Predigt zum 3. Sonntag nach Trinitatis - 125 Jahre Obst- und Gartenbauverein Eysölden u. U.
- 17. Juni 2018.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG 503;

Titel: Geh aus, mein Herz, und suche Freud

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
Ein Nachdruck des revidierten Textes der Lutherbibel sowie jede andere Verwertung
in elektronischer oder gedruckter Form oder jedem anderen Medium bedarf
der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.


Predigttext: Themenpredigt "Geh aus, mein Herz, und suche Freud"

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Festgemeinde!

Ein Verein feiert sein 125-jähriges Bestehen. Allein das schon ist Grund zur Freude und zur Dankbarkeit.

Aber wenn es ein Obst- und Gartenbauverein ist, dann hat das viel mit Gottes Schöpfung zu tun.

Der Garten ist in der Bibel ja der Inbegriff des Paradieses. Nicht ohne Grund ist es ein Garten, in den Gott den ersten Menschen setzt und ihm eine Frau "aus der Seite nimmt" und damit an die Seite stellt, eine "Hilfe, die ihm entspricht". Der Garten Eden ist das Paradies, die harmonische und ungetrübte Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott, die harmonische ungetrübte Gemeinschaft zwischen dem Gott, dem Schöpfer, und seinen Geschöpfen, besonders zwischen Gott seinem Ebenbild, dem Menschen. Sozusagen mit dem Schöpfer auf du und du. Und so redet die Bibel sogar davon, dass Gott in der Kühle des Abends im Garten spazieren geht …

Ja, ein Garten verweist immer auf das Ursprüngliche, auf jenen Zustand, bevor der Mensch wegen der Sünde aus dem Garten Eden vertrieben wurde und seitdem jenseits von Eden lebt.

Der Obst- und Gartenbau liegt unserem Jubelverein am Herzen. Vor 125 Jahren wurde er gegründet. Daran wird in der zum Jubiläum herausgegebenen Festschrift erinnert:

Früher kam es wegen sehr strenger Winter immer wieder zu Ernährungsnotlagen.
Der Winter 1879/80 brachte die fränkischen Obstzüchter in Notlage: wieder einmal wurden tausende wertvoller Obstbäume vernichtet. Vor allem die Pfarrer sahen den Ernährungsnotstand der Bevölkerung und nahmen sich der "Obstsache" an. Sie betrieben Aufklärungsarbeit und empfahlen Neupflanzungen auf ungenutzten Weideflächen und Wegsäumen. Der Vorstand des Mittelfränkischen Obstbauvereines, Pfarrer Engelhardt aus Eschenbach, konnte für Eysölden gewonnen werden. Seit Frühjahr 1893 "zieren 100 prächtige Apfelbäumchen in wohlgeordneten Reihen einen in der Nähe von Stauf gelegenen Hügel." In vielen Orten Mittelfrankens wurden Obstbauvereine gegründet, deren Ziel es war, Wissen und Erfahrungen um den Obstbau weiter zu geben und die Mitglieder mit regionalem, der Witterung angepasstem Pflanzgut zu versorgen.
In Eysölden folgten zahlreiche Interessierte dem Aufruf vom 16. Oktober 1893, sich am kommenden Sonntag im Meyer'schen Gasthause einzufinden und "durch den Beitritt zu dem zu gründenden Obstbauverein zu bekunden, dass sie auch mitthun wollen, den in unserer Gegend so arg darniederliegenden Obstbau zu heben, bekunden, dass sie am Platze sind, wenn es gilt, gemeinnützige Bestrebungen zu unterstützen."
So wurde am 23. Oktober 1893 der Obstverein Eysölden mit dem Vorsitzenden Forstamtsassessor Trimbach von Stauf und 65 Mitgliedern gegründet.

Seitdem sind es vielfältige Aufgaben, denen sich der Verein widmet: Nahrungsversorgung, der Obstbaumschnitt, der Einsatz für den Erhalt unserer einmaligen Kulturlandschaft, die Mosterei, die das Obst von den Streuobstwiesen zu leckerem Most verwertet. Die Bildungsarbeit, auch schon bei Kindern und Jugendlichen. Es sind auch die Zusammenhänge der Schöpfung in allen Jahreszeiten, die nicht nur Gartenfreunde zum Staunen bringen.

Von Schöpfung, Natur und Gärten singt auch der Pfarrer und Liederdichter Paul Gerhardt (1607-1676). Doch das unbeschwerte Lied mit seiner fröhlichen Melodie kann leicht darüber hinwegtäuschen, in welcher Situation es entstanden ist. Paul Gerhardt schreibt das Lied inmitten des Grauens und des unsäglichen Leides des Dreißigjährigen Krieges. Und er tut es auch angesichts großen persönlichen Leides (vier seiner fünf Kinder überleben nicht die Kindheit, seine Ehefrau stirbt mit 46 Jahren). Unter solchen alles andere als "rosigen" Umständen ist also das Lied "Geh aus, mein Herz, und suche Freud" entstanden!

Singen wir die ersten drei Strophen.

Lied: "Geh aus, mein Herz, und suche Freud", Str. 1-3

1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit
an deines Gottes Gaben;
schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben.

2. Die Bäume stehen voller Laub,
das Erdreich decket seinen Staub
mit einem grünen Kleide;
Narzissus und die Tulipan,
die ziehen sich viel schöner an
als Salomonis Seide.

3. Die Lerche schwingt sich in die Luft,
das Täublein fliegt aus seiner Kluft
und macht sich in die Wälder;
die hochbegabte Nachtigall
ergötzt und füllt mit ihrem Schall
Berg, Hügel, Tal und Felder.

Dieses fröhliche Sommerlied ist wohl uns allen von Jugend an bekannt. Aber wie das so ist, kennen wir meist nur die ersten drei Strophen und vielleicht noch die letzte, denn besonders viel wurde in den gewöhnlichen Gottesdiensten nicht gesungen. Aber es ist ein von Paul Gerhardt kunstvoll aufgebautes Lied aus 15 Strophen, ein Lied von der Schönheit des Sommers und der Freude des Singens, von Erde und Himmel, und wie alles zu einem großen Ganzen zusammengehört.

Jede Strophe besteht aus sechs Versen, wobei sich die beiden ersten und die vierten und fünften reimen, und genauso der dritte und letzte Vers. Das lässt das ganze so beschwingt und tänzerisch klingen, dass man sich fast dazu bewegen mag.

Das Lied beginnt mit der Ermunterung, dass das Herz sich doch der Freude öffnen soll in dieser "lieben Sommerzeit". Manche tun das ganz von alleine. Sie schauen morgens aus dem Fenster, sehen den blauen Himmel und das helle Licht und haben gleich mehr Energie in sich. Andere muss man erst dazu anregen. Sie sehen das Licht draußen, aber vergraben sich ins dunkle Zimmer; sie sehen die anderen munter unter Bäumen sitzen und kommen sich ausgeschlossen vor. Erst, wenn jemand kommt und sagt: Komm, wir schauen uns diesen schönen Sommertag an!, dann lassen sie sich herauslocken und können es genießen.

Paul Gerhardt weiß, wie die Umstände einem manchmal alle Leichtigkeit nehmen können. Umso wichtiger ist, dass wir dann erst recht "die Freude suchen", dass wir hinausgehen und die Schönheit des Sommertages anschauen. "Schau, wie die Gärten sich ausgeschmückt haben", sagt er, "mir und dir", für mich und für dich. Es ist die immer wieder faszinierende Schönheit der blühenden Blumen, der verschiedenblättrigen Sträucher, der Bäume in verschiedenen Formen und Grüntönen. "Mir und dir", sagt er. Jeder Garten ist wie ein Geschenk. Ein Geschenk, das wir zu jeder Jahreszeit neu bestaunen können, aber im Frühling und Sommer ganz besonders. Ein Geschenk, das uns immer neu erfreut und überrascht.

Es ist eine Schönheit, die gerade wegen ihrer Lebendigkeit so anspricht. Auch menschliche Fähigkeit schafft schöne Dinge. So können Menschen schöne Kleider herstellen, etwa die Seidenstoffe eines Königs Salomo, die er durch Handel erworben hatte; vornehme, teure Dinge. Aber so immer neu erfreuen tut uns doch vor allem das Lebendige.

Und das sind nicht nur Blumen und Bäume. Das sind auch die Tiere. Davon singen die dritte und vierte Strophe:

Die Freude der Tiere ist es, die Paul Gerhardt jetzt beschreibt. Wir sehen die Vögel vor uns, wie sie ihre Jungen im Nest füttern. Wir hören ihren Gesang: das Trällern der Lerche, das Gurren der Taube und den großartigen, abwechslungsreichen Gesang der Nachtigall. Wir beobachten ihren Flug und ihre Schritte, leicht und schnell, oder bedachtsam und gelassen. Nicht nur der Garten, sondern auch "Berg, Hügel, Tal und Felder" sind erfüllt von der Lebendigkeit der Tiere. In solchen Momenten spüren wir die Großartigkeit der Schöpfung, in die wir einbezogen sind, ein Geschöpf unter so vielen verschiedenen.

In den nächsten Strophen begegnen wir noch weiteren Tieren, aber auch der Schönheit und Fruchtbarkeit der Landschaft. Wir singen die Strophe 5 und 6.

Lied: "Geh aus, mein Herz, und suche Freud", Str. 5-6

5. Die Bächlein rauschen in dem Sand
und malen sich an ihrem Rand
mit schattenreichen Myrten;
die Wiesen liegen hart dabei
und klingen ganz vom Lustgeschrei
der Schaf und ihrer Hirten.

6. Die unverdrossne Bienenschar
fliegt hin und her, sucht hier und da
ihr edle Honigspeise;
des süßen Weinstocks starker Saft
bringt täglich neue Stärk und Kraft
in seinem schwachen Reise.

Wieder sehen wir in inneren Bildern vor uns, was wir bei so manchen Spaziergängen oder Wanderungen genossen haben: den plätschernden Bach, der sich durch den Wald schlängelt, an den Rändern feiner Sand oder duftendes Grün; die Schafherde mit dem einsamen, meist Ruhe und Gelassenheit ausstrahlenden Hirten dabei, das Blöken der Schafe und das helle Meckern der Lämmer; das gleichmäßige Summen der Bienen, bis es im Blütenkelch genussvoll verstummt.

Aber nicht nur dies mit der Erwartung des wilden Honigs, auch das Austreiben des Weinstocks und das Heranreifen des Getreides sind immer wieder schöne Anblicke. Ebenso wie die Beeren und Früchte, die so schönen Geschmack auf unsere Zunge bringen.

All das ist ein Zeichen, wie Gott "so überfließend labt" (Str. 7), mit wie vielen Herrlichkeiten er uns wohl tut, und dann, fast nebenbei, ja auch noch den Menschen mit so manchem Gut begabt, also nicht nur mit Dingen, sondern auch mit Fähigkeiten, mit "Begabungen", mit Möglichkeiten, die er nutzen kann.

Und darum wendet Paul Gerhardt nun, genau in der Mitte des Liedes, den Blick auf den Menschen und darauf, was diese ganzen schönen Beobachtungen des Sommers nun mit mir zu tun haben.

Gerade weil Paul Gerhardt diese große Hoffnung hat, die ihn trägt, kann er nun mit neuer Freude sich dem Leben zuwenden. Noch ist er eingezwängt in des "Leibes Joch", wie er sagt. Doch er will "nicht gar stille schweigen" (Str. 12).

Lied: "Geh aus, mein Herz, und suche Freud", Str. 13


13. Hilf mir und segne meinen Geist
mit Segen, der vom Himmel fleußt,
dass ich dir stetig blühe;
gib, dass der Sommer deiner Gnad
in meiner Seele früh und spat
viel Glaubensfrüchte ziehe.


Überall gibt es Möglichkeit und Grund zum Singen und zum Loben Gottes.

Dass wir das aber bemerken und in uns wach halten, das ist nicht selbstverständlich. Allzu leicht verstummen wir wieder im Gefühl von Schwere und Hoffnungslosigkeit.

Darum bittet Paul Gerhardt in der 13. Strophe um Gottes Segen. So wie Gottes Segen auf der Natur liegen muss, damit die Felder gedeihen und die Früchte reifen, so braucht auch unser Geist, unsere Wahrnehmung Gottes Segen, damit wir inmitten des Alltags die Freude nicht verlieren, damit wir, auch wenn wir eher eine Topfpflanze als eine Gartenblume sind, das Blühen nicht vergessen.

So, wie es draußen Sommer geworden ist und die Früchte zum Reifen kommen, so soll Gott es auch Sommer in uns werden lassen, damit unsere Früchte reifen, die Früchte unseres Lebens. Wir können unsere Kinder und Enkel als solche Früchte sehen, die wir hervorgebracht haben und an deren Entwicklung wir uns freuen.

Aber Paul Gerhardt meint noch andere Früchte, "Glaubensfrüchte" nennt er sie. Was sind das für Früchte? Er denkt an die Frucht des Geistes, von der Paulus im Galaterbrief schreibt: "Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit …" (Galater 5,22f).

Es geht also um so etwas wie Gelassenheit in aller Unruhe; das ist Hoffnung, auch wenn die Zukunft eingeschränkt erscheint; das ist Freude, die sich an kleinen Dingen noch entzünden kann. Das ist Vertrauen in Gott, weil er uns heil machen kann, auch wenn wir krank sind.

Das ist nicht leicht, das ist geradezu ein Stück geistiger Arbeit, ein langsames Lernen. Das hat man später nicht so sehen wollen und hat den Text vereinfacht: Wir finden in unserem Gesangbuch die Formulierung "dass er … viel Glaubensfrüchte ziehe". Das klingt ein wenig, als würden die Früchte sich von alleine entwickeln. Paul Gerhardt hat eigentlich geschrieben "… viel Glaubensfrücht' erziehe", d.h., das hat etwas mit Erziehung, mit Lernen zu tun.

Gottes Wege mit uns wollen uns erziehen zum Leben im Glauben. Wir sind nicht selbstverständlich von alleine froh und gelassen und hoffnungsvoll. Manchmal müssen wir es erst lernen, indem wir erkennen, dass wir uns nur oberflächliches Vergnügen verschafft haben, aber die Freude erst mit dem Wahrnehmen wächst. Manchmal müssen wir die Gelassenheit erst lernen, nachdem wir lange Zeit vergeblich mit dem Kopf durch die Wand wollten; manchmal lernen wir die Hoffnung erst, wenn sich der schnelle Erfolg nicht einstellt.

Gottes Segen ist es, wenn wir die Freude spüren, und auch im schweren Leben Glaube und Hoffnung entwickeln.

Nachher, am Ende des Gottesdienstes, singen wir noch die Strophe 14:

14. Mach in mir deinem Geiste Raum,
dass ich dir werd ein guter Baum,
und lass mich Wurzel treiben.
Verleihe, dass zu deinem Ruhm
ich deines Gartens schöne Blum
und Pflanze möge bleiben,
und Pflanze möge bleiben.


AMEN.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht eine gesegnete Woche!