Predigttext und Predigt zum Tage der geburt Johannes des Täufers - 24. Juni 2018.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG 495;

Titel: O Gott, du frommer Gott

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
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der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.


Predigttext: 1.Petrus 1, 8-12

Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude,
wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.
Nach dieser Seligkeit haben gesucht und geforscht die Propheten, die von der Gnade geweissagt haben, die für euch bestimmt ist, und haben geforscht, auf welche und was für eine Zeit der Geist Christi deutete, der in ihnen war und zuvor bezeugt hat [a]die Leiden, die über Christus kommen sollten, und die Herrlichkeit danach.
Ihnen ist offenbart worden, dass sie nicht sich selbst, sondern euch dienen sollten mit dem, was euch nun verkündigt ist durch die, die euch das Evangelium verkündigt haben durch den Heiligen Geist, der vom Himmel gesandt ist, - was auch die Engel begehren zu schauen.

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Gemeinde!

( 1. Ein Wort zu Johannes dem Täufer )

Heute gedenkt die Kirche an Johannes den Täufer. Ich mag ihn, diesen aufrichtigen letzten Propheten des Altes Bundes. Er nahm kein Blatt vor den Mund. Er sagte mutig und entschlossen ohne Ansehen der Person den Leuten die Meinung. Übrigens nicht seine Meinung! Er wollte ganz und gar die Stimme Gottes sein und die Menschen zur Umkehr (Buße) zu Gott rufen.

Ach, gäbe es doch heute mehr überzeugte und überzeugende Bußprediger in unserer Kirche wie Johannes! - Aber ihr wisst, was aus ihm geworden ist: Er hat sein mutiges Bekenntnis mit seinem Leben bezahlt.

- Vielleicht fragst du: Musste das sein? Hätte er sich nicht etwas moderater bzw. "toleranter" verhalten können? Dann wäre ihm der Märtyrertod erspart geblieben. Das hätte er sich doch an seinen fünf Fingern abzählen können, dass er mit seiner Art nicht bei dem König Herodes ankommt!

- Und warum ließ er sich dennoch nicht mundtot machen? Weil er um den Messias, Retter und Heiland wusste, auf den er hinwies: "Siehe, das ist das Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt" (Johannes 1,29).


( 2. Ein Wort zu den ersten Christen, die in unserem Text angesprochen werden )

In unserem heutigen Predigttext werden Christen angesprochen, die sich in ihrer Umgebung auch unbeliebt gemacht haben, weil sie sich nicht an dem allgemeinen Kaiserkult beteiligten, sondern Christus allein dienen wollten. Sie gaben sich nicht multi-kulti angepasst. Dann hätte man sie natürlich in Ruhe gelassen. Aber so erlebten sie überall Verfolgung und Schikanen. Viele starben ihres mutigen Bekenntnisses wegen den grausamen Märtyrertod. Sie wussten: Nichts kann mich aus der Hand meines Heilands reißen; nichts von ihm trennen. Ich bin unterwegs zur himmlischen Herrlichkeit. Er wartet bereits auf mich!

Liebe Gemeinde, welch ein unerschütterlicher und lebendiger Glaube wird uns hier vorgestellt?!


( 3. An Christus glauben heißt: Jesus lieb haben )


"Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht." Hier wird der Glaube nicht beschrieben als rein kognitive Wahrnehmung, als ein abstraktes verinnerlichtes Geschehen. An Christus glauben heißt schlicht: Jesus Christus lieb haben.

Liebe - das ist doch das größtmögliche und umfassendste Vertrauen, das ein Mensch mit dem anderen verbindet. Der Glaube ist das größte Vertrauen in totaler Hingabe zu Christus. Wer sich so grenzenlos geliebt weiß, weiß sich auch in schlimmen Situationen geborgen. Das Kind, das sich auf dem Weg durch die stockfinstere Nacht an der Hand des geliebten Vaters weiß, erlebt in der Dunkelheit keine bedrohende Macht mehr.

Was bedeutet das für unseren Glauben?

Ein Glaube, der nur eine unverbindliche und gefühlsbeladene (emotionale) Beschäftigung mit der Gottesfrage ist, so eine Art Frömmigkeit für besondere Anlässe und Stunden, ist nicht tragfähig in schweren Zeiten. Der Glaube macht sich auch nicht fest an einer vermeintlich christlich anständigen Lebensführung, so sehr diese auch zu begrüßen ist.

Johannes der Täufer hat ja gerade dieses Glaubensverständnis bekämpft!

Nicht meine vermeintliche menschliche Anständigkeit vor Gott gibt meinem Leben Sinn und Halt. Ich lebe nicht von meiner "Anständigkeit" vor Gott, sondern ich lebe von seiner totalen Zuständigkeit. Christlicher Glaube lässt Gott für alles zuständig sein in Freud und Leid.

Auch du darfst wissen: In meinem Leid und meinen Leiden, mit meinen Ängsten, mit meinen Schmerzen, mit meiner Einsamkeit und meiner Trauer bin ich nicht allein. Ich bin gut aufgehoben bei dem, der allein wirklich Mit-Leid mit mir hat, der meine Nöte kennt und für mich gelitten hat.

Aber du weiß auch, wie schnell uns solche Gewissheit in der Not abhandenkommen kann. Es ist eben nur die halbe Wahrheit, wenn ich sage: Not lehrt beten. Wenn es so kommt, ist das Grund zu großer Dankbarkeit. Wie oft habe ich schon erlebt: Not lehrt fluchen!


( 4. An Christus glauben heißt: Ich bin unterwegs zur herrlichen Freude und Seligkeit )

Liebe Gemeinde, düstere Tage können wir nicht nur besser ertragen, wenn wir uns geliebt wissen. Ich kann sie nur ertragen, wenn ich auch um ein gutes und glückliches Ziel und Ende, wenn ich um meine Zukunft weiß. In unserem Text wird eindeutig die Frage beantwortet: Wer ist letztlich bei mir und für mich da? Es ist der dich bis zur Selbstaufgabe liebende Christus. Davon haben wir soeben gesprochen. -

Jetzt geht es im Weiteren auch um die Beantwortung der Frage: Was erwartet mich? - Welch großartige Perspektive wird uns hier eröffnet!

"Ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit."

Christen leben in großer Vorfreude auf die unaussagbare Freude, die Gott für die Seinen in seiner ewigen Herrlichkeit bereit hält. Welche Aktivitäten und Kräfte kann diese Vorfreude auslösen? Das ist kein billiges Vertrösten auf ein fernes Jenseits, wie einige Kritiker uns gerne unterstellen.

Ihr wisst, wozu zum Beispiel die Vorfreude auf ein großes privates oder christliches Fest Kinder und Erwachsene beflügeln kann.

Ich habe den Eindruck, liebe Gemeinde, dass wir - auch in unserer Kirche - viel zu wenig und zu selten sprechen über das "Ziel" des christlichen Glaubens: Über die ewige Herrlichkeit, über das "ewige Leben", wie wir es ja sonntäglich im Glaubensbekenntnis zum Ausdruck bringen. Die Vorfreude darauf lässt Christen gerade nicht sozial träge und passiv werden. - Im Gegenteil! In der Geschichte unserer Kirche können wir feststellen: Gerade dort, wo die klare und froh machende Christusbotschaft gepredigt wurde, die auch von der ewigen Herrlichkeit bei Christus zu singen und zu sagen wusste, da kam es nicht nur zu Bekehrungen und "Erweckungsbewegungen". Da entstanden auch diakonisch-soziale Unternehmungen und Einrichtungen.

Wie arm ist der Mensch dran, der hier und heute glaubt, seines eigenen Glückes Schmied auf dieser Welt zu sein. Ständig lebt er in der Sorge, zu kurz zu kommen oder irgendetwas verpasst zu haben. Die Jagd allein nach dem irdischen Glück macht nicht glücklich! Wohl dem, der noch mit der Herrlichkeit Gottes rechnet, die er für uns bereit hält. In dem Wissen um unsere Erlösung können wir uns getrost loslassen in die Liebesarme unseres Gottes.

Deshalb: Wenn du dunkle Tage erlebst, lass dich tragen von der Liebe Gottes, die du im Glauben an ihn, in der Liebe zu ihm erfährst. Liebende haben sich viel zu sagen. Vergiss das Beten nicht! Pflege die engste Verbindung mit ihm im Gottesdienst, im Hören auf sein Wort und im Empfang seiner lebendigen Gegenwart im Hl. Abendmahl. Hier bekommen wir immer wieder "Vorgeschmack" ewiger Herrlichkeit. Dieser "Vorgeschmack" verstärkt und belebt auch unsere Vorfreude auf die herrliche Freude, zu der wir unterwegs sind.

Liebe Gemeinde, aus der Natur nehmen wir wahr, dass nunmehr die Sonne wieder abnimmt, nachdem sie noch vor kurzem ihren höchsten Stand erreicht hat. Auch wenn wir weniger werden, wenn es um uns immer dunkler wird, wird es doch in uns hell in der Begegnung mit Christus, der sagt: "Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern er wird das Licht des Lebens haben" (Johannes 8,12).

Darauf können und dürfen wir uns verlassen.

AMEN.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht eine gesegnete Woche!