Predigttext und Predigt zum 15. Sonntag nach Trinitatis - 9. September 2017.

Den Gottesdienst hielt Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG 369;

Titel: Wer nur den lieben Gott

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
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der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.


Predigttext: Galater 5,25-26; 6,1-3.7-10

Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln.
Lasst uns nicht nach eitler Ehre trachten, einander nicht herausfordern und beneiden.
Liebe Brüder, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid; und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest.
Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst.
(Ein jeder aber prüfe sein eigenes Werk; und dann wird er seinen Ruhm bei sich selbst haben und nicht gegenüber einem andern.
Denn ein jeder wird seine eigene Last tragen.
Wer aber unterrichtet wird im Wort, der gebe dem, der ihn unterrichtet, Anteil an allem Guten.)
Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten.
Denn was der Mensch sät, das wird er ernten.
Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten.
Lasst uns aber Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen.
Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Gemeinde!

( Hinführung )

Schon vor 30 Jahren lud ein Werbeclip ein, die pure Freiheit zu leben und zu genießen: "Ich bin so frei, Nescafé ist dabei." Die Bilder im Werbespot drückten aus: Endlich kann ich frei entscheiden! Ich genieße, das zu tun, was ich möchte und wann ich es möchte! In den zurückliegenden Ferien hat der eine oder andere vielleicht auch genossen, sich den Wind um die Nase streichen zu lassen, bei Bootsfahrten oder Fahrradausflügen. Ich bin so frei - und das genieße ich.

Der Wind von Freiheit streicht einem auch um die Nase, wenn man den Galaterbrief aufschlägt. "Du bist frei in Christus - lebe es! Lass dich nicht wieder einfangen von Paragraphenreitern, die das Heil in Gesetzesvorschriften suchen."

Andererseits meint diese Freiheit gerade nicht: Ich lebe, wie ich will. Paulus schreibt: Freiheit ist nicht selbstbezogen (egoistisch), nicht gesetzesbezogen (denn Jesus hat befreit), sondern geistbezogen. Sie ist nicht selbstbestimmt, sondern zielführend darin, dass sie zueinander und zur Gemeinschaft führt.

Das wird lebenspraktisch: Wir tun dem Nächsten nicht Gutes, weil wir dadurch das Heil erlangen, sondern weil wir erlöst sind, sind wir befreit einander zu dienen. Anders als bei der Nescafé-Werbung tue ich nicht, was ich will; sozusagen: "Das nehme ich mir heraus!", bis hin zu: "Ich bin dann mal so unverschämt." Also nicht ichbezogen. So heißt die Redensart "Ich bin so frei" im Deutschen übrigens: "Ich nehme Ihr Angebot an"!

Das Wunschbild in unserem Kopf könnte wie das Bild eines Goldfischs sein. Er springt aus dem alten Glas mit Dreckbrühe in ein Glas mit frischem Wasser. Gottes Wunschbild ist jedoch etwas anders gelagert: Der einsame Goldfisch aus dem alten Glas springt hinüber in ein neues Glas mit frischem Wasser UND anderen Goldfischen. Gottes Vorstellung ist "los vom alten egoistischen Wesen" in der Freiheit der neuen Gemeinschaft. Freiheit ist Freiheit in Gemeinschaft. Das ist der Segen. Das ist die Herausforderung. Wir sind nie alleine Christ, sondern zusammen; gemeinsam statt einsam.

So bildet Vers 25 die Überschrift: Du hast das neue Leben in Jesus inkl. Auferstehungskraft.

Und jetzt: Leb darin! "Im Geist wandeln" hat im Griechischen einen Ausdruck aus dem Militär als Grundlage "in Reih und Glied gehen oder stehen". Also geschlossen mit den anderen und in gleicher Weise mit dem Geist. Anders übersetzt: dem Heiligen Geist auf Schritt und Tritt folgen (NGÜ). Und das hat praktische Konsequenzen:


1. Zwischen Tun und Lassen


Paulus macht deutlich: Wer A sagt, muss auch B sagen. Zunächst spricht er vom Lassen (V. 26). Dabei kennt sicher jeder Beispiele, wie Väter von ihren Söhnen prahlen oder auf der Ebene der Jungs Väter als Helden verehrt werden und einer den anderen in Schilderungen übertrifft (Hinweis auf Bilderstory von "Vater und Sohn" von Erich Ohser). Überhöhung ist so schnell geschehen. Und für die Gemeinde sollten wir darauf achten, dass wir keine religiöse Produktionsfirma von immer noch besseren und schnelleren und effektiveren "Heilsmitteln" sind.

Bei Paulus und den Gemeinden damals war es die Gefahr des Rückfalls in jüdische Zugänge zum Heil: Wenn ich dieses und jenes erfülle, dann ist meine Gottesbeziehung in Ordnung - wenn nicht, dann muss ich dieses und jenes tun. Bei uns gibt es auch solchen Leistungsdruck, z. B. wie ich auf die richtige Art und Weise Zeit mit Gott verbringe oder dass ich dauerhaft Menschen etwas von Jesus erzähle.

Welche Motivation treibt uns an? Im Text steht es: aus der guten Motivation, weil ich nun ein neues Leben führen kann, nicht aus Druck oder Höllenangst oder aus dem Druck der Gemeinschaft. "Ich bin so frei", es aus dem Antrieb Gottes heraus, der mich motiviert, zu tun. Oder möchte ich anderen gefallen und spiele möglicherweise etwas vor, z. B. dass ich mehrere Stunden gebetet habe. Ich erwähne natürlich nicht, dass ich den Schlaf eingerechnet habe, denn den Seinen gibt's der Herr im Schlaf. Auf den anderen wirkt meine "Ansage leistungssteigernd", aber wichtig wäre, hier ehrlich zu bleiben und keinen neidischen Wettkampf um geistliche Dinge zu führen. Ehrlichkeit macht eine Gemeinschaft standfest und lässt uns auf dem Grund der Gnade Gottes leben. Wir brauchen einander zur Hilfe und Anleitung - nicht zum gegenseitigen frommen Leistungsdruck!

Und hier wechselt jetzt Paulus die Seite und zeigt nicht nur auf, was wir lassen sollen, sondern vielmehr, welche positiven Konsequenzen wir ziehen sollen (6,1):
Wenn ihr jemanden bei einem Fehltritt ertappt, dann helft ihm mit Rücksicht (einem Geist der Nachsicht) zurecht mit dem prüfenden Blick auf euch selbst: Achtung, wo bin ich gefährdet?

Was sollen wir also nun tun? 1. mit Nachsicht zurechthelfen (V. 1), 2. einander Lasten tragen (V. 2), 3. realistisch werden und Selbstbetrug vermeiden (V. 3 - Rückführung zu V. 26). Diese Anweisungen zum Tun zeigen, wie eine praktische Umsetzung des neuen Lebens mit dem Geist aussehen kann: Dabei liegt im " Zurechtbringen" der Schwerpunkt gar nicht auf dem, der "von einem Fehltritt ereilt wurde", sondern auf dem, der den anderen wieder auf den guten Weg bringt.

Drei Hinweise gibt Paulus: "Wenn du schon dem anderen wieder zurechthilfst, dann mach es zumindest nicht von oben herab. Orientiere dich an Jesus selbst. Er hat den Himmel verlassen und hat sich auf die unterste Stufe begeben. Und höre auf den Heiligen Geist. Und lass dabei Nachsicht walten und schau auf dich selbst: Wo ist deine Angriffsfläche? Denn manchmal kann man ganz gut seine Schwächen vertuschen, indem man die des anderen umso klarer herausstellt."

Und dann richtet Paulus noch den Blick auf die Freiheit und das Ziel damit: Ich bin so frei …


2. Zwischen richtig investieren und nicht nachlassen

Ganz praktisch sagt Paulus hier: Dein Leben zeigt, ob du richtig investierst. Er verweist zurück auf 5,13: "Allein seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt; sondern durch die Liebe diene einer dem andern." Bereits hier führt Paulus auf, was es nicht ist und was es als Ziel hat: nämlich die Liebe als Dienst füreinander.

Er greift ein bekanntes Bild auf und malt es den Hörern vor Augen: Saat und Ernte. Nur, was du im Frühjahr in den Boden legst, das kommt dann im Herbst raus. Paulus führt hier allerdings ein spezielleres Bild ein: Es ist nicht egal, welcher Boden es ist. Wenn du auf den Geist säst, dann wirst du merken, welche Auswirkung es hat, bereits jetzt und am Ende im ewigen Leben. Wenn du aber auf die Seite deiner selbstsüchtigen Gedanken und Taten säst, dann wartet Verderben - das ist nicht zielführend, das ist nicht geistgemäß, das baut nicht auf.

Mach dir nichts vor: Wenn du jetzt die neue Freiheit als Freibrief nimmst, dann weißt du auch, wohin das führt. Denn unterm Strich zählt, was du im Glauben und was hast du aus Liebe getan hast. (Anregung: Nimm dir im Alltag ein paar Minuten, um darüber nachzudenken, wie du bisher investiert hast und was du verändern möchtest).

Es geht für Paulus also durchweg um die Freiheit: "Ihr seid so frei, jetzt mit seiner Kraft euch gegenseitig in Liebe zu dienen." Deshalb verweist er auch nun darauf: "Tut Gutes! Am meisten den Glaubensgenossen." Wie ist dein "Gutestun-Pegel" in der Woche? Wozu bist du befreit und bereit?

1.Welchem Menschen kannst du diese Woche etwas Gutes tun, den du nicht in der Gemeinde triffst, und 2. welchem Menschen, der mit dir im Glauben steht, kannst du etwas Gutes tun, solange du noch die Gelegenheit dazu hast?

Ich fasse zusammen: Ich bin so frei - durch meine neue Identität in Jesus. Ich bin be-geist-ert, und nun kann ich zwischen Tun und Lassen auf Gottes Geist hören und zwischen Richtig-Investieren und Nicht-Nachlassen mich auf Gottes gute Kraft verlassen, dass er mich ausrüstet. Mach dich also fest am Gekreuzigten mit deiner Schuld, deinen Kämpfen, deinem Hochmut, deiner Feigheit. Leb mit dem Auferstandenen und seiner Kraft im Alltag. ER hat dir seinen Geist gegeben. Der dient dir, um anderen zu dienen!

AMEN.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht eine gesegnete Woche!