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Predigt zum "you & me" Jugendgottesdiesnt am 21. 05. 2000.
Die Predigt hielt Andi Weiß (angehender Diakon und Radiomoderator bei Camillo 94,9).
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Der Gottesdienst heute hat das Thema "You
and me" - Du
und ich - Gott und ich?
Wir haben gerade im Anspiel gesehen, Du und ich - also zwischen
meinen Freunden und mir kann viel laufen. Da kommt der Eine und nimmt mich zum Fußballspielen
mit - da hab ich jemand anderen bei dem ich mich ausheulen
kann wenn`s mir nicht so gut geht. Wir haben also Menschen die uns im Leben begleiten. Die
mir im Leben auch weiterhelfen können.
Das Thema heute heißt " Du und ich" und es geht weiter - Gott und ich - Fragezeichen.
Und auf dieses "Gott und ich - Fragezeichen" möchte ich mal bißchen kucken.
Was ist mit diesem Fragezeichen. Was ist Gott für mich? Wie siehts aus mit Gott und mir?
In der Vorbereitung auf diese Predigt ist mir eine Geschichte in die Hände gefallen, die
eigentlich ganz gut zu unserem Thema heute paßt.
Da geht`s um zwei junge Leute, die sich ineinander verlieben und irgendwann ist es soweit,
sie beschließen zu heiraten. Die Frau kommt aus einem ziemlich reichen Elternhaus und
genau in dieses Haus wird der junge Mann eingeladen und will nun bei den Eltern um die Hand
ihrer Tochter anhalten. Er hat sich
extra einen neuen Anzug gekauft, hat Blumen besorgt, hat sich zur Abwechslung auch mal gewaschen
und sauber frisiert steht er nun vor dem Haus der Eltern. Die Tür geht auf und alle zurechtgelegten
Worte, alles was er sich so ausgedacht hat, um sein Anliegen loszuwerden - alles ist wie weggefegt.
Schließlich spricht er von
einem ungeheuren Zug, der immer stärker wird, daß er sich so zu dem Mädchen
hingezogen fühlt, daß er um die Hand der Tochter bitten möchte. Der zukünftige
Schwiegervater legt ihm die Hand auf die Schulter, lächelt und fragt: "Dieser Zug
von dem sie da sprechen, ist das ein Güterzug oder ein Personenzug?"
Wie ist das? Ist Gott für uns nur der Geber, der "Wunscherfüller" und unsere
Beziehung zu ihm eigentlich nur ein Güterzug? Ist unser Glaubensleben, besteht unser Christsein
nur aus der Tatsache, daß wir es nur für die gute Note bei der nächsten Klassenarbeit
brauchen. Ist Gott für uns nur der Güterzug, derschließlich zu helfen hat wenn
wir ihn brauchen? Hat er doch gesagt! Oder ist Gott unser Herr und Vater, unser Freund, eine
vertraute Person und unsere Beziehung zu ihm ist ein Personenzug - und sie ist persönlich
- auf Du und Du? Klar schickt uns Gott jede Menge Güterzüge, schaun wir nur einmal
in die Natur, er schenkt uns unser Leben, er schenkt uns Zeit und wenn wir uns hier in Deutschland
umschauen...wir leben wirklich nicht in großer Armut. Aber es gab einen Punkt, undes
gibt ihn immer noch da kommt der Personenzug Gottes. Gott wurde persönlich, er erniedrigte
sich selbst und wurde Mensch. Er hat uns damit seine Liebe erklärt, er trug unsere Schuld,
er teilte unser Leiden und starb unseren Tod, einen Tod
den eigentlich wir verdient hätten. Und fegen wir mal nicht zu schnell über diese
Tatsache hinweg. Und bleiben wir mal ganz genau bei diesem Leiden und Sterben...Ostern ist
jetzt gerade mal ein paar Tage vorbei...und versetzen uns einmal in die Situation im Garten
Gethsemane. Jesus kämpft hier knallhart...die
Bibel sagt er hat Blut und Wasser geschwitzt, er hat gezittert weil er wußte, daß
er sterben wird. Gar nicht so der Aktionheld der im Stil von Arnold Schwarzenegger die bösen
Terroristen um die Ecke bringt. Für Jesus ist das ein knallharter Kampf um Leben und Tod.
Ich glaube wir sind immer viel zu schnell bei der Auferstehung, wir sehen den auferstandenen
Jesus, der mit ausgebreiteten Armen da steht und triumphiert weil er den Tod überwunden
hat und überspielen sehr schnell die vorausgegangene Situation. Wir sehen schnell daran
vorbei was da wirklich abging. Wir sehen weg von diesem Jesus der Blut und Wasser schwitzt,
der vor Angst zittert, der geschlagen wird, der verspottet wird, der gekreuzigt wird. Aber
der trotz alledem sagt: "Vater, nicht mein Wille sondern Dein Wille so geschehen".
Und der selbst am Kreuz noch für seine Mörder betet und für sie um Vergebung
bittet. Das ist aufopfernde Liebe. Das ist Gottes Personenzug an uns, Gottes Liebesbrief an
uns Menschen. Kommen wir zurück zum Thema: "Gott und ich?"
- wie sieht das mit diesem Personenzug Gottes in unserem Leben aus? Lassen wir ihn vorbeirauschen,
winken vielleicht noch einmal, weil es ja doch ein schöner Zug ist, aber eigentlich haben
wir ja nichts damit zu tun - unser Leben bleibt davon unberührt. Nehmen wir den Zug gar
nicht wahr und lassen diese Tatsache gar nicht an uns heran? Gibts doch gar nicht - kann doch
gar nicht sein.
Gott und ich? Diese Frage möchte ich heute abend jedem Einzelnen in diesem Raum stellen.
Und hier geht es mal nicht um Deinen Nachbarn, Deine Eltern, Schulkameraden oder Arbeitskollegen
- es geht nicht um Kreuzzüge oder was Kirche irgendwann einmal falsch gemacht hat. Heute
abend geht es um Dich persönlich und möchte Dir die Frage stellen: Gott und Du ?
Hast Du Deinen Frieden mit Gott gemacht? Kannst Du das wirklich sagen: Gott und ich? Oder gibt
es da eigentlich nur Dich und Gott ist so bißchen in der Einkauftasche neben dran dabei
- so bißchen christliche Musik hören ist doch ganz schön, so bißchen
im GospelPopChor singen ist doch ganz toll, so bißchen Jugendgruppe ist doch ne ganz
coole Sache....nichts gegen christliche Musik und auch nichts gegen den GospelPopChor...ich
werde mich hüten. Aber wir müssen die Frage zulassen, ist Gott ein nur Programmpunkt
in unserem Leben. Reduzieren wir Gott auf Mittwoch 18.00 Uhr, einmal die Woche, naja und Sonntag
morgens 9.00 Uhr, fast vergessen...da war ja auch noch was. Oder ist Gott der Programmchef
in unsrem Leben. Was machen wir mit diesem Liebesbrief Gott an uns? Werfen wir gleich weg?
Lesen wir ihn, räumen ihn aber dann schnell in eine Schublade um ihn ab und zu an Ostern,
Weihnachten und sonstigen schönen Feiertagen wieder herauszukramen? Oder stellen wir uns
dieser bedingungslosen Liebe?
Ich weiß nicht wer von euch, den Film "der Soldat James Rian" gesehen hat.
Kurzer Aufriss um was es da geht. Der Film spielt im zweiten Weltkrieg. Eine
amerikanische Mutter hat zwei Söhne an der Front verloren und somit soll nun der dritte
Sohn von der Front abgezogen werden - er darf also nach Hause. Man weiß allerdings nicht
wo genau er sich in der Normandie befindet und somit wird eine Truppe zusammengestellt die
ihn finden soll. Die Soldaten kämpfen sich durch und mit einigen Verlusten finden sie
dann zu guter letzt den Soldaten James Rian - ganz
zuletzt wird der Kommandant der Einheit lebensgefährlich verletzt - und in seinen letzten
Worten spricht er mit dem Soldaten James Rian und sagt ihm: "Versprich mir, daß
Du dich ehrwürdig erweist. Ehrwürdig denen gegenüber die ihr Leben gelassen
für Dich gelassen haben um dich hier herauszuholen - Nutze diese zweite Chance - erweise
Dich als ehrwürdig - beweise, daß Du es Wert warst...
Erweisen wir uns ehrwürdig Jesu Tod gegenüber? Sicher beweisen müssen wir nichts!
Bei Gott gibt es kein ich stell mich gut dar. Aber nehmen wir diese zweite
Chance an? Lassen wir diesen Liebesantrag Gottes in unserem Leben zu? Oder wollen wir auf biegen
und brechen bloß keine Schwachheit zeigen, nur nicht
zugeben, daß wir diese Liebe bitter nötig haben. Diese Liebe die heilt, diese Liebe
die verändert, diese Liebe die sogar bis in den Tod geht! Wenn wir auf diesen Liebesantrag
Gottes mit Liebe antworten und eine persönliche Beziehung zu dem lebendigen Gott finden,
dann wird sich das auch auf unsere Beziehungen
untereinander auswirken. Dann kann ich diese Liebe weitergeben. Wie ist das? Wir diskutieren
über Weltfrieden regen uns darüber auf was im Kosovo geschieht. Haben aber selber
keinen Frieden mit uns selber, keinen Frieden mit Gott, keinen Frieden mit unserem Nachbarn.
Gott will uns diese Liebe schenken.
Diese Liebe kann ich aber nur in einer intimen Beziehung zu ihm erfahren. Eine Beziehung die
auf Liebe gegründet ist, die nicht auf Profit aus ist, eine Liebe die nicht auf das schaut
was hinten dabei rausspringt, eine bedingungslose Liebe.
Ein Gedicht von Elli Michler drückt sehr sehr schön aus, was Liebe in meinem Leben
bewirken kann:
Wo Du geliebt wirst kannst Du getrost alle Masken ablegen,
darfst Du Dich frei und ganz offen bewegen.
Wo Du geliebt wirst zählst Du nicht nur als Artist,
wo Du geliebt wirst, kannst Du so sein wie Du bist.
Wo Du geliebt bist, mußt Du nicht immer nur lachen, kannst es auch wagen traurig zu sein.
Wo Du geliebt wirst, darfst Du auch Fehler machen,
und Du bist trotzdem nicht häßlich und klein.
Wo Du geliebt wirst, darfst Du auch Schwächen zeigen
oder den fehlenden Mut, brauchst Du die Ängste nicht
zu verschweigen
wie das der Furchtsame tut.
Wo Du geliebt wirst, darfst Du auch Sehnsüchte haben,
manchmal ein Träumender sein, und für Versäumnisse,
fehlende Gaben, räumt man Dir mildernde Umstände ein.
Wo Du geliebt wirst, brauchst Du nicht ständig zu
fragen
nach dem vermeintlichen Preis, Du wirst von der Liebe
getragen,
wenn auch unmerklich und leis.
Gott hat uns in Jesus einen Liebesantrag gemacht. Sein größtes Bedürfnis ist
die Beziehung zu uns Menschen. Wenn ich in meinem Leben sagen kann: Gott und ich - und das
ganze nicht mit Fragezeichen sondern mit Ausrufezeichen, dann hat das nichts damit zu tun,
daß ich nun unmündig und geknechtet durchs Leben laufe.
Gott will der Programmchef in unserem Leben sein und das wird unser Leben frei machen, daß
wird Verletzungen in unserem Leben heilen, daß wird dann Leben sein. Das ist dann keine
theoretische Sache mehr, sondern Realität in unserem Alltag. Gott und ich - Gott kann
und will Realität in unserem Alltag werden - ohne eine Vorleistung von uns. Die Frage
ist lassen wir das zu, vertrauen wir auf den Zuspruch Gottes, nehmen wir seine Liebe an. Diese
Liebe die unser Leben
verändern kann, eine Liebe, die nicht von uns kommt, aber die in uns ist - und die wir
dann auch anderen weitergeben können.
Ich wünsche uns immer wieder den Mut zu diesem Schritt - uns selber vielleicht nicht ganz
so wichtig zu nehmen. Ehrlich mit Schwachpunkten in unserem Leben
umzugehen. Ich wünsche uns das Bedürfnis, den Hunger nach der Begegnung mit einem
lebendigen Gott. Ich wünsche uns, daß wir diese Liebe dann auch weitergeben - weitergeben
an Leute die nie diese Liebe erfahren
durften. Und ich wünsche uns ein Herz, daß diese Worte Jesu "Komm folge Du
mir nach" hört, begreift und bereit ist für ein Leben mit einem lebendigen Gott.
Das ist Leben.
GOTT UND ICH - AUSRUFEZEICHEN.
AMEN
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