Predigttext zum 3. Advent - 16. Dezember 2018.

Den Gottesdienst hieltLektor Rudi Obermeyer.

Das Wochenlied: EG 10;

Titel: Mit Ernst, oh Menschenkinder

Der Predigttext ist mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus:
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984,
durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung.
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Alle Rechte vorbehalten.
Ein Nachdruck des revidierten Textes der Lutherbibel sowie jede andere Verwertung
in elektronischer oder gedruckter Form oder jedem anderen Medium bedarf
der Genehmigung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.


Predigttext: Jesaja 40, 1 - 8

Tröstet, tröstet mein Volk!, spricht euer Gott. Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist; denn sie hat die volle Strafe empfangen von der Hand des HERRN für alle ihre Sünden.
Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott! Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden; denn die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn des HERRN Mund hat's geredet.
Es spricht eine Stimme: Predige!, und ich sprach: Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des HERRN Odem bläst darein. Ja, Gras ist das Volk! Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.

Es gilt das gesprochene Wort!


Liebe Gemeinde,

"Tröstet, tröstet mein Volk!" Was für eine Aufgabe! Da saßen die verschleppten Israeliten an den Wasserbächen Babylons und weinten! Viele Jahre schon dauerte ihre Gefangenschaft. Fremde Menschen waren um sie herum und ein fremder Glaube. Sie waren weit weg von ihrem Gott, so dachten sie, und dem Ort seiner Verehrung, dem Tempel. Wer hoffte schon, noch einmal die Heimat wieder zu sehen? Wer konnte noch daran glauben? „Gott hat uns vergessen! Er hat uns fallen lassen! Wir sind nicht mehr sein Volk, seine Kinder, die er liebt!" So mag es wohl in den Köpfen der Israeliten herumgegangen sein.
Und dann in diese Situation hinein der Ruf von Jesaja: "Tröstet, tröstet mein Volk!?" Wie sollte das gehen?
Der Prophet Jesaja wollte Hoffnung in dieser Situation, in die Herzen seiner Mitgefangenen hineinsäen: "Gott hat uns nicht vergessen. Er selber wird uns in die Freiheit führen." Und dann holt der Prophet weiter aus, und er nimmt uns alle mit hinein in seine Hoffnung. Gottes Liebe zur Freiheit und zu einem frohen und guten Leben ist so groß, dass er einmal die ganze Erde erneuern wird. Und diese Erneuerung wird allen Menschen zugute kommen.

Ja und hier sind wir bei der Geburt Jesu, bei Advent und später bei Weihnachten.
Mit dieser umfassenden Erneuerung der Erde, hat Gott vor 2000 Jahren begonnen. Deswegen feiern wir Weihnachten. Gott hat seinen Sohn Jesus auf diese Erde geschickt. Mit Jesus hat sich Gott seinen Weg zu uns Menschen gebahnt.
Und die Adventszeit ist die Zeit des Wartens und der Hoffnung darauf.
Wahrscheinlich sind auch bei den meisten von Euch die Weihnachtsvorbereitungen in dieser Adventszeit im vollen Gange, angefangen bei der Wohnungs-Dekoration über Wunschzettel, Einkäufe, und und und...
Die Gefühle in dieser Zeit sind oft sehr widersprüchlich: Die Seele sorgt in dieser Zeit oft für sich selbst. Manches was das ganze Jahr über verborgen bleibt, meldet sich in diesen Adventswochen, oder spätestens an Weihnachten zu Wort. Die Sehnsucht nach Zeit und Ruhe steht dem geschäftigen Treiben fast ohnmächtig gegenüber. Zusätzlich macht sich bei manchen Menschen noch das Gefühl von Sinnlosigkeit und Leere breit, Unzufriedenheit und Ratlosigkeit. Ist das vielleicht eine moderne Form der babylonischen Gefangenschaft, der Wüstenzeit? „Macht Bahn durch diese Wüste, versucht Euch auf das wesentliche in dieser Adventszeit zu konzentrieren!“ so könnte der Ruf von Jesaja in diese Adventszeit hinein lauten.

Denn an Weihnachten, da war doch noch was anderes? Nein nicht die Geschenke und das viele Einkaufen. Das „keinen Sinn mehr sehen“, wird manchmal durch Konsum wettgemacht. So manche möchten am liebsten vor Weihnachten fliehen. Zugegeben, ich übertreibe jetzt vielleicht ein bisschen, aber ich sehe es ja an mir selbst: Jedes Jahr nehme ich mir vor, die Adventszeit, das Warten auf Weihnachten nächstes Jahr sinnvoller, bewusster zu erleben. Und jedes Jahr muss ich erkennen, dass ich mir wieder zu wenig Zeit genommen habe, mich auf das Kommen von Jesu vorzubereiten. Denn eigentlich feiern wir an Weihnachten ja das Kommen Gottes, in seinem Sohn Jesus, die Menschwerdung Gottes in dem Kind in der Krippe. Und darauf sollten wir uns in der Adventszeit innerlich und äußerlich einstimmen. Darauf uns besinnen, dass Gott zu uns kommen möchte, auch in unsere Dörfer, in unsere Häuser, ja sogar in uns selbst.

Einer hat seinen Traum bestimmt nicht aufgegeben: Gott. Er will dass wir gut leben. Er ist mit uns noch nicht am Ende. So wie er mit den israelitischen Gefangenen am Euphrat und Tigris in Babylon noch nicht am Ende war.
Gottes Eingreifen und weltveränderndes Kommen haben Menschen schon immer erhofft, ersehnt und auch erlebt. Davon erzählt der heutige Predigttext.

Durch Jesaja lässt Gott seinem verzweifelten Volk im babylonischen Exil sein Trostwort verkünden.
In sehr bildhaften Worten verkündet der Prophet, wie durch Gottes Kommen Lebensraum und -möglichkeiten geschaffen werden, wo vorher nichts mehr ging; durch die lebensfeindliche Wüste bahnt sich Gott einen Weg, und Berge und Täler werden ein­geebnet. Gott bahnt sich und auch uns einen Weg durch unsere oft lebensfeindliche Welt
Viele von Euch kennen sicher die Schönheit der Berge, Sie eröffnen atemberaubende Aussichten und sind eine Herausforderung, mal an seine Grenzen zu gehen. Doch sind sie auch mühsam, manchmal gefährlich, wenn das Wetter umschlägt, das Gelände unwegsam wird oder der Pfad am Abgrund entlang führt. Wie viel bequemer und gefahrloser ist da das Fortkommen auf ebener Bahn oder ebenen Gelände.
Und was für das Wandern durch die realen Berge gilt, gilt auch für die Berge und Täler des Lebens im übertragenen Sinn. Die Berge unserer Zweifel, die Berge aus Ehrgeiz, Stolz und Angst. Machen sie uns nicht oft das Leben schwer? Das Tal der Ängste kann sich heben, die Hoffnungslosigkeit kann der Zuversicht weichen und wir sollen wirkliche Hilfe finden, denn: Gott ist auf dem Weg zu uns! Das wollte Jesaja dem israelitischen Volk im Exil sagen und das wollen uns die Engel an Weihnachten verkünden. Gott ist auf dem Weg zu uns.

Ja, liebe Gemeinde, wir schaffen es nicht allein, diese Berge und Abgründe zu überwinden oder aus eigener Kraft aus so manchem Tal wieder herauskommen. Und wir müssen es auch gar nicht, Gott sei Dank nicht! Den ersten, entscheidenden Schritt dazu hat Gott nämlich längst getan. Er hat uns seinen Sohn geschickt, der uns vorgelebt hat, wie gutes Leben möglich ist und der sich später sogar für uns geopfert hat, für uns ans Kreuz gegangen ist.
Das ist Gottes Werk, Wirkung seines Kommens. Gott ist unterwegs zu uns durch unsere Wüsten, Berge, Täler und Abgründe, indem er alle Schuld vergibt. Das ist die Basis, die unsere Berge einebnet und Täler auffüllt.
Gott kommt zur Vergebung, nicht zum weiteren Aufrechnen und Auftürmen der Schuld - so beginnt er seinen Weg zu uns und lädt uns ein, seiner Spur zu folgen.
Oft ist ja die Überwindung am schwierigsten, diesem von Gott vorgespurten Weg auch zu trauen und die ersten Schritte darauf zu wagen. Doch wer sich dann auf den Weg macht, wird erleben, wie mancher Abgrund doch nicht so unüberbrückbar ist wie befürchtet und dass manche Berge doch nicht so unüberwindlich hoch sind.

Ja, der Prophet wollte Hoffnung in die Situation der Israeliten, in die Herzen seiner Mitgefangenen hineinsäen: Das Gleiche möchte auch Weihnachten: "Gott hat uns nicht vergessen. Er hat uns nicht aufgegeben. Er will unser Wohl. Er ist mit uns noch nicht am Ende. Ist das nicht eine wunderbare Aussicht auf die wir uns vorbereiten und freuen können?
So wünsche ich uns allen noch eine gesegnete Adventszeit, in der wir uns auch innerlich auf das Kommen Gottes vorbereiten und von Gott auch etwas für uns erwarten und aufmerksam werden für seine Spuren in unserem Leben.

Amen.

Die Kirchengemeinde Eysölden wünscht eine gesegnete Adventszeit!