wir laufen dabei nicht allein! Und dieser Lauf verbindet uns auf erstaunliche Art mit Jesus. Drei Gedanken dazu:


1. Starte den Lauf des Glaubens

a) Warum am Lauf des Glaubens teilnehmen?


Weil Jesus in uns den Glauben, das Vertrauen, anfangen lassen will oder schon angefangen hat.

Weil er aus Liebe zu uns sich hat verprügeln lassen und hinrichten lassen, damit uns eine Teilnahme an diesem Lauf möglich wird.

Im Hebräerbrief wird das so gesagt: Weil uns dieser Lauf, dieser Kampf, bestimmt ist.

In genau diesem Moment bist du in einem riesigen Stadion. Und der ganze Himmel schaut darauf: Wirst du an den Start gehen? Wirst du am Lauf des Glaubens teilnehmen? Eine atemlose Stille herrscht, wie du dich entscheiden wirst. Eine angespannte Hoffnung ist da, dass du bei diesem Lauf dabei bist.

b) Wie kannst du mit dabei sein?


Ganz einfach: durch eine Entscheidung teilzunehmen, sich als Läufer registrieren zu lassen. Wettkämpfe bestreiten nur registrierte Läufer. Selbst bei Massenläufen ist jeder gemeldet und trägt deshalb seine Startnummer. Wettkampfteilnahme ist immer eine bewusste Entscheidung. Ob du irgendeinen Kampf kämpfst um vielleicht an irgendein unbekanntes Ziel zu kommen oder ob du an dem einen Kampf teilnimmst, an dessen Ende du bei Gott bleibst, entscheidest du.

Hier geht es um den Wettkampf, an dessen Ziel du Gott schaust und vor ihm bestehen bleibst. Nur dieser eine Lauf, der Lauf des Glaubens, endet an diesem Ziel. Wenn dieser Lauf einmal endet, sind wir da. Die Frage heißt: Bist du angemeldet - oder Zuschauer?

Wie anmelden? Durch ein Anmeldegebet! Nach der Anmeldung geht es erst richtig los.

Jesus ist der Anfänger unseres Glaubens, der den Glauben bei uns anfangen lässt. Vielleicht gerade jetzt? In diesem Moment.

c) Was ist abzulegen?

Die wichtigste Laufvorbereitung heißt: ablegen, was mich beschwert.

Was beim Sport selbstverständlich ist, fällt manchen Christen schwer. Man kann nicht mit Jesus unterwegs sein und daherkommen wie ein Kofferträger. Es gibt ja so viel Schönes, so viel Imponierendes und so viel Interessantes am Weg. Wir würden es gerne mitnehmen und mitmachen.

Viele Dinge sind nicht schlecht, aber hinderlich.

Viele Dinge sind nicht böse, aber sie blockieren.

Viele Dinge sind nicht teuflisch, aber sie bremsen ab. Sie besetzen unsere Gedanken, reizen unsere Phantasie, stehlen uns Zeit und schalten den Einfluss unseres Herrn ab.

So kann es beispielsweise mit dem Fernsehen, dem Handy, dem Computer, einem zu hohen Stellenwert unserer Arbeit oder unserem großen Hobby sein. Es ist an sich überhaupt nichts Böses dabei. Aber es kann dann böse werden, wenn es uns blockiert und abhält Wichtigeres zu tun. Alles in unserem Leben kann uns zur Sünde werden, wenn es uns von Gott fernhält. Im Grunde spüren wir, was uns am Laufen hindert.

Stell dir bitte mal einen Läufer vor, wir nennen ihn einfach mal Gregor. Er trainiert fleißig, ist auch kräftig, aber er hat größte Schwierigkeiten, überhaupt an das Ziel zu kommen und wenn ich ganz ehrlich bin, hat er es eigentlich noch nie geschafft. Er hat ein Problem: er steht am Startblock mit einer Eisenkugel, die mit einer Kette an seinem Bein festgemacht ist. Genau das ist die Sünde, ein Riesenklotz am Bein. Jeder wird ihm sagen: Gregor, so kannst du doch nicht laufen. Aber er liebt seine Kugel. Deshalb malt er sie bunt an. Aber das hilft ja nichts. Vielen geht es wie dem Anton. Sie wissen, dass Sünde nicht gut ist und darum malen sie sie bunt an, erklären ihre Sünde sogar für etwas Gutes, und wundern sich dann, warum ihnen der Lauf des Glaubens immer noch so schwer fällt.

Wenn du wie Gregor bist, sage ich dir heute: "Wenn du am Ziel ankommen willst, dann nützt es nichts, deine Kugel zu verschönern. Du musst radikal vorgehen und sie abschneiden." Wenn du da nicht radikal rangehst und mit der Sünde brichst, kommst du nicht ins Ziel. Dafür starb Jesus am Kreuz, damit wir unsere Sündenkugeln ablegen können.

Wenn du Raubkopien auf deinem Computer hast, dann will Jesus Christus dir das vergeben. Aber er fordert dich auch auf, diesen Klotz abzuscheiden und die Programme, Filme oder Musik zu kaufen.

Wenn du schlecht über andere geredet hast, dann will Jesus Christus dir das vergeben. Aber er fordert dich auch auf, diesen Klotz abzulegen und in Zukunft nicht falsches und schlechtes Zeugnis über den anderen zu reden.

Wenn du bei deiner Steuererklärung jedes Jahr geschummelt und falsche Angaben gemacht hast, dann will Jesus Christus dir das vergeben. Aber er fordert dich auf, schon bei deiner nächsten Steuererklärung nichts als das anzugeben, was ganz und gar der Wahrheit entspricht.

Ablegen, was uns beschwert. Wegzulassen, was hindert. Legt ab, dann könnt ihr laufen. Das ist die wichtigste Laufvorbereitung. Der Tod Jesu am Kreuz macht das Ablegen möglich.


2. Halte durch im Lauf des Glaubens


a) Läufst du noch? Oder bist du stehengeblieben? Hast du dich hingesetzt? Hast du dich ablenken oder mutlos machen lassen? Komm zurück auf die Laufstrecke. Steh wieder auf. Lauf wieder los. Gib nicht auf. Oder wenn du noch am Laufen bist, aber spürst, wie mühsam du auf dem Weg bist: Halte durch! Halt nicht an!
Du kannst durchhalten durch den Blick auf die, die es schon geschafft haben.

Wer an diesem einen Wettkampf teilnimmt, kämpft nicht allein. Das Stadion ist voll besetzt. Ein zujubelndes Stimmenmeer rauscht den Läufern entgegen. Auf den Tribünen sitzen nur Experten. Die sind alle den Lauf schon gelaufen. Sie wissen, wie es dem Läufer geht. Und sie bezeugen: Es ist möglich! Bleib dran! Das ist die Wolke der Zeugen, die vollendeten Gerechten. Das sind die, die im Glauben schon vor uns ans Ziel gekommen sind. Sie umgeben uns. Sie feiern mit uns Gottesdienst. Wir sind immer viele.

Der Hebräerbrief meint mit der Wolke der Zeugen die unmittelbar vor unserem Abschnitt Genannten. Da werden die Glaubensmenschen des Alten Testaments aufgezählt. Was haben die im Glauben erkämpft - schwache Menschen wie wir: und "durch Glauben Königreiche bezwungen, Löwen den Rachen verstopft, die Kraft des Feuers gelöscht, fremde Heere in die Flucht geschlagen, Totenauferweckungen erlebt." All die sind für uns Zeugen. Sie bezeugen: Es geht! Und sie sind Zeugen unseres Laufs.

Ein schönes Beispiel für die praktische Umsetzung einer ganz persönlichen Wolke von Zeugen, habe ich beim früheren Jugendpfarrer von Essen, Wilhelm Busch gelesen. In seinem Buch "Plaudereien in meinem Studierzimmer" erzählt die Geschichten von den Personen, deren Bilder in seinem Arbeitszimmer hängen, die für sein Glaubensleben wichtige Impulse gegeben haben. Dazu gehören neben Personen aus der Geschichte, neben Professoren auch einfache Arbeiter oder Familienmitglieder. Das ist seine persönliche Wolke von Zeugen, mit denen er sich sichtbar umgeben hat. Welche Bilder würdest du aufhängen? Mir fallen einige ein. Durch den Blick auf diese Leute, die dein Glaubensleben geprägt haben, auf deine persönliche Wolke von Zeugen, bekommst du Mut durchzuhalten.

b) Du kannst durchhalten durch den Blick auf Jesus, der für uns den Weg geebnet hat.

Jesus Christus hat diesen Lauf schon hinter sich, und er hat diesen Lauf überhaupt erst begonnen. In ihm steigt Gott von der himmlischen Ehrentribüne herab auf diese staubige Aschenbahn. In der Umkleidekabine legt er die himmlische Herrlichkeit und Macht gänzlich ab, und kommt im einfachen Sportdress der Menschen zum Startpunkt. Er kam in unsere umkämpfte Realität und ging unter menschlichen Bedingungen an den Start. Er kämpfte den Kampf des Glaubens unter den Bedingungen des Menschseins und: er hat Treue gehalten unter gerade diesen Bedingungen.
- Er erlebt Leiden wie wir am eigenen Leib, damit wir wissen, dass er uns versteht.
- Er hat uns Menschen in seinem Leiden nicht vergessen. Er betet sogar für die, die ihn ans Kreuz bringen.
- Er blieb uns treu, als er sich freiwillig dafür entschied, am Kreuz zu bleiben und nicht einfach herabzusteigen.

Unser Glaube lebt von dem, was er für uns getan hat, wie der Erbe von dem lebt, was jemand vor ihm erarbeitet hat. Du kannst durchhalten durch den Blick auf Jesus, der für uns den Weg geebnet hat.

c) Du kannst durchhalten durch die Verbindung mit Jesus auf dem Weg.

Jesus läuft mit. So wie der Läufer; der "Hase" spielt, d.h. mit einem Wettläufer am Rande mitläuft, immer nur ein oder zwei Schritte voraus, um ihn mitzuziehen, anzuspornen, ihm Kraft zu geben. Jesus macht das Tempo, er plant unseren Lauf, er zieht uns mit. Er hilft uns durchzuhalten. Er ist mit dir auf der Laufstrecke.

d) Du kannst durchhalten durch Geduld.

"Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf …".


Es braucht Geduld, damit ich den Glauben nicht nach einigen Enttäuschungen über mich oder andere Christen einfach wegwerfe.

Es braucht Geduld, damit ich nicht einfach den Glauben an die Wand hänge, wenn der erste Gegenwind kommt in Gestalt von spottenden Bemerkungen oder anderen Schwierigkeiten. Christen haben eine anderen Blick auf die Welt als andere Menschen, haben ein anderes Wertesystem, das eben nicht alle teilen.

Geduld ist die Kraft dran zu bleiben, Anspannung aus- und durchzuhalten, Spannungen mit meiner Umgebung, mit anderen Menschen, ja selbst mit mir selbst durchzuhalten und nicht die Spannung durch Anpassung aufzugeben. Kämpfen heißt: die Spannungen aushalten.

Jesus als Vorkämpfer stand zu seinem Anderssein, er ertrug den Widerspruch seiner Zeitgenossen. Jemand hat einmal über Jesus gesagt:

"Ein Eisbrecher und die ganze Flotte hat ein leichtes Fahren.

Einer mit dem Schlüssel, und für alle ist die Tür offen.

Einer am Ziel, und wir brauchen uns nicht mehr zu sorgen, ob unser Endspurt genügt."

Der Blick auf Jesus macht Mut, geduldig weiter zu laufen.


3. Erreiche das Ziel im Lauf des Glaubens.


Kennt ihr auch Menschen, die vieles anfangen, aber nur wenig zum Ende bringen? Bei Jesus ist das anders. Was er anfängt, zieht er auch durch. Jesus ist nicht nur der Anfänger unseres Glaubens. Er ist nicht nur der, der uns mit Geduld laufen lässt, sondern er ist auch der, der unseren Glauben vollendet. Was Jesus anfängt, bringt er auch zum Ende. Er hilft mir, das Ziel zu erreichen, ganz bei ihm zu sein. Und das gelingt, indem du deine Augen ganz auf ihn richtest.

Entscheide heute neu, worauf du blicken willst. Willst du auf deine Eisenkugel schauen? Willst du auf die anderen rund um dich schauen? Willst du auf die Beschaffenheit des Weges schauen? Willst du auf dich und deine Kräfte schauen? Oder willst du auf den Anfänger und Vollender deines Glaubens schauen?
Ist doch interessant: Wir sind so beschaffen, dass wir immer nur eines anschauen können. Zur Not können wir gleichzeitig mehreres hören, riechen, tasten und schmecken. Aber anschauen braucht Entscheidung: das oder das. Den Blick zu Jesus erheben lässt anderes aus dem Blickwinkel verschwinden.

Weg den Blick vom ängstlichen Messen, wie weit es noch ist.

Weg den sorgenvollen Blick von der kleinen eigenen Kraft.

Weg den Blick von der Macht der Sünde.

Weg den Blick vom Teufel.

Weg den Blick selbst vom Kampf.

Hinschauen auf Jesus - denn was wir anschauen gewinnt Macht über uns. Schau auf zum Anfänger und Vollender des Glaubens. Er hat angefangen - auch mit dir und in dir. Da ist ein Anfang in dir. Jesus kennt keine Investruine. Jeder Anfang ist ihm so wertvoll, dass er nicht ruht bis zur Vollendung. Das ist sein Interesse. Denkt an den, der den totalen Widerspruch von all denen, die "daneben" waren, immer wieder und in ganzer Wucht am Kreuz erduldet hat. Dieses Anschauen, vor Augen führen, von Jesus am Kreuz hat eine Wirkung: es vertreibt die Ermüdung, es verhindert, dass wir "in der Seele schlaff werden". Jesus anschauen verändert uns.

Starte den Lauf des Glaubens.

Halte durch im Lauf des Glaubens.

Erreiche das Ziel des Glaubens.

Wie? Indem wir aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender unseres Glaubens.

AMEN.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht eine gesegnete Woche!