Predigttext und Predigt zu Pfingstsonntag - 20. Mai 2018.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG 125;

Titel: Komm, Heiliger Geist, Herre Gott

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
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der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.


Predigttext: 1.Korinther 2,12-16

Wir haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist. Und davon reden wir auch nicht mit Worten, wie sie menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen.
Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes;
es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen;
denn es muss geistlich beurteilt werden.
Der geistliche Mensch aber beurteilt alles und wird doch selber von niemandem beurteilt.
Denn "wer hat des Herrn Sinn erkannt,
oder wer will ihn unterweisen"?
Wir aber haben Christi Sinn.

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Gemeinde!

Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. Von Gott können wir aber auch nur durch den Heiligen Geist reden. Das zeigt unser Bibelabschnitt deutlich [im Folgenden nach HfA zitiert].

2,13 Was wir euch verkündigen, kommt nicht aus menschlicher Klugheit oder menschlichem Wissen, sondern wird uns vom Heiligen Geist eingegeben.

Deshalb kann nur der Gottes Geheimnisse verstehen und erklären, der sich von Gottes Geist leiten lässt. Der Heilige Geist macht es überhaupt erst möglich, dass wir Gott verstehen und an Jesus Christus glauben können. Gott ist nicht ein Mensch, das er uns gleich wäre. Die Behauptung, dass wir mit unserem menschlichen Verstand Gott zureichend erkennen können, ist die fromme Spielart der vom Teufel seit Eva angebotenen frommen Versuchung mit der Frucht: "Ihr werdet sein wie Gott." Die Menschen wollen Gott mit ihren Mitteln erkennen, wollen sich Gott schaffen, wie sie ihn haben wollen.

Aber mit ihrem "Ihr werdet sein wie Gott" befinden sie sich auf dem Holzweg. Zwar können wir Gott erkennen, aber nicht mit unseren Möglichkeiten.

Nein, es ist umgekehrt. Dass wir Gott erkennen können ist Gottes Geist und nicht menschliches Vermögen. Gott hat sich uns erst bekannt gemacht: durch Jesus Christus und durch seinen Heiligen Geist. Und selbst den Heiligen Geist haben wir nicht in unserer Verfügung, selbst der Heilige Geist und der Glaube an Jesus Christus ist ein Geschenk Gottes:

2,12 Wir haben nicht den Geist dieser Welt bekommen, sondern den Geist Gottes. Und deshalb können wir auch erkennen, was Gott für uns getan hat.

Wir müssen jetzt ein Schritt weitergehen und uns anschauen, was der Heilige Geist wirkt. Dazu eine vielleicht bekannte Geschichte (ähnlich EG, S. 873).

Drei Arbeiter klopfen Steine. Jemand geht vorbei und fragt: "Was arbeitet ihr da?"
Der erste antwortet mürrisch: "Das siehst du doch, ich klopfe Steine."
Der zweite sagt beschäftigt: "Ich verdiene mein Brot."
Doch der dritte antwortet mit leuchtendem Blick: "Ich baue mit an einer herrlichen Kirche. Ich habe die Pläne gesehen."
Er hat weiter gesehen als seine beiden Kollegen.

In unserem Bibelabschnitt ist von drei solchen Leuten die Rede, vom natürlichen , vom geistlichen und vom fleischlichen Menschen. Diese drei Typen von Menschen wollen wir uns einmal anschauen:

Zuerst der natürliche Mensch, der in der Geschichte mit der Kirche die Steine klopft:

2,14 Der Mensch kann von sich aus, mit seinen natürlichen Fähigkeiten, nicht erfassen, was Gottes Geist sagt. Für ihn ist das alles Unsinn, denn Gottes Geheimnisse erschließen sich nur durch Gottes Geist.

Dieser Mensch bestimmt sein Leben selbst, auch wenn er sich vielleicht als Christ bezeichnet. Jesus Christus ist am Rande oder außerhalb seines Lebens. Seine Lebensbereiche wie Freundschaften, Beruf, Freizeit und Geld werden vom ICH beherrscht. Wenn etwas nicht klappt führt das oft zu Unzufriedenheit, Enttäuschung und Sinnlosigkeit. Es ist also der Mensch ohne Gott und Jesus Christus, der sein Leben selbst bestimmt. Sein ICH sitzt auf seinem Thron und bestimmt seine Lebensbereiche. Es kann sogar sein, dass er an Gott glaubt. Aber Gott hat keine Bedeutung für sein Leben.

Nicht, dass der Heilige Geist hier nicht schon beim natürlichen Menschen wirken würde. Das tragische Schicksal des natürlichen Menschen ist: Der Heilige Geist ist da, aber er nimmt nichts davon. die Fülle Gottes umströmt ihn, aber ist so in sich verkrümmt, so auf sich bezogen, dass er den Heiligen Geist in den Dachboden oder Keller sperrt. Aber er wirkt im Dachboden oder Keller, er wird von dem natürlichen Menschen wie ein Art Poltergeist empfunden. Doch es ist eine heilsame Unruhe, die ihn auf den rechten Weg führen, die ihn zu Gott bringen möchte.

Wenn du den natürlichen Menschen fragen würdest, würde er dir Folgendes sagen: "Wissen Sie, in uns allen ist doch was Göttliches."

Und in einem Punkt hat er darin recht: das Göttliche in uns ist, dass wir alle unter dem Zorn Gottes stehen. Für diesen Menschen gibt es nur einen richtigen Weg: Er muss Gottes Geist schenken lassen, er muss sich zu Jesus Christus bekehren, das heißt Kreuz Christi annehmen und bekennen: Jesus für mich Sünder gestorben. Dann nimmt er Jesus in sein Leben auf und er wird zum geistlichen Menschen.

Zweitens der geistliche Mensch - in der Geschichte ist das der dritte -, der die herrliche Kirche vor Augen hat, an der er mitbaut:

Ein mögliches Missverständnis möchte ich vorher gleich mal ausschließen: Auch wenn Pfarrer oft "Geistliche" genannt werden - mit dem geistlichen Menschen sind nicht nur die Pfarrer gemeint! Ein geistlicher Mensch ist ein Christ, wie Gott ihn haben möchte.

2,15 Der von Gottes Geist erfüllte Mensch kann alles beurteilen, er selbst aber ist keinem menschlichen Urteil unterworfen.

Das Leben des geistlichen Menschen wird von Jesus Christus bestimmt. Er hat im Vertrauen auf ihn die Vergebung für seine Sünden angenommen. Er hat Jesus jeden Bereich seines Lebens unterstellt. In dieser engen Gemeinschaft mit Gott erfährt er zunehmend ein sinnerfülltes Leben. Das ist also der Mensch, der mit Gott lebt und bei dem Jesus Christus auf dem Thron des Lebens sitzt. Um ihn und von ihm aus werden alle Lebensbereiche geordnet.

Der von Gottes Geist erfüllte Mensch aber beurteilt alles, was ihm Gott zeigt und sagt. Er selbst aber untersteht nicht dem Urteil anderer, wenn er in Gottes Auftrag redet. Er beurteilt sich selber richtig, vom Kreuz her: "Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen?" (Römer 7, 4). Und er weiß, dass Jesus ihn von seinen Sünden erlöst und ihm Vergebung schenkt.

Während beim natürlichen Menschen der Heilige Geist im Keller oder Dachboden war, ist er hier in jedem Raum des Lebenshauses.

Der Heilige Geist ist im Wohnzimmer des Lebens und gestaltet die Freizeit mit. Der Heilige Geist ist im Schlafzimmer des Lebens und gestaltet die Sexualität mit. Der Heilige Geist ist der Küche des Lebens und gestaltet die Essgewohnheiten mit. Der Heilige Geist ist im Büro des Lebens und redet über Gelddinge mit.


Wenn du den geistlichen Menschen fragen würdest, würde er dir Folgendes sagen: "Wissen Sie, ich mach immer wieder Fehler. Aber sobald ich das merke, gehe ich zu Gott und bitte ihn um Vergebung. Er gibt mir dann die Kraft weiterzumachen."

Das hört sich gut an, aber warum klappt das dann nicht so gut in unserem Leben und in unserem Gemeinden. Das liegt daran, dass es nicht nur den natürlichen und den geistlichen, sondern drittens auch den fleischlichen Menschen gibt.

3,1 Liebe Brüder! Ich konnte allerdings zu euch nicht zu Menschen reden, die sich vom Heiligen Geist führen lassen und im Glauben erwachsen sind. Ihr wart noch wie kleine Kinder, die ihren eigenen Wünschen folgen (wörtlich: ihr wart noch fleischlich).

Der fleischliche Mensch ist der, der beim Steineklopfen beschäftigt sagt: "Ich verdiene mein Brot." In unserem christlichen Glauben sind wir oft mit so vielen Dingen beschäftigt, dass wir das Wesentliche vergessen: unsere Beziehung zu Jesus Christus und zu Gott.

Der Mensch hat durch Sünde Jesus Christus vom Thron gestoßen. Durch geistliches Atmen bekennt er die Sünde, schmeißt sein ICH vom Thron, um für Jesus Platz zu machen und er wird wieder zum geistlichen Menschen. Es geht nicht darum, dass du dir den Heiligen Geist erarbeitest. Es geht darum, dass du den Heiligen Geist in deinem Leben wirken lässt.

Schauen wir uns das Lebenshaus des fleischlichen Menschen einmal an: Der Heilige Geist ist weder im Dachboden noch im Keller, er ist im Gästezimmer einquartiert, damit er die Sünde in den anderen Räumen und Bereichen des Lebens nicht so mitbekommt.

Wenn du einen fleischlichen Menschen fragen würdest, würde er dir Folgendes sagen: "Wissen Sie, perfekt werd ich eh nie, was soll ich mich also anstrengen?"

Diese Einstellung stimmt vorne und hinten nicht: Sagt etwa ein Kind, das auf die Nase geflogen ist: Ich werd eh wieder hinfallen, warum soll ich also aufstehen?

Und nun kommt das Entscheidende. Wenn du das verstanden hast, dann hast du eine wesentliche Grundwahrheit des christlichen Glaubens begriffen.

Wie du vom geistlichen zum fleischlichen Menschen wirst, ist klar: durch die Sünde. Aber, und das ist doch das Entscheidende: Wie wirst du vom fleischlichen wieder zum geistlichen Menschen?

Ich will dir das an einem einfachen Beispiel verdeutlichen.

Du atmest zehn- bis fünfzehnmal in der Minute. Du atmest gute Luft ein und schlechte Luft aus.

Im Bereich des Glaubens gibt es auch ein Atmen, das geistliche Atmen. Du hast gesündigt, hast Jesus von Thron deines Lebens gestoßen. Und nun kommt es darauf an Gott um Vergebung zu bitten, die Sünde auszuatmen und Gottes Heiligen Geist wieder in alle Räume unseres Lebenshauses zu lassen, also geistlich einzuatmen. Und so muss jeder Mensch viele Mal geistlich atmen am Tag. Immer wenn wir durch den Heiligen Geist eine Sünde entdecken, sei es ein schlechtes Wort, sei es ein böser Gedanke oder eine üble Tat, dann können wir geistlich atmen und die Sünde aus dem Leben werfen.

Das geistliche Leben lässt also sich mit dem natürlichen Vorgang des Atmens vergleichen. Wir atmen die gute Luft ein und die schlechte Luft aus. Die gute Luft ist Gottes Heiliger Geist, der von unserem Leben Besitz ergreift und uns neu macht.

Die schlechte Luft ist die Luft der Sünde ausatmen. Das meint Luther, wenn er sagt: der Mensch ist gleichzeitig Sünder und gerecht. Du musst geistlich atmen. Die Sünde ausatmen, das heißt bekennen und Gottes guten Geist einatmen durch Vergebung, Gottes Wort und Gebet.

Das ist der Wechsel zwischen dem natürlichen und dem geistlichen Menschen. Wenn du geistlich bist, dann sitzt Jesus Christus auf dem Thron deines Lebens, er ist der Mittelpunkt. Wenn du sündigst, dann schmeißt du Jesus vom Thron und setzt dein eigens ICH darauf, du bist fleischlich. Wenn du dann geistlich atmest, dann atmest du die Sünde aus und schmeißt dein ICH vom Thron und die gute Luft des Heiligen Geistes kommt wieder in deinem Leben zum Wirken und setzt Jesus Christus auf dem Thron, du bist wieder geistlich.

Kehren wir noch einmal zur Geschichte vom Steineklopfen zurück:

Der natürliche Mensch, der sieht im Leben nichts als Steineklopfen. Er weiß nicht wo er herkommt und wo er hingeht. Der Heilige Geist kommt ihm vor wie ein Poltergeist.

Der fleischliche Mensch hat es schon besser. Er weiß wenigstens, wozu sein Leben gut ist: "Ich verdiene mein Brot." Er weiß, dass es Gott ist, der sein Leben trägt und hält. Aber der Heilige Geist kriegt eine Ecke im Haus, das Gästezimmer zugewiesen.

Aber nur der dritte, der geistliche Mensch erkennt den ganzen Zusammenhang. Er weiß, dass sein Leben wie eine herrliche Kirche ist, die nach Gottes Plänen gebaut wird. Der Heilige Geist füllt das ganze Lebenshaus und gestaltet es nach Gottes Plänen.

Als Christen werden wir immer wieder durch Sünde zu fleischlichen Menschen. Durch das geistliche Atmen, das übrigens das gleiche ist wie Buße und Beichte, werden wir wieder zu geistlichen Menschen. Der Heilige Geist will uns der Sünde überführen, damit wir durch geistliches Atmen, das ist durch Buße und Beichte wieder zu geistlichen Menschen werden können. Gott möchte nicht, dass du auf der ersten Stufe stehen bleibst, sondern er will, dass du geistlich wächst.

Nur in geistlichen Menschen kann Gottes ganzes Potenzial zur Entfaltung kommen, kann das Leben so werden, wie es Gott gefällt und zum Ziel führt.

AMEN.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht gesegnete Pfingsten!