Predigttext und Predigt zum 14. Sonntag nach Trinitatis- 2. September 2018.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG 365;

Titel: Von Gott will ich nicht lassen

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
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der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.


Predigttext: 1.Thessalonicher 1,2-10

Wir danken Gott allezeit für euch alle
und gedenken euer in unserm Gebet
und denken ohne Unterlass vor Gott, unserm Vater, an euer Werk im Glauben und an eure Arbeit in der Liebe
und an eure Geduld in der Hoffnung auf unsern Herrn Jesus Christus.
Liebe Brüder, von Gott geliebt,
wir wissen, dass ihr erwählt seid;
denn unsere Predigt des Evangeliums
kam zu euch nicht allein im Wort,
sondern auch in der Kraft und in dem heiligen Geist
und in großer Gewissheit.
Ihr wisst ja,
wie wir uns unter euch verhalten haben um euretwillen.
Und ihr seid unserm Beispiel gefolgt und dem des Herrn
und habt das Wort aufgenommen in großer Bedrängnis
mit Freuden im heiligen Geist,
so dass ihr ein Vorbild geworden seid für alle Gläubigen in Mazedonien und Achaja.
Denn von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen
nicht allein in Mazedonien und Achaja,
sondern an allen Orten ist euer Glaube an Gott bekannt geworden, so dass wir es nicht nötig haben, etwas darüber zu sagen.
Denn sie selbst berichten von uns,
welchen Eingang wir bei euch gefunden haben
und wie ihr euch bekehrt habt zu Gott von den Abgöttern,
zu dienen dem lebendigen und wahren Gott
und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel,
den er auferweckt hat von den Toten,
Jesus, der uns von dem zukünftigen Zorn errettet.

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Gemeinde!

Was für ideale Verhältnisse, von denen Paulus hier spricht! Nur Gutes rundum. Paulus dankt Gott nach Strich und Faden.

Paulus und seine Begleiter danken Gott für das, was sich in Thessaloniki zugetragen hat. Die "Predigt des Evangeliums" hat kräftig und nachhaltig gewirkt. Das hat sich in Griechenland herumgesprochen.

( Gesprächsthema Gemeinde )


Christen freuen sich darüber: "Jesus nimmt die Sünder an." Was ihr Inneres bestimmt, geht in Mund und Hände über. Die Christen halten sich nicht bei frommen Sprüchen auf, sondern gehen voller Fantasie an die "Arbeit in der Liebe". Sie greifen den Bedrängten, Kaputten und Gestrauchelten unter die Arme.

Dabei wissen die Christen: Das Schönste kommt noch. Jesus kommt wieder. Das zu wissen, gibt ihnen Schwung und Elan. Deshalb halten sie auch dann durch, wenn es mühselig zugeht und wenn sie wegen ihres Glaubens Nachteile einstecken müssen. Paulus rühmt "ihre Geduld, ihre Ausdauer in der Hoffnung".
Da wundert es nicht, dass solche Gemeinde in der Umgegend zum Gesprächsthema wird. Man spitzt die Ohren: So sieht Christsein aus?! "An allen Orten ist euer Glaube an Gott bekannt geworden."

Da schaut man neidisch nach Thessaloniki. Ich kann Paulus zu dieser Gemeinde nur gratulieren: "Du hast alles richtig gemacht, lieber Paulus. Der Bau dieser Gemeinde steht - und wie! Eine Mustergemeinde zum Vorzeigen. Herzlichen Glückwunsch! Ich möchte nicht dein Nachfolger sein. Wenn du wüsstest, wie es dagegen bei uns zugeht. Wir sind heute viel ärmer dran, hier bei uns in Eysölden. Die Semmeln, die wir backen, sind viel kleiner."

Aber, offen gefragt: Trägt Paulus nicht ein bisschen dick auf? Kann's so etwas geben: so intakt und fehlerlos? Hat Paulus an der Gemeinde nichts auszusetzen? Tatsächlich: Beim Weiterblättern stoßen wir auf dunkle Stellen in Thessaloniki. Paulus spricht die wunden Punkte direkt an:

- 4,3-5: Einige Gemeindeglieder gehen nehmen ihrer Ehe und die eheliche Treue nicht ernst. Die "gierige Lust" bestimmt ihr sexuelles Verhalten.
- 4,6: Wieder andere nehmen's mit dem ehrlichen Verhalten nicht so genau. Geschäft ist Geschäft. Einer haut den anderen übers Ohr. Hauptsache, der eigene
Rubel rollt!
- 5,14: Andere verhalten sich "unordentlich" und müssen zurechtgewiesen werden. Manche sind in ihrem Glauben recht "kleinmütig" und trauen Gott wenig
zu.

( Lob statt Lamentieren )

Paulus kennt die wunden Stellen und schlägt klare Töne an. Trotzdem nimmt er sein Loben nicht zurück. Froh und positiv setzt er in seinem Brief an. Derart ungeteiltes Lob sind wir nicht gewohnt. Etwas Gutes, Anerkennendes zu sagen, fällt häufig unter den Tisch. Da halten wir's eher mit dem Motto der Franken: "Nicht g'schimpft ist genug g'lobt!"

Unsere Stärke liegt eher im Kritisieren und Herummäkeln. Wo etwas madig ist und im Argen liegt: Wir finden's schnell heraus. Schwache Stellen spüren wir mit sicherem Instinkt auf - vor allem bei anderen. Häufig macht flugs die Runde, was wir da und dort auszusetzen haben.

Am Ende einer Tagung wird Rückschau gehalten. Alle äußern sich sehr zufrieden geäußert. Eine rundum positive Sache. Dann bringt einer einen kleinen, negativen Einwand vor. Der ist berechtigt. Aber daran hakt sich alles fest. Das bestimmt das weitere Gespräch. Wir kommen davon nicht mehr los. So rückt eine gelungene Sache in schiefes Licht. Am Ende habe ich das Gefühl, im falschen Film zu sein.

Unsere Gespräche sind häufig von dem bestimmt, was wir da und dort auszusetzen haben.

Wenn wir uns umschauen in unserer Kirche, in unserer Gemeinde und ihren Gruppen, fällt es leicht, Fehler aufzulisten und Klagelieder anzustimmen. Man kann sich manchmal auch im Reich Gottes schwarz ärgern:

- Der Kirche laufen die Mitglieder weg.
- Der Gottesdienstbesuch fällt schmächtig aus.
- Selbst Menschen, die meinen, Christen zu sein, interessieren sich nicht für Gottes Wort, seine guten Lebensordnungen und Gebote.
- Die Kirchenleitung hört nicht auf die Gemeinden.
- Fromme Gruppen sind sich selbst genug, statt begeistert von Jesus zu erzählen und andere zu einem Leben mit ihm einzuladen.


Kritisieren ist "in". Es prägt das Klima, in dem wir oft miteinander umgehen. Es legt auf unser Zusammenleben einen Grauschleier.

Vielleicht hat das mit unserer Erziehung zu tun. Es war ja geradezu ein pädagogisches Konzept, alles skeptisch zu bedenken und gründlich zu hinterfragen. Kritikfähig muss der Mensch werden.

Da ist ja was dran. Wir sollen nach Gottes Willen unsere Augen weit aufmachen und prüfen, was sich abspielt. Ja kein blindes Vertrauen in das, was andere uns vorsetzen.

Das ist oft schiefgegangen, siehe das vergangene Jahrhundert.

Frage nur: Haben wir es auch gelernt, das Gute aufzuspüren und das auch gegenüber anderen auszusprechen? Paulus gibt uns den Takt vor: zuerst und vor allem der Dank. Aber Danken und Loben sind nicht einfach.

( Loben will gelernt sein )

Ein Pfarrer berichtet aus dem Konfirmandenunterricht: Alle saßen im Kreis. In
der Mitte stand ein Stuhl. Dort sollte sich jeder mal draufsetzen. Dem, der in der
Mitte saß, mussten die anderen etwas Liebenswertes sagen: "Das oder jenes finde
ich an dir gut." Der Pfarrer machte dabei zwei Erfahrungen:

- Loben ist schwer. Da saßen ja nicht nur die Braven in der Mitte, sondern auch die anderen. Manchmal hat es reichlich lange gedauert, bis an denen etwas Gutes gefunden werden konnte.
- Einmal etwas Gutes über sich zu hören, tut außerordentlich wohl.

Genau hier liegt der Schlüssel für das Loben des Paulus. Er hat seine Sichtweise auf das Gute eingestellt und beschreibt, was ihm an der Gemeinde gefällt. Er sieht seine Thessalonicher unter dem Blickwinkel: Das finde ich an euch lobenswert. Dafür danke ich meinem Gott. Paulus ist nicht nur kritikfähig, sondern auch lobfähig. Für ihn ist beides wichtig. Und das Loben immer vorweg: Was gibt es anzuerkennen? Wofür kann ich danken? Was Paulus entdeckt, behält er nicht für sich, sondern gibt's weiter. Er spricht es offen aus und erfreut damit die anderen Christen: "Euer Wirken im Glauben, Arbeit in Liebe, Geduld in Hoffnung: Das finde ich großartig. Dafür danke ich meinem Gott." Paulus spürt an den Christen in Thessaloniki das Dankenswerte auf, das, was Gott an ihnen getan und was in der Gemeinde einen guten Weg nimmt.

Das gilt bis heute: Wenn wir einmal die grau-düstere Brille ständiger Kritik absetzen, nehmen wir überall Gründe zum Danken wahr, entdecken wir vieles, was erfreulich und lobenswert ist. Wir haben deshalb allen Grund, jeden Gottesdienst und jede Sitzung mit einem Dankgebet zu beginnen.

- Dass viele Frauen nicht Braten und Knödel zum Hauptinhalt ihres Sonntagvormittags machen, sondern alles so einteilen, dass sie zur Kirche gehen können; dass viele Männer nicht Autowaschen und Frühschoppen für das Wichtigste halten, sondern den Weg ins Gotteshaus suchen: Das finde ich gut. Dafür danke ich Gott.
- Dass sich in der Gemeinde die Woche über Gruppen in den Häusern sammeln,
um in der Bibel zu lesen und Fragen des Glaubens zu bedenken und miteinander
zu beten, das finde ich beeindruckend und erfreulich. Dafür danke ich Gott.
- Dass wir musikalisch gut aufgestellt sind, drei Organisten haben, einen Posaunenchor …
- Dass sich für die Kirchenvorstandswahl am 21. Oktober mehr Kandidaten (14) gefunden haben als nötig sind (12) …
- Dass viele in ihrer Familie, in der Schule, im Büro und in der Nachbarschaft ihr Christsein selbstverständlich und fröhlich leben.

Wer einmal den Blickwinkel der Dankbarkeit wählt, kommt mit dem Danken nicht ans Ende. Der kriegt dadurch auch ein Auge für das Kleine und eher Geringe, an dem man gewöhnlich achtlos vorüberläuft, als gehörte sich das so.

( Optik der Dankbarkeit )

Wichtig ist dabei: Paulus schreibt das Gute, das er in der Gemeinde entdeckt, Gott zu. Gott hat gehandelt und seine Gemeinde aus dem Nichts gebaut. Er hat Menschen zum Glauben und Mitarbeiten berufen. Was Gott bislang getan hat, wird Paulus zum Zeichen dafür, dass Jesus lebt und Gott weiterhin am Arbeiten ist.

Paulus macht uns Mut, die Optik der Dankbarkeit auszuprobieren: Wo erleben du und ich auch mitten im alltäglichen Kleinkram Glück, für das wir Gott danken können? Was kannst du an deinem Ehepartner, an Kindern und Enkeln, an Nachbarn und Arbeitskollegen an Gutem aufspüren, sodass du denen mal sagen kannst: Schön, dass du da bist. Das und das finde ich gut an dir. Dafür danke ich Gott.

Lassen wir uns von Paulus anspornen, die Sichtweise der Dankbarkeit zu erproben.

Wer heute anfängt, Gott für Weniges zu danken, der wird morgen schon mehr zu danken haben. Lasst uns auch auf das sehen, was Gott jedem von uns persönlich gegeben hat.

Der Dank treibt Paulus ins Gebet (V. 2-3a). Er betet für die Gemeinde nicht nur, wenn dort Konflikte lodern, nein: "allezeit" und "ohne Unterlass". Paulus legt auch das Schwierige Gott im Gebet hin und freut sich über alle guten Signale.

Der Dank soll das Vorzeichen sein, unter dem wir anderen Menschen begegnen. Lasst und - immer wieder -das Erfreuliche und es auch aussprechen: Das finde ich gut. Darüber freue ich mich. Dafür danke ich Gott.

AMEN.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht eine gesegnete Woche!