Predigttext und Predigt zur Kirchweih - 7. Oktober 2018.

Den Gottesdienst hielt, das letzte Mal in Eysölden, Pfarrer Thomas Lorenz.

Das Wochenlied: EG 321;

Titel: Nun danket alle Gott

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
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Predigttext: Hebräer 8, 1 - 6

Das ist nun die Hauptsache bei dem, wovon wir reden: Wir haben einen solchen Hohenpriester, der da sitzt zur Rechten des Thrones der Majestät im Himmel
und ist ein Diener am Heiligtum und an der wahren Stiftshütte, die Gott aufgerichtet hat und nicht ein Mensch.
Denn jeder Hohepriester wird eingesetzt, um Gaben und Opfer darzubringen. Darum muss auch dieser etwas haben, was er opfern kann.
Wenn er nun auf Erden wäre, so wäre er nicht Priester, weil da schon solche sind, die nach dem Gesetz die Gaben opfern.
Sie dienen aber nur dem Abbild und Schatten des Himmlischen, wie die göttliche Weisung an Mose erging, als er die Stiftshütte errichten sollte: »Sieh zu«, sprach er, »dass du alles machst nach dem Bilde, das dir auf dem Berge gezeigt worden ist.«
Nun aber hat er ein höheres Amt empfangen, wie er ja auch der Mittler eines besseren Bundes ist, der auf bessere Verheißungen gegründet ist.

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Festgemeinde!

Kirchweih ist ein Fest gegen das Vergessen und ein Fest der Dankbarkeit. Und es ist schön, dass im Festkalender unserer Eysöldener Kirchengemeinde gleich zwei Feste hintereinander verzeichnet sind, die man beide unter das Motto "Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!" (Psalm 103,2) stellen könnte: letzten Sonntag das Erntedankfest, heute das Gedenken der Kirchweihe. Vergiss es nicht, dankbar zu sein!

Denn wir haben allen Grund, dankbar zu sein. Dankbar, dass hier an diesem Ort seit Jahrhunderten das Wort Gottes verkündigt und die Sakramente gereicht werden. Wir haben Grund zu danken, dass Gottes Wort bei uns Wurzeln geschlagen hat, dass in unserer Gemeinde Menschen zum Glauben an Jesus Christus gekommen sind und in diesem Glauben lebten und starben. Wir haben Grund zu danken, dass es in unserer Gemeinde so viele Möglichkeiten gibt, mitzuwirken am Bau des Reiches Gottes. Und nicht zuletzt haben wir Grund zu danken, dass wir überhaupt so eine schöne St. Thomaskirche haben.

Vor genau 269 Jahren wurde mit dem Umbau, oder besser gesagt Neubau der Kirche begonnen, vor 266 Jahren wurde er vollendet. Am 25. Sonntag nach Trinitatis des Jahres 1752, das war am 21. November, wurde die auf den Grundmauern der alten Kirche die neu gebaute Pfarrkirche St. Thomas und Ägidius und Katharina, wie der vollständige korrekte Name unserer Kirche lautet, eingeweiht. Von der alten Kirche blieb ja nicht mehr als der Turm stehen. Der damals hier wirkende Pfarrer Johann Friedrich Herrenbauer setzte das Bauvorhaben durch, das unter dem markgräflichen Bauinspektor Johann David Steingruber realisiert wurde.


Das Kirchweihfest ist für manche - eher städtisch geprägte - Zeitgenossen eine altmodische oder sogar unverständliche Sache. Will die christliche Gemeinde sich da wichtig tun? Erwärmen die da sich wirklich so sehr für ihr Gotteshaus, dass sie jedes Jahr den Geburtstag - man könnte auch sagen: den Tauftag - ihrer Kirche feiern wollen? Oder ist es nur eine Tradition, die man eher widerwillig noch fortführt? Es mag ja ein schöner Nebeneffekt sein, was freilich für viele zur Hauptsache geworden ist: wenn man ein schönes Festessen hat, wenn Tanz ist oder andere Vergnügungen geboten werden. Aber was soll eigentlich diese Erinnerungsfeier selbst?


1. Kirchweih aus Freude an Gott

Schauen wir, wie die Bibel darüber redet! Eines der Leitworte, unter das wir unser Kirchweihfest stellen, ist aus dem 26. Psalm entnommen. König David, dem es Gott noch verwehrt hatte, einen Tempel zu bauen, pries das Heiligtum Gottes: "Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt" (Vers 8). Seine frommen Worte kann man auch politisch verstehen. Er holte die Bundeslade, das bedeutendste Erinnerungsstück an die Zeit der Wüstenwanderung, in seine Stadt. Dort stellte er eine Hütte auf für die edle Holzkiste. Die berühmten Gebotstafeln und der Stab des Urpriesters Aaron sowie ein Krug mit Manna aus der Wüstenzeit waren jetzt in Jerusalem. Damit stand er in der großen Tradition der Gottesmänner Mose und Aaron, die Gott bevollmächtigt hatte, Israel zu führen - Prestigegewinn für den König!

Aber David war nicht nur ein klug kalkulierender Politiker, sondern auch ein gläubiger Gottesmann. Das merkt man aus den Geschichten über ihn, und das zeigen seine Lieder. Man kann es ihm abnehmen: Die Freude an Gott war es, die ihn bewegte, ein froher Glaube an Gottes Barmherzigkeit. Sie machte ihm auch das Gott geweihte Haus wertvoll und lieb. - Und so geht es den wahren Kirchweih-Freunden heute auch. Wenn wir uns heute an die Weihe dieser St. Thomaskirche erinnern, dann stellen wir uns vor Augen, was der Grund des Feierns und der Freude ist. Wären die Christen in erster Linie stolz auf sich selbst, auf ihre Leistungen an diesem Haus, auf ihre lange christliche Tradition oder ihren mehr oder weniger regelmäßigen Gottesdienstbesuch, so könnte keine wirkliche Kirchweihfreude aufkommen. Die wahre Freude am Haus Gottes ist die Freude an Gott selbst, die andere einlädt, sich dazuzukommen und mitzufeiern.


2. Kirchweih, weil unser Hoherpriester uns vor Gott vertritt

Eine Einladung zur Freude ist auch jener kurze Abschnitt aus dem Brief an die Hebräer, den wir vorhin gehört haben. Der Apostel, der diesen Brief geschrieben hat, fasst mit diesen Versen zusammen, was er in sechs Kapiteln seines Briefes ausgeführt hat. Der Kern seiner Gedanken ist der: Wir haben einen Hohenpriester im Himmel, Christus. Für seine Leser damals war das vielsagend. Sie verstanden, was er mit "Hoherpriester" meinte. Christen brauchen keine irdischen Priester mehr, solche die für sie Opfer darbringen, denn Christus vertritt sie vor Gott. Er hat ein einmaliges und vollkommenes Opfer dargebracht. Das genügt für alle Sünder, für alle Zeiten.

Für die Gläubigen ist das ein Grund zum Jubeln: Christus steht für die Seinen ein. Wir haben Zugang zum Vater durch Ihn, wir brauchen keine weiteren Mittler. Es hat schon damals ein großes Freudenfest gegeben, als man in Jerusalem den ersten Tempel gebaut hatte. König Salomo war der Glücklichste von allen. Ihm kam die außerordentliche Ehre zu, das Vorhaben seines Vaters David in die Tat umzusetzen. Er ließ es sich auch einiges kosten und nahm selbst die Einweihung des Tempels vor, mit Gebet und Opfer - klar: die Tempelweihe ist Chefsache. In seinem Weihegebet dankte er Gott für seine Barmherzigkeit und seinen Bund, die er seinen gehorsamen Dienern gewährt hat. Und er bittet Gott, dass er sich hier an diesem Ort barmherzig zeige, indem er die ernsthaften Gebete seines Volkes erhöre.

Das können wir auf unsere St. Thomaskirche übertragen: Hier soll gebetet werden, wie auch Jesus vom Tempel sagte, er sollte ein Bethaus sein. Hier wird Gott die Gebete erhören, die von Herzen kommen und nach Seinem Willen sind. Hier sollen Sünder wieder froh werden über die Vergebung, die Gott denen gewährt, die ihre Sünden bekennen und bereuen.

Was für ein trauriger Ort wäre eine Kirche, wenn hierher nicht Menschen kämen, die die Hilfe Gottes erwarten.

Was bringt ein leerstehendes Haus? Eine Kirche ist doch nur so viel wert, als sich in ihr Menschen versammeln und dann auch etwas geschieht zwischen Gott und diesen Menschen. Hier muss sich ereignen, was mich dem Himmel näher bringt. Eine Kirche ist ein reiner Zweckbau.

Auch wenn wir dieses Gebäude in all seiner Schlichtheit als kunstvolles Bauwerk sehr schätzen - worauf es ankommt, das sind die Menschen, die sich hier versammeln. Und je mehr hier zusammenkommen, die etwas von Gott erwarten, um so bedeutender ist diese Kirche. Wenn es aber weniger geworden sind, dann ist das so, wie wenn die Kirche ein Stück kleiner geworden wäre. Stell dir vor, du kommst von ferne und siehst den Kirchturm, und der ist um fünf Meter geschrumpft! Und auch das Kirchenschiff ist merklich schmäler, kürzer, niedriger geworden. - So wäre es, wenn man's äußerlich sehen könnte, wie eine Kirche an Bedeutung verliert.

Der Apostel, der den Hebräerbrief geschrieben hat, kennt diese Sorge auch. Er stimmt aber kein Jammern und Klagen an über Gotteshäuser, die sich nicht mehr so gut füllen. Er poltert nicht mit Anklagen. Er stellt vielmehr das Einladende heraus.

Überall im Neuen Testament wird einladend gepredigt, eben das Evangelium, die Gute Nachricht. Da wird nicht gejammert und geklagt, sondern verkündigt, was wir Menschen an dem Sohn Gottes haben. Da wird dann zur Umkehr von verkehrten Wegen aufgerufen, weil es einen besseren Weg gibt, ja weil es nur einen einzigen Weg zu Gott gibt, und dieser Weg heißt Jesus Christus.

Es ist vielleicht ein ungewohntes, ja fremdes Bild, das uns der Apostel vor Augen malt: Jesus als der wahre Hohepriester. Jesus im Priestergewand. Diesen Hohenpriester Jesus preist uns der Apostel geradezu an:

In Ihm haben wir den besseren Hohenpriester und den besseren Bund mit besseren Verheißungen. Hatte der alte Bund steinerne Gebotstafeln, so hat der neue Bund den Meister selbst. Hatte das Gesetz für Israel fortwährend Opfer vorgeschrieben, so hat Christus eine einmalige, weil vollkommene Opfergabe dargebracht, nämlich sich selbst bei seinem Tod am Kreuz von Golgatha. Er ist zugleich der Hohepriester, der opfert, und die Opfergabe, die dargebracht wird. Sein Priesterdienst ist ein höheres Amt, denn Er opferte sich selbst. Er ist der bessere Hohepriester, weil Er ohne Sünde war und deshalb nicht erst sich entsündigen musste, wie die anderen Hohenpriester. Er hat das vollkommene Opfer gebracht. Er hat Liebe bewiesen. Er hat Sein Leben gelassen für Seine Freunde. Weil Er vom Himmel stammt, kann Er uns im Himmel wirksam vertreten. Sein Opfer hat den Himmel verändert.


3. Kirchweih im Schlepptau des Wortes


Justus Jonas (1493-1555), ein Mitstreiter Martin Luthers, hat einmal gesagt, dass der Teufel uns immer wieder in die Verzweiflung stürzen will. Wir aber sollten uns ans Wort halten und uns von ihm ins Schlepptau nehmen lassen.

Im Schlepptau des Wortes Gottes? Ein kräftiger Vergleich! Ins Schlepptau werden die Kähne genommen, die liegengeblieben sind. Ein Boot, das selbst noch seetüchtig ist, muss nicht gezogen werden. Wie tüchtig aber sind wir vor Gott? Sind wir noch manövrierfähig zum Guten?

"Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten ..." (Römer 3,23). So klar beschreibt der Apostel Paulus den Zustand des Menschen, den Zustand aller Menschen, ohne Ausnahme. Und wir alle können uns nicht an unserem eigenen Schopf aus diesem Sumpf herausziehen. Deshalb müssen auch wir uns herausziehen lassen, müssen uns vom Wort Gottes ins Schlepptau nehmen lassen. Auch dazu dient diese Kirche. Hier haben wir Raum, die Befehle Christi auszuführen: "Predigt! Tauft! Haltet das Mahl!"

Hier ermutigen wir einander, schon durch unsere Anwesenheit und erst recht durch das, was sich daraus entwickelt. Hier werden wir angesprochen von dem lebendigen Gott, der das Predigtamt eingesetzt hat, damit alle Menschen das Wort Gottes hören können. Hier will Jesus einkehren wie einst im Haus des Zachäus. Es gilt jetzt, die Hilfe Jesu anzunehmen. Wichtig ist, dass wir das Tau nehmen, das ausgeworfen wird. Unser Glaube hängt an dem greifbaren Zuspruch Jesu.

"Eine Kirche ist ein reiner Zweckbau", so sagte ich vorhin. Unsere Johanneskirche ist das auch: nicht mehr und nicht weniger als ein Zweckbau für Gottes Wort und Sakrament. Unser Kirchweihfest wird gewürdigt durch Gottes Versprechen: "Mein Wort wird nicht leer zurückkommen" (Jesaja 55,11).

Gottes Taue werden halten. Die Zukunft seines Evangeliums hängt nicht von uns ab.

Wohl aber hängt unsere Zukunft, unsere Ewigkeit, davon ab, wie wir zum Evangelium stehen. Ob wir das Opfer des Hohenpriesters Jesus Christus dankbar im Glauben ergreifen und so das ewige Leben haben, die nicht mehr endende Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott. Oder aber ob wir das Opfer des Hohenpriesters Jesus Christus links liegen lassen und so unserer ewigen Verlorenheit entgegengehen.

Jedes Kirchweihfest will uns daran erinnern, dass nicht nur dieses Haus geweiht ist, sondern dass es vielmehr darauf ankommt, dass wir unser Leben Gott "weihen". Damit ist schlicht und einfach gemeint, dass jeder an seinem Platz Gott sein Leben zur Verfügung stellt und sich von Ihm leiten lässt.

Jedes Kirchweihfest will ein Ruf zum Glauben sein, eine eindringliche Aufforderung, das neue, das ewige Leben zum ersten Mal oder wieder zu ergreifen.

Denn irgendwann - und keiner von uns weiß, wann das ist - erschallt dieser Ruf nämlich nicht mehr.

Dann ist es zu spät.

Willst du es wirklich darauf ankommen lassen?

AMEN.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht eine gesegnete Kirchweih!